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Rogue
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Veröffentlicht in : Filme, R


Rogue

„Als Schauspieler wollten wir alle von dem Krokodil aufgefressen werden.“ (Radha Mitchell)

AUS/USA 2007 / O: „Rogue“ / Prod.: Dimension Films; Village Roadshow Pictures; Emu Greek Pictures / Laufzeit: 89 Min. / FSK: ab 16 

Regie + Buch: Greg McLean / Musik: Francois Tetaz / Kamera: Will Gibson / Schnitt: Jason Ballantine / Ausf. Prod.: Bob Weinstein, Harvey Weinstein, Robert Kirby, Joel Pearlman / Prod.: Greg McLean, Matt Hearn, David Lightfoot 

Darsteller: Radha Mitchell (Kate Ryan), Michael Vartan (Pete McKell), Sam Worthington (Neil Kelly), Barry Otto (Merv), John Jarratt (Russell), Caroline Brazier (Mary Ellen), Stephen Curry (Simon), Celia Ireland (Gwen), Heather Mitchell (Elizabeth), Geoff Morrell (Allen), Robert Taylor (Everett Kennedy), Damien Richardson (Collin), Mia Wasikowska (Sherry)

                                                                                                                    

Zugegeben, mit gefräßigen Krokodilen wird man die Massen sicherlich kaum zu Begeisterungsstürmen hinreißen können und doch ist die Renaissance des Kroko-Horrors in den vergangenen Jahren (CROCODILE; CROCODILE II; LAKE PLACID; LAKE PLACID II; FÄHRTE DES GRAUENS) ein Beweis dafür, das doch ein gewisser Nachfragebedarf besteht. Gut, Monsterfilme im Allgemeinen und Tier-Horror im Besonderen laufen immer gut, selbst wenn die Genre-Formeln noch so austauschbar sind. Da dürfen auch mal Exoten wie ein Aal (ANGIRALUS) zuschnappen. 

Ein gefräßiges Riesenkrokodil – das ist die Thematik, die Greg McLean nach dem umjubelten Debüt WOLF CREEK für seinen zweiten Film gewählt hat. ROGUE ist damit neben BLACK WATER (von David Nerlich & Andrew Traucki) der zweite australische Kroko-Schocker im Jahre 2007. Schon in seinem Erstling zeigte McLean eindrucksvoll, wie man aus einer allseits bekannten Situation, die man schon x-mal gesehen hat (drei junge Touristen geraten im australischen Outback in die Fänge eines sadistischen Psychopathen), einen spannenden und fesselnden Thriller macht, der einem in Atem hält. Auch in ROGUE hält sich der Originalitätsgehalt zumindest was die Story betrifft in Grenzen, kennt man die Ausgangslage aus so vielen anderen Filmen, ob nun mit oder ohne Krokodil: Ein Boot voller Touristen, eine Art Wasser-Safari-Ausflug, das unbeabsichtigte Eindringen in das Revier eines sehr, sehr großen Krokodils, das mit einem kräftigen Rumms auf sich aufmerksam macht. Soll heißen: Eindringlinge unerwünscht! 

Im Grunde genommen funktioniert ROGUE auf die selbe Weise wie WOLF CREEK: McLean lullt den Zuschauer mit prächtigen und überwältigenden Bildern der australischen Wildnis ein, das ist wie National Geographic im Kino, nur eben das ROGUE zumindest hierzulande in keinem Kino lief. Dabei hätten allein schon die wundervollen Bilder die große Leinwand verdient gehabt. Im Gegensatz zu vielen anderen seiner Horror-Kollegen versteht es McLean, eine reizvolle, idyllische Landschaft als ein Ort des Horrors entpuppen zu lassen. Das hatten schon in den 50ern Regisseure wie Jack Arnold (TARANTULA; DER SCHRECKEN VOM AMAZONAS) und Gordon Douglas (FORMICULA) begriffen.  

Wo man noch eben entzückt die Digi-Cam zückte, um dieses unberührte Stückchen Natur für die daheim Gebliebenen festzuhalten, sorgt mit einem Mal ein gigantisches Krokodil für Panik und Entsetzen. Das Boot ist schrottreif, man rettet sich auf ein Stückchen Land, doch dieses entpuppt sich als Gezeiteninsel, die schon sehr bald vom Wasser verschluckt wird. Wo ganz nah am Wasser ein Mann stand, ist da auf einmal niemand mehr, nur ein kurzes Glucksen und Blubbern ist noch zu hören. McLean versteht es bei diesem Kroko-Terror auch die äußeren Umstände überzeugend einzusetzen, brütende Hitze und lästige Insekten gestalten die angespannte Situation nicht unbedingt erträglicher. Dunkelheit und eine geradezu bedrohliche Stimmung machen sich breit. Und natürlich auch hier: keine Hilfe weit und breit in Sicht. Wenn der Stadtmensch der Wildnis ausgeliefert ist. 

Der Stadtmensch hier heißt Pete McKell (Michael Vartan, ONE HOUR PHOTO), ein amerikanischer Journalist, der für einen Reiseführer über Hotels und Strände schreibt, von einem Überlebenskampf in der australischen Wildnis war da nicht die Rede gewesen. Nun muss sich der smarte und schick gekleidete Reise-Reporter auch noch als Held erweisen. Bootslenkerin Kate (Radha Mitchell, PITCH BLACK; SILENT HILL), die sympathische Einheimische, die Touristen aus der ganzen Welt durch ihre Heimat, die sie nie verlassen hat, schippert, versucht in dieser Lage den Überblick zu behalten, während ihr garstiger Ex (Sam Worthington, demnächst in TERMINATOR: DIE ERLÖSUNG und James Cameron’s SF-Kracher AVATAR zu sehen) einen Rettungsweg entdeckt, der sich im nachhinein als äußerst fatal erweist.

Sicherlich darf man in so einem Film keine tiefenpsychologische Charakterisierungen erwarten und doch interessiert sich McLean zumindest in dem Maße für seine Figuren, das man die Touristen-Truppe nicht ausschließlich als potentiellen Kroko-Happen sieht. Die hysterische Angstjule hätte man in einem anderen Film am ehesten im Maul des Krokodils gesehen. Aber: Menschen, die in Panik geraten, verharren manchmal mal in einer Angststarre, können nicht weiter, obwohl der Ausweg so nah erscheint. Angst, Hilflosigkeit und Zorn resultieren aus dieser Situation und genau da verhalten sich Menschen mitunter ziemlich dumm.

                                                                                                                       

Ein Tobe Hooper hatte in seinem billigen CROCODILE-Mißgeschick dem nicht viel entgegen zu setzen, da blieben eben nur blutige Fressattacken und zerteilte Leiber in Großaufnahme übrig, sozusagen als Highlights, um die Massen bei der Stange zu halten. Wer sich solche Szenen in ROGUE erhofft, wird enttäuscht sein, zumal das Cover der Kinowelt-DVD irreführend einen „…kompromisslosen Creature-Horror der besonders blutigen Art“ verspricht. Und genau das ist ROGUE nicht. Fragt sich, ob die Leute, die solche Sachen da drauf schreiben, die Filme auch vorher anschauen. Weder abgetrennte Körperteile, noch das Krokodil an sich, das erst nach über eine Stunde in Großaufnahme zu sehen ist, stehen im Mittelpunkt, vielmehr die Reaktionen darauf: nämlich die Angst vor einem unbezwingbaren, zunächst unsichtbaren Gegner. Mit dieser Atmosphäre der Bedrohung (unterstützt durch den adäquaten Score) schafft McLean weitaus mehr als jeder herausgerissene Arm.  

Zum Schluss verlagert er den Schauplatz (Höhlen-Horror á la THE DESCENT) zugunsten eines packenden Finales „Mensch vs. Monster“ und büßt auch da nichts von seiner Intensität ein, wenngleich dort der Realismus flöten geht. Insgesamt betrachtet kann ROGUE für sich wirklich in Anspruch nehmen, der beste Krokodil-Film zu sein, der jemals gedreht wurde. Dagegen sieht Lewis Teague’s betagter HORROR-ALLIGATOR wie eine Eidechse aus.   

  • Nicht leicht zu entdecken: John Jarratt, der in WOLF CREEK den dämonischen Psychopathen verkörperte und hier als trauernder Witwer mit Schnurbart, Brille und Fischermütze kaum wieder zu erkennen ist.

 

 


   

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