Proteus - Das Experiment
Es ist unglaublich, aber es gelang uns synthetisches DNA zu entwickeln. Sozusagen ein Instant-DNA. Wir nannten es:
PROTEUS
GB 1995 / O: "Proteus" / dt.: "Proteus - Das Experiment" / Laufzeit: 92 Min. (uncut) / FSK: ab 18
Regie: Bob Keen/ Musik: David A. Hughes, John Murphy/ Kamera: Adam Rodgers/ Schnitt: Liz Webber/ Ausf. Prod.: Barry Barnholtz, Alan Martin, Alasdair Waddell / Prod.: Paul Brooks/ Buch: John Brosnan / LV: Harry Adam Knight [= John Brosnan]
Darsteller: Craig Fairbrass (Alex), Toni Barry (Linda), William Marsh (Mark), Doug Bradley(Mr. Brinkstone), Jennifer Calvert (Rachel), Ricco Ross (Buckley), Nigel Pegram (Dr. Shelley), Margot Steinberg (Christine), Jordan Page(Dr. Carol Soames) u.a.
Bob Keen - man kennt ihn vornehmlich aus der Special-Effects-Abteilung, wo er als ein Meister der Make-up-Kunst unvergleichliche Monstrositäten und Verwandlungseffekte kreierte. In dieser Funktion betreute er u.a. die Clive-Barker-Klassiker HELLRAISER (1987) und NIGHTBREED (1990), die Sequels HELLBOUND - HELLRAISER II (1988) und HELLRAISER III (1992) sowie Anthony Hickox' WAXWORK I + II (1988/92), EVENT HORIZON (1997), ISOLATION (2005) u.v.a.m. Nun zählt Bob Keen aber eben auch zu jenen Leuten aus der SFX-Branche, die mal unbedingt irgendwas mit "Regie" machen wollten. Aus diesem künstlerischen Entwicklungsprozess, der für die Filmwelt (oh, wie überraschend) keinerlei Bedeutung haben sollte, gingen bislang acht Regiearbeiten unter der Fuchtel von Bob Keen hervor. Dazu zählen die familienfreundliche Fantasy-Comedy TO CATCH A YETI (1995, mit Meat Loaf!), die Arthur-Conan-Doyle-TV-Verhohnepiepelung THE LOST WORD (1998), seine bislang (?) letzte Regiearbeit HEARTSTOPPER (2006, mit Robert Englund) - und natürlich sein fröhlich vor sich hin mutierendes Monster- und Kuriositätenkabinett mit den geneverpfuschenden Titel: PROTEUS - DAS EXPERIMENT. Der Film mit dem 90-er-Jahre-Videothekenbonus.
Eine unheilvolle, klagende, für manchen vielleicht auch nur furchtbare Musik ruft den Schrecken geradezu herbei...
Und darum geht's: um eine Gruppe doofer Drogen-Dealer, die ihre schicke Yacht mitsamt der teuren Fracht (600 Kilo Koks) auf dem offenen Meer versenkt, sich auf eine scheinbar verlassene Bohrinsel rettet, wo aber mal wieder der genmanipulierte Monsterkram so völlig außer Rand und Band ist.

Charaktere, Figuren, Protagonisten, Personen ... kommen in dem Sinne nicht vor, viel mehr das übliche B-Movie-Personal, vornehmlich verkörpert von Darstellern aus der 2. und 3. Reihe. Angeführt wird der No-Name-Cast von Craig Fairbrass, der einer der Killer in CLIFFHANGER war, inzwischen für Dr. Uwe Boll den Nebenrollen-Kasper (FAR CRY) macht und hier als Mucki-Macho mit Knarre und Grips als einziger den Durchblick hat. Wenn er zum Schluss seine Undercover-Cop-Zugehörigkeit offenbaren darf, wird diese billig produzierte Klischee-Maschinerie einmal mehr komplettiert - Spoiler-Warnungen sind bei so einem vorhersehbaren Gewimmel längst zwecklos. Die Trash-Gemeinde wird aber bei Laune gehalten: Zunächst latscht man durch die üblichen schmuddeligen Gänge und kommt dann irgendwann in das, was ein Labor darstellen soll, wo man nicht nur Taschenlampen gegen Knarren eintauscht, sondern anhand von DNA-Profilen (die liegen da so rum) und undefinierbarem Mutanten-Kram in Einmachgläsern zu der Schlussfolgerung gelangt, dass mal wieder ein paar übereifrige Forscher Genmanipulations-Lotto gespielt haben.
Der obligatorische Mad Scientist tritt auf und entpuppt sich als Namensvetter jener großen Schriftstellerin, die mal ein Monster namens FRANKENSTEIN herbei schrieb - und das wird auch diesen Heuler hier überleben. "Man nennt mich Dr. Shelley"- stellt der gute Mann sich vor und rät Fairbrass und seinen Trash-Lakaien die Bohrinsel schnellstens zu verlassen, denn "Charlie" treibt sein Unwesen...
Das ist nicht der durch Zärtlichkeiten mit Freunden bekannt gewordene Musikschüler Rico Rohs aus Oppitzsch, dafür aber sein Beinahe-Namensvetter Ricco Ross (OCTOPUS), der in Cameron's ALIENS den mit Knarre und Großmaul bestückten Army-Fuzzi gab und hier als vor sich hinmutierender Wachmann eine Abhandlung von "schauspielerischer Wandlungsfähigkeit" zum besten geben darf.
Und da sind wir mittendrin, was der Videotheken-Horror der 90er Jahr zu bieten hatte: Wo genmanipulierte Gruselgestalten und heimtückische Gestaltenwandler durch die Korridore huschen und unqualifizierte Darsteller ihr tristes Nebenrollendasein aufzupeppen versuchen, um wenigstens mit einer netten Sterbeszene gesegnet zu sein oder darauf hoffen sich "in irgend was komisches" verwandeln zu dürfen. Der unsympathische Muskelprotz Craig Fairbrass versuchte sich in einen Helden zu verwandeln - heldenhaft ist seine Darstellung jedenfalls nicht. Im blutigen Monster- und Mutantenfinale hat der neben ihm hier einzig wirklich bekannte Schauspieler einen mal wieder maskierten Kurzauftritt: "Pinhead" Doug Bradley (HELLRAISER: DEADER; HELLRAISER: HELLWORLD) als uralter Mr. Brinkley, der einfach nicht sterben will. Das klingt hier interessanter als es letztendlich ist, denn schließlich bekommt er auch nur vom guten Dr. Shelley, der als riesige, obskure Hai-Fisch-Monster-Mutation über sich hinaus wächst, den Hals gewürgt.
Zum würgen mag der eine oder andere diesen Querschnitt diverser Versatzstücke aus dem Genre-Kino der vorangegangenen Jahre finden: ALIEN; DAS DING; THE HIDDEN; LEVIATHAN. Egal, ich finde dieses amüsante Teil, trotz oder wegen der Klischees, vorhersehbaren Wendungen und den eher mittelprächtigen Effekten noch ganz unterhaltsam. Was letzteres betrifft: Als "von Hand gemachte" Effekte wissen sie aber immer noch besser zu gefallen als der CGI-Kram von heute.
Umgekehrt dürfte PROTEUS ja sogar den einen oder anderen Filmemacher inspiriert hat: der Hai als DNA-Versuchsobjekt begegnete uns in SHARKMAN wieder, wo Jeffrey Combs die Gene seines Sohnes mit denen eines Hammerhais kreuzte. Und die Ölbohrplattform tauchte als Horrorschauplatz im erbärmlichen PARASITE wieder auf, ein unglückseliges Stück Film, das zu großen Teilen durch den Computer gereiert wurde.
In Erinnerung soll noch mal der tolle Klappentext der damaligen VHS-Verleihcassette von VPS Video gerufen werden: "Es wird bewusst darauf verzichtet, das Monster in seiner ganzen Abscheulichkeit abzubilden, um den Effekt im Film noch zu verstärken", wird da geprahlt.
Und dann kommt man doch nicht umhin, mit diversen Fratzen, Masken und Mutanten-Schabracken aufzuwarten, dazu gibts noch Metamorphosen, Glibberschleim und Monsterkot. Im Finale nimmt der Schrecken, ganz Cthulhu-mäßig, Gestalt an: als riesiges Haifisch-Mutanten-Viech mit Tentakeln und Reißzähnen-Maul, aus dem die Stimmen der Opfer klagevoll jammern. Ein Szenario, das irgendwo zwischen bizarr und ulkig liegt, noch dazu, wenn das Ungetüm seinen Kopf hin und schwenkt, so wie ein Elefant mit Schüttellähmung. Der Effektspezialist Bob Keen wird sich auch geschüttelt haben, als ihm der Regisseur Bob Keen mitteilen musste, dass er hier mit nicht sehr viel Budget auskommen muss. Einer der unzähligen B-Movie-Handicaps. Was auch die 08/15-Dramaturgie betrifft: Das die gesamte Geschichte zu Beginn in Form einer Rückblende eingeläutet wird, spielt zum Schluss keine Rolle mehr.
Im Angesicht vom Horror, der in der Realität von Bohrinseln ausgeht, noch ein Kommentar, den irgend so eine Uschi in der Mitte des Film von sich gibt: "Vielleicht haben die hier versucht umweltfreundliches Öl herzustellen..?"
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Aktualisiert (Donnerstag, den 05. August 2010 um 18:34 Uhr)


















