Frauen hinter Zuchthausmauern
USA / Philippinen 1971 / O: "Woman in Cages" / AT: "Sexfieber" / Laufzeit: 78 Min. / FSK: ---
Regie: Gerry De Leon / Musik: Tito Arevalo / Kamera: Felipe Sacdalan / Prod.: Ben Balatbat, ungenannt: Roger Corman, Cirio H. Santiago / Buch: David Osterhout, Jim Watkins
Darsteller: Pam Grier (Alabama), Judy Brown (Sandy), Roberta Collins (Stoke), Jennifer Gan (Carol "Jeff" Jeffries), Sofia Moran [ungenannt] (Theresa), Bernard Bonnin (Acosta), Charlie Davao (Rudy) sowie [ungenannt] Paquito Diaz, Nick Cayari, Marissa Delgado u.a.
Die Grindhouse Collection aus dem Hause Subkultur Entertainment, welches sich zur glorreichen Aufgabe gemacht hat, die Schmutz- und Schundspektakel aus dem verrufenem Bahnhofskino wieder ans Tageslicht zu zerren, geht in die dritte Runde. Nach dem Mad-Scientist-Klopper ASTRO ZOMBIES und dem Double Feature DIE BESTIEN / DER SCHLÄCHTER sollte die Reihe ursprünglich mit dem Monsterspektakel DRAKAPA fortgesetzt werden, doch entschied man sich dafür, dem Women-in-Prison-Trash FRAUEN HINTER ZUCHTHAUSMAUERN aus dem Jahre 1971 den Vorzug zu geben.
Zunächst befinden wir uns auf den Philippinen mitten in einem Hahnenwettkampf, wo sich die naive Carol von ihrem dubiosen Lover ein Päckchen Heroin unterschieben lässt und prompt dafür 10 Jahre Knast kassiert. So wird sie also auf einer philippinischen Besserungsanstalt für aufmüpfige Frauen eingebuchtet und muss mit Rotschopf Sandy (Judy Brown), der drogenabhängigen Blondine Stoke (Roberta Collins, EATEN ALIVE, 1977) und der scheinbar privilegierten Theresa (Sofia Moran) die Zelle teilen. Letztere hält sich bereit für heiße Liebesspielchen mit der sadistischen Oberaufseherin: Alabama (Pam Grier, FORTRESS II, 1999), die ein hartes Regiment führt und schon mal die Peitsche schwingt. Und wer überhaupt nicht parieren will, wird ins "Spielzimmer" geführt: ein Folterkeller, in dem es schon mal etwas härter zur Sache geht. Nach diversen Demütigungen und Misshandlungen schließen die unterschiedlichen Damen sich zusammen und planen die Flucht...

22 Jahre jung war Pam Grier, als sie 1971 die Rolle der sadistischen Knastaufseherin in diesem sleazigen Exploitation-Schund mit dem vielversprechenden deutschen Titel FRAUEN HINTER ZUCHTHAUSMAUERN verkörperte. Nach ihrem Filmdebüt 1970 in Russ Meyers BLUMEN OHNE DUFT (zu dem die Filmkritikerlegende Roger Ebert das Drehbuch schrieb) wurde sie von Roger Corman entdeckt, der sie für die Frauenknastfilme THE BIG DOLL HOUSE, dem hier vorliegendem WOMAN IN CAGES (beide 1971) und THE BIG BIRD CAGE (1972) engagierte. So richtig zur Legende wurde sie, vollbusig und schlagkräftig, aber als weibliches Aushängeschild des Blaxploitation-Kinos, welches ab den frühen 70ern florierte und brillierte in Kultfilmen wie Jack Hills COFFY - DIE RAUBKATZE und FOXY BROWN (beide 1974), in der grottigen BLACULA-Fortsetzung DER SCHREI DES TODES (SCREAM, BABY, SCREAM, 1973) sowie SHEBA, BABY (von William Girdler), BUCKTOWN und FRIDAY FOSTER (alle 1975).
FILMKRITIKER ... äh... FRAUEN HINTER ZUCHTHAUSMAUERN ist einer der ersten Auswüchse des Subgenres "Woman in Prison", wo der reine Exploitation-Charakter, also die Ausbeute von Sex und Gewalt, herausgekehrt wurde. Das Resultat: eine ganze Reihe von haarsträubenden Nachahmern. Na danke auch. Sogenannter "Höhepunkt" dürften hier die unsäglichen ILSA-Filme sein, wobei der Auslöser des Ganzen, der Heuler ILSA, SHE WOLF OF THE SS aus dem Jahre 1975, die Standorte "Frauenknast" und "Konzentrationslager" mit den üblichen WIP-Klischess und der Nazi-Thematik auf infantile Weise kreuzte.
Im Bereich des Frauenknastfilms nimmt WOMAN IN CAGES schon fast eine Vorreiterrolle ein. Wem also die RTL-Lesbenknastsaga HINTER GITTERN zu seifenopernlastig ist, dem bietet diese infantile Ausgeburt des Exploitation-Kinos die entsprechenden Zutaten. Da wird gedemütigt, gefoltert und ausgepeitscht und auch sonst werden keine Prozeduren ausgelassen, die in all den Nachfolgefilmen, die Regisseure wie Jack Hill, Bruno Mattei oder Jess Franco auf das Publikum losließen, zu Klischees zelebriert wurden: neben entwürdigenden Prozeduren wie das bei der Einlieferung übliche Ausziehen, Abtasten und Entlausen kommen noch Gruppenduschen, Weiberfaustkämpfe, Intrigen, Mordanschläge und Lesbengefummel dazu.
Das letzte Drittel verbringt mit der Film mit Planung und Durchführung einer Flucht und verlegt die "Handlung" in die philippinische Dschungeltaiga, die hier auch nicht aufregender ist als ein Spaziergang durch den Riesaer Tierpark und wo die Knastinsassinnen mit Alabama als Geißel im Schlepptau von einer Horde aufgegeilter Kopfgeldjäger verfolgt und, zumindest zwei von ihnen, vergewaltigt werden. Was am Ende übrig bleibt ist die Zwangsprostitution - damit könnte man auch das Mitwirken in solchen Filmen erklären...
Pam Grier, Roberta Collins und Judy Brown ließen sich für THE BIG DOLL HOUSE dann noch mal unter der Ägide von Jack Hill in einen Frauenknast einbuchten. Die drei Damen konnten sich recht erfolgreich im Exploitation-Trash der 70er Jahre etablieren, wobei es Pam Grier war, deren Karriere auch heute noch anhält (Collins starb 2008, Brown hatte ihr letzte Filmrolle 1983). So wurde sie in den 90ern von Regisseuren wie John Carpenter (FLUCHT AUS L.A.; GHOSTS OF MARS) und Tim Burton (MARS ATTACKS!) wieder entdeckt und legte 1997 in Tarantinos JACKIE BROWN ein sagenhaftes Comeback hin. 1971 muss sich doch schon ein bisschen unter ihre Afro-Mähne verstecken, damit ihre fast noch jugendlichen Gesichtszüge nicht weiter auffallen und scheint mir gerade in Hinblick auf ihr junges Alter als "sadistische Frauenknast-Aufseherin" etwas fehlbesetzt. Nur wenig später konnte sie als Powerfrau in den oben genannten Werken weitaus mehr überzeugen.
Am wenigsten konnte die eigentliche Hauptdarstellerin, die 2000 verstorbene Jennifer Gan, von diesem Film profilieren und so verlief ihre eher unbedeutende Karriere schon bald im Sande.
Die DVD-Umsetzung von Subkultur Entertainment ist besser als der eigentliche Film. Die volle Bahnhofskino-Dröhnung bekommt man, wie bei den zwei bisherigen Veröffentlichungen der Grindhouse-Collection, wenn man nach dem Einlegen der Silberscheibe die Option "Grindhouse erleben" anwählt: dort gibt des die hinter den Zuchthausmauern dahinsiechenden Frauen in Kombination mit einer vorangestellten Trailerparade, mit der man sich das Bahnhofskino-Feeling ins heimische Heimkino holen kann. Neben zwei abstrusen Fake-Reklame-Spots hat man wieder diverse zerfledderte Trailer ausgebuddelt: Zu sehen gibt es hier die Vorschautitel zum Schmuddelfilmchen DUETT IM BETT, dem frühen David-Cronenberg-Klassiker PARASITEN-MÖRDER (1975), dem Actionschund HÄUTET SIE LEBEND - UNTERNEHMEN WILDGÄNSE (1978), gefolgt vom WIP-Vehikel DAS ZUCHTHAUS DER VERLORENEN MÄDCHEN (1974) und dem splattrigen Lucio-Fulci-Knaller DAS SYNDIKAT DES GRAUENS (1980). Alleine diese Zusammenstellung macht fast schon mehr Spaß als der eigentliche Hauptfilm. Der liegt übrigens hier in 2 verschiedenen Varianten vor: einmal in der US-Kinofassung (78 Min.) und dann noch mal in der deutschen Kinofassung (79 Min., mit separater Titelsequenz), die auch nur länger geht, weil sie mit einigen eher deplatzierten Pornoszenen angereichert wurde (darum auch der Alternativtiel SEXFIEBER). Letztere kommt in einem völlig zerschlissenem Bild, das sogar an einer Stelle nach oben rutscht und darunter ein anderes Bild sichtbar werden lässt, daher. So ist das halt im Grindhouse-Kino und so mögen wir es auch.
Zudem hat man hier, abgesehen von der englischen Tonspur, noch die Wahl zwischen der deutschen Kino- und der Videosynchronisation.
Insgesamt gesehen haben die Leute von Subkultur Entertainment jede Menge Liebe in ihre Veröffentlichung gesteckt. Als weitere Extras gibt es noch ein kurzes Interview mit Judy Brown, Trailer + US-Fernsehspot, eine Women-in-Prison-Trailerparade, eine Bildergalerie und ein Booklet, in dem Pelle Felsch (www.filmclub-bali.de.vu) auf informativ-amüsante Weise mit dem zweiten Teil von der "Geschichte des Grindhouse Kinos" erzählt.
4/10
-
"Wer die erste halbe Stunde übersteht, hat einen Orden verdient." (Rolf Giesen & Ronald M. Hahn, DIE SCHLECHTESTEN FILME ALLER ZEITEN)
-
"Ein Beitrag der Sex- und Sadismus-Welle der 70er Jahre." (LEXIKON DES INTERNATIONALEN FILMS)
Teilen
Set as favorite
Bookmark
Hits: 1214
Kommentare (0)

Kommentar schreiben
| < Zurück | Weiter > |
|---|
Aktualisiert (Freitag, den 10. Februar 2012 um 12:12 Uhr)

















