Freitag, der 13. (2009)
USA 2009 / O: "Friday the 13." / Prod.: Paramount Pictures; New Line Cinema; Platinum Dunes; Crystal Lake Entertainment / Laufzeit: 93 Min. / FSK: ab 18
Regie: Marcus Nispel / Musik: Steve Jablonsky / Kamera: Daniel C. Pearl / Schnitt: Ken Blackwell / Ausf. Prod.: Walter Hamada, Guy Stodel, Brian Witten / Prod.: Michael Bay, Sean S. Cunningham, Andrew Form, Brad Fuller / Buch: Damian Shannon, Mark Swift / Story: Damian Shannon, Mark Swift, Mark Wheaton, basierend auf Figuren kreiert von Victor Miller
Darsteller: Jared Padalecki (Clay Miller), Amanda Righetti (Whitney Miller), Danielle Panabaker (Whitney Miller), Travis Van Winkle (Trent), Derek Mears (Jason Voorhees), Aaron Yoo (Chewie), Jonathan Sadowski (Wade), Julianna Guill (Bree), Ben Feldman (Richie), Arlen Escarpeta (Lawrence), Ryan Hansen (Nolan), Nana Visitor (Pamela Voorhees), Richard Burgi (Officer Bracke), Chris Coppola (Tankstellenwächter) sowie Nick Mennell, Willa Ford, America Olivo, Kyle Davis, Rosemary Knower, Travis Davis u.a.
Und immer wieder ist FREITAG DER 13. Und das nun schon seit 1980, jenem Jahr, in dem Sean S. Cunningham just mit FREITAG DER 13. die Antwort zu John Carpenters HALLOWEEN (1978) lieferte. Abgesehen davon, dass Cunningham ein ebenso spannendes wie richtungsweisendes Werk inszenierte, mag für jene Kritiker, die sich mit dem Horrorfilm im allgemeinen und dem Slasherfilm im besonderem schon immer schwer taten, dieser FREITAG DER 13. wie ein rabenschwarzer Unglückstag für das Genre vorgekommen sein. Denn wo noch bei Hitchcock und Carpenter die Suspense im Vordergrund stand, waren es nun Mord und Totschlag, die zum zentralen Thema wurden. Und natürlich, wie man dies möglichst bestialisch, blutrünstig und grausam ausführen kann. Das Zelebrieren möglichst vielerlei kreativer Todesarten stand hier im Mittelpunkt - zusammen mit seinem glorreichen Antagonisten: Jason Voorhees, der unkaputtbare, Macheten schwingende Hockeymaskenträger vom Camp Crystal, der nervige Teenager dort reihenweise umniete. Und das äußerst erfolgreich: nämlich in insgesamt 9 Fortsetzungen, einem Spin/off und dem hier vorliegenden Remake. Im Laufe der Jahre durfte Jason sogar im Weltraum sein Unwesen treiben (JASON X, 2001), während er im Crossover FREDDY VS. JASON (2003) auf Schlitzerkollege Freddy Krueger aus der Elm Street traf.
Reichlich 5 Jahre später nun dieses Remake. Wo doch Horrorfilm-Remakes gerade so angesagt sind und auch Michael Myers von Rob Zombie mehr oder weniger erfolgreich reanimiert wurde (HALLOWEEN, 2007), war es unvermeidlich, Jason Voorhees, diese Gallionsfigur des Slasherfilms, in einer Neuverfilmung auferstehen zu lassen. Das Schlitzer-Revival wurde schließlich von Regisseur Marcus Nispel und Produzent Michael Bay arrangiert, die ja bereits Kettensägen- und Menschenhaut-Fetischist Leatherface erfolgreich über die Leinwand toben ließen (so geschehen in Michael Bay's TEXAS CHAINSAW MASSACRE, 2003, dem Remake von Tobe Hooper's TEXAS CHAINSAW MASSACRE, 1974), was einen regelrechten Remake-Boom von 70er-Jahre Slasher- und Horrorklassikern auslöste. Somit fühlten sich Nispel & Bay berufen diesen Jason Voorhees zu neuem Schlitzer-Dasein zu erwecken. Doch was in TEXAS CHAINSAW MASSACRE so prima klappte, ging hier mächtig in die Hose.

Wie ja der Slasher-Experte weiß, kam Jason Voorheers ja erst im zweiten Teil (FREITAG DER 13. - JASON KEHRT ZURÜCK, 1982, Steve Miner) zum ersten Mal wirklich zur Geltung, ist es doch seine liebe Mama gewesen, die damals im originalen FREITAG DER 13. ihr blutiges Unwesen trieb. Ja, damals war's, da hatte sie noch einen ganzen Film für sich alleine, hier läßt das Drehbuch von Damian Shannon und Mark Swift (die lustigerweise auch das Skript für FREDDY VS. JASON schrieben) sie gleich zu Beginn köpfen. Dementsprechend kopflos geht es weiter. Der leider nur Sekunden währende Mini-Auftritt von Nana Visitor als Jason's Mutter ist beispielhaft für die Einfallslosigkeit dieses Streifens - wozu sich mit einer Vorgeschichte und einer Hintergrundstory abplagen, wenn man gleich zum monotonen Abmurksen kommen kann. Dieser FREITAG DER 13. vom Dream-Team Nispel/Bay hat was von einer Tragikomödie: selbst im parodistisch angelegtem Crossover FREDDY VS. JASON war die ach so tragische Schicksalsgeschichte von Jason mit seiner traumatischen Kindheit besser ausgearbeitet und das will bei dem klamaukigen Charakter dieses ebenso haarsträubenden wie vergnüglichen Aufeinandertreffen der Slasher-Dinosaurier schon was heißen. Hier wird Jason Voorhees zu einer Karikatur seiner selbst degradiert, das Drehbuch läßt ihn durch den Wald holtern und poltern, seinen Auftritt absolvieren und wieder verschwinden.
Was von Nispel so großkotzig als Neuinterpretation angepriesen wurde, entpuppt sich als öde Anhäufung von billigen Klischees, lieblosen Effekten und den üblichen Stereotypen. Das hat wirklich etwas tragisches an sich: rein handwerklich (und budget-mäßig) mag zwar dieses Remake so mancher FREITAG DER 13.-Fortsetzung überlegen sein, wird aber trotzdem im Sumpf der Slasher-Monotonie untergehen, was kein Wunder ist, so unbeirrbar wie seine inkompetenten Macher am stupiden Serienschema F festhalten. Nispel's Inszenierung ist sauber und glatt, aber ohne jegliche Überraschungen. Dummerweise verwechselte er Action mit Horror und MTV's Videoclip-Ästhetik mit Atmosphäre; originelle Einfälle vermisst man ebenso jene kreative Mordsequenzen, die doch das Salz in der Slasher-Suppe sind. Bei diesem glanzlosen Hochglanz-Horror sehnt man sich förmlich nach dem guten, alten Old-School-Horror der 70er und 80er Jahre. Was mag Nispel mit dieser sogenannten Neuinterpretation wohl beabsichtigt haben? Wollte er vielleicht Landsmann Dr. Uwe Boll Konkurrenz machen? Da muß er sich noch ein bisschen anstrengen. Auch tragisch für Nispel, wenn man sich statt ihm Dr. Boll als Regisseur herbei sehnt. Man möchte gar nicht dran denken, wie dieses Remake da ausgesehen hätte... Nein, lieber nicht.
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Aktualisiert (Dienstag, den 29. Dezember 2009 um 19:17 Uhr)



















