Fluch von Siniestro, der
GB 1961 / O: „The Curse of the Werwolf“ / AT: „The Curse of Siniestro“; „The Wolfman“ / Laufzeit: 86 Min. / FSK: ab 16
Regie: Terence Fisher / Musik: Benjamin Frankel / Kamera: Arthur Grant / Ass. Prod.: Anthony Nelson Keys / Ausf. Prod.: Michael Carreras / Prod.: Anthony Hinds / Buch: John Elder (=Anthony Hinds) / LV: „The Werewolf Of Paris“ von Guy Endore
Darsteller: Oliver Reed (Leon), Clifford Evans (Alfredo Carido), Yvonne Romain (stummes Mädchen), Catherine Feller (Christina), Anthony Dawson (Graf von Siniestro), Josephine Llewllyn (Marquesa), Richard Wordsworth (Bettler), Michael Ripper (alter Säufer), George Woodbridge (Dominique), Warren Mitchell (Pepe Valiente), Ann Blake (Rosa Vallente), Hira Talfrey (Theresa), John Gabriel (Priester), Peter Salis (Don Enrique), Martin Matthews (José) sowie Ewen Solon, Justin Walters, David Concille, Charles Lamb u.a.
Nach dem die legendären britischen Hammer-Studios unter Federführung ihres Hausregisseurs Terence Fisher mit ihren Variationen der klassischen Universal-Monster "Frankenstein" (FRANKENSTEINS FLUCH, 1957; FRANKENSTEINS RACHE, 1958), "Dracula" (DRACULA, 1958) und "die Mumie" (DIE RACHE DER PHARAONEN, 1959) große Kassenerfolge erzielen konnten, wandte man sich 1961 einer Figur zu, mit der die Universal Studios in den 30er/40er Jahren nicht weniger erfolgreich waren: dem Werwolf.
Im Spanien des 18. Jahrhunderts gerät ein taubstummes Mädchen (Yvonne Romain) in die Fänge des sadistischen Grafen von Siniestro (Anthony Dawson). Seine sexuellen Begierden konnte sie abwehren, nicht jedoch seine abgrundtiefe Boshaftigkeit. Er sperrt sie in ein Verlies, in dem ein alter, behaarter Irrer (Richard Wordsworth) schon mehrere Jahre dahinvegetiert. Er vergewaltigt sie und stirbt daraufhin. Das arme Mädchen sinnt auf grausame Rache und tötet schließlich den wahnsinnigen Marquis. Neun Monate später bringt sie einen Sohn zur Welt, den sie Leon (Oliver Reed) nennt. Kurz darauf stirbt auch sie. Leon wird liebevoll von seinem Ziehvater (Clifford Evans) großgezogen. Doch das Schicksal sollte es auch ihm nicht leicht machen: Zum Mann herangewachsen, verwandelt sich Leon bei Vollmond in einen gefährlichen Werwolf – das „Erbe“ seines Vaters...

Es ist schon erstaunlich und für das Genre auch ungewöhnlich, wie viel Zeit man sich hier mit der eigentlichen Vorgeschichte lässt und so entfaltet sich DER FLUCH VON SINIESTRO in einer groß angelegten, fast schon epischen Werwolf-Tragödie mit traurigen Schicksalen und einer unglücklichen Liebesgeschichte. Hier kann nur die Liebe zu einer Frau, in diesem Fall zur hübschen Christina (Catherine Feller), für Leon die notwendige Erlösung bringen, was Fishers Variation zu einem der romantischsten Werwolf-Filme werden lässt. Das tragische an der Sache ist aber: nicht mal die Liebe kann das Schicksal abwenden, wenn erstmal die Bürgerwehr dazwischen funkt.
THE CURSE OF THE WERWOLF (so der Originaltitel) entstand in den Kulissen eines ursprünglich geplanten Filmprojekts über die spanische Inquisition, das jedoch auf Drängen der damaligen Zensurbehörde (und einem sich schon ankündigendem Grollen von Seiten der Kirche) kurz vor Drehbeginn verworfen wurde. Und so verlegte man die Handlung, die auf dem Roman "Der Werwolf von Paris" von Guy Endore basiert, von Frankreich nach Spanien.
Unter der routiniert-kompetenten Regie Terence Fishers erleben wir hier die komplette Lebens- und Leidensgeschichte eines Werwolfs und der ist, wie viele seiner lycanthropisch veranlagten Kollegen, eine tragische Figur: Wenn Leon sich bei Vollmond in einer haarige, gefährliche Bestie verwandelt und auf seinen nächtlichen Streifzügen Menschen tötet, so fehlt ihm am Morgen danach jegliche Erinnerung daran. Umso größer ist das Entsetzen über die eigenen monströsen Fähigkeiten. Der Werwolf war schon immer ein Opfer des eigenen Fluchs als ein Täter im eigentlichen Sinne, weswegen er trotzdem nicht umhin kommt für seine blutigen Taten zu büßen. Der damals 23jährige Oliver Reed, dem man nachsagte, dass er auch ohne Maske einem Werwolf ähnlich war, wenn er erstmal wütend wurde, brilliert in seiner Hauptrolle, nachdem er bereits kleinere Parts in Hammer's SCHLAG 12 IN LONDON und DAS SCHWERT DES ROBIN HOOD absolvierte und auch noch danach (bis etwa Mitte der 60er Jahre) für die legendäre Gruselfilm-Schmiede zur Verfügung stand.
Dem Film selbst war kein kommerzieller Erfolg beschieden, weswegen dies der einzige Werwolf-Film aus den Hammer-Studios blieb. Vielleicht vermisste das Publikum die bewährte Besetzung mit Christopher Lee und Peter Cushing, vielleicht lag es auch an den strengen Auflagen der Zensurbehörde, was zur Folge hatte das so manche Idee nicht verwirklicht werden konnte.
An manchen Stellen hätte etwas mehr Tempo gut getan, wobei insbesondere die Romantisierung der Werwolf-Thematik ein wenig zu kitschig daher kommt (und für heutige Verhältnisse reichlich altbacken und bieder wirkt). Dennoch zeichnet sich DER FLUCH VON SINIESTRO mit seinen satten, kräftigen Farben und der gewohnten atmosphärischen Dichte durch jene handwerkliche Sorgfalt aus, für die der Name Terence Fisher steht. Wer es etwas actionreicher und rasanter bevorzugt, dem sei (das meiner Meinung nach gelungene) Remake WOLFMAN empfohlen.
7/10
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"Zwar ist dieser Werwolffilm handwerklich ordentlich in Szene gesetzt worden und kann einen relativ hohen technischen Standard vorweisen, doch aufgrund der biederen Erzählweise der ansonsten eher blutrünstigen Geschichte ist DER FLUCH VON SINIESTRO nicht vollends überzeugend." (Frank Trebbin, DIE ANGST SITZT NEBEN DIR)
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"Spannend inszeniert!" (Michael Pawelczyk, HÖLLE AUF ERDEN)
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"Vor allem ist der Film ein Triumph sämtlicher Beteiligter. Unter Regisseur Terence Fishers unverkennbar kluger Leistung haben diese Spezialisten eine stimmungsvolle Produktion auf die Beine gestellt, die rein visuell zum Besten gehört, was der Horrorfilm aufzuweisen hat." (VARIETY)
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Kommentare (1)

Der Fluch von Siniestro
geschrieben von Fynn, September 13, 2011
geschrieben von Fynn, September 13, 2011
Es ist schade, das dies der einzige Werwolf Film von Hammer blieb. In meinen Augen war er einer der besten Hammerfilme überhaupt. Als ich ihn das erste Mal gesehen habe, da muß ich so 13, 14 gewesen sein, habe ich die ganze Zeit nur auf die Verwandlung gewartet. Aber der Film läßt sich Zeit für seine Geschichte und die Effekte verkommen dabei schon fast zum Zweck, sie zu erzählen. Es ist nicht spekulativ, nicht billig und die Charaktere sind gut ausgearbeitet dabei.
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Aktualisiert (Sonntag, den 05. Mai 2013 um 11:28 Uhr)


















