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"Bollschewisten aller Länder, vereinigt Euch!"


 

Deutschland / Kanada 2008 / O: "Far Cry" / Prod.: Boll Kg Productions; Brightlight Pictures / Laufzeit: 91 Min. (DVD, uncut) / FSK: ab 16

 

Regie: Dr. Uwe Boll / Musik: Jessica de Roji / Kamera: Mathias Neuhaus / Schnitt: Karen Potter / Ausf. Prod.: Avni Yerli, Cevat Yerli, Faruk Yerli / Prod.: Dr. Uwe Boll, Wolfgang Herold, Shawn Williamson, Daniel Clarke / Buch: Michael Roesch, Peter Scheerer, Masaji Takei

 

Darsteller: Til Schweiger (Jack Carver), Udo Kier (Dr. Krieger), Emmanuelle Vaugier (Valerie Cardinal), Natalia Avelon (Chernov), Ralf Moeller (Max), Craig Fairbrass (Parker), Michael Paré (Paul Summers), Chris Coppola (Emilio), Don S. Davis, Mike Dopud (Sgt. Ryder), Carrie Genzel (Laura), Jay Brazeau sowie Geoff Gustafson, Scott Cooper, Anthony Bourdain, Michael Teigen u.a.

 

Dr. Uwe Boll, Doitschlands Regie-Export Nummer 1, macht Filme wie ein fleissiges Bienchen. Vielleicht hat er einfach nur einen Stich, wer weiß. Ich jedenfalls bewundere Dr. Uwe Boll. Ich bewundere ihn dafür, wie es ihm gelingt, einen Kinokassenflop nach dem anderen zu fabrizieren und trotzdem immer wieder Geld für den Nächsten zusammen zu bekommen. Nach der Hardcore-Satire POSTAL, dem grimmigen Serienkiller-Thriller SEED, einer Frechheit namens SCHWERTER DES KÖNIGS und dem Vietnamkriegsabenteuer TUNNEL RATS besann er sich wieder auf seine eigentliche Bestimmung: Videospiel-Adaptionen herunterleiern bis er alt, grau und wirr ist. Diesmal an der Reihe: FAR CRY. Über 30 Mio. Eus soll der Spaß gekostet haben, allein in Doitschland spielte er sage und schreibe eine halbe Million wieder ein. Kleinvieh macht auch Mist.

 

Til Schweiger (DER ROTE BARON) spielt den ehemaligen Elitesoldaten und jetzigen Kutterkahn-Skipper Jack Carver, der dumme Touristen zur Walbesichtigung übers Gewässer schippert. Da taucht Journalistentante Emmanuelle Vaugier (WISHMASTER III; SAW II; HOUSE OF THE DEAD II) bei ihm auf und bittet ihn, sie zu einer entlegenen Militär-Insel zu bringen, wo ihr Onkel, Colonel Ralf Moeller (CYBORG; POSTAL), einem unfassbaren Geheimnis auf die Spur gekommen ist. Und tatsächlich ist der verrückte Wissenschaftler Udo Kier (REVENANT; ARMAGEDDON; FEAR DOT COM; Rob Zombie's HALLOWEEN; MOTHER OF TEARS) drauf und dran, eine Armee von genmanipulierten, willenlosen Supersoldaten auf die Beine zu stellen! Wolfgang Schäuble würde sie gerne im Landesinneren einsetzen.

 

                                     alt

 

Genmanipulierte, willenlose Supersoldaten? Bei Dr. Uwe Boll sind es grimmig drein blickende, bleichgesichtige Mutanten-Hackfressen mit weiß angepinselten Muckibuden-Bodys, die, dank eines noch nie zuvor gesehenen Kameraeffektes, sprinten und kämpfen können was das Zeug hält. Manchmal muss man nehmen, was man kriegt. Wer das Originalspiel kennt, wird auch damit leben müssen, dass sich der lumpige Showdown in einem ollen Sägewerk abspielt und Boll-Troll den Schauplatz von der Karibik in Kanadas Seen und Wälder verlegt hat. Warum nicht gleich die Mecklenburger Seenplatte? Ist auch ganz schön da.

 

FAR CRY ist ein echter Boll; wie immer vor Selbstbewusstsein strotzend verkauft er das Ganze als "DIE HARD auf einer Insel": da gibt's haufenweise Verfolgungsjagden, Schusswechsel und Explosionen, einen haarsträubenden Plot und eine ebensolche Dramaturgie, vordergründig platzierte Schock- & Splattereffekte und eine notdürftig am Computer arrangierte Helikopter-Explosion mit anschließendem Absturz. Der Film selbst stürzt ab, kaum das er begonnen hat. Unmotiviert werden FRANKENSTEIN-Elemente mit Motiven aus DIE INSEL DES DR. MOREAU durcheinander gequirlt und das in einer Dramaturgie, die einfach zum Davonrennen ist. Unglaublich, wie zum Beispiel die Bettszene von Schweiger und Vaugier arrangiert wird!

 

"Das Drehbuch ist nicht komplett schlecht." (Til Schweiger) 

 

Auf der Insel geht's hoch her: Dr. Kier modelt Ralle vom langweiligen Militär-Fuzzi in eine hirntote Mutanten-Kampfmaschine (mit eingebautem Kameraauge) um, was in einer ekligen OP-Szene (so richtig mit Nahaufnahmen und so) verdeutlicht wird. Schauspielerische Wandlungsfähigkeit ist da gefragt: Während Ralle da auf dem OP-Tisch liegt und sein Rest Menschlichkeit kurz davor ist in einem Drehbuch-Wölkchen zu verpuffen, rollt er noch so mit den Augen und wie er da so mit den Augen rollt und ihm dabei ganz Übles schwant, hört man als aufmerksamer Zuschauer förmlich seine Gedankeneruptionen: "Oje, jetzt bin ich gleich eine hirntote Mutanten-Kampfmaschine!" Mit einem Vorteil: ab diesem Moment brauch' er nix mehr zu sagen, ist ja auch lästig, immer diese doofen Dialoge auswendig lernen. Nach erfolgreich verlaufener Operation hockt er zunächst im Dämmerzustand in einer gläsernen Bunkerzelle, macht dazu ein Gesicht wie ein Schwein im Angesicht eines Bolzenschussgerätes, ehe er drauf los wüten und Til Schweiger den Hals würgen darf. Da wäre er nicht der einzige.

 

Til Schweiger, unser Eulenspiegel in Hollywood, beklagte sich ja in der Vergangenheit, dass er von der hiesigen Filmkritik nicht anerkannt wird, zudem hat man das unglaubliche Sakrileg begangen, ihn bei den Nominierungen für bedeutende Filmpreise einfach zu übergehen. Tzt, tzt, tzt. Vielleicht konnte unsere Keinohrnase ja die Dreharbeiten nutzen, um sich von seinem kongenialen Regiekollegen, Grand Master Dr. Uwe Boll, ein paar Ratschläge (vielleicht auch nur Schläge), einzuholen, damit in Zukunft auch IHM die grenzenlose Anerkennung eingebildeter Feuilleton-Kritiker gewiss ist. Ob das mit seinem Ausflug als dümmlicher Actionheld klappt, sei einmal dahin gestellt. Fruchtbaren Nährboden erhielt der Dreh zu FAR CRY allemal, denn inzwischen betrachtet ja der Til den Uwe als Freund. Na, da haben sich zwei nicht gesucht, aber doch gefunden. FAR CRY - ein Film mit Happy End.

 

Kein Happy End gibt es für Natalia Avelon, die genug mit sich selbst zu tun hat, denn ihr Schicksal, als unterprivilegierte Schauspiel-Dirne durch minderbemittelte B-Movies staksen zu müssen... - DAS ist das wahre Leben! Wie der fleischgewordene Polenwitz stapft sie als Dr. Kier's rechte Hand und russische Söldnerinnen-Emanze im Lack- und Lederoutfit durch das Trash-Szenario, setzt dabei eine Ziegelstein-Mimik auf, gibt Schießbefehle von sich, metzelt ungehorsame Söldner (Craig Fairbrass) nieder und dann spricht sie auch noch und zwar mit einem russischen Akzent, vielleicht weil ihr Rollenname Chernov so ähnlich klingt wie Chekov. Wie auch immer. Wenn sie so weiter macht wie hier, dann avanciert Natalia Avelon schon bald zur Naddel des B-Films. Zum Glück eilt da Ralle, unsere hirntote Mutanten-Kampfmaschine, zu Hilfe, um in einem letzten Aufzucken von Menschlichkeit dem schauspielerischem Elend ein Ende zu bereiten: er dreht ihr kurzerhand den Hals um.

 

Kollegin Emmanuelle Vaugier ist nicht der Rede wert und erfüllt als langweilige Journalisten-Tussi lediglich die Alibifunktion: nämlich Tilly-Boy einen Grund geben, damit er irgendwie auf die Mutanteninsel kommt, um dann mit ihm in der Kiste zu steigen. Danach steht sie nur noch dumm in der Ecke rum und darf ab und zu ein paar nichtsnutzige Dialogzeilen von sich geben.

 

Michael Paré (ASTROCOP; GARGOYLES - FLÜGEL DES GRAUENS; KOMODO VS. COBRA; POSTAL), der in den gesammelten Werken des Uwe Boll seine 2. Heimat gefunden hat, ist zu Beginn kurz als Vaugier's Boss zu sehen, während der leider am 29.06.2008 verstorbene Don S. Davis (bekannt geworden als General Hammond in STARGATE) als korrupter Regierungsbeamten glänzt, der sich von Udo Kier die neuste Errungenschaft auf dem Mutantenmarkt vorführen lässt. Udo Kier ist immer eine sichere Bank.  

 

"Wie ich die Rolle bekommen habe? Ich sprang aus dem Flugzeug und landete dabei in Uwe Bolls Garten. Seine Hunde kamen und schlabberten mich ab. Er sah das Ganze und sagte: "Du spielst in meinem Film mit!"" (Udo Kier)

 

FAR CRY erinnert an jene Filme, die in den 80ern und 90ern gleich in die Videotheken abmarschiert sind, so kann man der Angelegenheit wenigstens noch etwas retro-mäßiges attestieren. Immerhin: in einem lichten Moment der Erkenntnis gelangte Dr. Uwe Boll zu dem Kritikpunkt, dass ALONE IN THE DARK sich eindeutig zu ernst genommen hat (deswegen war er ja auch so lustig). Selbsterkenntnis ist der erste Weg zur Besserung. Doch den pflastert Boll höchstpersönlich wieder zu. Mit ironiefreier Ironie, verkrampft witzigen Streitgesprächen zwischen Held und Heldin und dem Engagement des bereits aus POSTAL bekannten und gefürchteten Chris Coppola, der als angeheuerter Comedy-Klops mehr nervt als das er wirklich lustig ist. In Boll's Filmen sieht sogar die freiwillige Komik unfreiwillig komisch aus.

 

 

 

 

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Aktualisiert (Donnerstag, den 06. August 2009 um 19:23 Uhr)

 
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