Freaks
FREAKS
USA 1932 (s/w) / O: „Freaks“ / AT: „Forbidden Love”, „Die Gezeichneten“, „The Monster Show“, „Nature’s Mistake“ / Prod.: MGM / Laufzeit: 62 Min.
Regie + Produzent: Tod Browning / Kamera: Merritt B. Gerstad / Schnitt: Basil Wrangell / Buch: Willis Goldbeck, Leon Gordon, Edgar Allan Woolf, Al Boasberg, nach der Kurzgeschichte „Spurs“ von Tod Robbins
Darsteller: Olga Baclanova (Cleopatra), Harry Earles (Hans), Daisy Earles (Frieda), Wallace Ford (Phroso), Leila Hyams (Venus), Roscoe Ates (Roscoe), Henry Victor (Hercules), Rose Dione (Madame Tetrallini) u.a.
Das ist die Geschichte von Hans und Frieda, zwei Liliputanern, die zusammen mit anderen missgebildeten Menschen in einem Zirkus leben und arbeiten. Obwohl Hans mit Frieda liiert ist, verliebt er sich in die schöne Trapezkünstlerin Cleopatra, die aber in Wahrheit ein Verhältnis mit dem Muskelmann Herkules hat und auch sonst ein ziemliches Miststück ist. Aus Spaß erwiedert sie HansÂ’ Gefühle, nur um Frieda zu ärgern – sehr zum Missfallen der anderen „Freaks“. Als Hans schließlich eine Erbschaft macht, beschließt Cleopatra, ihn zu heiraten. Beim Hochzeitsbankett, zu dem auch die anderen „Freaks“ aus dem Zirkus mit eingeladen sind, flippt sie aus. Sie beschließt, Hans zu vergiften, doch er und seine missgebildeten Freunde sind skeptisch geworden. In einer hässlichen, stürmischen Regennacht erfolgt die grausame Rache der „Freaks“. Herkules bringen sie um und die schöne Cleopatra entstellen sie aufÂ’s grausamste. Jetzt ist sie eine von ihnen. Ein Freak.
Tod BrowningÂ’s FREAKS ist weniger dem Horrorfilm zuzuordnen, und doch lassen die Reaktionen auf diesen Film – bis heute! – den menschlichen Horror von innen nach außen sichtbar werden. Zeige doch mal einem verwirrten RTL 2-Zuschauer diesen alten s/w-Film von 1932: die Reaktionen beim Anblick der Hauptakteure werden zeigen, was guter, deutscher, antrainierter Rassismus ist. Nein, ich bin kein Miesmacher mit griesgrämigen Deutschlandbild, wie die kongeniale BILD-Zeitung urteilen würde. Ich hege sogar Hoffnung, schließlich gibt es ja auch noch gebildete arte-Zuschauer, die aufgeschlossener sind und mit so einem Juwel von Film etwas mehr anzufangen wissen. Die Reaktionen auf FREAKS zeigten einmal mehr die Dummheit der Menschen: Unsinnigerweise wurde BrowningÂ’s Film, der offensichtlich vielen unbequem war, immer wieder mit Verboten und sinnlosen Schnitten belegt. Vielleicht waren es die Mittel, die Browning einsetzte und selbst heute noch mitunter drastisch wirken, einigen Leuten sogar Angst machten. Die Hauptakteure von FREAKS sind „Freaks“. Macht der Anblick deformierter, missgebildeter Menschen den Leuten Angst? Eine Angst, die manche sicher nur mit höhnischem Gelächter abbauen können. Angst, die zu Rassismus führt..? Am Anfang des Films gibt es eine Szene, in der eine Figur (so oder so ähnlich) sagt, daß Â„...man diese Monstrositäten nach der Geburt hätte töten sollen“. In gewisser Weise ist Tod Browning ein Schreckensvisionär, vor allem wenn man bedenkt, was die Geschichte der Menschheit nur wenige Jahre nach Fertigstellung des Films an Grausamkeiten offenbarte.
Dabei besitzt FREAKS trotz der ernsten Thematik noch etwas: viel menschliche Wärme. Es ist bis heute der Film, in dem am deutlichsten für Humanität und Toleranz gegenüber Behinderten appelliert wird; ein Film, der auf drastische zeigt, das die inneren Verstümmelungen viel schlimmer sind als die äußeren. Davon abgesehen, gelang Browning auch ein visuell sehr ansprechender Film, u.a. sind die alptraumhaften Regennachtszenen und die krasse Schlusssequenz schlichtweg genial. Ein Film, den man nie wieder vergisst.
- Nach meinen Recherchen zufolge wurde der Streifen erst in den 60ern wieder entdeckt, allerdings fehlten rund 30 Minuten. Filmmaterial, das bis heute als verschollen gilt. Die unterschiedlichen Längenangaben zu diesem Film haben mich verwirrt.
- „Das Ganze wirkt auch so teuflisch echt, weil Tod Browning sich seine Darsteller auf Rummelplätzen und im Zirkus zusammengesucht hat: eine bärtige Dame, der Mann ohne Unterleib, siamesische Zwillinge, stecknadeldünne Menschen, Zwerge und Riesen. FREAKS ist zugegeben in seiner gnadenlosen Offenheit ein sehr bizarrer, heute noch betroffen machender Streifen, der auch nach über 60 Jahren kaum etwas an Intensität verloren hat.“ (Frank Trebbin, Die Angst sitzt neben dir)
- „Mit FREAKS liefert Tod Browning sein absolutes Meisterwerk ab. (...) Seiner sinnbildlich geradezu herausgeschrieenen Forderung, behinderte und körperlich entstellte Menschen als vollwertige Mitglieder der Gesellschaft anzuerkennen, ist nichts hinzuzufügen.“ (Harry Lieber, Hölle auf Erden)
- „Ein im Kern humaner, zugleich aber grauenerregender Film, der die phantastischen und makabren Aspekte der Geschichte weidlich ausspielt.“ (Lexikon des internationalen Films)
Verleih: Warner Home Video / Bild: 1,33:1 / Ton: Englisch (Dolby Digital 1.0 Mono, mit zuschaltbaren dt. Untertiteln / Untertitel: Deutsch, Englisch, Deutsch für Hörgeschädigte, Englisch für Hörgeschädigte, Arabisch, Bulgarisch, Französisch, Griechisch, Italienisch, Niederländisch, Portugiesisch, Schwedisch, Spanisch, Türkisch, Tschechisch, Ungarisch / Regionalcode: 2 / TV-Norm: PAL / Verpackung: Keep Case (Amaray) / Laufzeit der DVD: 59 Min. / FSK: ab 16
Extras: Vowort (2 Min.), Audiokommentar (mit David Skal), „Freaks – Missgestaltete“: The Sideshow Cinema“ (63 Min.), alternative Enden (5 Min.) und der Prolog
Diese DVD-Fassung verwendet einen anderen Schluss als die bislang bekannte dt. TV-Fassung. Der Prolog ist nicht enthalten, jedoch extra anwählbar. Das in der TV-Fassung enthaltene kurze Ende ist bei den Extras unter „alternative Enden“ zu finden. Ziemlich verwirrend das Ganze, ich weiß. Noch verwirrender: ausgerechnet auf RTL soll mal vor Jahren im Nachtprogramm eine synchronisierte Fassung gelaufen sein.

geschrieben von kojo, Juli 11, 2007
geschrieben von Gast2, April 24, 2007
geschrieben von maDDDin, Januar 30, 2007
geschrieben von freak, Oktober 08, 2006
geschrieben von meli, September 11, 2006
geschrieben von Memzehni, August 22, 2006
geschrieben von René, August 11, 2006
geschrieben von A., August 11, 2006
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Aktualisiert (Sonntag, den 22. Oktober 2006 um 05:39 Uhr)




















Wer diesen Film sieht und ihn auch versteht, vergisst ihn sein Lebtag nicht mehr. Ich habe die originale Version auf VHC, die sychronisierte Fassung sah ich im TV.. allerdings weiss ich nicht mehr, auf welchem Sender er lief.
Einen ähnlichen Film wird es nie wieder geben, da die Hauptdarsteller kaum noch geboren werden. Manchmal frag ich mich, ob wir überhaupt das Recht haben zu entscheiden, welches Leben lebenswert ist und noch vor der Geburt aussortieren, was nicht "der Norm entspricht".
Gooble Gobble, we accept you, ONE OF US!