Descent 2, the - Die Jagd geht weiter
GB 2009 / O: "The Descent: Part 2" / Prod.: Celador Films / Laufzeit: 93 Min. (uncut; Blu-ray) / FSK: ab 18
Regie + Schnitt: Jon Harris / Musik: David Julyan / Kamera: Sam McCurdy / Ausf. Prod.: Neil Marshall, Paul Smith / Prod.: Christian Colson, Ivana MacKinnon / Buch: James McCarthy, J Blakeson, James Watkins
Darsteller: Shauna Macdonald (Sarah), Natalie Mendoza (Juno), Krysten Cummings (Ellen Rios), Gavan O'Herlihy (Sheriff Vaines), Douglas Hodge (Dan), Joshua Dallas (Greg), Anna Skellern (Cath), Michael J. Reynolds (Ed Oswald), Doug Ballard (Dr. Payne), Josh Cole (Lynch), Saskia Mulder (Rebecca), Alex Reid (Beth), Nora-Jane Noone (Holly), MyAnna Buring (Sam) u.a.
THE DESCENT war 2005 ein Frauendrama der monströsen Art: Darin kletterten sechs Freundinnen eine unerforschte Höhle hinab und trafen unter den weit verzweigten Gängen der Erde auf biestig-garstige Kreaturen. Der Erfolg des klaustrophobisch-packenden Höhlen- und Monsterschockers sowohl bei Publikum als auch Kritik schrie geradezu nach einer Fortsetzung, die schließlich vier Jahre später von Regiedebütant Jon Harris, dem Cutter des ersten Teils, unter der Aufsicht von Neil Marshall (dem Regisseur des Originals, der nun als Produzent fungiert) realisiert wurde. Grund genug also den nicht ganz eindeutigen Schluss, offene Fragen und das Schicksal der Figuren näher zu beleuchten.
An dieser Stelle seien noch mal die beiden unterschiedlichen Enden bezüglich des ersten Teils erwähnt: in der US-Version entkam die Heldin, während sie in der europäischen Fassung in der Höhle verlieb. Die direkt anschließende Fortsetzung macht nun reinen Tisch:
Sarah (Shauna Macdonald), die scheinbar einzige Überlebende des Höhlenmassakers, entkam den unterirdisch lebenden Kreaturen und landet, während man schon eifrig nach der vermissten Klettertruppe sucht, schwer traumatisiert im Krankenhaus. Der polternde Sheriff Vaines (Gavan O'Herlihy) interessiert sich nicht zu Unrecht für den Verbleib von Sarahs Freundinnen und macht sie indirekt für ihr Verschwinden verantwortlich. Also schnappt er sich seine junge Kollegin Rios (Krysten Cummings), trommelt die erfahrenen Höhlenspezialisten Dan (Douglas Hodge), Greg (Joshua Dallas) und Cath (Anna Skellern, SIREN) zusammen und so geht es mit der immer noch unter Amnesie leidenden Sarah erneut in die weit verzweigten Horror-Höhlen...

...wo die geräuschempfindlichen Crawlers schon auf die Ankunft weiterer menschlicher Frischfutterrationen von der Erdoberfläche warten. Natürlich ist die Personenkonstellation, die da ins unterirdische Höhlen-Labyrinth runterkraxelt, ziemlich willkürlich zusammen gestellt und natürlich ist es unsinnig, dass die schwer traumatisierte und im Schockzustand verhaarende Sarah so mir nichts, dir nichts an den "Abgrund des Grauens" (so der Untertitel des ersten Teils) zurück gezerrt wird, ohne auch nur einmal mit der Wimper zu zucken. Und natürlich büßt auch diese Fortsetzung das Überraschungspotential des Vorgängers ein, da man ja nun weiß, was für eine Gefahr da unten lauert - allerdings kann dieses Vorwissen ja auch seinen Reiz haben, nämlich wenn man schon ein bisschen mehr weiß als die hier versammelten 08/15-Charaktere (Sarah einmal ausgenommen). Dafür handelt es sich bei THE DESCENT 2 wirklich um eine Fortsetzung, die die Geschehnisse des Vorgängers aufgreift und weiterspinnt - eine Tatsache, die ja nicht gang und gebe ist. Harris' Sequel fügt sich nahtlos an und behält zudem noch Stimmung und Gangart des Originals bei und das will bei dem, was in diesem Genre so alles fortgesetzt wird, schon was heißen. An und für sich kann man beide Teile zusammen schauen und man hat einen 3-Stunden-Film.
Natürlich ist auch hier der erste Teil der bessere Film, der einfach unerreicht bleibt. Der größte Unterschied besteht darin, dass das klaustrophobische Spiel mit der Dunkelheit, also dem Grauen, was da so in der Finsternis lauert, fast komplett aufgegeben wird, stattdessen erhellt man nun hier alles mit Lampen und Leuchtraketen. Was hier auch verloren geht ist das subtile Zusammenspiel der (im ersten Teil ausschließlich weiblichen) Charaktere und ihr Verhalten untereinander, speziell was Sarahs psychischen Zustand betrifft. Allein schon der Unfalltod ihrer Tochter, mit dem der Vorgänger eingeleitet wurde und hier am Rande Erwähnung findet, gab dem Ganzen damals eine ausschlaggebende Wirkung und war zusammen mit dem dazugehörigen Beziehungskram die Initialzündung für das angespannte Verhältnis unter den Frauen.
Diese psychologische Wirkung erreicht Harris' Fortsetzung nicht mehr, was ihn aber nicht zu einem Rohrkrepierer werden lässt - im Gegenteil. Dafür, dass hier im Grunde genommen die selbe Geschichte noch einmal erzählt wird, wartet THE DESCENT 2 mit einigen Überraschungen auf, die man so nicht erwartet hat und einem schon deshalb bei Laune halten.
Trotz der einzelnen und fast schon unvermeidlichen Kritikpunkte erweist sich dieses Sequel als überaus gelungen, was auch der knackigen Regie von Jon Harris zu verdanken ist, denn das Ganze wurde effizient und temporeich in Szene gesetzt, so dass schon mal keine Langeweile aufkommt. Nicht zuletzt wegen seiner Stars: den Crawlers.
Die Abartigkeit der Kreaturen wird hier ganz schön auf die Spitze getrieben - und spitz sind auch ihre Reißzähne, mit denen sie als allererstes die Halsschlagader durchbeißen und ihre Opfer außer Gefecht setzen. Ja, Blut fließt hier reichlich und was den Gewaltpegel betrifft, so ist dieser mit dem Original nahezu identisch, wenn er hier nicht sogar stellenweise übertroffen wird: zermatschte Köpfe, abgehackte Hände, Halsbisse etc. dürften die Gorehounds schon mal zufrieden stellen. Insgesamt ist diese Fortsetzung durchaus besser anzuschauen als das Original von so manch anderen Horrorserien - einem dritten Teil stünde hier also nichts im Wege, nicht zuletzt wegen der obligatorischen, aber hier geschickt eingesetzten Monsterfilm-Schlusspointe, die geradezu nach einem weiterem Sequel schreit.
7/10
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"Wer den ersten Teil und seine Klaustrophobien liebt, ihn aber nicht durch ständiges Wiedergucken abnutzen will, der ist mit dem Nachschub bestens versorgt." (Lino Endorphino, VIRUS #35)
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Aktualisiert (Mittwoch, den 26. Oktober 2011 um 00:18 Uhr)
















