Cabin Fever 2
USA 2009 / O: "Cabin Fever 2: Spring Fever" / Prod.: Morningstar Films; Deerprath Films; Tunnel Inc.; Tonic Films / Laufzeit: 82 Min. (uncut) / FSK: ab 18
Regie: Ti West / Musik: Ryan Shore / Kamera: Eliot Rockett / Schnitt: Janice Hampton / Ausf. Prod.: Susan Jackson, Jerry Kroll / Prod.: Patrick Durham, Lauren Vilchik, Jonathan Sachar / Buch: Joshua Malkin / Story: Randy Pearlstein, Ti West / Make-Up-Effekte: Quantum Creation FX
Darsteller: Noah Segan (John), Giuseppe Andrews (Deputy Winston), Rider Strong (Paul), Alexi Wasser (Cassie), Rusty Kelley (Alex), Marc Senter (Marc), Michael Bowen (Schuldirektor Sinclair), Larry Fessenden (Bill), Mark Borchardt (Herman), Judah Friedlander (Toby), Amanda Jelks (Frederica), Thomas Blake Jr. (Rick), Angela Oberer (Ms. Hawker), Taylor Kowalski (Darryl), Alexander Isaiah Thomas (Dane), Jonathan Sachar (Truckfahrer Sam), Patrick Durham (Bankmanager Lucas) sowie Lindsey Axelsson, Lila Lucchetti, Caitlin Coons, Andrea Powell, Regan Deal, Michael Nesbitt u.a.
2002 war es gewesen, als ein gewisser Eli Roth seinen Einstand im Horrorgenre gab: CABIN FEVER nannte sich das garstige Treiben, in dem fünf junge, schöne Menschen während des Wochenendtrips in einem Wäldchen, irgendwo in Amerika, von einem ganz fiesen Killer heimgesucht wurden. Das war kein handelsüblicher Irrer mit Axt oder Machete, sondern ein ganz besonders bestialischer, weil bakterieller Killer: ein Virus, der erst die Haut und dann den ganzen Rest der Twens bei lebendigem Leibe auffraß. Das der Horror diesmal nicht von außen, sondern von innen heraus kam, machte Roth's gelungenes Filmdebüt zu einer kleinen Besonderheit, die bis heute bei Fans und Kritikern nicht ganz unumstritten ist (aber bei weitem nicht so, wie seine darauf folgenden Filme: HOSTEL und HOSTEL II).
Sieben Jahre später kommt nun nach einer turbulenten Produktionsgeschichte (und ohne Eli Roth's Beteiligung) die lang angekündigte Fortsetzung. Das Produktionsjahr wird zwar mit 2009 angegeben, aber CABIN FEVER 2 soll schon ein Weilchen im Giftschrank gelegen haben, bis sich dann doch mal einer erbarmte und das Ding auf die Menschheit los ließ. Das sich Regisseur Ti West inzwischen von dem Machwerk distanziert haben will, spricht für sich.
Zum Anfang begegnen wir Rider Strong als Paul wieder, der einzige der 5 Freunde, der bis hierhin einigermaßen überlebt hat: mit angematschtem Gesicht und anderen offenen Körperstellen schleppt er sich durch den Wald, er kriecht und robbt und hinterlässt dabei das eine oder andere Hautfetzchen am Geäst zurück. Es kommt auch nicht oft vor, dass ein Darsteller in Vor- und Abspann zwar an allererster Stelle genannt wird, aber dabei nicht mal die erste Minute überlebt, da Paul, kaum dass er es mit allerletzter Kraft bis zur Strasse geschafft hat, vom Schulbus umgenietet wird. Die Macher reizen die Situation entsprechend aus: das Bild friert ein, der Titel wird eingeblendet und verschwindet wieder, während Pauls Körper, seine Eingeweide, sein Blut und der ganze Rest vom Kühlergrill des Busses in die nähere Umgebung torpediert werden. Dat matscht so schön.

Die zweite Figur aus Teil 1 tritt auf und hält sich dabei sogar bis zum Schluss: Giuseppe Andrews als spleeniger Kiffer-Deputy Winston Olsen, der den Crash in seiner grenzenlosen Kompetenz als Wildunfall abstempelt. Der Vorspann setzt ein und erzählt im wunderbar schrabbeligem Zeichentrick-Stil wie der Tod bringende Virus mit seinen Killerbakterien von der Waldhütte ins Trinkwasser gelangt, denn das kostbare Nass hat man ausgerechnet aus dem berüchtigten Viren-See abgezapft, per LKW im Land breit gekarrt und in handelsübliche PET-Flaschen abgefüllt. Das Bakterien-Gesöff wird in einer dieser komischen amerikanischen Kleinstädte geliefert und landet direkt in der Bowle vom High-School-Abschlussball. Und weil den Machern so ein Haut auffressender Killervirus nicht reichte, gibt's noch ne blutige Urin-Zugabe vom grummeligen Hausmeister, der als Rache für all die üblen Schüler-Plagen in die Bowle reinpullert.
Wer hier noch mit einem hintergründig-schwarzhumorigen Virenthriller wie dem von Eli Roth rechnet, ist spätestens an dieser Stelle im wahrsten Sinne des Wortes angepisst - wenn einem nicht schon vorher die unsäglichen doofen High-School-Eskapaden um den unglücklich verliebten Looser (Noah Segan), seinem schwanzgesteuertem Kumpel (Rusty Kelley), der scheinbar unerreichbaren Tussnelda (Alexi Wasser) und dem Provinz-Rambo (Marc Senter) sauer aufgestoßen sind. Der smarte Noah Segan (BRICK; FANBOYS) kann im Gegensatz zu den restlichen Knallchargen sogar noch Pluspunkte sammeln, ist seinem leicht misanthropischem Schauspiel deutlich die Ratlosigkeit anzusehen, mit der er sich fragt, was ihn wohl in diese obskure Fäkal-Szenerie verschlagen hat.
Der Höhepunkt des billig angerichteten Dahinsiechens fällt auf den bereits erwähnten Abschluss-Ball, um den sich ja hier so vieles dreht, aber der doch sparsam und lustlos umgesetzt wurde. Davor gönnt sich der High-School-Schönling mit der dicken Tilla noch ein tödliches Poolbad, während im späteren Verlauf noch eine vermummte Spezialeinheit reinplatzt und die verwesenden Anwesenden abknallt, dabei spielt es keine Rolle ob die Leute-Meute infiziert oder nicht infiziert ist. Dramaturgisch läuft das alles ins Leere, es gibt nicht mal ein richtiges Ende, so, als hätte man bereits bei den Drehbuchseiten gespart.
Der durchaus ernsthaft operierende CABIN FEVER, dessen makabrer Humor eher unterschwellig war, verkommt in der Fortsetzung zur planlos-konfusen Splatterklamotte, in der fortwährend geblutet, geeitert, gespuckt und gekotzt wird. Das ist so, als ob die Troma-Studios eine Folge von BEVERLY HILLS 90210 inszeniert hätten und die Macher der unsäglichen AMERICAN PIE-Reihe eines ihrer spätpubertären Fäkal-Sequels mit Splatterelementen anreicherten.
Und so wie hier das ganze Repertoire an Ekligkeiten und Widerlichkeiten abgedeckt wird, gehört den Macher die "Goldene Kloschüssel" als Anerkennung für ihren grenzenlos debilen Fäkal-Humor verliehen: da gibt's Kotz- und Blutfontänen en masse, Eiter-Pickel in Großaufnahme, Matschbeulen-Hackfressen, Pestbeulen-Titten, Blowjob- und Sperma-Exzesse, einen schmierigen Kunstpenis mit eitrigem Ausfluss, eine Jahresvorrat-Monatsblutung, eine Hand in der Kreissäge etc. Keine Sauerei ist zu blöd, um ausgelassen zu werden. Wären die Verantwortlichen Hunde, müsste man "Pfui!" sagen und sie mit der Nase reinstopfen.
Die hemmungslose Lust an der Übertreibung, das man sich einen Dreck um political correctness und den guten Geschmack schert, das ist etwas, was andere Filmemacher (man denke nur an stilistisch anspruchsvoll arrangierte Sauereien wie FEED, aber auch darüber lässt sich streiten) viel engagierter, einfallsreicher und cleverer hinbekommen haben als die hier Verantwortlichen. Inwieweit man Ti West dafür verantwortlich machen kann, lässt sich nicht sagen, ist doch CABIN FEVER 2 von diversen Umschnitten betroffen gewesen. Heute will West angeblich nichts mehr damit zu tun haben. Man kann es ihm nicht verübeln. Übel dürfte es bei dem einem oder anderem, bei dem, was er hier zu sehen bekommt, schon werden. Wo doch hier so viel gekotzt wird, liegt es nahe zu sagen: CABIN FEVER 2 kotzt einen richtig an. Los, mach mit, zeig was in dir steckt.
Wirklich zu gefallen wissen nur Prolog und Epilog, die im herrlich grottigen Zeichentrickstil daher kommen - das ist nicht neu, aber hier zumindest ganz nett anzusehen. Wirklich Geschmack bewies man auch bei der tollen Song-Auswahl (u.a. "Dancing on our Graves" von The Cave Singers und "Inner Station" von Minimal Compact): ein sehr hörenswerter Soundtrack, der eigentlich viel zu schade für diesen Müll hier ist.
-
Kurz dabei: Tausendsassa Larry Fessenden, der sowohl vor (I SELL THE DEAD) als auch hinter der Kamera (THE LAST WINTER) eine gute Figur macht und sich hier als Virus infizierter Truckerfahrer auf dem Boden winden darf.
-
Noah Segan und Schuldirektor Michael Bowen hatten auch in anderen Filmen miteinander zu tun: im Drama SELF MEDICATED (2005), im Horrorfilm DEADGIRL (2008), der untergegangenen Indie-Produktion THE BOX COLLECTOR (2008) und im History-Thriller THE HESSEN AUFFAIR (2009). Die Welt ist ein Dorf.
Teilen
Set as favorite
Bookmark
Hits: 3087
Kommentare (0)

Kommentar schreiben
| < Zurück | Weiter > |
|---|
Aktualisiert (Mittwoch, den 19. Mai 2010 um 22:12 Uhr)

















