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Kinder können sooo grausam sein... wird vielleicht jedem schon mal so gegangen sein, der mal in Gegenwart von so einem plärrendem, ungeduldigem, quengelndem, drängelndem, den ganzen Bus zusammen schreiendem und die hilflosen, überforderten Eltern terrorisierendem Balg war. Wenn Kinder untereinander sind, sie sich im Sandkasten um's Spielzeug streiten, böse Streiche spielen, in der Schule prügeln oder anfangen miteinander konkurrieren, manifestieren sich schon erste Verhaltensweisen der Erwachsenen. Mobbing beginnt ja bekanntlich schon im Kindesalter. Irgendwie muss man anfangen, sich im späteren Leben zu behaupten. Und manchmal machen Kinder auch nur das nach, was sie von den Erwachsenen abschauen.
 
Kinder wurden schon immer gerne als Film-Monster eingesetzt: seien es die kleinen Grusel-Albinos aus dem DORF DER VERDAMMTEN, Satansbraten Damien in DAS OMEN, japanische Geister-Teenies, die aus dem Fernseher gekrochen kommen oder auch ORPHAN - DAS WAISENKIND. Kinder im Horrorfilm sind durchaus beliebte Zutaten, vielleicht weil man gerade dieses Unschuldige, dieses Kindliche, dieses ach so Niedliche unmöglich mit dem purem Horror in Verbindung bringen will. Horror ist aber auch, wenn ein Kind seiner Kindheit beraubt wird - an und für sich sollte man Kinder vor der grausamen Welt der Erwachsenen bewahren, doch mit aller Brutalität werden sie in diese hinein gestoßen. Vielleicht kommt sie ja eines Tages, die Rache der Kinder, mit aller Härte. Was es dann heißt EIN KIND ZU TÖTEN stellte sich 1976 der spanische Filmemacher Narciso Ibáñez Serrador in seinem gleichnamigem, zu Unrecht als Skandalwerk tabuisiertem Schreckensszenario auf besonders eindringliche und schockierende Weise vor.
Diese Horrorvorstellung keimt, wenn auch in anderem Zusammenhang, in THE CHILDREN auf, dem zweiten Film des Briten Tom Shankland, der zuvor mit dem auf der Folterfilm- und Torture-Porn-Welle mitschwimmenden WAZ (2007) auf sich aufmerksam machte. Auch in THE CHILDREN sehen Eltern sich gezwungen, ihre eigenen Kinder zu töten, weil sie zur tödlichen Gefahr werden...
 
The Children
 
Der Zeitpunkt könnte jedenfalls nicht perfekter sein: Weihnachten, das Fest der Familie, das Fest der Liebe. Elaine trifft während der Feiertage mit ihrer Familie zum Harmonieaustausch auf dem großzügigen Landanwesen ihrer Schwester Chloe ein, es wird gelacht und es wird Schlitten gefahren, dazu wird dampfender Kakao serviert. Doch mit der Harmonie ist es schnell vorbei, kaum das sie angefangen hat: Teenager Casey rebelliert gegen die aufgezwungene Idylle und möchte viel lieber die Zeit mit ihren Freunden verbringen, während der Kleinste der Kinder Anzeichen von Fieber hat... - und von Mal zu Mal immer aggressiver und bösartiger reagiert. Es dauert nicht lange und auch die restlichen Kinder zeigen nach und nach die selben Symptome. Casey ist die einzige, die erkennt welche Gefahr von den Kids ausgeht, doch die doofen Erwachsenen wollen ihr natürlich keinen Glauben schenken. Bis der erste von ihnen beim Schlittenfahren einen tödlichen Unfall erleidet. Blut im Schnee. Aus dem Fest der Liebe wird schnell das Fest der Hiebe - und bald ein harter Überlebenskampf...
 
Schleichend und unscheinbar kriecht der Horror hier ins Alltagsgeschehen hinein. Am besten gelingt das Tom Shankland mit einer Szene, die so wohl jeder schon mal miterlebt hat: die Familie sitzt am Tisch und alle Kinder schreien, weinen, nerven, plärren. Für manche Eltern ganz normal, für andere eine nervliche Belastungsprobe. Gerade dadurch gewinnt THE CHILDREN seine Intensität: wenn aus der banalen Alltagsroutine der blanke Horror entweicht.
 
THE CHILDREN ist ein äußerst effektiver und nervenzerfetzender Beitrag zum Thema Bad-Kids-Horror: Eher am Rande wird (und das auch nur für den Zuschauer) eine Erklärung für das aggressive Verhalten der Kleinen geliefert: hier ist es ein Virus, der als Auslöser für den Tötungsdrang der Kinder verantwortlich gemacht wird. Nähere Deutungen oder gar peinliche pseudo-wissenschaftliche Erklärungsversuche bleiben zum Glück ausgespart und so bestimmt das weite Feld der Spekulationen und Interpretationen  das Geschehen. Man fragt sich: Ist es wirklich nur eine Infektion? Oder sind die blutigen Amokläufe der Kinder ein Aufbegehren gegen streng-autoritäre Erziehungsmethoden? Die Rache für den Klaps auf den Po? Für die Hand, die ausgerutscht ist? Oder auch das Resultat einer antiautoritären Erziehung, die halbherzig und vernachlässigend vonstatten geht? Vielleicht ist hiermit wahr geworden, was einst der olle Gröhlemeyer besang: Kinder an die Macht. Mit aller Gewalt.
 
Stichpunkt Gewalt: die steht hier absolut nicht im Vordergrund, doch wenn sie denn mal ausbricht, dann eben mit aller Härte und deutlich intensiver als so manch billiger Splatterfilm. Was eher unscheinbar beginnt, steigert sich zum garstigen, packenden Kulleraugen-Horror mit raffinierten, biestigen Mini-Killermaschinen, die Gesichter zerschneiden wollen und in Pupillen stechen.
Tom Shankland weiß wie man Horrorfilme dreht und liefert in atmosphärischer Winterkulisse tolle Bilder, wie z.B. eine von oben gefilmte Kamera-Kranfahrt, die den Verlauf vom Blut im Schnee zeigt. 

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Aktualisiert (Donnerstag, den 20. Mai 2010 um 11:31 Uhr)

 
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