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Captivity

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C A P T I V I T Y

USA / Russland 2006 / O: „Captivity“ / Prod.: Foresight; Bobby Weisman Caterers; Ramco; Lionsgate / Laufzeit: 82 Min. (uncut; R-Rated) / Freigabe: SPIO/JK

Regie: Roland Joffé / Musik: Marco Beltrami / Kamera: Daniel C. Pearl / Schnitt: Richard Nord / Ausf. Prod.: Valery Chumak, Courtney Solomon / Prod.: Mark Damon, Serge Konov, Gary Mehlman, Leonid Minkovski / Buch: Larry Cohen, Joseph Tura / Story: Larry Cohen 

Darsteller: Elisha Cuthbert (Jennifer), Daniel Gillies (Gary), Pruitt Taylor Vince (Ben), Michael Harney (Det. Bettiger), Laz Alonso (Det. Ray Di Santos) sowie Maggie Damon, Chrysta Olson, Carl Paoli, Trent Broin u.a. 

 

 

Du bist gefangen, es gibt kein Entkommen und niemand, aber auch niemand wird Dir helfen. So geht’s jedenfalls dem jungen Mann zu Beginn, der außer Gefecht gesetzt diesem komplett vermummten Psychopathen ausgeliefert ist, welcher ihm eine Flüssigkeit in den Körper injiziert, die zur leichten Veränderung des selbigen führt. Schmerzensschreie, Todesqualen, letzte Zuckungen… die schwarz umhüllte Gestalt nimmt einen Vorschlaghammer zur Hand, doch bevor wir sehen können, wie sie auf das nun wehrlose Opfer eindrischt, wird erst einmal ausgeblendet. Sollte ja nur ein Appetitshappen sein, der Geschmack machen soll auf das, was folgen wird: nämlich, dem Trend entsprechend, einem weiteren Brutalo-Reißer, in dem irgend so ein ausgebuffter Psycho-Fritze unschuldige Menschen erst entführt und anschließend malträtiert… 

Horror-Altmeister Larry Cohen schrieb zusammen mit dem Newcomer Joseph Tura das Drehbuch zu diesem Psychopathen-Thriller, der sein Zielpublikum, die SAW- und HOSTEL-Klientel, anfänglich noch mit diversen Schock-, Ekel- und Folterszenen zu ködern versucht, was sich jedoch im weiteren Verlauf eher als Fehlschlag und Mogelpackung herausstellt. Regie führte, zu Beginn noch überaus stil- und selbstsicher, der in diesem Genre bislang untätige Roland Joffé, von dem man sonst eher „seriösere“ Filme wie KILLING FIELDS – SCHREIENDES LAND (1984), MISSION (1986), DER SCHARLACHROTE BUCHSTABE (1995) oder VATEL (2000) kennt. 

Hastig stellen uns die Macher das Topmodel Jennifer (Elisha Cuthbert, HOUSE OF WAX) vor, die in der Disse ein Martini mit Narkotikum verabreicht bekommt und sich wenig später, abgeschottet und eingesperrt, in den Fängen dieses Hobby-Folterers, der so seine Psycho-Spielchen mit ihr treibt, befindet. So lässt er sie auf dem Monitor sehen, was mit ihrer Vorgängerin geschah: ihr wurde eine unter die Haut gehende, sprudelnde Säure-Dusche vergönnt. Diverse Überreste vorangegangener Opfer (ein Öhrchen hier, ein Augäpfelchen da, dazu noch etwas roter Lebenssaft) wurden gut gekühlt in der Tupperware aufbewahrt und landen nun im Mixer; schön durchgerührt wird dann dieser besonders leckere Cocktail, Bloody Mary pur sozusagen, der gebeutelten Joanna per Trichter in den Rachen eingeflößt. Wohl bekomm’s. Uns möchte man auch eintrichtern und einflößen, dass wir so etwas sehen wollen. Doch wo sich die einen nicht satt sehen können, haben  die anderen es satt zu sehen. Jedem seinen eigenen schlechten Geschmack. 

Psycho hin, Spielchen her… Dieser Irre setzt genau das in die Tat um, was Jennifer-Baby, das junge, aufstrebende und begehrte Model, in Interviews so freigiebig von sich gab. Wird es wenigstens mal einer Frau zum Verhängnis, das sie zu viel geredet hat. Jennifer hat Angst vor der Dunkelheit – prompt landet sie genau dort. Sie erzählte, dass sie mal als kleines Mädchen von einem gar bösen Jungen im Sandkasten eingebuddelt wurde – und schon findet sie sich in einem Bottich wieder, der sich stetig mit Sand füllt. Wie das eben so ist: manche Modelkarrieren drohen eben zu versanden.  

Doch dann, in der Nachbarzelle nebenan, da steckt ein Mann. Er stellt sich ihr als Gary (Daniel Gillies) vor, ebenfalls ein Gefangener. Trotz all dem Terror und der Folter: in Gefangenschaft kommen sich beide schnell näher: „Ich muss dich immerzu berühren.“ „Ich dich auch.“ Bei solch feinsinnigen Dialog-Köstlichkeiten hätte es auch heißen können: „Du kannst mich mal“ „Du mich auch.“ Nach diversen missglückten Fluchtversuchen bleibt die Frage: Sollte sie diesem Gary wirklich vertrauen?

Diese Frage wird recht schnell beantwortet und fällt mit fortschreitender Laufzeit ziemlich ernüchternd aus: Statt aufregender Plot-Twists und überraschenden Wendungen mündet alles nur in eines dieser üblichen, simplen Katz- und Mausspielchen. Auch Folterfilm-Fetischisten gucken in die Röhre, denn bis auf die oben erwähnten Szenen plus einer unsanften Zahnbehandlung werden sie allzu detaillierte Grausamkeiten vergeblich suchen. Roland Joffé schlägt sich als Genre-Neuling in diesem Metier ausgesprochen solide, doch kann man wegen der schwachen Story, die sich Larry Cohen ausgedacht hat, kaum von einem mitreißenden Film sprechen.

Im Übrigen handelt es sich bei CAPTIVITY um eine russisch-amerikanische Co-Produktion. Wenn man das vor 20 Jahren gewusst hätte, wie der kalte Krieg einmal ausgehen würde: das beide Supermächte ihre Landsleute mit spekulativen Folterfilmen foltern würden…

 

  • Die ungekürzte Verleih- und Kauffassung (82 Min.) entspricht der amerikanischen R-Rated-Version. Achtung: Hierzulande wurde auch noch eine um ca. 4 ½ Minuten gekürzte Variante auf den Markt geworfen; fragt sich nur, warum und für wen. Die Amis kommen dagegen noch in den Genuss einer Unrated-Fassung.
  • „…schwimmt ganz klar auf der SAW- und HOSTEL-Welle, gehört aber ob seiner professionellen Produktion und einigen exzellenten Ideen zu den besseren Vertretern dieses Genres. Alle Freunde des modernen Terror-Kinos dürfen sich auf eine neue „Abscheulichkeit“ aus dem Hause Lionsgate freuen.“ (Gerhard Wüst; VIRUS #21)

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