C O L L A T E R A L D A M A G E
Collateral Blamage: Egal was passiert, Euer Arnie macht das schon!
USA 2001 / O: Collateral Damage / Prod.: Bel Air Entertainment; Hacienda Productions für Warner Bros. / Laufzeit: 104 Min. / FSK: ab 16
Regie: Andrew Davis / Musik: Graeme Revell / Kamera: Adam Greenberg / Schnitt: Dov Hoenig, Dennis Virkler / Ausf. Prod.: Nicholas Meyer, Hawk Koch [= Howard W. Koch, jr.] / Prod.: David Foster, Steven Reuther / Buch: David Griffiths, Peter Griffiths / Story: Ronald Roose, David Griffiths, Peter Griffiths
Darsteller: Arnold Schwarzenegger (Gordy Brewer), Elias Koteas (Agent Brandt), Francesca Neri (Selena), Cliff Curtis (Claudio Perrini, der Wolf), John Leguizamo (Felix), John Turturro (Sean Armstrong), Michael Milhoan (Jack), Rick Worthy (Ronnie), Raymond Cruz (Junior), Lindsay Frost (Anne Brewer), Miguel Sandoval (Phipps), Nicholas Pryor (Senator Delich), Jay Acovone (Bennie) sowie Jsu Garcia, Tyler Garcia Posey, Jorge Zepeda, Harry Lennix, Ethan Dampf, Madison Mason, Don Fischer, Jack Conley, Shelley Malil, Todd Allen, Bruce Ramsey, Michael Cavanaugh, J. Kenneth Campbell u.a
Die Amerikaner verstecken sich hinter Familienehre, hinter falschen Idealen. Sie haben nämlich die Realität des Krieges vergessen. (Der Wolf)
Terroranschläge, Videobotschaften, ein Wolkenkratzer in Flammen... Jeder hätte die Griffel von diesem Projekt gelassen, wenn er gewusst hätte, wer hier einen Strich durch die Rechnung macht: der 11. September 2001. Kurz zuvor fertiggestellt, landete COLLATERAL DAMAGE als ein der ersten Hollywood-Schunduktionen auf Eis, die irgendwie mit diesem schrecklichen Datum in Verbindung gebracht wurden: Arnold Schwarzenegger ist der Feuerwehrmann Gordy Brewer, der bei einem Attentat auf die kolumbianische Botschaft Frau (Lindsay Frost) und Sohn (Ethan Dampf) verliert. Rache ist Blutwurst. Während CIA und FBI wie üblich um die Kompetenzen rangeln, reist der coole Gordy mit gefälschten Papieren nach Kolumbien, wo er den Drahtzieher und seine Gefolgsleute ausmacht. Es ist Claudio Perrini (Cliff Curtis), genannt Wolf und der plant bereits weitere Anschläge in den USA. Im Handumdrehen gelingt es ihm, Wölfchens Frau Selena (Francesca Neri) auf seine Seite zu ziehen, welche die vereinigten Staaten von Amerika mit wichtigen Details versorgt...
COLLATERAL DAMAGE wurde für alle Beteiligten zur Blamage, die im realen Schrecken, den der 11. September verbreitete, eine zusätzliche Abwertung fand. Es ist ein dummer Film, eine unfreiwillig komische Posse, deren Drehbuchautoren Idioten sind, die den Zuschauer für vollkommen bescheuert halten. Wie blöde sollen wir sein, daß wir solche falschen Feindbilder (und seien es nur die aus einem Schwarzenegger-Film) schlucken sollen? Wie kann es sein, daß sich minutiös planende Terroristen so einfach von einem tumben Feuerwehrmann fertig machen lassen? Wenn Bin Ladens fanatische Moslem-Kämpfer auch so dämlich wären wie in COLLATERAL DAMAGE, Kriegsgewinnler George W. Bush hätte plötzlich niemanden mehr, mit dem er Ramba-Zamba machen kann. Bedenklich und gefährlich bleibt solch ein naiver Unterhaltungsfilm wenn er seine Herscharen an Allesguckern findet, die jeden Mist schlucken und in so einem Scheißdreck die Bestätigung für ihre verklärten Weltbilder erkennen. Da reduziert das platte Drehbuch Kolumbianer als schlichte Klischee-Bösewichte, die weder aus religiösen, noch aus politischen Motiven handeln, sondern stinknormale Drogenbosse sind. Doch nicht nur inhaltlich, auch formal zeigt sich dieses verunglückte Leinwand-Verbrechen als ein Film von vorvorgestern. Andrew Davis Regie ist schlicht saumäßig und gehört für seine Fehlleistung zur Strafe auf die Flucht geschickt. Seine schlampig inszenierten, simplen und tausendfach besser gesehenen Verfolgungsjagden reißen bestimmt keinen mehr vom Hocker und auch die Spezialeffekte (z.B. die computeranimierten Bombenexplosionen) sind für einen Film dieser Größenordnung (oder besser Größenwahn) extrem dürftig ausgefallen. Und Arnold Schwarzenegger (der sich seit seinem Amtsantritt als Gouverneur von Kalifornien als gesellschaftlicher und politischer Rechtsaußen geoutet hat)? Nicht nur, daß man bei ihm den Witz und die Selbstironie aus James Camerons TRUE LIES vermisst. Auch mutmaßt man, ob in seinem aufgeschwemmten Muskelberg nicht doch das eine oder andere Speckfältchen schwabbelt, da sich unsre österreichische Krawallschachtel im Gegensatz zu seligen TERMINATOR-Zeiten doch etwas müde und lahm bewegt, was eigentlich auf alle seine Rollen seit dem Ausradierer-Spektakel ERASER zutrifft. Nein, Arnie-Bärchen ist nicht fett, was er ungefähr in der 50. Minute bestätigt, wenn er erwartungsgemäß im Unterhemd die Schurken verdrischt. Aber gealtert ist er im Laufe der Jahre, huch!, das passiert nun mal. Während Kollege Bruce Willis inzwischen ein anerkannter Charakterdarsteller ist, sieht sich Schwarzenegger offenbar nicht nur in seinen Filmen als alleiniger Retter der Welt. Bei ihm müssen zwei, höchstens drei in die Visage eingestanzte Gesichtsausdrücke ausreichen, um überzeugend zu wirken. Schwarzenegger ist angesichts des Todes seiner Familie schockiert rauf geht die Augenbraue! Schwarzenegger ist angesichts des Todes seiner Familie wütend runter geht die Augenbraue! Schwarzenegger begegnet Francesa Neri man achte auf die Augenbraue! Immerhin hat sich sein Bild von dieser jenen Welt verändert, denn Arnie-Bär selbst greift nicht einmal zur Waffe und löst die Sache stattdessen mit Fäustchen und Köpfchen (!). Da macht er einen auf MacGyver, bastelt und tüftelt kleine Bömbchen und Feuerwerke; dann wieder packt er seine Gegner an die Eier, beißt auch mal ein Ohr ab und verteilt kräftig Kloppe. Und im brachialen Trash-Finale schleudert Pig Arnie dem Wolf ein Beil in den Wanst und Amerika kann wieder ruhig schlafen. So geht das. COLLATERAL DAMAGE bleibt bis weit nach dem Abspann ein wirklichkeitsfremdes Kawumm-Spektakel der hohlen Sprüche und dummen Vorurteile, das die späteren RAMBO-Teile wie ein Musterbeispiel filmischer Völkerverständigung werden läßt. Es hätte keines Spaßbremsers wie dem 11. September bedurft, um diesen Künstler-Flop auf Eis zu legen. Nach diesem Datum wird es keinen Film dieser Art mehr geben; dafür kommen jetzt andere Filme. Bleibt nur zu hoffen, daß nicht doch eines Tages entführte Passagiermaschinen auf Hollywood stürzen ... aus Vergeltung.
- Collateral Damage ist einem Begriff der eiskalten Militärsprache entlehnt und bezeichnet damit zivile Opfer in einem Krieg...
- Die üblichen Verschwörungs-Verdächtigen mischen natürlich auch mit, wie etwa Elias Koteas als zwielichter Agent Brandt. Und John Leguizamo und John Turturro werden als armselige Klischee-Latinos verheizt: Turturro verkörpert den im Knast eingebuchten Armstrong, der Brewer seinen Pass überlässt, mit dem er schließlich an den von Leguizamo gespielten Drogenboss Felix gerät.
- Zur altbackenen Handlung zündet Schwarzenegger ein innovationsloses Feuerwerk: Ein Brand hier, eine Explosion da das muß reichen! (CINEMA)
- ...ein Paradebeispiel für einen klischeehaft-oberflächlichen Film, der komplexe Zusammenhänge in eine an Schwachsinn grenzende Geschichte verpackt und hofft, mit dem Namen Schwarzenegger genug Leute ins Kino zu locken, um die Produktionskosten wieder einzuspielen. (MOVIESTAR)
Trackback(0)
Aktualisiert ( Mittwoch, den 07. September 2005 um 20:51 Uhr )