Home Alle Filme auf einmal B Bestie des Grauens

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"Wo bin ich? Was zum Teufel mache ich in diesen Sachen?"
 
 
USA 1958 s/w / O: „Missile to Moon“ / Laufzeit: 76 Min.
 
Regie: Richard Cunha / Musik: Nicholas Carras / Kamera: Meredith Nicholson / Buch: H. E. Barrie, Vincent Fotre / Spezialeffekte: Ira Anderson, Harold Banks
 
Darsteller: Richard Travis (Arnold Dayton), Cathy Downs (June Saxton), K. T. Stevens (Lido), Nina Bara (Alpha), Michael Whalen (Dirk Green), Tommy Cook (Gene Fennell), Gary Clarke (Lon), Laurie Mitchell (Lambda), Leslie Parrish [als Marjorie Hellen] (Zema), Henry Hunter (Col. Wickers), Lee Roberts (Sheriff Cramer)
 
 
"Sie sind schon dabei die Exterminationskammer für Sie vorzubereiten..."
 
 
Wo immer es einen Film geben soll, der Ed Woods' legendäres Meisterwerk PLAN 9 FROM OUTER SPACE den Status als angeblich schlechtesten Film aller Zeiten streitig machen will: BESTIE DES GRAUENS von Richard E. Cunha ist jedenfalls ein ganz heißer, würdiger Anwärter dazu - Pulp-SF in Reinkultur; mit bescheidenen Mitteln noch bescheidener umgesetzt.
Vom schrabbeligen Vorspann, der einen exquisiten Weltraumheuler verspricht, mal abgesehen kann man schon in der ersten Einstellung erfahren, dass bei dem Budget zu BESTIE DES GRAUENS das Wort "großzügig" nicht unbedingt das Wort der Wahl ist. Die erste Einstellung, eine an sich stimmige Momentaufnahme, die durch tricktechnische Unzulänglichkeiten gleich wieder zerstört wird: eine einsame, schier endlose Straße, die mitten durch die Wüste führt, links und rechts Telegrafenmasten. Ein Polizeiauto braust heran. Schnitt. Und im nächsten Moment parkt der Sheriff seinen Wagen im Studio vor der Landschaftstapete. Ja, was für ein Spaß.
 
Amateurhafte Rückprojektionen, spärliche Sets, dürftige Requisiten, lächerliche Kostüme, das alles umrahmt mit billigen, simplen und durchschaubaren Tricks - all das, was mit einem gesunden Filmverstand betrachtet ziemlich unglücklich und armselig aussieht, hat BESTIE DES GRAUENS, Richard Cunha's schräg-schäbiges Remake von CAT WOMAN ON THE MOON (1953), zu einem Schundklassiker heranreifen lassen. Hier wird man jede Menge Spaß haben!
 
Den versteht der eingangs erwähnte Sheriff erstmal überhaupt nicht: zwei junge Unholde sind ausgebüxt und die gilt es wieder einzufangen. Doch Gene  (Tommy Cook) und Lon (Gary Clarke) haben ein absolut geniales Versteck gefunden: in der selbst gebastelten Rakete des Hobby-Wissenschaftlers Dirk Green (Michael Whalen). Die steht in seinem Vorgarten und wartet nur auf den Abflug Richtung Mond. Dirk Green hat alles vorbereitet. Als ihm jedoch das Militär jegliche Unterstützung verwehrt, beschließt er im Alleingang den Start zu wagen. Die beiden Straftäter, die sich vorm Sheriff verstecken, kommen Green gerade recht, schließlich brauch er ja noch eine Crew. Schwupsdiwups werden sie von ihm in einem Crash-Kurs als Weltraumpiloten ausgebildet. So geht das.
 
        Bestie_des_Grauens
 
Da wären wir eigentlich abflugbereit. Das angehende Ehepärchen Arnold Dayton (Richard Travis) und June Saxton (Cathy Downs), zur Zeit noch im Verlobungsstadium, wird auch noch mit eingesackt und schon geht's sie los, die Reise zum Mond. Die hat sich George Méliès 1902 in dieser Form bestimmt nicht vorgestellt.
Die Rakete geht ab wie 'ne Rakete. Das Innere sieht übrigens genauso aus, wie man sich im billigen SF-Kino der 50er Jahre das Innere von so einer Rakete vorstellte - realisiert mit einem Budget von einem paar Dollar fuffzig. Sie ruckelt und zuckelt, quietscht und rasselt, das man sich wundert, wie so ein Ding sich überhaupt im Weltraum halten kann. Und dann: Aufregung! Ein Anflug von Panik! Ein Schwarm Meteoriten! Was aber so aussieht, als hätte jemand das Popcorn gen Leinwand geschmissen. Man kann der Gefahr im Weltraum entkommen, doch der gute Dirk haut sich die Birne ein und segnet das Zeitliche. Die Reise muss ohne ihn weitergehen, vorher übergibt er noch das Kommando nebst komischem Omelett ... oh nein ... Amulett seinem Assi Arnold.  
 
Schließlich kommen unsere Teilzeit-Astronauten ihrem Ziel immer näher: dem Mond. Doch auf diesem Mond schaut man wirklich in den Mond. Mit seiner Fels- und Gesteinslandschaft sieht er alles andere aus wie der Mond, wie wir ihn kennen, aber das spielt ja keine Rolle, schließlich ist das hier ja Science-fiction! Man schlüpft in richtig taffe Raumfahreranzüge, erkundet die nähere Umgebung und dann das: Steinmonster wanken und schwanken auf die Erdenbesucher zu. Auf der Flucht vor ihnen muss die Frau natürlich wieder auf die Fresse fallen; was sich hier als Frau schimpft, schafft das auch, ohne das ein Stein, ein Loch oder irgendein anderes Hindernis im Wege ist. Aber im Drehbuch stand nun mal, die Frau müsse auf die Fresse fallen (wenn sie schon nichts auf die selbige bekommt), während die Herren der Schöpfung mit ihren Westernrevolvern auf die Monster aus Stein schießen sollen. Das ist wirklich zum schießen! Schließlich finden die vier Erdenbesucher Zuflucht in einer Höhle und dort gibt es sogar eine atembare Atmosphäre. Na ei, wie geht das denn? Egal.
 
Das Empfangskommando steht schon bereit: Königin Lido (K. T. Stevens), Herrscherin von Orlanda, nebst ihren allesamt weiblichen Untertanen, dargestellt von den Teilnehmerinnen damaliger Schönheitswettbewerbe. Im mit Kissen, Tüchern und Vorhängen dekoriertem Königinnen-Palast, entsprungen aus den miefigen Albträumen verhinderter Historienfilm-Ausstatter, werden die vier Erdenmenschen verwöhnt und beköstigt. O-Ton Lido: "Vielleicht interessiert es Sie, dass die Speisen vor Ihnen schon lange vor meiner Geburt zubereitet wurden." Das hat bei McDoof ja noch nie eine Rolle gespielt.
Natürlich planen die Mond-Amazonen ihr eigenes Ding: sie wollen die Rakete haben, denn ihre eigene Welt ist dem Untergang geweiht. Und wo nur Frauen leben, da ist der Zickenkrieg geradezu vorprogrammiert. Das Unheil nennt sich Alpha und wird dargestellt von Nina Bara, die zwischen 1951 und 55 in 154 Folgen von SPACE PATROL reichlich Weltraumerfahrung mitbringen sollte. Nina Bara: schiefer Mund, Karl-Dall-Gedächtnis-Hängelid, ausgestattet mit dem Intellekt von Birgit Homburger, sie schleimt und sie kriecht, tritt nach unten und buckelt nach oben. Eine typische Karrierefrau halt. Und sie hat diesen Arnold Dayton im Visier, dieses Prachtexemplar von Mann, auf dem sie ihr halbes Auge geworfen hat...  
 
Ja, hier ist jede Menge los, in dieser Ansammlung von Schmott und Stümperei. Ein echtes Drive-In-Kino-Erlebnis: Meteoriten-Popcorn, Steinmonster in Gummianzügen, versilberte Feuerlöscher, die als Sauerstoffflaschen herhalten müssen, Ball-Königinnen als Weltraum-Amazonen - und nicht zu vergessen: das Dunkelwesen, eine olle, an Stricken baumelnde Höhlen-Riesenspinne, die man sich von anderswo geborgt hat. Wirklich und wahrhaftig: das ist ganz große SF-Unterhaltung.

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Aktualisiert (Dienstag, den 23. März 2010 um 11:46 Uhr)

 
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