Alien - Die Saat des Grauens kehrt zurück
Italien 1980 / O: "Alien 2 - Sulla Terra" / Laufzeit: 82 Min. (uncut; DVD) / FSK: ungeprüft
Regie: Ciro Ippolito [als Sam Cromwell] / Musik: Oliver Onions [= Guido De Angelis, Maurizio De Angelis] / Kamera: Silvio Fraschetti / Schnitt: Carlo Froglio / Ausf. Prod.: Ciro Ippolito [als Sam Cromwell] / Prod.: Ciro Ippolito, Angiolo Stella / Buch: Angelo Mattei, Mario Molli / Spezialeffekte: Donald Patterly
Darsteller: Belinda Mayne (Thelma Joyce), Mark Bodin (Roy), Benny Aldrich [= Benedetta Fantoli] (Maureen), Mychael Shaw [= Michele Soavi] (Burt), sowie Judy Perrin, Roberto Barrese, Don Parkinson, Claudio Falanga, ungenannt: Donald Hudson (Mr. Raymond), Ciro Ippolto (Studio-Regisseur) u.a.
Von den all den zumeist billigen Plagiaten, die nach Ridley Scotts ALIEN (1979) von raffgierigen Produzenten hinterher geschoben wurden, ist diese italienische Schnellschuss-Splattervariante mit Sicherheit die Dreisteste, weil sie sich gleich mal als Fortsetzung ausgeben will. Dabei hätte der Grundgedanke dieser Geschichte um eine missglückte Weltraummission (das Monster wird aus dem All mit auf die Erde gebracht) durchaus eine logische Weiterentwicklung von Scotts ALIEN bedeuten können (was schließlich viele Jahre später im Katastrophen-Crossover ALIENS VS. PREDATOR 2 realisiert wurde), doch schon in den ersten Minuten ist klar, das diese Verhunzung mit dem großen Vorbild nicht nur nichts zu tun hat, sondern den Vergleich nicht im geringsten standhalten kann. Und das, obwohl sich die italienischen Schundfilmer noch sooo eine Mühe gegeben haben, ihrem Billigprodukt eine amerikanische Herkunft anzuheften, was die Tatsache verdeutlicht, dass sich der werte Regisseur und einige Darsteller hinter irgendwelchen obskuren Pseudo-Pseudonymen versteckten. Die blutig-billige Alien-Sause spielt dann auch noch in der Gegend um San Diego oder Hohenwulsch, so wichtig scheint das auch nicht zu sein.
Von der angesprochenen Weltraummission gibt es zu Beginn nur ein paar verwackelte, stümperhaft zusammen geschnittene Archivaufnahmen aus der Doku-Tonne, weil die Kohle für eigene Aufnahmen offensichtlich nicht ausreichte; so nebenbei erfährt man, dass die Besatzung als verschollen gilt. Dafür haben sie etwas ganz Schreckliches mit auf die Erde gebracht: ein bluttriefendes Monster, das man nie so richtig zu Gesicht bekommt, von ein paar hilflos umher schwenkenden Gartenschlauch-Tentakeln und einem Klappmaul-Handschuh, der sich auf putzige Weise aus einem Kopf herausbohrt, mal abgesehen. Getarnt als mysteriöser blauer Stein wird das Ungetüm einer Gruppe von Höhlenkletterern zum blutigen Verhängnis.

Einer der Grottenkraxler wird übrigens von Michele Soavi gespielt, der auch kurz in Lucio Fulci's EIN ZOMBIE HING AM GLOCKENSEIL zu sehen war und ein paar Jährchen später ebenfalls die Regiekarriere einschlug, wo er insbesondere mit dem poetisch-blutigem Zombiespuk DELLAMORTE DELLAMORE (1994) bewies, das Italien auch in der Zeit nach Mario Bava Garant für stimmige Horrorunterhaltung sein kann. Schade, das es in den letzten Jahren ein wenig still um ihn geworden ist. Hier gibt er den verhinderten Schriftsteller, der seine Werke bevorzugt bei Kerzenschein in die Schreibmaschine tippt und das Grauen aus dem All in Form des mysteriösen Gesteins in die Höhle des Grauens schleppt. Das führt dann zu einigen dilettantisch ausgeführten Blutspritz-Effekten, in etwa vergleichbar mit einem Kürbis, den man aus dem 10. Stock schmeißt - so lange man damit den nervigen Kinositz-Nachbarn von neulich trifft ist das ok. Wahlweise auch einen doofen Filmkritiker.
Herzstück dieses zünftigen, herrlich infantilen Alien- und Höhlenspektakels sind hier also die derben, blutigen, billigen und vollkommen übertrieben eingesetzten Schock- und Splatter-Sauereien - ganz dem italienischen Exploitation-Kino entsprechend. Neben allerlei kruden Gekröse in der Höhle des Grauens gibt es diesbezüglich noch ein paar schludrig hinein geschnittene Momentaufnahmen vom Badestrand, wo eine besorgte Mutter am Strand ihre vermisste Tochter mit völlig zermatschtem Gesicht wieder findet. Autsch.
Belinda Mayne, die ihre Filmkarriere beim "Bergdoktor" besiegelte und die Tochter von Ferdy Mayne (der Obervampir aus Polanskis TANZ DER VAMPIRE) ist, spielt hier die telepathisch begabte Uschi, die ständig eine Aura des Unheimlichen spüren will - soll damit nun das Monster aus dem All oder doch die geballte Ladung an Untalent und Inkompetenz, die drohend über "Alien 2" (in Anführungsstrichen!) schweben, gemeint sein? Hier wird auf der ganzen Linie versagt. Die schludrig-schlampige Regie und das katastrophale Drehbuch lassen solche Nebensächlichkeiten wie Spannungsaufbau, Suspense etc. gar nicht erst zu; speziell die erste Hälfte gestaltet sich ziemlich zäh und driftet ständig in belanglose Belanglosigkeiten ab. Zumindest in den Höhlenszenen gelingt es Ippolito phasenweise Atmosphäre zu erzeugen, doch auch hier erweist sich Norman J. Warrens INSEMNOID (1981), ebenfalls ein Alien-Rip-Off, was unter Tage spielt, als die bessere Wahl in Bezug auf einen schlechten Film.
Ridley Scott wusste, warum er sein ALIEN so wenig zeigte: weil man das, was man nicht sieht, umso furchterregender ist. Hier allerdings wird das Alien nicht gezeigt, weil einfach das Geld nicht dafür da war; sonst hätten sie ihr Viech uns in aller Deutlichkeit um die Ohren gehauen. Der Entschluss, das Geschehen zum Ende hin aus der Sicht des Monsters zu zeigen, ähnlich wie im Jack-Arnold-Klassiker GEFAHR AUS DEM WELTALL, wirkt daher wie eine Notlösung. Offenbar hat die Kohle nur für ein paar billige Ekeleffekte gereicht. Sogar beim Finale hat man gespart, was bleibt ist nur ein abrupter, offener Schluss, der den Zuschauer doch ein wenig ratlos zurück lässt: Hier sieht man nur, wie die telepathisch begabte Uschi schreiend durch die menschenleere Großstadt rennt, was ihr aber in Hannover auch hätte passieren können.
5/10
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"Billiger Reißer, der Handlungsmotive anderer Genrefilme mit Ekel erregenden Effekten vermischt." (LEXIKON DES INTERNATIONALEN FILMS)
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"Der meist in einer dunklen Grotte spielende Film ist dabei nicht annähernd so spannend wie ein Spaziergang im hellen Sonnenschein." (Rainer Casper, FILMJAHR 1982/83)
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"Billiges Italo-Alien-Rip-Off, das Spannung und Atmosphäre vermissen lässt und ausschließlich auf harte, technisch schwache F/X baut." (Andreas Bertler, HÖLLE AUF ERDEN)
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Aktualisiert (Samstag, den 01. Dezember 2012 um 14:43 Uhr)

















