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Air Force One

Benutzerbewertung: / 8
SchwachPerfekt 

 

"Ich habe das nie erleben dürfen, mal so richtig schön patriotisch zu sein. Ich glaube, jeder Mensch braucht im Innersten einen gewissen Stolz auf die eigene Identität, die eigene Sprache, das eigene Land." (Wolfgang Petersen)

 

USA 1997 / O: "Air Force One"

 

Regie: Wolfgang Petersen / Musik: Jerry Goldsmith / Kamera: Michael Ballhaus / Schnitt: Richard Francis-Bruce / Ausf. Prod.: Marc Abraham, Thomas A. Bliss, David Lester / Prod.: Wolfgang Petersen, Armyan Bernstein, Gail Katz, Jon Shestack / Buch: Andrew W. Malowe 

 

Darsteller: Harrison Ford (US-Präsident James Marshall), Gary Oldman (Ivan Korshunov), Glenn Close (Vizepräsidentin Kathryn Bennett), Wendy Crewson (Grace Marshall), William H. Macy (Major Caldwell), Dean Stockwell (Walter Dean), Xander Berkeley (Secret Service Agent Gibbs), Paul Guilfoyle (Lloyd „Shep“ Sheperd), Tom Everett (Jack Doherty), Jürgen Prochnow (General Ivan Radek), Andrew Divoff (Boris Bazylev), Philip Baker Hall (General Andrew Ward), Bill Smitrovich (General Northwood), Glenn Morshower (Agent Walters), Donna Bullock (Melanie Mitchel), Elya Baskin (Andrei Kolchak), Carl Weintraub (Lt. Col. Ingraham), Chris Howell (Major Perkins), Spencer Garrett (Thomas Lee), Willard E. Pugh (Kommunikationsoffizier im Weißen Haus), David Vadim (Igor Nevsy), Levan Uchaneishvili (Sergei Lenski) sowie Dan Shor, Boris Lee Krutonog, Michael Ray Miller, Liesel Matthews, Elester Latham, Ilia Volok, Michael Monks, Alan Woolf, Thomas Crawford, Fenton Lawless, David Gianopoulos, Richard Doyle, Thom Barry, ungenannt: Timothy Carhart (Secret Service Agent am Checkpoint), Robert Duncan McNeill (Soldat in Ramstein), Werner Sonne (deutscher Journalist) u.a. 

Air Furz One 

So kann's kommen, wenn böse, russische Terroristen ausgerechnet die AIR FORCE ONE kidnappen müssen, aber nicht damit gerechnet haben, dass der US-Präsident ein Über-Präsident ist, der die Unholde an Bord fast im Alleingang verdrischt. Ja, so muss er aussehen, der mächtigste Mann der Welt! Zumindest in den wirren Wirrköpfen von Hollywoods Top-Trotteln, welche die pathetischen Tagträumereien des US-Militärs, die wiederum ihnen wohlgesinnte Filmprojekte großzügig unterstützen, Realität werden lassen - als Film natürlich.  

AIR FORCE ONE - selten so gelacht. Da steigt der Präsident der vereinigten Staaten höchstpersönlich ins Flugzeug, um die bösen Buben praktisch im Alleingang zu verdreschen. Für seine Familie, für sein Vaterland, für Amerika. Das ist Chefsache. Hätte dass George W. Bush auch getan? Kann man das von Obama verlangen? Das muss man sich mal auf unsere Verhältnisse übertragen: Wie Angela Merkel als Terroristen-Abwehrgeschoss das Steuer des Bundeskanzler-Jets übernimmt - zusammen mit Wolfgang Schäuble in der Rolle des aufblasbaren Autopiloten aus DIE UNGLAUBLICHE REISE IN EINEM VERÜCKTEN FLUGZEUG. Ein Film, der drohend über diesen Firlefanz schwebt wie der Airbus über einen Segelflieger. 

Wenn Harrison Ford als US-Präsident zum Bruce Willis der Lüfte mutiert und dabei die Fressen von bösen Russen möbliert, hat er das Zeug zum Starkomiker - es fehlen nur noch die schlohweißen Haare von Leslie Nielsen. Dann wäre seine Rolle perfekt. Sein James Marshall ist kein staatsmännischer Biedermann, sondern ein Präsident mit politischer Durchschlagskraft, einer, der das Ruder übernimmt und den Steuerknüppel lenkt. Wenn er sich auf seine glorreiche, heroische Vergangenheit als Vietnam-Veteran besinnt und als Präser die Fäuste schwingt, möchte man aufstehen und zustimmend schreien: "Ja, und Verweigerer haben kleine Pimmel!"

 

Kaum verwunderlich, dass Fords namhafte Mitstreiter desorientiert durch die Kante eiern: Gary Oldman sieht man an, dass er eigentlich gar keine Lust hat, den bösen Russen zu spielen, während Glenn Close in der undankbaren Rolle der Vizeministerin, trotz elegantem Hosen-Anzug, ziemlich zerknittert aussieht: sie konnte sich einfach nicht entfalten. Auch das übrige, hochkarätige Nebendarstellerensemble (u.a. William H. Macy, Dean Stockwell, Xander Berkeley, Philip Baker Hall, Bill Smitrovich) wird verschenkt und unterfordert. Einzige darstellerische Highlights: Jürgen Prochnow's komplett dialogfreier Kurzauftritt und Andrew Divoff als Oldman's Handlanger.

 

Auch wenn die Namen von Regisseur Wolfgang Petersen und Kameramann Michael Ballhaus so einiges versprechen: Das Kasperletheater hoch über den Wolken plumpst schnell ab. Was folgt ist eine mittelprächtig inszenierte, schwerfällige Action-Posse mit einem selten dämlichen Plot, mäßigen, Tricks, zahlreichen Patriotismus-Bekundungen und haufenweise unfreiwillige Komik. Noch ein Film, der komisch ist, gerade weil er sich so furchtbar ernst und wichtig nimmt, mitsamt seiner affektierten Präsidenten-Schleimerei. 

 

Ein interessantes Phänomen der späten 90er war, das deutsche Filmemacher in Hollywood immer etwas patriotischer auftreten mussten als ihre amerikanischen Regiekollegen. Der Emmerich hat's getan (INDEPENDENCE DAY) und Petersen hier auch. Vielleicht weil Nationalstolz-Bekundungen in ihrem eigenen Land, in Doitschland!, immer etwas misstrauisch beäugt wurden. Also dachten sich Rolle und Wolle: nehmen wir all unseren Patriotismus zusammen und lassen ihn im Land der unbegrenzten Möglichkeiten heraus. Wo auch sonst sollte man so eine geballte Ladung Vaterlandsliebe sehen wollen? 

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Kommentare (2)Add Comment
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geschrieben von René Zunk, Oktober 20, 2009
Na, dass Dich da mal Dein Eindruck nicht täuscht
Patriotismus = Werk des Satans
geschrieben von Boris Baran, Oktober 19, 2009
Also, irgendwie kann ich mich des Eindrucks nciht erwehren, dass hier wenige der Film im Vordergrund steht, sondern das Bedürfnis des Autors, die USA mit Dreck zu begießen und Patriotismus als per se schlecht hinzustellen...

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Aktualisiert ( Donnerstag, den 13. August 2009 um 00:08 Uhr )

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