A Sound of Thunder
USA / D / CZ 2002/2005 / O: "A Sound of Thunder" / Prod.: Franchise Pictures; Epsilon Motion Pictures; Apollomedia; OI Quality International; MFF (Sound of Thunder) Limited; Film Group 111; Coco; Crusader Ent.; Scenario Lane/Jericho
Regie + Kamera: Peter Hyams / Musik: Nick Glennie-Smith / Schnitt: Sylvie Landra / Ausf. Prod.: Elie Samha, Romana Cisarova, John Hardy, Rick Nathanson, Jörg Westerkamp, William J. Immerman, Breck Eisner / Prod.: Moshe Diamant, Howard Baldwin, Karen Baldwin / Buch: Thomas Dean Donnelly, Joshua Oppenheimer, Greg Poirier / Story: Thomas Dean Donnelly, Joshua Oppenheimer / LV: Ray Bradbury
Darsteller: Edward Burns (Travis Ryer), Catherine McCormack (Sonia Rand), Ben Kingsley (Charles Hatton), William Armstrong (Ted Eckles), Jemima Rooper (Jenny Krase), David Oyelowo (Payne), Corey Johnson (Christian Middleton), Armin Rohde (John Wallenbeck), Heike Makatsch (Alicia Wallenbeck), August Zirner (Clay Derris), Wilfried Hochholdinger (Dr. Lucas) sowie Andrew Blanchard, John Comer, John Hyams u.a.
Im Jahr 2055 lässt sich mit Zeitreisen so richtig viel Kohle verdienen. Unternehmer Charles Hatton (Ben Kingsley) bietet mit seiner Firma Time Safari Inc. seinen Kunden einen exklusiven Nervenkitzel: einen Ausflug in die Vergangenheit incl. prähistorischen Dinosaurier-Jagden. Strenge Vorschriften müssen eingehalten werden, damit ja nicht der Verlauf der Geschichte beeinflusst wird. Die temporäre Regulierungsbehörde passt schön auf, dass ja nichts schief geht. Natürlich geht was schief. Zeitwellen bringen Natur und Evolution mächtig durcheinander, die Erde verwandelt sich in eine zugewucherte, urzeitliche Dschungelwelt, prähistorische Monster machen Großstädte unsicher. Time-Safari-Leiter Travis Ryer (Edward Burns) und die Wissenschaftlerin Sonia Rand (Catherine McCormack) versuchen den Fehler zu korrigieren und begeben sich erneut auf die Reise in die Vergangenheit, um alles so wieder herzurichten, wie es eigentlich sein sollte...

Die Entstehungsgeschichte zu A SOUND OF THUNDER klingt geradezu bemitleidenswert und so trägt die Katastrophenproduktion mit Recht dieses Gütesiegel, da sie selbst Opfer einer (Natur-) Katastrophe wurde, denn wie bei DIE LIGA DER AUSSERGEWÖHNLICHEN GENTLEMEN soff die Crew mitsamt den Sets beim Jahrhunderthochwasser 2002 in Prag ab. Gluck, gluck, weg waren sie. Damit ging auch das sowieso schon Flop geplagte Studio Franchise Pictures (BATTLEFIELD EARTH, FEAR DOT COM) baden, sprich: sie mussten wenig später Konkurs anmelden. Dabei kündigten sie A SOUND OF THUNDER vorher noch großkotzig als Prestige-Projekt an, was es schließlich auch wurde, wenn auch in ganz anderer Hinsicht. Das halbfertige Werk verschwand für ein paar Jahre im Giftschrank, bis sich jedenfalls ein Mitarbeiter von Warner Bros. 2005 den Jux erlaubte und es ins Kino brachte - als abschreckendes Beispiel dafür, wie man 80 Millionen Dollar für einen Film ausgeben kann und ihn trotzdem so aussehen zu lassen, als hätte ihn Jim Wynorski gemacht. Der kurze Kinosatz, als nachgereichtes Aushängeschild (bzw. Grabstein) für Franchise Pictures sozusagen, fiel natürlich dementsprechend mager aus, um es mal mild zu formulieren, während der unglückliche Streifen hierzulande seine verschämte DVD-Premiere feierte. Vielleicht wäre es besser gewesen, A SOUND OF THUNDER im Archiv des Vergessens verstauben zu lassen, was zumindest für alle daran Beteiligten gilt, die sich eine große Peinlichkeit erspart hätten. Freunde des gepflegten schlechten Geschmacks werden auf jeden Fall auf ihre Kosten kommen, denn eines ist jetzt schon sicher: Trotz seines jüngeren Entstehungsdatums darf sich A SOUND OF THUNDER schon jetzt zu den schlechtesten Science-fiction-Filmen aller Zeiten rühmen.
Wann immer sich Hollywood in den voran gegangenen Jahren im klassischen Science-fiction-Film dem Thema Zeitreise widmete, wie in Simon Well's nutzlosem Remake THE TIME MACHINE und Richard Donner's durchschnittlichem TIMELINE geschehen, so kamen doch nur uninspirierte Genre-Spielereien heraus, die an der Kinokasse versagten und im Heimkino immerhin als netter Zeitvertreib am verregneten Sonntagnachmittag durchgingen. Ausgerechnet Filme wie Richard Kelly's Geniestreich DONNIE DARKO oder THE BUTTERFLY EFFECT, eher der Sparte Mystery-Drama zuzuordnen, gingen weitaus differenzierter mit der Eingriff-in-die-Zeit-Thematik um. Tja, die Sache mit dem Schmetterling. Der Flügelschlag eines Schmetterlings kann schon einen schlechten Film auslösen. In diesem Fall: A SOUND OF THUNDER, der pure Nonsens! So haarsträubend schlecht, vollkommen daneben, total peinlich und gründlich misslungen, dass die Frage im Raum steht, warum sich der eigentlich renommierte Peter Hyams nicht hinter dem gebräuchlichen Pseudonym Alan Smithee versteckte, was in diesem besonders schwerwiegenden Fall von künstlerischem Totalausfall verständlich gewesen wäre. Das spricht aber wiederum für Hyams, der bislang für gut unterhaltende Genre-Kost wie die Arthur-C.-Clarke-Verfilmung 2010, das 12 UHR MITTAGS-im-Weltraum-Abenteuer OUTLAND und das Monster-Revival DAS RELIKT bürgte und immerhin zu der Scheiße, die er verzapft hat, steht. Respekt, so viel Mut hat nicht jeder. Als Regisseur und Kameramann, wo er eigentlich als Routinier gilt, legt er zwei glatte Fehlleistungen hin, die eines Fred Olen Ray ebenbürtig sind.
Es ist einfach nicht zu fassen, was man hier zu sehen bekommt. Man weiß nicht, ob man den Film bedauern oder belachen soll. Was ist es, was diesen Film so sagenhaft schlecht macht? Sind es es die durch die Bank weg mies agierenden Schauspieler, die ebenso unprofessionell spielen wie sie vor der sprichwörtlichen Leinwand abgefilmt wurden? Wer sehen will, wie die Blue- bzw. Greenscreentechnik im Jahre 2005 funktioniert und Menschen, Autos, Straßen und Wolkenkratzer in einer Zukunftsvision, welche das Jahr 2055 repräsentieren soll, eine bizarre Symbiose eingehen, sollte sich den Film nicht entgehen lassen. Es näher zu beschreiben, würde dem nicht gerecht werden. Tatsächlich sind die Spezialeffekte wahrhaft prähistorisch, vor allem, wenn man in Betracht zieht, was schon ganze Jahrzehnte vorher phänomenales auf diesem Gebiet geleistet wurde. Ich habe noch nie solche schlechten Spezialeffekte in einem Film dieser Größenordnung gesehen. So schlecht, dass der Film selbst einen geradezu surrealen Touch bekommt. Hier passt absolut nichts zueinander. So gerne hätte ich diese schlechten Spezialeffekte auf der großen Leinwand bestaunt.
Was gibt es noch alles, was diesen Film so besonders ... schlecht werden lässt? Jede Menge. So kann man zum Beispiel Armin Rohde und Heike Makatsch entdecken, die man hier am wenigsten vermutet hätte und sich im herrlich trashigen Einstiegs-Opener, wo sie im sterilen Computerspiel-Dschungel mit lustigen Plastewaffen vor einer lausigen Dino-Animation herumfuchteln dürfen, als chargierende Zeitreisetouristen und desorientierte Gastrollen-Fuzzis verheizen lassen. Rohde, Makatsch, Hochholdinger und Zirner tapsen durch eine urzeitliche Dschungelwelt, die an einem Rechner kreiert wurde, der offensichtlich noch mit Windows 95 arbeitet. Hilfe, ich bin kein Star, holt' mich trotzdem raus! Ich sage: Laßt sie dort! Vielleicht mag es sie gereizt haben, Seite an Seite mit dem international geschätzten Ben King ... äh, sorry ... Sir Ben Kingsley (sonst isser eingeschnappt) zu spielen, unabhängig davon, was das auch für ein Mist sein mag, in dem sie mitmachen dürfen ... müssen. Dabei ist doch hinlänglich bekannt, dass Sir Benny in den letzten Jahren nicht unbedingt wählerisch bei seiner Rollenwahl ist, solange nur der Gagenscheck stimmt. Wird er sich gedacht haben und unterschrieb den Vertrag zu Dr. Uwe Bolls Meisterstück BLOODRAYNE, wo er auf besonders beeindruckende Weise demonstrierte, wie mies auch international geschätzte Schauspieler sein können. Hier sticht er jedoch als gieriger Firmenboss, der mit seiner weißen Perücke aussieht wie eine Mischung aus Edmund Stoiber und Dr. Exeter aus METALUNA IV ANTWORTET NICHT, augenrollend und wild gestikulierend aus dem leblosen Cast heraus und lässt insbesondere Burns und McCormack, dass langweiligste (Alp-) Traumpaar in einem Zeitreisefilm, ziemlich alt aussehen.
Mit jeder weiteren Zeitwelle, welche die belämmerten Drehbuch-Heinis durch das abstruse Geschehen in Richtung Blödsinn schwappen lassen, verwandelt sich die gewohnte Umgebung in eine seltsame Dschungelwelt, die allerlei Gefahren bereit hält: Scharen gefräßiger Krabbelkäfer, hinterhältiges Pflanzengestrüpp, mies animierte Seeschlangen, ulkige Mensch-Fisch-Mutationen, garstige Riesenfledermäuse und eine Horde echsenartiger Affen (oder was auch immer) zeigen sich fast alle in aggressiver Kampfstimmung. Was folgt ist eine lumpige Endloshatz mit primitiv getricksten Monster-Angiffs-Szenen, bei der so nebenbei versucht werden muß, das Geschehene ungeschehen zu machen. Ziemlich dreist, dass uns dieser Unfug allen Ernstes als Ray-Bradbury-Verfilmung verkauft wird. Schwer zu sagen, was Hyams und seine Autoren ursprünglich im Sinn hatten, man hofft eigentlich nur, das es vom katastrophalen Endergebnis abweicht und der Film aufgrund seiner chaotischen Drehbedingungen eben etwas anders ausfiel als geplant.
- Bei diesem misslungenem Sci-Fi-Actioner fragt man sich angesichts der peinlichen Spezialeffekte 90 Minuten lang, wofür das viele Geld ausgegeben wurde. (DVD VISION 03/2007)

| < Zurück | Weiter > |
|---|
Aktualisiert ( Freitag, den 21. August 2009 um 23:33 Uhr )


















