Zombi III
ZOMBI 3
I 1988 / O: „Zombi 3“ / AT: „Zombie 3“ / Laufzeit: 88 Minuten (X-Rated-Video-Fassung)
Regie: Lucio Fulci, Bruno Mattei [ungenannt], Claudio Fragasso [ungenannt] (?) / Musik: Stefano Mainetti / Kamera: Riccardo Grassetti / Prod.: Franco Gaudenzi / Buch + Story: Claudio Fragasso
Darsteller: Deran Sarafian (Ken), Beatrice Ring (Patricia), Ottaviano DellÂ’Acqua [als Richard Raymond] (Roger), Massimo Vanni [als Alex McBride] (Bo), Ulli Reinthaler (Nancy), Mike Monti (Commander Bryant), Robert Marius (Prof. Holder) sowie Deborah Bergamini, Marina Loi, Luciano Pigozzi, ungenannt: Bruno Mattei, Claudio Fragasso (Soldaten im Krematorium) u.a.
Terroristen überfallen ein von der Regierung in Auftrag gegebenes Experiment, welches Tote ins Leben zurückkehren läßt. Ein Wissenschaftler infiziert sich dabei mit einem hochgefährlichen Serum, daß ihn und jeden, der mit ihm in Kontakt kommt, in eine Bestie verwandelt. Die Regierung überlässt die Beseitigung des Problems schießwütig-sturen Militärs, die in Strahlenschutzanzügen auf alles knallen, was ihnen vor die Flinte kommt – egal ob tot oder nicht tot. Die grausam zugerichtete Leiche des Mannes wird im Krematorium verbrannt, doch die Rückstände in Form von Rauch und Asche, die gen Himmel entweichen, sind erst der Anfang einer grauenvollen Epidemie. Zuerst fallen die Vögel vom Himmel, anschließend attackieren sie Menschen, die sich daraufhin in blutrünstige Zombies verwandeln. Das Experiment ist geglückt, der Patient tot...
...und dieser Film ebenfalls. Eigentlich hatte Lucio Fulci im Sinne gehabt, mit ZOMBI 3 an seine lose Zombie-Trilogie (bestehend aus WOODOO – SCHRECKENSINSEL DER ZOMBIES, 1979, EIN ZOMBIE HING AM GLOCKENSEIL, 1980, und GEISTERSTADT DER ZOMBIES, 1981) anzuschließen, doch noch vor seinem Tod am 13.03.1996 sagte er, daß er sich für diesen Film schämt. Und mit dieser selbstkritischen Einschätzung ist das Schicksal von ZOMBI 3, der sich auch noch rotzfrech als Fortsetzung von Romeros ZOMBIE 2 – DAS LETZTE KAPITEL ausgibt, besiegelt. Obwohl Fulci gar nicht mal die Hauptschuld an dem Desaster trifft. Nach schwerer Krankheit musste er die Dreharbeiten abbrechen, der gefürchtete Bruno Mattei (KZ 9, 1977; HELL OF THE LIVING DEAD, 1980; CONTAMINATOR, 1989; ISLAND OF THE LIVING DEAD, 2006) übernahm das Ruder, was in jedem Fall das schlimmste erahnen ließ. Wenn man vom schlimmsten ausgeht, kann einem das Schlimme nicht mehr erschüttern und trotzdem gehtÂ’s immer wieder noch einen Tick schlimmer, wie etwa der schräge Auftritt wahnwitzig wankender Asia-Karnevals-Zombies zu Beginn beweist. Bleibt die Frage, ob Fulci vorher das Drehbuch von Claudio Fragasso (rein zufällig der Stammautor von Mattei) gelesen hat, denn da hätte er besser die Finger davon gelassen. Welchen Anteil Fulci am fertigen Endprodukt hat, läßt sich kaum noch nach vollziehen. Mal ist von einer Viertelstunde die Rede, andere Quellen sprechen von 50 Minuten, aber der kaum ausgereifte, unprofessionelle Stil ähnelt doch mehr Mattei als Fulci. Wenn er nicht mal ein Gespräch in einem fahrenden Auto durch die Nacht überzeugend hinbekommt, kann man eigentlich kaum was vernünftiges erwarten. Der übermäßige Einsatz der Nebelmaschine soll eine apokalyptische Endzeitstimmung herauf beschwören ... Pustekuchen. Schon die konfuse Erzählweise, mit der er und sein Autor Fragasso zu Werke gingen, läßt sie als vollkommene Nieten auf ihrem Gebiet erscheinen, denn obwohl ZOMBI 3 jederzeit vorausschaubar ist, bleibt er unterm Strich ziemlich wirr und unlogisch dahingerotzt. Auch sind es weniger die bekannten Handlungsmotive, die immer und immer wieder hochgekaut werden, sondern viel mehr der schlichte Ideenklau aus bedeutend besseren Genre-Vertretern, der einen ärgert. Wie in Dan OÂ’Bannons RETURN OF THE LIVING DEAD ist eine bakteriologische Verseuchung für die Zombie-Epidemie verantwortlich, wie in RE-ANIMATOR führen besessene Wissenschaftler bestialische Experimente durch, wie in ZOMBIE 2 liegen Forscher und gewaltbereite Militär-Schergen im Clinch miteinander, daneben finden sich Motive aus Romeros CRAZIES, Jorge GrauÂ’s LEICHENHAUS DER LEBENDEN TOTEN, und sogar Hitchcocks DIE VÖGEL. Dazwischen blutige Schusswechsel, müde Verfolgungsjagden, Kampfgetümmel und Schauspieler, die sich kaum von den Heerscharen an torkelnden Untoten unterscheiden. Richtig peinlich wirdÂ’s, wenn der finale Schlussgag aus dem Klassiker NIGHT OF THE LIVING DEAD tölpelhaft imitiert wird, so daß ich diesen zur Strafe verrate. Einer der letzten Überlebenden wird von Soldaten in Strahlenschutzanzügen niedergeschossen, und damit auch der dümmste Hinterwäldler merkt, „Aha! Gesellschaftskritik!“, schreit dieser noch: „Ich bin kein Zombie! Ich bin kein Zombie!“
Die ökokritischen Aspekte, die Warnung vor der Umweltzerstörung und dem Eingriff des Menschen in die Natur, verpuffen in einem inhaltlich wirren und schlecht geschnittenem Durcheinander voller Anschlussfehler und dienen im Prinzip nur als vorgegaukelte Fassade, um irgendwie die wilden Zombie-Attacken und derben Gore-Eskapaden zu rechtfertigen. Und da geht die Post ab: Zerfetzte Gesichter, abgetrennte Gliedmaßen, ein umher fliegender Kopf, der sich schön in die Kehle eines anderen festbeißt, Zombies, die in menschlichen Innereien herumwühlen, als so genannter Höhepunkt die Geburt eines Zombie-Babys usw. Ein Blutschlucker-Machwerk der übelsten Sorte, aber auf seine primitive, comichafte und unnachahmlich unfreiwillig komische Art unterhaltsam – den entsprechend schlechten Geschmack vorrausgesetzt.
· Bruno MatteiÂ’s Name wird in den Credits nicht erwähnt, obwohl man ihn anprangern sollte. Die Produzenten setzten nicht nur auf den Titel ZOMBI 3, auch mit dem Namen Lucio Fulcis erhofften sie sich satte Gewinne.
· Deran Sarafian ließ die Finger von der Schauspielerei, was ein kluger Entschluss war, und entschloss sich, wie sein Vater Richard C. Sarafian, Regisseur zu werden – mit wechselndem Erfolg. Auf seine Kappe gehen u.a. der blutige Monster-aus-dem-All-Schocker ALIEN PREDATOR (1987), das Van-Damme-Hau-Drauf-Spektakel MIT STÄHLERNER FAUST (1990), der actionreiche Geißel-Thriller ROADFLOWER (1993, mit Christopher Lambert), der rasante und gelungene TÖDLICHE GESCHWINDIGKEIT (1994, mit, Charlie Sheen u. Nastassja Kinski) und das dümmliche Buddy-Movie GUNMEN (1994, mit Lambert, Mario Van Peebles und Patrick Stewart). In letzter Zeit inszenierte er diverse Episoden u.a. für BUFFY – IM BANN DER DÄMONEN, NASH BIDGES, CSI: MIAMI, CSI: CRIME SCENE INVESTIGATION, CSI: NY, LOST und HOUSE M. D. Für sein Regiedebüt, die Science-Fiction-Billigproduktion INTERZONE (1987, mit Bruce Abbott und erneut Beatrice Ring), vertraute er voll und ganz auf die Hände von Drehbuchschmierer Claudio Fragasso.
· „Völlig unnötiger Zombie-Aufguss ... Horrorkino zum Abgewöhnen.“ (Frank Trebbin, DIE ANGST SITZT NEBEN DIR)
· „Blutiger Zombie-Film, der Elemente des Horrors übersteigert und zuspitzt, der jedoch auch ein gallig-ironischer Kommentar zur Umweltzerstörung mit ihren realen katastrophalen Konsequenzen ist.“ (LEXIKON DES INTERNATIONALEN FILMS)
· „Das Ergebnis fällt dementsprechendplanlos und katastrophal aus und bietet lediglich Liebhabern derbster Gore-Effekte etwas fürs Auge.“ (Harry Lieber, HÖLLE AUF ERDEN)
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geschrieben von Eastman, Februar 22, 2007
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Aktualisiert (Dienstag, den 24. April 2007 um 01:49 Uhr)
















