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"Gott wird ganz sicher bald zurück schlagen. Amen."
 
 
USA 2009 / O: "Zombies of Mass Destruction" / Prod.: Typecast Pictures / Laufzeit: 85 Min. (uncut) / FSK: ab 18
 
Regie: Kevin Hamedani / Musik: Andrew Rohrmann / Kamera: John Guleserian / Schnitt: Andrew McAllister / Ausf. Prod.: Ali Hamedani, John Sinno / Prod.: John Sinno / Buch: Kevin Hamedani, Ramon Isao / Spezialeffekte: Tom Devlin
 
Darsteller: Janette Armand (Frida Abbas), Doug Fahl (Tom Hunt), Cooper Hopkins (Lance Murphy), Bill Johns (Reverend Haggis), Russell Hodgkinson (Joe Miller), Ali Hamedani (Ali Abbas), Cornelia Moore (Cheryl Banks), James Mesher (Bürgermeister Burton), Andrew Hyde (Brian Miller) sowie Ryan Barret, Victoria Drake, Linda Jensen, Sydney Sweeney, Jake Gear, Erik Lagace u.a.
  
 
ZOMBIEWORLD - eine Welt voller Zombies. Eine Feststellung, die im Angesicht dessen, was da so auf dieser Welt tagein, tagaus passiert, als gar nicht so unpassend empfunden werden dürfte. Allerdings: mit dem deutschen Titel wollte der hiesige Verleih offensichtlich Assoziationen zum Untoten-Klamauk ZOMBIELAND, welcher 2009 an den Kinokassen für Furore sorgte, herstellen, was in diesem Fall nicht ganz so passend ist, da der hier vorliegende Beitrag viel besser mit der Resurrection-Thematik umzugehen weiß.
ZOMBIEWORLD heißt im Original ZOMBIES OF MASS DESTRUCTION und bekommt in der Titeleinblendung so einen schön retromäßigen 70er-Jahre-Schriftzug spendiert, womit Regiedebütant Kevin Hamedani erstmals die Nähe zu den Romero'schen Zombiefilmen (allen voran natürlich NIGHT OF THE LIVING DEAD, 1968, und DAWN OF THE DEAD, 1978) sucht. Was noch darüber hinaus geht, denn beim näheren Betrachten wird man feststellen, dass er sich viel näher in dieser Tradition bewegt als so manch anderer Beitrag der vergangenen Dekade über die lebenden Toten. Mittlerweile vergeht ja kaum noch ein Monat ohne einen neuen Zombiefilm. Nicht zu vergessen: die Zombie-Comedy, in deren Kategorie nicht nur der leicht überschätzte ZOMBIELAND, sondern auch der hier besprochene Beitrag rutscht. Hier fällt aber das Lachen über die lebenden Toten deutlich hintersinniger aus, nicht umsonst wurde ZOMBIEWORLD mit "A Political Zomedy" beworben.
 
Angesiedelt ist die hier vorliegende Geschichte im Jahre 2003, also zwei Jahre nach 9/11, wo noch ein gewisser George W. Bush auf der Achse des Blöden ritt und auf der Jagd war nach jenen Feindbildern, die er sich selbst, stellvertretend für ganz Amerika, eingebrockt hat. Handlungsort ist hier das Bilderbuchstädtchen Port Gamble unweit von Washington, da, wo die amerikanische heile geile Welt noch in Ordnung ist.
 
Port Gamble liegt genau da, wo gefälligst republikanisch gewählt wird, da, wo sich engagierte Christen rund um den fundamentalistischen Gemeindepfarrer versammeln um die Schwulen mittels Schock-Therapie von ihrer Krankheit zu heilen, wo Homosexualität ebenfalls als Sündefall angeprangert wird wie die Abtreibung ungewollter Schwangerschaften, wo aufrechte, amerikanische Bürger sich im Keller ihren Folter- und Verhörpraktiken widmen, um dem vermeintlich Bösen auf die Schliche zu kommen und - überhaupt - all das gottlos ist, was nicht den eigenen Normen (und seien sie auch noch so abnorm) entspricht. Schuld an allem haben, wenn schon nicht diese Demokraten, dann zumindest die Islamisten, die ja sowieso alle Terroristen sind. Über diese Idylle weht dann die amerikanische Flagge und der obligatorische weiße Zaun umrahmt die bürgerliche Fassade. In solchen Ortschaften wird man nicht alt - man sieht alt aus.
 
Die Hauptprotagonisten sind hier drei Heimkehrer; drei junge Leute, die ihrer Heimat einst den Rücken kehrten und genau dort wieder auftauchen. Da wäre zum einen die gebürtige Iranerin Frida (Janette Armand), die sich selbst wie eine Amerikanerin fühlt, aber von allen nur für eine Irakerin gehalten wird. Wenn man schon ein bisschen orientalisch aussieht... Und da wäre zum anderen das schwule Pärchen Lance (Cooper Hopkins) und Tom (Doug Fahl) - letzterer bereitet sich nun schon seit Jahren auf das Coming Out gegenüber seiner streng-konservativen Mutter vor. Und dann war ja auch noch dieser Zombie, der ans Land gespült wurde und sich schnell daran macht Port Gamble mit seinem Virus zu infizieren. Während die entsprechenden Medien der Bevölkerung unmissverständlich klar macht, dass islamische Terroristen einen Zombie-Virus in Umlauf gebracht haben, müssen Frida, Lance und Tom bald feststellen, dass Zombies in so einem Ort nicht ihr einziges Problem sind...
 
Zombieworld  
 
Regieneuling Kevin Hamedani huldigt dem Zombiefilm á la George A. Romero - und das jetzt nicht nur in Bezug auf grotesk-blutige Splattereffekte und eine langsam vor sich hin trottende Zombie-Meute, die im Gegensatz zu 28 DAYS LATER (2003) oder Zack Snyder's gelungenem DAWN OF THE DEAD-Remake (2004) gemächlich vor sich hinstakst, aber deshalb nicht weniger bedrohlich ist.
Romero's NIGHT OF THE LIVING DEAD und DAWN OF THE DEAD waren vortreffliche, bissige (und das im wahrsten Sinne des Wortes) Gesellschaftsstudien- und satiren, in denen der amerikanischen Nation sowie dem Rest der Welt der Spiegel vor die Nase gehalten wurde. Dazu bieten sich Zombies geradezu an. Schön, wenn Hamedani dieser Tradition folgt, auch wenn Subtilität hierbei nicht unbedingt das Wort der Wahl ist. Warum aber auch. Natürlich ist das alles hier ziemlich auf die Spitze getrieben und total übertrieben - auch ein Merkmal der Satire, die hier bisweilen in blanken Zynismus umschlägt. Schlimmstenfalls kann es aber auch sein, dass nicht der Film zynisch ist, sondern diese Welt mitsamt ihren Missständen und von denen einige hier anprangert werden.
 
Mit seinem gelungenem Debütfilm nimmt Hamedani nicht nur Homophobie, Rassismus und Religionswahn, sondern auch die Angst und die Paranoia seiner Landsleute auf's Korn, mitsamt ihren dämlichen Vorurteilen. Vielleicht das einzige, was die Menschheit als ihren Besitz und ihre Errungenschaft zählen darf. Vorurteile sind dazu da, dass man sie hegt und pflegt, komme da was wolle - und wenn es ein Zombie ist. Manchmal, so scheint es, waren die Zombies schon vor der Infektion da, was stellvertretend für Ortschaften wie Port Gamble gilt. Auf anderen Erdteilen brachte das ganz andere grunzende Untote hervor: die Sarrazin-Zombies!
 
Hamedani veranschaulicht diesen Quark rund um die Vormachtsstellung von Religionen ganz wunderbar, was besonders für folgende Szene gilt: da trauern der fundamentalistische Reverend und der konservative Bürgermeister den guten, alten Zeiten nach, jene Zeiten, "wo es noch zwei Andachten pro Woche gab und Clinton unser Sündebock war", während, zeitgleich das sie sprechen, die junge Iranerin Frida die Gardinen zuzieht, weil ja niemand sehen soll, wie ihr Vater auf dem Gebetsteppich seine Religion ausübt. Dieser wiederum beschwört seine aufmüpfige Tochter: "Du bist Teil einer realen Kultur, reale Geschichte, du bist Iranerin." Dabei möchte Frida nur Frida sein.
 
So ist das im diffusen Dunstkreis zwischen Religion und Freiheit: Die einen beklagen den Werteverfall, die anderen verharren in ihren Traditionen. Die einen beten Gott an, die anderen das, was sie dafür halten. Es gibt Leute, für die ist Gott "die goldene Stimme aus Prag". Warum nicht. Jedem das seine. Die einen suchen auf der Achse des Bösen den Teufel, andere wiederum finden ihre Berufung im Selbstmordattentat, vorzugsweise im Berufsverkehr, verbunden mit der Hoffnung, dass dann 72 Jungfrauen da oben im Paradies warten. Im schlimmsten Fall kann es aber auch nur eine 72 Jahre alte Jungfrau sein. Im Leben kann man nicht alles haben, Im Tod übrigens auch nicht. Als Zombie kann der Selbstmordattentäter (und nicht nur der) sich sein Frischfleisch noch selber aussuchen. Da spielt das Alter dann auch keine Rolle mehr.
 
Gegen ZOMBIEWORLD wirkt ZOMBIELAND geradezu belanglos; ausgerichtet auf den reinen Klamauk. Auch das kann unterhaltsam sein, doch hier kommt der Witz ungleich boshafter und hintergründiger rüber, z.B. wenn die dicke Mutti just in dem Augenblick zum Zombie mutiert, als ihr Sohn sich endlich mal durchgerungen hat ihr gegenüber sein Coming Out einzugestehen. Und was unser Abendland betrifft, bleibt hier vor allem für jene, die es ständig bedroht sehen (z.B. durch den Islam) eine wahrhaft erlösende Feststellung: "Wir haben den größten Zombie der Geschichte an unserer Seite: Jesus Christus!" Amen.

 


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Aktualisiert (Freitag, den 08. Oktober 2010 um 21:21 Uhr)

 
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