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"Eine Komödie, die Euch killt."
 
 
USA 2009 / O: "Zombieland" / Prod.: Columbia Pictures, Relativity Cinema, Pariah / Laufzeit: 84 Min. (uncut) / FSK: ab 16
 
Regie: Ruben Fleischer / Musik: David Sardy / Kamera: Michael Bonvillain / Schnitt: Peter Amundson, Alan Baumgarten / Ausf. Prod.: Ezra Swerdlow, Paul Wernick, Rhett Reese, Ryan Kavanaugh / Prod.: Gavin Polone / Buch: Rhett Reese, Paul Wernick / Visuelle Effekte: Paul Linden / Make-Up-Effekte: Tony Gardner
 
Darsteller: Jesse Eisenberg (Columbus), Woody Harrelson (Tallahassee), Emma Stone (Wichita), Abigail Breslin (Little Rock), Amber Heard (406), Derek Graf (Zombie Clown) sowie Bill Murray (als sich selbst) und jede Menge Zombies
 
 
Die Zombies sind mal wieder los und sie haben das ganze Land überrannt. Herzlich willkommen in den vereinigten Staaten von Zombieland. Als Amerikas Antwort auf SHAUN OF THE DEAD wurde dieses komödiantisch angerichtete Zombie-Inferno beworben, das sich in den Staaten an der Kinokasse als ausgesprochen erfolgreich erwies und hierzulande mit fetten Vorschusslorbeeren bedacht wurde. Doch wird ZOMBIELAND diesem Hype wirklich gerecht?
 
Zumindest finden Regisseur Ruben Fleischer und seine beiden Autoren in ihrem flotten Intro einen tollen Einstieg (incl. Vorspann), wo sie ein von Zombies bevölkertes Amerika außer Rand und Band zeigen. Mit weitschweifigen Erklärungen für dieses ganze Untoten-Dasein hält man sich nicht lange auf; nur nebenbei wird erwähnt, dass ein Virus á la Rinderwahn häppchenweise in Hamburgern erst portioniert, dann konsumiert wurde und schließlich ganz Amerika zombifizierte. Die Auswirkungen kennt man aus anderen Zombiefilmen: verwitterte Ortschaften, verlassene Landschaften, ausgestorbene Straßen, wahlweise mit oder ohne Auto-Karambolagen. Die Zombies sind denn freilich auch in der Überzahl; im Film wird man ganze 5 Menschen sehen, die nicht von einem Zombie gebissen werden.
 
Durch dieses Zombieland schlägt sich der wuschelköpfige Computer-Nerd Columbus (Jesse Eisenberg) mit insgesamt 31 selbst aufgestellten Regeln, die ihm bislang das Überleben ermöglichten und hier und da nach Gebrauch eingeblendet werden. Irgendwann begegnet er einer Frohnatur namens Tallahassee (Woody Harrelson), ein Kämpfer der Straße, der es mit jedem Zombie aufnimmt - nicht zuletzt wegen des beträchtlichen Waffenarsenals, dass er mit sich führt. Man arrangiert sich und fährt so durch's Zombieland, bis sie im Lebensmittelmarkt auf zwei Mädels treffen: Wichita (Emma Stone) und ihre kleine Schwester Little Rock (Abigail Breslin). Die erweisen sich als ziemlich ausgebufft und luchsen Columbus und Tallahassee Wagen und Waffen ab. Doch auch das Zombieland ist manchmal nur ein Dorf...
 
Zombieland
 
 
So richtig lohnt es sich hier eigentlich nicht, sich mit einer Inhaltsangabe abzumühen, ganz einfach: weil es keine Handlung gibt, die es zu erzählen gilt. Dabei sorgt die actionbetonte Mischung aus Zombies und Gags zunächst durchaus für Kurzweil.
Spätestens seit dem hinreißenden SHAUN OF THE DEAD sind sie ja auch angesagt: die Zombies, über die man mal so richtig herzlich lachen kann. Das brachte Filme hervor die BOY EATS GIRL (2005) oder DANCE OF THE DEAD (2008) hießen und mal wieder im pubertären High-School-Milieu spielten, was ja auch nicht immer Garant für eine zündende Komödie ist. Was die von SHAUN OF THE DEAD ausgelöste Untoten-Comedy anbelangt, so ist hier vor allem der vergnügliche und vorzügliche FIDO (2006) erwähnenswert, weil hier der gute, alte Zombie im Gewand einer bissigen Gesellschaftssatire daher kam.
An und für sich ist ja so eine Zombie-Attacke alles andere als lustig, wie Pee Wee Vignold in der DEADLINE #18 so treffend schreibt: "Zombiefilme waren dementsprechend blutig, trist und düster und haben mit bestechender Regelmäßigkeit den Jugendschutz auf den Plan gerufen, der gerne mal alles einkassiert hat, was das Z-Wort und einen halb verwesten Untoten auf dem Cover hatte." Rückblickend betrachtet gibt es allerdings einige torkelnde Zombie-Epigonen, die sich damals an Romero und Fulci (die Gottväter des Zombiefilms) versuchten ranzumachen und an denen der Zahn der Zeit genagt hat, was heute bestenfalls unfreiwillig komisch aussieht. Das es auch anders geht, bewiesen in den guten, alten 80ern Regisseure wie Dan O'Bannon (RETURN OF THE LIVING DEAD, 1984), Stuart Gordon (RE-ANIMATOR, 1985) und Brian Yuzna (BRIDE OF RE-ANIMATOR, 1989), die ihren Zombie-Auftritten wirklich komische Momente entlockten konnten. Die Folgen: schwarzer, grotesker Humor, gepaart mit rabiater, hemmungsloser Gewalt. In dieser Hinsicht ließ es 1992 der Neuseeländer Peter Jackson mit BRAINDEAD so richtig krachen, womit ausgerechnet der spätere HERR DER RINGE-Regisseur einen der blutigsten und zugleich lustigsten Filme aller Zeiten fabrizierte. 
 
Davon ist der (trotz FSK16) auf familienfreundliche, zumindest aber konventionelle Unterhaltung ausgerichtete ZOMBIELAND weit entfernt. Nach einem furiosen Beginn flacht die Geschichte merklich ab und schon bald macht sich das Fehlen einer Story alsbald bemerkbar, was aber von einem anspruchslosen Mainstream-Publikum als nicht weiter störend empfunden werden dürfte.
 
Das Fehlen eines roten Fadens wird gekrönt mit einem eher einfallslosen Finale, auf das der Film vollends zusteuert. Im Grunde genommen existiert so etwas wie eine Handlung nicht, lediglich eine eher uninspirierte Aneinanderreihung diverser Szenen, in denen hier und da ein paar Zombiegestalten lauern. Das hat auch seine Ursache: Ursprünglich sollte ZOMBIELAND der Pilotfilm für eine geplante Fernsehserie sein, beides jedoch wurde nicht realisiert. Dennoch hielt man an dem Projekt fest und so schaffte es die Ausgangsidee schlussendlich auf die Leinwand, wo nach dem Erfolg des Films eine Kinoreihe nicht ausgeschlossen ist. Der anvisierte Pilotfilm sollte als Cliffhanger mit jener Szene enden, die man in diesem Film (wie einfallsreich!) gleich 2x vorfinden wird: nämlich wie die beiden ausgebufften Schwestern den Jungs ihren Van unter'm Hintern klauen und einfach davon fahren. So musste für ZOMBIELAND ein neues Finale gefunden werden: hier ist es also der Kampf im Freizeitpark, in dem die beiden Schwestern ja unbedingt hin wollten.  
 
Für sich genommen ist ZOMBIELAND, so vordergründig unterhaltsam er auch sein mag, ein Film voller verschenkter Möglichkeiten. Das selbst auf erstellte Regelwerk, auf das sich Columbus ständig beruft, ist in seiner Darbietung leidlich amüsant, aber letzten Endes nur eine lahme Variation des von Max Brooks verfassten "Zombie Survival Guide's", der Überlebensratgeber schlechthin, wenn es um die Abwehr von Untoten geht. Die Grenzen zwischen Horror und Humor auszuloten, das gelang den Machern von SHAUN OF THE DEAD deutlich treffender, witziger, intelligenter und drastischer. ZOMBIELAND ist dagegen nur eine karnevaleske Nummernrevue, bei der am Ende zwei, drei Highlights in Erinnerung bleiben. An vorderster Stelle mit dabei: die Stippvisite in die üppig ausgestatte Luxusvilla von Bill Murray, der als verkleideter Zombie sich so eine Mühe gab, um am Leben zu bleiben, nur um dann doch ziemlich unrühmlich aus dem selbigen zu scheiden ("Scheiße, ich habe Bill Murray erschossen!"). Interessant wäre es aber auch gewesen, wenn hier der falsche Zombie von einem richtigen Zombie massakriert worden wäre - mit den daraus resultierenden Konsequenzen.
 
Die Zombies selbst wissen hierbei durchaus zu gefallen, was an dem gelungenem Make-Up liegt, wofür Rick-Baker-Schüler Tony Gardner und sein Team verantwortlich ist. Das erste Mal überhaupt, dass er mit Zombies in Berührung kam, war gleich am Beginn seiner Karriere:  im Michael-Jackson-Video zu "Thriller".
Eine gute Figur machen auch die beiden männlichen Hauptdarsteller: Woody Harrelson legt hier seine Rolle irgendwo zwischen seinem CHEERS-Charakter Woody Boyd (den er zwischen 1985 und 1993 verkörperte) und seinem legendären Mickey Knox aus NATURAL BORN KILLERS (1994) an, während sein junger Kompagnon Jesse Eisenberg als Computer-Nerd mit Reizdarm und Clown-Phobie zu gefallen weiß. Was ich von den beiden weiblichen Parts nicht behaupten kann: Emma Stone bleibt eine beliebige Austauschnummer, während man ihre kleine Filmschwester Abigail Breslin (ohne Zweifel eine talentierte und wandlungsfähige Nachwuchsschauspielerin) als nervige, vorlaute Rotzgöre gerne als mutierende Untote gesehen hätte - mit der Endkonsequenz, dass ihr jemand dann die kleine Rübe wegballert. Das hätte in diesem Film zugegebenermaßen nicht mehr gepasst, aber immerhin wäre damit ein Wunsch von Breslin in Erfüllung gegangen. Wie sehr nervte sie doch im Making of damit, dass sie auch mal gerne ein Zombie gewesen wäre. Mit ihren 12, 13 Jahren, die sie während der Dreharbeiten alt war, dürfte es aber unwahrscheinlich sein, dass sie jemals einen von diesen "richtigen" Zombiefilmen gesehen hat. Diese Tatsache steht symptomatisch für den gesamten Film: Den meisten Spaß dürften hier diejenigen haben, die sich sonst nicht weiter in der Materie auskennen, aber auch mal sehen wollen, wie denn so ein Zombie auf der Leinwand (oder wahlweise im Heimkino) aussieht.    
 
Unter'm Strich ist ZOMBIELAND unterhaltsam, manchmal durchaus spaßig, wird aber dem Hype, der im Vorfeld stattfand, keineswegs gerecht.
 
 
  • Wegen des Konsums von Marrihuana wurde Woody Harrelson kurzzeitig verhaftet, was der Produktion des Films einen Tag kostete. Harrelson und Murray sah man schon einmal zusammen in einem Film: KINGPIN (1996) von den Farrelly-Brüdern. Während des Herrenhaus-Besuchs bei Bill Murray wird Golf im Wohnzimmer gespielt, was man als kleine Reminiszenz zu CADDYSHACK (1980) deuten könnte. Was jeden Spaß machen würde: mit Bill Murray in dessen Hewimkino GHOSTBUSTERS (1984) gucken
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  •  Ursprünglich war auch ein Cameo für Patrick Swayze geplant, der aber aufgrund seiner Krebsdiagnose gestrichen wurde
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  •  ZOMBIELAND ist das Langfilm-Debüt von Ruben Fleischer, der zuvor nur einen Kurzfilm, diverse TV-Shows und eine Doku drehte. Jesse Eisenberg ist auch in seinem 2. Film zu sehen: 30 MINUTES OR LESS. Zuvor kann man Eisenberg aber in David Fincher's THE SOCIAL NETWORK erleben 

 

  • "...so amüsant wie eine Achterbahnfahrt, während der man aus dem rasenden Wagen heraus mit einem Baseballschläger Zombies wegkeult - rasant, spaßig, und man muss ständig damit rechnen, dass einem Blut ins Gesicht spritzt." (Pee Wee Vignold, DEADLINE #18)
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  • "Zu viel sollte man von diesem seelenlosen Spektakel allerdings nicht erwarten. Mit der intelligent gemachten und brillant inszenierten Zombie-Komödie SHAUN OF THE DEAD kann dieser Film sich beim besten Willen nicht messen." (Marcus Menold, VIRUS #32)
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  • "Will man dem ansonsten von Ironisierungen der eigenen Genreklischees recht freien Film etwas abgewinnen, muss man sich auf Teilaspekte konzentrieren. Da ist zum einen der semifeministische Subplot: Im Grunde dirigiert das abgebrüht-charmante Schwesternduo aus dem Fonds die Männer. Wichita und Little Rock können mit Knarren besser zielen und haben die besseren Witze auf Lager. So kontert Little Rock etwa Tallahassees Empörung darüber, dass Little Rock Willy Nelson nicht kennt, mit der Frage, ob er denn wisse, wer Hannah Montana ist." (Jan Kedves, TAZ, 09.12.2009)
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  • „Bis zum spektakulären Action-Finale in einem Vergnügungspark bietet die US-Antwort auf SHAUN OF THE DEAD alles, was Freunde zünftiger Zombie-Komödien erfreut: saftige Splatter-Einlagen, augenzwinkernde Film- und Popkulturzitate sowie liebenswert exzentrische Protagonisten, die man sofort ins Herz schließt. Die unterschiedlichen Charaktere sind es auch, die dem ursprünglich als Pilotfilm für eine TV-Serie geplanten „Zombieland“ eine originelle Note verleihen. Columbus, Tallahassee und die Schwestern spiegeln auf satirische Weise wider, welcher Typ Mensch im Falle der Apokalypse überlebt: übervorsichtige Phobiker, skrupellose Brutalos und raffinierte Betrüger. Nicht auf das Unterhaltungspotenzial dieser Ausgangsidee zu vertrauen, sondern eine konventionelle Heldengenese ins Zentrum der Story zu stellen, ist die einzige Schwäche, die sich Werbefilmer Ruben Fleischer bei seinem Regiedebüt leistet. Dafür beschert er Kultkomiker Bill Murray ein grandioses Cameo, das allein die Eintrittskarte lohnt und der Geschichte des Zombiefilms einen erinnerungswürdigen Neuzugang schenkt." (CINEMA)
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  • "Mit intelligenten Genrezwittern wie SHAUN OF THE DEAD hat dies nichts gemein, weil Fleischer kein Interesse hat, die Synergien, die sich zwischen Horror und Comedy ergeben können, zu nutzen. Nichts ist in „Zombieland“ ernst gemeint, weshalb auch nichts komisch oder spannend ist. Selbst prominente Darsteller wie Woody Harrelson und Abigail Breslin bleiben blass. Sie spielen überdreht in einem mäßigen B-Picture, das gerne so campy wäre wie FROM DUSK TILL DAWN, in dem George Clooney und Harvey Keitel so originell gegen ihrem Image im Vampirblut baden. In „Zombieland“ kommt die Originalität mit dem Holzhammer daher und wird assimiliert sein, sobald Brachialkomödien wie „Scary Movie 5“ demnächst den Zombie-Film entdecken." (FILMDIENST, 25/09)

     

     

     

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