Home Alle Filme auf einmal W Wizard of Gore, the (2006)

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USA 2006 / O: "The Wizard of Gore" / Laufzeit: 90 Min. / FSK: ab 18 

  

Regie + Schnitt: Jeremy Kasten / Musik: Steve Porcaro / Kamera: Christopher Duddy / Ausf. Prod.: Glenn W. Garland, Eric Rinestone, Jeffrey Silverman / Prod.: Christopher Duddy, Daniel Gold, Dan Griffiths / Buch: Zach Chassler 

  

Darsteller: Kip Pardue (Edmund Bigelow), Bijou Phillips (Maggie), Crispin Glover (Montag), Jeffrey Combs (Geek), Brad Dourif (Dr. Chong), Joshua Miller (Jinky), The Suicide Girls alias Flux Suicide (Dell), Amina Munster (Cecilia), Cricket Suicide (Cayenne), Nixon Suicide (Rexina) sowie Tim Chiou, Kenneth Moskow, Evan Seinfeld, Garz Chan, Shannon Egem u.a.

 

                                                                                                            

 

Herschell Gordon Lewis war einer der Pioniere des Splatterfilms und neben Russ Meyer in den 60ern der wichtigste Regisseur, der die Exploitation in der Filmwelt salonfähig machte: Sex, Gewalt und gute Laune hielten nun Einzug auf der Leinwand, wenn auch vornehmlich in schmuddeligen Bahnhofskinos. Nicht umsonst wird Lewis gerne mit dem Titel "Godfather of Gore" geschmückt, war er doch der Erste gewesen, der explizite Splatterszenen in seinen Filmen einbaute und die reine Gewalt als Stil- und Unterhaltungsmittel im Medium Film etablieren ließ. Titel wie BLOOD FEAST (1963, der übrigens als erster Splatterfilm gilt) oder A TASTE OF BLOOD (1967) sprechen für sich.
 
Im allgemeinen Remake-Wahn hat man sich in den vergangenen Jahren zwei der bekanntesten Werke von Herschell Gordon Lewis angenommen: zum einen Tim Sullivan mit 2001 MANIACS (2005), der Neuauflage von 2000 MANIACS (1964), zum anderen Jeremy Kasten, der 2006 das Remake des Underground-Klassikers THE WIZARD OF GORE (1970) inszenierte.  
  

Abend für Abend lädt der Zauberer Montag (Crispin Glover) in einer verruchten Hinterhofgegend zu einem ganz besonderem Spektakel ein: scheinbar wahllos holt er junge Frauen aus dem Publikum, stellt sie unter Hypnose, wo sie sich  auf der Bühne ausziehen und für seine blutigen Tricks herhalten müssen. Sie werden live geschlachtet, ausgeweidet und verbrannt, doch als das Publikum völlig geschockt den Saal verlassen will, geht das Licht an und die Dame steht leicht desorientiert, aber quicklebendig da. Alles Illusion gewesen? Seltsam ist, dass die jungen Frauen am Tag darauf tot aufgefunden werden und genau an jenen Verletzungen gestorben sind, die sie auf der Bühne als Illusion davon getragen haben. Der junge Reporter Edmund Bigelow (Kip Pardue) wittert eine große Story und gerät dabei immer mehr in die Fänge von Montag, the Magnificent, dessen blutige Shows er allabendlich besucht...

 

                      alt

 

Edmund Bigelow verliert sich zwischen Sein und Schein, Show und Illusion, am Ende ist nichts mehr so, wie es vorher nie gewesen ist. Realität und Wirklichkeit werden auf den Kopf gestellt, immer wieder blitzt in diesem surrealen Szenario ein seltsames Gitterraster auf, so wie in STAR TREK, wenn das Holodeck mal wieder spinnt. Genau wie seine Hauptfigur, so driftete Regisseur Jeremy Kasten während des Drehs immer mehr ab, denn die Spannung seines Films blieb leider auf der Strecke.

Die Regieschwächen seines Erstlings THE ATTIC EXPEDITIONS (2001, hierzulande als HORROR IN THE ATTIC vermarktet) tauchen in THE WIZARD OF GORE wieder auf: in beiden Filmen geht es um einen jungen Mann, der nicht mehr zwischen Sein und Schein unterscheiden kann und in beiden Filmen ist es Kasten nicht gelungen, die mysteriösen, verschwurbelten Ereignisse packend und mitreißend umzusetzen. Manchmal möchte man dem Regisseur vom Sofa aus zurufen: "Mach doch mal mehr Tempo!", denn seine Regie fiel über weite Strecken arg spannungslos aus. Hinzu kommt eine konfuse Auflösung und ein richtiges Finale gibt es auch nicht zu sehen. 
 
Schade, dabei hatte sich Kasten viel Mühe gegeben, sein im Film-Noir-Stil gedrehtes Remake, irgendwo zwischen Drogenrausch-Exzess und Identitätssuche, einen eigenen Look zu verpassen. Was ihm auch gelungen ist. Requisiten, Kostüme, Atmosphäre - es scheint fast so, als würde Kastens Neuinterpretation tatsächlich in den 30er oder 40er Jahre spielen, dabei wird am Anfang des Films extra noch ein "Present Day" eingeblendet. 
Die Highlights des Films bilden denn auch die Szenen mit Montag und seinen blutigen Bühnenauftritten: THE WIZARD OF GORE ist die Show des Crispin Glover (ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT; WILLARD; SIMON SAYS), der voll aufdreht, ohne aber zu übertreiben. Mit leichter Eleganz tänzelt er im feinen, weißen Smoking (mit Penispolster) über die Bühne, wo er schon bald ein blutiges Chaos anrichtet.
Die splattrigen Effekte decken zwar den Bedarf an Gedärm-Gekröse und Zerstückelungskunst ab, bleiben jedoch meistens hinter Glas und Nebel verborgen. Da ging Herschell Gordon Lewis vierzig Jahre vorher deutlich rabiater und expliziter zur Sache. 
 
Gegenüber Crispin Glover kommt Kip Pardue (DIE REGELN DES SPIELS) in der Hauptrolle weitaus weniger charismatisch rüber, obwohl er als gestrauchelte Existenz sich ordentlich ins Zeug legt. Bijou Phillips (HOSTEL II) spielt Edmund Bigelows Freundin und ist die einzige, die von Montag auf die Bühne geholt wird und sich nicht ausziehen muss. Die Welt ist so ungerecht. Nackte Haut gibt es trotzdem genug zu sehen: als es darum ging, junge Frauen zu finden, die zu Grispin Glover auf die Bühne steigen, sich entkleiden und abmurksen lassen, fiel die Wahl der Produzenten auf die Suicide Girls, die hiermit ihr Filmdebüt geben und für den entsprechenden Tittenfaktor sorgen. 

Genre-Fans freuen sich auf ein Wiedersehen mit zwei alten Bekannten: "Grima Schlangenzunge" Brad Dourif (DÜSTERE LEGENDEN; Rob Zombie's HALLOWEEN) als weg getretener Dr. Chong, eine Art Drogenberater und Blutegelfetischist, der Edmund Bigelow mit Informationen aus dem Untergrund versorgt. Verwandlungskünstler Jeffrey Combs ist als Montag's verwahrloster Assistent und Ratten verspeisender Opening Act mit Rauschebart und verfilzten, langen Haaren so gut wie gar nicht zu erkennen, sicherlich auch, weil seine Auftritte leider wieder arg kurz ausgefallen sind.

 

  • Jeffrey Combs arbeitete nach THE ATTIC EXPEDITIONS (2001) und dem  in Deutschland bislang unveröffentlichten Zombiegrusel ALL SOULS DAY: DIA DE LOS MUERTOS (2005) das dritte Mal mit Regisseur Jeremy Kasten zusammen 

 

  • Alle weiteren bislang besprochenen Filme mit Jeffrey Combs:
        BRUTAL (2007)
        ABOMINABLE (2005)
        VOODOO MOON (2005)
        SHARKMAN (2005)
        FEAR DOT COM (2002)
        FAUST – LOVE OF THE DAMNED (2001)
        HAUNTED HILL (1999)
        VERDAMMT IM EIS (1997)
        CASTLE FREAK (1994)
        LURKING FEAR (1994)
        FORTRESS (1992)
        MUTRONICS (1991)
        ROBOT JOX (1989)
        UNDERGROUND WERWOLF (1988)
        CYCLONE (1987)
        FROM BEYOND (1986)
        RE-ANIMATOR (1985)
 
 
Anbieter: MIG; EuroVideo / Bild: 1,78:1 (16:9) / Ton: Deutsch (DD 5.1 & DD 2.0 Stereo), Englisch (DD 5.1) / Untertitel: Deutsch / TV-Norm: PAL / Regionalcode: 2 / DVD-Format: DVD-9 / Verpackung: Keep Case (Amaray) / Laufzeit: 91 Min. (Uncut) / FSK: ab 18 
Extras: Audiokommentar (ohne UT!), Making of (24 Min.), Outtakes, Deleted Scenes, The Suicide Girls, Behind the Scenes: The Effects, Originaltrailer, Hidden Feature: Originaltrailer THE WIZARD OF GORE (1970), diverse andere Trailer 

 


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