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SchwachPerfekt 

UNREST

                                                   

USA 2006 / O: „Unrest“ / Laufzeit: 88 Min. (uncut) / Freigabe: k.J. 

Regie + Story: Jason Todd Ipson / Musik: Michael Cohen / Kamera: Michael Fimognari / Schnitt: Mike Saenz / Ausf. Prod.: Gary Chun, James Huntsman, Benson Yee / Prod.: Jason Todd Ipson, James Huntsman, Julio Bove / Buch: Jason Todd Ipson, Chris Billett 

Darsteller: Corri English (Allison Blanchard), Scot Davis (Brian Cross), Joshua Alba (Carlos), Jay Jablonski (Rick O’Connor), Derrick O’Connor (Dr. Blackwell), Marisa Petroro (Alita Covas), Ben Livingston (Ivan), Reb Fleming (Dr. Saltz) sowie Abner Genece, Anna Johnson, Terence Goodman u.a

                                                                

Die angehende Pathologin Alison (Corri English) nimmt mit einigen anderen Studenten an einem Anatomiekurs teil; in Vierergruppe sollen sie an der ihnen zugewiesenen Leiche diverse Untersuchungen durchführen. Doch kaum den ersten Schnitt gemacht, plumpst sie auch schon in Ohnmacht. Alison beschleicht das ungute Gefühl, dass mit der Leiche, die von ihren männlichen Kollegen auf den Namen „Norma“ getauft wurde, etwas nicht stimmt. Und tatsächlich: schon gibt’s die ersten Todesfälle und diese betreffen jene Personen, die mit Norma in unmittelbaren Kontakt kamen. Alison stellt Nachforschungen an und sammelt immer mehr Hinweise, dass ihre Leiche für die Morde verantwortlich ist. Sie findet heraus, dass die tote Frau einst in Brasilien ein Azteken-Grab entweihte, woraufhin sie von den Seelen der Verstorbenen mit einem Fluch belegt wurde…

Mit echten Leichen. So stand’s auf dem Cover geschrieben. Nur echt mit echten Leichen? Regisseur Jason Todd Ipson hat tatsächlich die sprichwörtliche Leiche im Keller – zumindest hatte der studierte Chirurg seine Beziehungen spielen lassen: er drehte vor Ort in einer Klinik, wodurch er auf echtes Leichenmaterial zurück greifen konnte. Wird zumindest behauptet. Genützt hat’s nichts: Mit UNREST hat er auch noch eine Film-Leiche in seinem Keller. Anfangs weiß diese filmische Körperwelten-Ausstellung durchaus zu gefallen: mit stimmigen Kamerafahrten durch endlos lange Keller-Korridore und dem kalten, sterilen Pathologie-Saal gelingt es Ipson, eine recht unheilvolle, finstere Atmosphäre aufzubauen – Morgue morbid sozusagen. Was aber durch etliche Handlungs-Lücken, Schwachsinns-Attacken und dem nervigen Dauergeplapper von Hauptdarstellerin Corri English vollkommen zunichte gemacht wird. Ipson scheucht sie von einem banalen Schreckmoment zum nächsten, läßt sie über die einer oder andere Leiche stolpern und uns teilhaben an ihren diffusen Vorahnungen; woher diese kommen, dass hat er nicht mit ins Drehbuch geschrieben. Da säuselt sie immer davon, dass hier etwas nicht stimmt, womit sie gar nicht mal Unrecht hat, denn wenn hier etwas nicht stimmt, dann ist es der ganze Film: denn der ist nur mäßig bis überhaupt nicht spannend, ziemlich wirr und trotz vielerlei Zutaten ausgesprochen unoriginell. Corri English vermag nicht, ihre Rolle glaubwürdig rüber zu bringen. Wie auch? Sie sieht aus wie Britney Spears nach einem durchzechten Partywochenende und plappert dementsprechend lauter Unsinn, jedenfalls tragen Dialog-Kalauer wie „Meine Leiche will mir etwas sagen…“ nicht unbedingt dazu bei, die Show hier ernst zu nehmen. Sie sollte sich einen Hammer nehmen und ihre Absicht, weiter eine schauspielerische Karriere zu verfolgen, aus dem Kopf schlagen. 

                                                                                                                      

UNREST macht jedenfalls nicht den Eindruck, als hätten die Macher die Sache gut durchdacht: Der Krankenhaus- und Pathologie-Alltag läuft munter weiter, obwohl immer mehr Leichen auftauchen, die Nebenhandlung um einen Polizisten, der Ermittlungen anstellt, wird nur angefangen, aber nicht beendet, auf dem Korridor verblutet die Verlobte (so eine x-beliebige, blonde Tussi mit Überbiss) eines Mediziner-Kollegen, woraufhin dieser wahnsinnig wird und in der Klapse landet und ein blutiges, von Hand gemaltes Azteken-Männchen sowie diverse, hingekritzelte Todesdrohungen („You Are Next!“) kündigen holprig an, das gleich was ganz dolles und aufregendes passieren wird – was jedoch ausbleibt. Wo unsere Alison fortwährend ihren sinstren Anatomie-Prof (Derrick 'Connor) und die gutmenschelnde Psychologin von paranormalen Phänomenen zu überzeugen versucht, mangelt es eben an wirklichen Twists und Schocks. Überraschungen bleiben aus, das Tempo lahmt und die alles andere als mitreißende Geschichte läuft auf ein lächerliches  Finale zu, in dem Alison mit ihrem Lover in einen mit Formaldehyd gefüllten Leichen-Bottich abtauchen müssen, um den Dingen auf den Grund zu gehen.

Über die Auflösung des Ganzen hüllt man am liebsten den Mantel des Schweigens und wischt sie weg mit dem Schwamm des Vergessens. Was zurück bleibt, das ist langatmiges Leichenkammern-Geplänkel, irgendwo zwischen Anatomie-Geschnippel, Inka-Fluch, Geister-Kram und Dämonen-Bessenheit; von allem etwas und letztendlich doch nichts. Zumindest: nichts gescheites.

  • Corri English will trotzdem weiterhin als Schauspielerin arbeiten. Muß sie selber wissen. So hat sie eine Hauptrolle im Halloween-Grusler HOUSE OF FEARS (2007) und eine Nebenrolle in Robert Englunds KILLER PAD (2008).

  • Derrick O'Connor kennt der eine oder andere vielleicht noch aus DEEP RISING (1998), wo er den Captain spielte. Weiterhin hatte der 1941 in Dublin geborene Dauernebendarsteller Mini-Rollen u.a. in JABBERWOCKY (1977), TIME BANDITS (1981), BRAZIL (1985), LETHAL WEAPON 2 (1989), SOUL SURVIVORS (1995), END OF DAYS (1999) und DAREDEVIL (2003).

  • „Nette Idee, schicke Kulisse, aber leider viel zu viele Unstimmigkeiten in der Handlung und eine fehlbesetzte Hauptdarstellerin. Hier wäre deutlich mehr möglich gewesen.“ (Marcus Menold, VIRUS #21) 

  • „UNREST, das sind beklemmend bedrohliche Krankenhausgänge, ausführliche Einblicke in Brustkörbe, Verblutungen am laufenden Band, eine Menge Singsang und Getrommel im Off, fünf Filmfest-Auszeichnungen und das Aha-Erlebnis, dass Jessica Alba auch einen hübschen Bruder hat.“ (Germaine Paulus, DEADLINE 01/2008)

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Aktualisiert (Mittwoch, den 15. Oktober 2008 um 02:12 Uhr)

 
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