Space of the Living Dead
Zombies im Weltraum
Da wirst'e dumm aus der Wäsche schaun'
Der Filmkritiker kriegt vor'm Mund ganz viel Schaum
Bei diesem cineastischen Alptraum
Zombies im Weltraum
Keinem Drehbuchautor kannste mehr traun'
Schauspieler machen sich zum Clown
Und der Zuschauer ist völlig daun
Zombies im Weltraum. Das hat uns auch noch gefehlt. Überall traf man sie an, die Heerscharen der Untoten: auf dem Lande und in Großmetropolen, im Einkaufscenter, in Krankenhäusern, in Riesa sowieso. Nur im Weltraum noch nicht. Von dem bizarren Auftritt der Zombie-Vulkanier in einer Folge des letzten STAR TREK-Ablegers ENTERPRISE[1] mal abgesehen, traf man die lebenden Toten in den unendlichen Weiten des Weltraums, da wo noch nie ein Zombie zuvor gewesen ist, bislang noch nicht an. Das nicht schon früher mal so ein Drehbuch-Ass auf die glorreiche Idee gekommen ist, deren Untoten-Dasein bis in den Weltraum zu verlagern... - die Critters, der Leprechaun und sogar Kollege Jason Vorheers (JASON X) haben es ja auch schon bis dahin geschafft. Nun schickte sich also im Jahre 2008 08/15-Filmer Brad Sykes an, diesen Umstand zu ändern - und zwar in: SPACE OF THE LIVING DEAD.
Der deutsche Titel lässt die Trash-Fraktion aufhorchen, doch kaum, dass diese Groteske 10 Minuten läuft, steht die Vermutung im Raum, dass es sich bei den lebenden Toten mal wieder nur um die Filmemacher selbst handelt. In den richtigen Händen hätten die Zombies im Weltraum für einen charmant-kurzweiligen Trash-Abend sorgen können, doch hier muss man schon ein Faible für abgestandene, einschläfernde TV-Weltraumklamotten haben, um auch nur irgendwie Gefallen daran zu finden.
Halten wir uns also nicht länger mit einer Inhaltsangabe auf, denn viel gibt es hier auch nicht zu erzählen:
Im Jahre 2241 zuckelt die Transportbüchse "Pandora" unter dem Kommando von Captain Holloway (Alexis Zibolis) durch die Weiten des Weltraums. Mit an Bord hat man doch eines dieser mysteriösen, außerirdischen Artefakte; eine grün schimmernde und vor sich hin wabernde Energiequelle. Auf dem Weg gen Heimat empfängt man den Hilferuf eines weiteren Raumschiffs, das angeblich von Piraten überfallen wurde. Als man den gestrandeten Frachter erreicht, nimmt man vier ängstlich wimmernde, junge Frauen an Bord, die einfach zu schön sind, um wahr zu sein: sie entpuppen sich als Piraten-Weiber, die die "Pandora" und ihre Besatzung schnell in ihre Gewalt nehmen. Im Handgemenge kommt eine der Uschis mit dem grünen Dingsbums in Berührung, womit ein Virus freigesetzt wird, der jeden bei entsprechendem Kontakt in einen blutrünstigen Zombie verwandelt...

Rein inhaltlich gesehen, sofern man bei dieser primitiven Horrorklamotte überhaupt von einem Inhalt sprechen kann, orientiert sich PLAGUERS (so der Originaltitel) mal wieder an dem Ridley-Scott-Klassiker ALIEN, von dem man sich hier mitsamt seinen Fortsetzungen zum x-ten Mal hat inspirieren lassen. Aufgrund des offensichtlichen Mini-Budgets und der voll zelebrierten Talent- und Einfallslosigkeit durch Regisseur/Autor Sykes spielt dieser debile Schwachsinn auf der formalen Ebene in der selben Liga wie der fürchterliche DRACULA 3000, nur eben hier mit Zombies anstatt Vampiren. Da zeigt sich auch mal wieder wie furchtbar austauschbar und einfallslos unqualifizierte Z-Filmer in diesem Genre wüten. Wenigstens bleibt uns hier Deppen-Rapper Coolio erspart.
PLAGUERS ist eine einzige Plage: stets vorhersehbar und vollkommen losgelöst von so etwas ähnlichem wie "Spannung", "Atmosphäre" oder "überraschende Wendungen" wird ein armseliger Klischee-Brei zelebriert, dessen Billig-Look irgendwo zwischen reizloser Pornofilm-Optik und wenig berauschender Fernseh-Ästhetik pendelt.
Sets und Kulissen hat man sich wohl aus dem Fundus von Rudis Resterampe zusammen gestellt und so sieht dann das trostlose Raumschiff-Ambiente auch aus: das besteht nur aus zwei Gängen, einer Leiter und einer Sperrmüll-Behelfsbrücke mit integrierter Blinklicht-Konsole. Und in dieser tollen Location spielt sich das Geschehen, in dem eigentlich gar nichts geschieht, ab. Dazu gehören: Piratenweiber im Cheerleader-Outfit, die sich in grunzende Zombie-Parodien verwandeln, ein mies choreographierter Frauenkampf, dümmliche Anbaggerszenen zwischen Männlein und Weiblein, das alles abgerundet mit ein paar dilettantisch umgesetzten Weltraumszenen aus dem Anfängerkurs für verhinderte Trickfilmtechniker.
Actionmäßig tut sich auch nicht sehr viel: hier gibt's mal eine Hatz durch den Korridor (was in diesem begrenzten Ausstattungsmüll alles andere als aufregend ist), dort wird ein bisschen im Rohrschacht rumgekrabbelt, dazu finden halbherzige Zombie-Abwehrmaßnahmen in Form von Pistole, Bunsenbrenner und Knüppel statt - nun ja.
Anhänger der härteren Splatterkunst kommen zumindest ab 2. Hälfte geringfügig auf ihre Kosten: Zombiehände, die gierig im frei gelegten Brustkorb wühlen, diverse Bisswunden, ein abgetrennter Kopf... Bei einer FSK-Freigabe ab 16 Jahren und den begrenzten Möglichkeiten in dieser Billigproduktion darf man da freilich nicht zu viel erwarten. Was die durchschnittlichen bis soliden Zombiemasken betrifft, so sehen diese allemal überzeugender aus als die so gut wie nicht vorhandene Mimik der Darsteller.
Bei dem einzigen Schauspieler, der unter dem unbeholfen agierendem Laiendarsteller-Gesindel auszumachen ist, handelt es sich um B-Movie-Veteran Steve Railsback, der u.a. in Tobe Hoopers herrlichem LIFEFORCE und vor allem als ED GEIN zu glänzen vermochte, hier aber nur eine lahme Kopie des von Lance Henriksen verkörperten Androiden Bishop aus Cameron's ALIENS (1986) zum besten gibt. Damit das ganze nicht auffällt, wurde diese Figur mit Namen Tarver nicht als Android, sondern als Synthoid deklariert. Sehr originell. Wie Henriksen gehört auch Railsback zu der Sorte Schauspieler, deren Auftritte auch in den unmöglichsten Flops keinerlei Schaden mehr an der Karriere anrichten kann. Im Gegenteil: sie leben davon und das ausgesprochen gut. Die restlichen, völlig zu Recht unbekannten Darsteller gehören als Zombies gebissen im Weltraum entsorgt, wo sie auf ewig ihrem tristen Untoten-Dasein frönen können. Solch' letztklassige Knattermimen kriegt man auch nicht alle Tage vor die Nase gesetzt.
Insgesamt betrachtet handelt es sich bei SPACE OF THE LIVING DEAD um einen ziemlichen Abtörner. Dann lieber doch die Zombie-Vulkanier.
[1] Das war die Episode "Impulsiv" (Originaltitel: "Impulse"), die 5. Folge aus der 3. Staffel (2003)
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Aktualisiert (Montag, den 29. November 2010 um 19:47 Uhr)
















