Screamers: The Hunting
USA / CDN 2008 / O: "Screamers: The Hunting" / Prod.: Reel One Entertainment, Fries Film Company / Laufzeit: 91 Min. (uncut) / FSK: ab 16
Regie: Sheldon Wilson / Musik: Benoit Grey / Kamera: John Tarver / Schnitt: Isabelle Levesque / Ausf. Prod.: Tom Berry, Chuck Fries [= Charles W. Fries], Antony I. Ginnane / Prod.: Stefan Wodoslawsky, Paul Pope / Buch: Miguel Tejada-Flores / Story: Tom Berry, Miguel Tejada-Flores, basierend auf der Kurzgeschichte "Second Variety" von Philip K. Dick
Darsteller: Gina Holden (Lt. Victoria Bronte), Jana Pallaske (Schwartz), Lance Henriksen (Orsow), Greg Bryk (Commander Sexton), Christopher Redman (Rafe Danielli), Tim Rozon (Madden), Dave La Pommeray (Sgt. Romulo), Jody Richardson (Soderquist), Stephen Amell (Guy), Holly O'Brien (Hannah), Darryl Hopkins (Dwight), Steve Lush (Bryce) sowie Stephen Dunn, Justin Madol, Sarah Small, Lynley Hall, Shaun Johnston, Ruth Lawrence, Edward Quinlan
Ein klein wenig überraschend war es schon, dass man sich entschloss, 13 Jahre nach dem von Christian Duguay inszenierten Science-fiction-Thriller SCREAMERS diese Fortsetzung folgen zu lassen. Die Verfilmung der Kurzgeschichte "Second Variety" von Philip K. Dick entführte uns 1995 auf dem vom Krieg zerstörten Eisplaneten Sirius 6B, auf dem einige wenige Überlebende von den Screamers bedroht werden: Die kleinen Maulwurf-Killerroboter haben nicht nur die Fähigkeit zur Selbstreproduktion, sondern entwickelten sich soweit, dass sie in der Lage sind, menschliche Gestalt anzunehmen. Und nun also dieses Sequel, mit dem irgend wie keiner mehr gerechnet hat. Peter Weller offenbar auch nicht, er ist leider nicht mit dabei. Die Geschichte von SCREAMERS war an sich abgeschlossen, wenn man mal von dem Schluss-Twist mit dem Teddy absieht, sollte aber genug Erzähl-Potential bereit halten - was Regisseur Sheldon Wilson mit SCREAMERS: THE HUNTING aber nicht zu nutzen weiß.
Die späte Fortsetzung führt uns zurück auf den Trümmerplaneten Sirius 6B, auf dem es doch noch Überlebende gibt, die sich durch diese unwirtliche, von Killerrobotern dominierenden Endzeit-Welt schlagen. Zumindest beginnt der Prolog mit einem alten Mann, einem jungen Mann und einer jungen Frau, die bald Zielobjekt der Screamers mit ihren tödlich rotierenden Sägeblättern werden. 13 Jahre sind auch in der realen Welt nicht spurlos vorbei gegangen, was schon in den ersten Minuten sowohl bei den Effekten als auch dem Umgang mit Gewalt deutlich wird. So sausen und surren die Screamers deutlich dynamischer und rasanter durch's Erdreich, ehe sie ihren Opfern förmlich entgegen springen. Das Resultat in Form von fachgerecht abgesäbelten Gliedmaßen dürfte die nach Blut lechzende Splatter-Gemeinde kurzzeitig in Entzückung versetzen. Einer von den drei armen Seelen schafft es gerade noch so zu überleben - und sendet ein Notsignal ab...

...was uns durch den Weltraum, mit Titeleinblendung und kurzem Blick zu Mütterchen Erde, auf den Raumfrachter "Medusa" führt. An Bord: Gina Holden (FINAL DESTINATION 3; ALIENS VS. PREDATOR; THE BUTTERFLY EFFECT 2; SAW VII) als Lt. Victoria Bronte, die, wie sich heraus stellen soll, die Tochter von Hendrickson, dem von Peter Weller charismatisch verkörperten Helden aus dem ersten Teil, ist. Für Drehbuchautor Miguel Tejada-Flores, er war auch der Co-Autor des Vorgängers, schien dies die einzige Möglichkeit gewesen zu sein, um eine Verbindung zum ersten Teil herzustellen. So erfahren wir, was aus dem Schicksal von Hendrickson (der ja am Ende in einer Rettungskapsel entkommen konnte) wurde, was aber damit zusammen hängt, das Weller a) keine Lust mehr hatte, erneut in die Rolle zu schlüpfen, b) seine Gagenforderung zu hoch war oder c) man sich schlichtweg nicht traute, den als etwas schwierig geltenden Perfektionisten nach einer eventuellen Mitwirkung zu fragen. Seine souveräne Anwesenheit hätte die "Medusa" gut gebrauchen können, denn was sich hier an Bord neben der holden Holden herumtreibt, ist nur das übliche 08/15 B-Movie-Personal, dass losgeschickt wird, um auf einem entfernten Planeten voller Gefahren eventuelle Überlebende zu bergen.
Neben dem ausdruckslos ausdruckslosen Greg Bryk (SAW V) als unfreundlicher, gieriger Commander auch mit dabei: Jana Pallaske. Ein Ossi! Hierzulande vor allem durch das Jugenddrama ENGEL & JOE (2001) bekannt geworden, hat es sie in ihrer Karriere sogar geschafft, das Quentin Tarantino extra für sie eine Rolle in INGLOURIOUS BASTERDS (2009) schrieb, womit sie schon mal ganz viel erreicht hat.
Hier ist sie die kesse Bordmedizinerin. Für eine deutsche Schauspielerin muss das doch ein Spaß sein, mal in so einem Ami-B-Movie, in dem fortwährend gerannt, geschossen und gestorben wird, mitmachen zu dürfen - einer hübschen Sterbeszene mit eingeschlossen, wo sie sich voll mit Kunstblut bespritzen lassen darf. Und um viel mehr geht es hier im Grunde genommen auch nicht: der Rettungstrupp landet auf Sirius 6B, die Screamers tauchen auf und dezimieren nach und nach einen nach dem anderen. An den üblichen Klischeevorgaben wird fest gehalten und so darf der Schwarze natürlich mal wieder als Erster sterben. Einer muss es ja tun. Wenn nicht der Schwarze, wer sonst?
Während Lt. Holden, Commander Bryk, Dr. Pallaske und Konsorten fortwährend die Angriffe der Screamers abwehren müssen, finden sie tatsächlich einige Überlebende, die in Minen und Höhlen Zuflucht gefunden haben. Die reagieren ziemlich misstrauisch auf die Weltraumfahrer - verständlicherweise, verstehen die Screamers es doch wie Menschen auszusehen. Und sie haben diese Fähigkeit weiter perfektioniert...
Nichts neues im Weltraum: Die Screamers mögen sich weiter entwickelt haben, eine wirkliche Weiterentwicklung ist diese Fortsetzung nicht. Die Ideen des Philip K. Dick, von dem man sich inspirieren ließ, wusste man im ersten Teil noch besser zu nutzen, die Ereignisse in SCREAMERS: THE HUNTING werden dem visionären Science-fiction-Autoren kaum noch gerecht. Aber sieht doch schick (und publikumswirksam) aus, wenn er mit in den Credits erwähnt wird/werden muss. Rein storymäßig folgt SCREAMERS: THE HUNTING den Bahnen, die seit ALIENS allzu oft eingeschlagen wurden. Und was liegt da näher als ein blutig-splattriges Abschlacht-Happening mit abgehackten Gliedmaßen, hervor quellendem Darm-Kram und Köpfen, die zerschossen, durchbohrt und zweigeteilt werden, zu zelebrieren.
Wenngleich diese durchaus zahlreichen Szenen relativ kurz gehalten werden und schnell geschnitten sind, kann man der guten Arbeit der Make-Up-Effektkünstler durchaus ein Lob aussprechen - und Wilson's Entschluss, hier auf Hand- statt auf Computerarbeit zu setzen. CGI-Effekte kommen ebenfalls zum Einsatz und die sind, wie so oft, mal mehr, mal weniger gelungen.
Im Rahmen der vorhandenen Möglichkeiten werden die Fortschritte im Bereich der Spezialeffekte demonstriert und das man 2008 mehr machen und mehr zeigen kann als es noch 1995 der Fall war. Trotzdem sieht man dem Sequel es an, dass es weniger gekostet hat als der aufwendigere Vorgänger. Der war deutlich düsterer und, trotz weniger ausgeprägten Härtegrad, auch deutlich ruppiger, da es Christian Duguay dort gelang, den von Krieg und Zerstörung heimgesuchten Planeten viel eindrucksvoller und eindringlicher darzustellen. Dennoch hat man zumindest versucht am trostlosen Endzeit-Look mit seinen schneebedeckten Hängen und den heruntergekommenen Baracken und Minen festzuhalten. Die Fortsetzung kann von sich zwar behaupten deutlich actionlastiger, schneller und blutiger zu sein als ihr Vorgänger, allerdings ging dabei sowohl die raue Atmosphäre als auch die im Vergleich hierzu ordentliche Ausarbeitung der Charaktere verloren. Und es fehlt einfach ein starker, charismatischer Charakter wie eben damals von Peter Weller verkörpert.
Immerhin hat das Budget noch gereicht, um gegen Ende einen 10-Minuten-Kurzauftritt vom guten, alten Lance Henriksen zu finanzieren, dessen zerfurchte Charaktermiene man im Gegensatz zu manch anderem blassen Darsteller gerne noch etwas länger gesehen hätte. Zumal
er eine nicht uninteressante Figur verkörpert: Er entpuppt sich als der Erfinder der Screamers. Doch leider weiß das Drehbuch mit ihm nichts anzufangen, ebenso wie die Tatsache, das zu Beginn von einem Sturm die Rede ist, der den Planeten innerhalb von 6 Tagen auslöschen wird, was aber im späteren Verlauf kaum noch eine Rolle spielt, für die üblichen dramaturgischen Unzulänglichkeiten spricht.
Ein Rohrkrepierer ist SCREAMERS: THE HUNTING ganz sicher nicht; routiniert umgesetzte Genre-Ware halt: man weiß zwar so ungefähr was passieren wird, langweilt sich aber trotzdem nicht. Dennoch bleibt auch hier die Feststellung: es wär noch viel mehr drin gewesen. Potential verschenkt. Das Ende bietet die Möglichkeiten für einen dritten Teil. Mal sehen, ob es wieder 13 Jahre dauert, bis diese erscheint.
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Die 1979 in (Ost-) Berlin geborene Jana Pallaske hatte ihren Durchbruch 2001 im Jugenddrama ENGEL & JOE an der Seite von Robert Stadlober, mit dem sie sieben Jahre später in BERLIN AM MEER erneut zu sehen war. 2009 konnte man sie gleich in drei Filmen mit Til Nichtschweiger erleben: PHANTOMSCHMERZ, MÄNNERHERZEN und INGLOURIOUS BASTERDS, wo Tarantino extra für sie eine Rolle geschrieben hat, die es aber nur zu einem Bruchteil in die endgültige Kinofassung schaffte. 2002 hatte sie eine Nebenrolle im Schneethriller EXTREME OPS von Christian Duguay, ironischerweise der Regisseur des ersten Teils SCREAMERS.
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Aktualisiert (Montag, den 21. Juni 2010 um 18:41 Uhr)

















