Screamers
CDN / USA / Japan 1995 / O: "Screamers" / dt. Titel: "Screamers - Tödliche Schreie" / Prod.: Allegro Films, Fries Film Group, Fuji Eight Company Ltd., Triumph Films / Laufzeit: 104 Min. (uncut) / FSK: ab 16
Regie: Christian Duguay / Musik: Normand Corbeil / Kamera: Rodney Gibbons / Schnitt: Yves Langlois / Ausf. Prod.: Charles W. Fries / Prod.: Tom Berry, Franco Battista / Buch: Dan O'Bannon, Miguel Tejada-Flores, nach der Kurzgeschichte "Second Variety" von Philip K. Dick
Darsteller: Peter Weller (Joe Hendricksson), Andy Lauer (Ace), Jennifer Rubin (Jessica Hanson), Roy Dupuis (Becker), Charles Powell (Ross), Ron White (Chuck Elbarak), Liliana Komorowska (Landowska), Michael Caloz (David), Jason Cavalier (Leone), Leni Parker (Cpl. McDonald), Bruce Boa (Sekretär Green), Sylvain Massé (NEB-Soldat), Tom Berry (Techniker)
Verfilmungen des visionären Science-fiction-Schriftstellers Philip K. Dick, sicherlich kein leichtes Unterfangen, sind in Hollywood immer mal wieder angesagt und haben sowohl das Beste (BLADE RUNNER) als auch das Schlechteste (NEXT) in diesem Genre hervorgebracht. SCREAMERS basiert auf Dick's 1953 geschriebene Kurzgeschichte "Second Variety", die eine düstere Endzeit-Zukunft beschreibt und die Frage aufwirft: Wer ist ein Mensch und wer ist eine Maschine? Und kann man beide überhaupt noch voneinander unterscheiden?
Bereits 1980 verfasste der Ende 2009 leider verstorbene Dan O'Bannon (u.a. DARK STAR; ALIEN; DAS FLIEGENDE AUGE; RETURN OF THE LIVING DEAD; LIFEFORCE; INVASION VOM MARS; BLEEDERS) ein Drehbuch, das noch 15 Jahre warten musste, bis es realisiert wurde. Bekanntermaßen fand seine zweite Adaption einer Philip-K.-Dick-Geschichte 1990 den Weg zuerst ins Kino: TOTAL RECALL. Als Mitte der 90er die Verfilmung von "Second Variety" endlich in die Produktionsphase gehen sollte, zeigte sich der auserkorene Regisseur Christian Duguay (SCANNERS 2 & SCANNERS 3) mit dem von O'Bannon geschriebenen Skript unzufrieden und ließ es von Miguel Tejada-Flores (FRIGHT NIGHT 2; BEYOND RE-ANIMATOR; ROTTWEILER) überarbeiten, ehe denn am 24. November 1994 im kanadischen Montreal die erste Klappe fiel.
Die Vorgeschichte der im Jahre 2078 angesiedelten Ereignisse, auf die im weiteren Verlauf der Handlung noch mehrfach eingegangen wird, hätte für einen eigenen Film gereicht:
Seit 50 Jahren regiert der Bergbauriese "New Economy Block", kurz NEB, die Sonnensysteme. Vor 20 Jahren entdeckte der NEB auf dem Planeten Sirius 6B die Lösung für alle Energieprobleme: Berynium. Da beim Abbau jedoch radioaktive Strahlung austrat und somit zu gefährlich wurde, bildete sich die "Alliance" von Wissenschaftlern und Bergbauarbeitern und forderte einen Stopp der Arbeiten. Der NEB erklärte ihnen den Krieg: "Und dann ließen sie alles Mögliche auf uns herabregnen: Atombomben, Raketenbomben, Fusionsbomben, bakteriologische Kristalle." Der einst so prächtige Planet wurde zerstört und zerbombt. Die "Alliance" setzte dem eine Waffe entgegen, die im Film als "das autonome mobile Schwert" beschrieben wird: den Screamer. Doch die Erfindung wendete sich gegen ihre Erfinder. Mittlerweile ist Sirius 6B so gut wie ausgelöscht, bis auf eine kleine Kolonie, die unter dem Kommando von Col. Hendrickson (Peter Weller) in den Wirren eines Krieges um ihr Überleben kämpft. Und die Screamers? Die haben sich inzwischen verselbständigt - mit der Fähigkeit, sich selbst zu reproduzieren und weiter zu entwickeln. Die Screamers sind an der Evolutionsleiter angekommen.

Mit ihrer ausgefallenen Art lenken die kleinen Mechanik-Monster schnell das Zuschauerinteresse auf sich: wie Meister Buddelflink graben sie sich durch's Erdreich, nehmen den menschlichen Puls war und säbeln mit eingebauter Mini-Kreissäge ihre Opfer kurz und klein. Was zu Beginn ein Soldatenkurier schmerzhaft erfahren muss. Der getötete NEB-Mann hatte jedoch eine Botschaft bei sich, die zu Friedensverhandlungen aufruft. Doch kann man dem überhaupt trauen? Als ein mit Nuklearwaffen bestückter Raumfrachter der "Alliance" abstürzt, entschließt sich Hendrickson mit dem Scharfschützen und Heißsporn Ace (Andy Lauer), der als einziger den Crash überlebte, das Lager der NEB aufzusuchen. Ein beschwerlicher Fußmarsch durch ein schneebedecktes, unwirtliches Gelände. Unterwegs lesen sie einen Jungen namens David mit seinem Teddy auf und später, als sie ihr Ziel erreicht haben, stehen sie drei Soldaten der NEB gegenüber: dem aggressiven Becker (Roy Dupuis), dem ängstlichen Ross (Charles Powell) und der faszinierenden Jessica (Jennifer Rubin). Von ihr erfahren Hendrickson und Ace, dass es einen völlig neuen Screamer-Typ gibt, einen, der aussieht wie ein Mensch...
Wenn es um das eigene Überleben geht zählen gegnerische Kriegsparteien nicht mehr, auch wenn man sich zunächst an die Gurgel geht und sich gegenseitige Schuldzuweisungen an den Kopf knallt. Die interessante politische Hintergrundgeschichte rückt im weiteren Verlauf in den Hintergrund, stattdessen geraten immer mehr die Screamers mit ihrer Fähigkeit, sich weiter zu entwickeln und die Menschen zu täuschen, in den Mittelpunkt.
Philip K. Dick's zu Grunde liegende Kurzgeschichte "Second Variety" spielte sich im übrigen auf der Erde ab und dort hießen die gegnerischen Parteien Amerika und Sowjetunion. Es ist durchaus angebracht gewesen, im Film die verfeindeten Parteien auszutauschen und, entsprechend der Zeit, einen Riesenkonzern mit einer Allianz der Unterdrückten im Clinch liegen zu lassen. "Second Variety" war 1953 eine Reflexion auf die damaligen Ereignisse und Dicks Kommentar zum kalten Krieg mitsamt der damals grassierenden Kommunisten-Paranoia, angeheizt durch einen gewissen Senator McCarthy, gewesen. Ein Dokument seiner Zeit. 1995 aber nicht mehr aktuell und so sind diese für den Verlauf der Handlung eigentlich nicht weiter wichtigen Veränderungen durchaus angebracht gewesen. Ansonsten gibt sich SCREAMERS äußerst werkgetreu und dürfte einer der ganz wenigen Phlip-K.-Dick-Verfilmungen sein, die zu einem großen Teil dem Handlungsverlauf der Originalgeschichte folgen, ohne diesen mit eigenem Ideengut zu verschandeln. So wie es z.B. ein Steven Spielberg am Schluss seines ansonsten sehenswerten MINORITY REPORT getan hat und das nur, weil er seinem Publikum kein negatives Ende zumuten wollte.
Obwohl SCREAMERS mit einem Bruchteil der Summe, die Spielberg 2002 seiner Verfilmung einer Kurzgeschichte von Philip K. Dick zur Verfügung stand, auskommen musste, verstand es der Kanadier Christian Duguay nicht weniger überzeugend eine kalte, düstere Zukunft zu kreieren. SCREAMERS erfüllt alle Vorraussetzungen eines gut unterhaltenden B-Movies: mit einem postapokalyptischen Endzeit-Szenario, das dieses Trostlose und dieses Zermürbende als unmittelbare Folgen eines weiteren Krieges in eine dichte Atmosphäre packt. Die wenigen Überlebenden haben zusammen gepfercht in zweckdienlichen Bunker-Baracken Zuflucht gefunden, während halb verfallene Häuser-Ruinen vom Untergang einer einst blühenden Zivilisation künden und der alles überdeckende Schnee zusätzlich für eine kalte Endzeit-Stimmung sorgt.
Schön, das Duguay's Film, auch dank des Drehbuchs, nicht der üblichen Actionfilm-Dramaturgie verfällt, was sich vor allem in der vergleichsweise langen Einleitung niederschlägt, die manchen wohl zu lang sein dürfte. Aber es spricht für den Film, wenn er sich ein wenig mehr Zeit für seine Geschichte und die Charaktere nimmt. Auch hält er sich in Sachen Action im Gegensatz zu anderen Produktionen vergleichsweise zurück, doch wenn sie denn mal los geht, dann wissen auch diese Szenen zu gefallen. Insgesamt ein sehenswerte Umsetzung der Ideen des Philip K. Dick.
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Aktualisiert (Montag, den 21. Juni 2010 um 17:42 Uhr)

















