Planet des Schreckens
PLANET DES SCHRECKENS
USA 1980 / O: Galaxy of Terror / AT: An Infinity of Terror; Mindwarp; Planet of Horrors / Prod.: New World Pictures / Laufzeit: 79 Min. / FSK: ab 18 Regie: Bruce D. Clark / Musik: Barry Schrader / Kamera: Jaques Haitkin / Schnitt: R. J. Kizer & Larry Bock & Barry Zetlin / Prod.: Roger Corman / Co-Prod.: Marc Siegler / Buch: Marc Siegler & Bruce D. Clark / SFX: Tom Campbell Darsteller: Ray Walston (Kore), Edward Albert (Cabren), Erin Moran (Alluma), Bernard Behrens (Ilvar), Robert Englund (Ranger), Sid Haig (Quuhod), Zalman King (Baelon), Grace Zabriskie (Capt. Trantor), Taafee O`Connell (Dameia), Jack Blessing (Cos), Mary Ellen ONeill (Mitri) |
Ob Ridley Scott 1978 wohl geahnt hätte, was er da ausgelöst hat? ALIEN-Plagiate ohne Ende, in den verschiedensten Variationen und Kombinationen. Wo es gilt, von einem erfolgreich laufenden Filmtrend zu profitieren, war Roger Corman als einer der Ersten zur Stelle. Erstaunlicherweise ist es ausgerechnet seine legendäre B-Movie-Fabrik New World Pictures gewesen, die 1980 eine der besten und abgefahrensten ALIEN-Plagiate heraus brachte:
Wo sich bei Ridley Scott das Grauen langsam und umso bedrohlicher anschlich, da kommt Regisseur und Co-Autor Bruce D. Clark entsprechend schnell und ohne Umschweife zur Sache. Zu Beginn: ein panischer Astronaut, der auf einem unwirtlichen Planeten durch die Korridore seines scheinbar abgestürzten Raumschiffes hastet, vor ihm liegend ein inzwischen ehemaliger Kollege; es folgt ein eleganter Zoom auf seine offene Kopfwunde eine ziemlich große, offene Kopfwunde. Und das in Großaufnahme. Was uns gleich verdeutlichen soll, wo wir uns befinden: in einer Roger-Corman-Produktion. Der arme, gebeutelte Astronaut hastet vor dem, was ihm da so eine Heidenangst einjagte, davon, ehe er mit dem Kopf gegen eine Rohrleitung knallt. Gut zu wissen, dass der Film selbst kein Rohrkrepierer ist.
Es dauert nicht lange und die nächsten Todeskandidaten trudeln ein. Es ist die Besatzung des Raumschiffes Quest, welches losgeschickt wurde, um den Erkundungskreuzer Remus, der auf dem Planeten Morganthus vermisst wird, aufzuspüren. Und es ist eine illustre Besatzung, die da zusammen getrommelt wurde: neben dem Onkel vom Mars Ray Walston, Edward Albert (SPACE MARINES; MIMIC 2), den von Rob Zombie wieder entdeckten Sid Haig (HAUS DER 1000 LEICHEN; THE DEVILS REJECTS; Rob Zombies HALLOWEEN; NIGHT OF THE LIVING DEAD 3D), HAPPY DAYS-Serienikone Erin Moran und Grace Zabriskie (Sarah Palmer aus TWIN PEAKS) sind auch der spätere Erotikschmonzetten-Filmer Zalman King (WILDE ORCHIDEE; TWO MOON JUNCTION) und Robert Englund in seiner Zeit vor Freddy Krueger mit dabei.
Wo sie noch eben durch die unwirtliche Planeten-Atmosphäre manövrierten, landen sie mit einem lauten Rumms! auf Morganthus, ihrem persönlichen Ort des Verderbens. Sie machen das, was ihre Kollegen von der Nostromo auch taten, ich weiß Andi, es ist das Dümmste, was Astronauten tun können, aber sie können nicht anders: sie müssen aussteigen und nachschauen. Dazu sind sie ja auch da. Der Film heißt nicht umsonst PLANET DES SCHRECKENS, bzw. GALAXY OF TERROR. Kaum das die Leute von der Quest die tote Mannschaft von der Remus entdeckt haben, beginnt ein blutiger Mordsreigen, welcher aufschlussreich dokumentiert, wie man so im Weltraum ums Leben kommen kann. Und dort hört dich bekanntlich niemand schreien.
Schreien. Das Letzte, was man von dem verkappten Filmanalytiker hörte (das Wort anal steckt wie so oft im Detail), als er beim grübeln und studieren, wie man denn nun am besten und treffendsten das Alien in ALIEN interpretieren könnte, auf diesen blutigen, billigen, bösen Film stieß. PLANET DES SCHRECKENS kehrt den reinen Exploitation-Charakter heraus und ist die schamlose und ungenierte Ausbeute dessen, was die ALIEN-Macher hinterlassen haben. Nur ist alles etwas billiger, schräger und offensichtlicher.
Obwohl die Geschichte eine gänzlich andere ist und in ihren eigenen Bahnen verläuft: eine Pyramide wird entdeckt, deren Inneres die Urängste der Menschen Realität werden läßt. Ganz normale Ängste, die da aus dem Astronauten-Unterbewusstsein hervor gezaubert werden: zum Beispiel die Erfahrung von seinem eigenen, abgetrennten Arm getötet zu werden oder das verborgene Verlangen einer Frau, sich voll und ganz einem glucksenden Wurmmonster hinzugeben, um ihrem eigenen, persönlichen Höhepunkt entgegen zu stöhnen. Dat flutscht so schön.
Doch auch wenn die Geschichte mit ihrer haarsträubenden, wirren Auflösung bewusst ihre eigenen Wege geht: mehrere Einstellungen und Handlungsabläufe sind komplett aus ALIEN, aber auch aus ALARM IM WELTALL und PLANET DER VAMPIRE kopiert und entsprechend aufbereitet worden. Roger Corman leugnete in seinen Produktionen nie, von welchen Vorbildern er sich inspirieren ließ. Doch wo bei Ridley Scott die Besatzungsmitglieder rund um Ripley vom Alien lediglich attackiert wurden, da haben sie bei Roger Corman Sex miteinander. Was bei ihm Tradition hat, denn auch in seinem Schlock-Spaß DAS GRAUEN AUS DER TIEFE ließ er lüsterne Monster über prallbusige Blondinen herfallen. Kreisch! Das Schöne an Filmen wie diesen ist das Offensichtliche und Hemmungslose.
Bruce D. Clark stopfte sein wüstes SF-Horror-Flickwerk voll mit kruden Ideen, Schocks und Effekten, so dass PLANET DES SCHRECKENS inzwischen zu seinem ganz eigenen Klassikerstatus gelangt ist. So ist die Quest mit ihrer Attrappen-Ausstattung ein Raumschiff, auf dem sich B-Movie-Fans sofort heimisch fühlen werden, die Atmosphäre ist schön düster und stimmig und die Szenen auf dem Planeten Morganthus einfach wunderbar, gerade weil der unverwechselbare Giger-Touch hier so ungeniert zum Ausdruck kommt. Das alles sieht aus wie Giger Montag früh um 6 das kann nur was sehr schönes sein.
Für Entzücken sorgen die Auftritte diverser Genre-Legenden, wenn man die üblichen Langweiler (hier vertreten durch Schnauzbart-Eddie, in Fachkreisen auch der alberne Albert genannt) bei Seite läßt: Sid Haig agiert (fast) dialogfrei, darf aber einen beneidenswerten Filmtod sterben, Robert Englund tritt wie Bruce Campbell Jahre später in ARMEE DER FINSTERNIS gegen sein eigenes, verfluchtes Ebenbild an und Ray Walston mimt den Schiffskoch ein Schiffskoch in so einem Film lässt vermuten, dass mehr hinter diese Rolle steckt. Das war ja bei Steven Seagal in ALARMSTUFE DOOF auch so.
- Weitere besprochene Filme mit Robert Englund:
Eaten Alive (1976)
C.H.U.D. II - Bud, the Chud (1988)
Tobe Hooper's Living Nightmare (1993)
The Mangler (1995)
Wes Craven's Wishmaster (1997)
Düstere Legenden (1998)
Dee Snider's Strangeland (1998)
Python (2000)
Freddy Vs. Jason (2003)
Hatchet (2006)
- Ray Walston, hier als undurchsichtiger Schiffskoch zu sehen, erlangte seine größte Popularität als Außerirdischer in der Kultserie MY FAVORITE MARTIAN (1963-66). In einem Gastauftritt war er auch im großen Kino-Remake von 1999 (mit Christopher Lloyd und Jeff Daniels) mit dabei. Für seine Dauernebenrolle als Richter Bone in der Serie PICKET FENCES (ab 1992) wurde er für einen Emmy Award nominiert. In STAR TREK - TNG war er in der Episode Das missglückte Manöver als schrulliger Hausmeister Boothby zu sehen, eine Rolle, die bei den Fans schnell beliebt wurde, so das er in einigen Gastauftritten im STAR TREK-Ableger VOYAGER wieder mit dabei war. Im Kino sah man Walston u.a. in DAS APPARTEMENT (1960), DER LADENHÜTER (1963), DER CLOU (1973), TRANS AMERICA EXPRESS (1976) und THE PLAYER (1992), ferner gesellen sich Rollen in der Mini-Serie THE STAND (1994), aber ironische Billig-Horrorfilmchen wie SAMSTAG, DER 14. SCHLÄGT ZURÜCK (1988) und MAD JAKE (1990) dazu.
- Kurz darauf schickte B-Film-König Roger Corman MUTANT - DAS GRAUEN IM ALL ins Rennen, der im selben Fahrwasser schwimmt.
- Die Highlights des Films bilden zweifelsohne die kruden Makeup-Intermezzos. (Andreas Bertler, HÖLLE AUF ERDEN)
- Spannend ist dieser von Roger Corman produzierte SF-Horrorthriller allemal, aber was die abgestandene Idee betrifft, so wollen wir darüber besser das Mäntelchen der Barmherzigkeit ausbreiten. (Ronald M. Hahn & Rolf Giesen, LEXIKON DES SCIENCE-FICTION-FILMS)
- Die Produktion unterbietet das Drehbuch noch dadurch, dass der Film schnell zu einer Ansammlung von grausamen Morden wird, die in einer grotesken Vergewaltigungsszene (mit großen Würmern) gipfelt. Ein pseudo-freudianisches Psycho- Geschwätz fungiert als Entschuldigung für das Gemetzel. (DIE SCIENCE FICTION FILMENZYKLOPÄDIE)
- Diese der besseren Sorte von B-Movies zuzuordnende Mischung aus Science-fiction und Horror ist von Regisseur Bruce Clark spannend-unterhaltsam in Szene gesetzt worden, geht aber in manchen Sequenzen über den allgemein definierten "guten Geschmack" hinaus." (Frank Trebbin, DIE ANGST SITZT NEBEN DIR)
- Eine Roger-Corman-Produktion, die sích geschickt der Klischees und Tricks zeitgenössischer Science-fiction- und Horrorfilme bedient. Handwerklich professionell gemacht und nicht ohne Selbstironie." (LEXIKON DES INTERNATIONALEN FILMS)

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Aktualisiert (Freitag, den 16. Januar 2009 um 05:03 Uhr)


















