Mutant - Das Grauen aus dem All
MUTANT
DAS GRAUEN AUS DEM ALL
"Er hat kein Großhirn mehr, es ist sauber rausgetrennt. Aber der Kreislauf funktioniert noch..."
USA 1982 / O: "Forbidden Planet" / AT: "Horror im All" / Prod.: New World Pictures / Laufzeit: 78 Min. / FSK: ab 16 (uncut)
Regie: Alan Holzman / Musik: Susan Justin / Kamera: Tim Suhrstedt / Schnitt: Alan Holzman, Martin Nicholson / Prod.: Roger Corman / Buch: Tim Curnen / Story: Jim Wynorski, R. J. Robertson / Make-Up-Effekte: John Carl Buechler, Mark Shostrom [ungenannt] u.a.
Darsteller: Jesse Vint (Mike Colby), Dawn Dunlap (Tracy Baxter), June Chadwick (Dr. Barbara Glaser), Linden Chiles (Dr. Gordon Hauser), Fox Harris (Dr. Cal Timbergen), Raymond Oliver (Brian Beale), Scott Paulin (Earl Richards), Michael Bowen (Jimmy Swift), Don Olivera (Sam-104), Victor Warren [ungenannt] (Mutant)
Als Ridley Scott 1979 sein Meisterwerk ALIEN heraus brachte, hat er bestimmt nicht mit der Flut an Rip-offs gerechnet, die in schöner Regelmäßigkeit von dessen Kinostart an bis zur Gegenwart die Filmlandschaft überschwemmen sollten. Neben den üblichen italienischen Verdächtigen, an dieser Stelle seien der grottenschlechte ALIEN - DIE SAAT DES GRAUENS KEHRT ZURÜCK und Luigi Cozzi's ASTARON - BRUT DES SCHRECKENS (mit "Traumschiff"-Käpt'n Siegfried Rauch!) aus dem Jahr 1980 genannt, war Roger Corman und seine legendäre B-Movie-Fabrik New World Pictures mit einer der Ersten gewesen, die zur Stelle waren, um ihre Alien-Eier in die Filmwelt zu setzen. Das brachte denn PLANET DES SCHRECKENS hervor, sicherlich eines der "Besten" in der Flut der zahlreichen ALIEN-Plagiate, und da Sparfuchs Roger Corman gerne alles 2x verwendet, wurde ein knappes Jahr später aus Kulissen, Requisiten und sonstigem Ausstattungsmüll dieser dreiste Nachzieher zusammen gekehrt: MUTANT - DAS GRAUEN AUS DEM ALL. Der Name ist Programm.

Bevor aber die Monster- und Mutantenfraktion erbarmungslos zuschlägt, starten wir zu Beginn ins STAR WARS-Getöse, denn das war Anfang der 80er auch ziemlich angesagt. Das fängt schon mit der Figur des Androiden Sam-104 an, der sehr, sehr offensichtlich aus Darth Vaders Stormtroopers-Trupp reaktiviert wurde, und zu Beginn Weltraumfahrer Mike Colby (Jesse Vint) aus dem Kälteschlaf weckt. Zusammen düst man im Forschungsschiffchen durch die unendlichen Weiten des Weltalls, wo man sich plötzlich inmitten einer Weltraumschlacht wieder findet, denn: Die Proviantjäger greifen an! Das der Prolog mit seinen unmotiviert und schlampig zusammen geschnittenen Weltraum-Ballerszenen, die im übrigen aus dem Mini-Klassiker SADOR - HERRSCHER IM WELTRAUM (1980) recycelt wurden, mit dem nachfolgenden Rest der "Handlung" nichts weiter zu tun hat, spricht einmal mehr für den haarsträubenden Charakter dieser Billigproduktion. Offenbar ist diese überflüssige Einleitung nur dazu gedacht, den Film in puncto Laufzeit zu strecken.
Der nächste Auftrag führt Mike Colby und Android Sam-104 auf den Planeten Xarbia zu einem "Geheimlabor der Föderation", wo mal wieder ein "streng geheimes Forschungsprojekt" drauf und dran ist aus dem Ruder zu laufen. Eigentlich wollten ein paar übereifrige Wissenschaftler (Linden Chiles und Fox Harris) eine "eiweißreiche, schnell wachsende Nahrungsquelle" erschließen, um so das Hungerproblem zu lösen, doch haben sie mal wieder nur ein Monstrum geschaffen, das aus dem Gen-Labor ausbüxt, um das dortige Personal zu killen. Davon kriegt man natürlich erst mal nix mit, auch unser Mike Colby nicht, der sich zunächst an die anwesenden Damen (Dawn Dunlap und June Chadwick) ranmacht. Doch irgendwann sind die ganzen Sauereien, die das wahlweise als "Metamorph" und "Subject 20" betitelte Ungetüm anrichtet, nicht mehr zu übersehen...
Und genau da kommt Make-Up-Spezialist John Carl Buechler (RE-ANIMATOR; FROM BEYOND; HATCHET etc.) zum Zuge, der mit seinem Team (u.a. Mark Shostrom) ein ganzes Arsenal an blutigen und schleimigen Ekel-Effekten kreierte, die eindeutig die Höhepunkte in diesem wüsten Weltraum-Splatter-Trash-Konglomerat sind. Dies findet auch Bestätigung in einer besonders schrägen Reaktivierung des Horror-Archetyps "Mad Scientist", hier vertreten durch Fox Harris (ALIENATOR), der als röchelnder, hinkender und zersauster Wirrkopf-Wissenschaftler ("Ich finde mein chirurgisches Besteck nicht!") durch's Labor herum wuseln darf, was als Höhepunkt in einer bizarren Krebs-Leber-OP gipfelt, wo sich der gute Doc bei vollem Bewusstsein das kranke Organ entnehmen lässt ("Achtung, zerreiß' nicht die Galle!"), um es als Abwehrhilfe dem fröhlich vor sich hin mutierendem Monster einzupflanzen. Das sind doch jene erhabenen Momente, warum wir gerne solche Filme gucken. Was das angeht, wird der geneigte Genre-Fan durchaus zufrieden gestellt: Und zwar mit Blut, Titten, Mutationen, Deformationen, Glibberschleim, das alles garniert mit Sauna-Fun und Weltraum-Geballer.

Von Buechler's blutigen Gore-Eskapaden mal abgesehen, fiel der Rest sichtbar billig aus. Sets und Ausstattung wissen weit weniger zu gefallen als es noch in PLANET DES SCHRECKENS der Fall war und so dürfte es Corman's Sparzwängen geschuldet sein, wenn man z.B. immer wieder über den selben Rohrschacht-Korridor latschen muss. Wahlweise auch mal in Badeschlappen. FORBIDDEN ZONE (so der Originaltitel) ist ein krudes, grobschlächtiges Exploitation-Flickwerk, vom inszenatorischen Standpunkt betrachtet das reinste Neandertal. Sein Regiedebüt gab Alan Holzman mit dem Holzhammer. So richtig etablieren konnte er sich in der Funktion des Regisseurs jedenfalls nicht, selbst wenn er sich mit diversen Dokumentationen und Kurzfilmen über Wasser halten konnte. Ein anderer, der sich hier ebenfalls am Anfang der Karriere befand, sollte sich dagegen noch einen berühmt-berüchtigten Namen machen: Die Story stammt nämlich aus den filmischen Anfangstagen des damals 32jährigen Jim Wynorski (DAS GRÜNE DING AUS DEM SUMPF; PROJECT VIPER; GARGOYLES - FLÜGEL DES GRAUENS), der zuvor als Co-Drehbuchautor Jack Hill's MÄCHTE DES LICHTS (1982) anknipste und ab 1985 mit seinem Debüt THE LOST EMPIRE eine mittlerweile knapp 90 Titel umfassende Regiekarriere eingehen sollte, mit der er als Trashfilm-Koryphäe einen ganz eigenen Kultstatus erreicht hat.
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Als erstes Opfer muss der junge Michael Bowen (BEVERLY HILLS COP III; CABIN FEVER 2) herhalten: in KILL BILL Vol. 1 (2003) hatte er die Ehre, jenen kultigen Spruch wiederholen zu dürfen, den Robert Englund in EATEN ALIVE (1976) zum Besten gab: "Mein Name ist Buck und ich bin bereit für 'nen Fuck."
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"Außer Kunstbluteskapaden hat Alan Holzmans dreistes ALIEN-Rip-Off allerdings wenig zu bieten." (Andreas Bertler, HÖLLE AUF ERDEN)
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"Dieser Schnellschuß aus der Roger-Corman-Fabrik seiner New World Pictures ist eine ALIEN-Kopie der besseren Sorte, wobei hier alle Vorteile des B-Films ausgespielt werden können. So braucht z.B. in puncto Bizarrheit und Härte keine Rücksicht auf einen guten (Major-) Namen genommen werden, was sich auch sichtbar im Ergebnis niederschlägt." (Frank Trebbin, DIE ANGST SITZT NEBEN DIR)
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"Technisch relativ aufwendiges, aber blutiges Gruselabenteuer mit Sexeinlagen." (LEXIKON DES INTERNATIONALEN FILMS)
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Aktualisiert (Sonntag, den 27. November 2011 um 19:06 Uhr)

















