Mega Piranha
"Es gab keine Explosion. Und keine Terroristen. Es war ein Riesenpiranha."
USA 2010 / O: "Mega Piranha" / Produktion: The Asylum; The Global Asylum (Verleih) / Laufzeit: 87 Min. (uncut) / FSK: ab 16
Regie + Buch: Eric Forsberg / Musik: Chris Ridenhour / Kamera: Bryan Olinger / Schnitt: Bill Parker, Daniel Maldonaldo / Ausf. Prod.: David Rimawi / Prod.: David Michael Latt
Darsteller: Paul Logan (Jason Fitch), Tiffany (Sarah Monroe), Barry Williams (Bob Grady), David Labiosa (Col. Diaz), Jude Gerard Prest (Dr. Higgins), Jesse Daly (Dr. Eli Gordon), Cooper Harris (Lt. Julia), William Morse (Lt. Stritch), Eric Forsberg (Botschafter Regis) sowie Clint Browning, Matt Lagan, Lola Forsberg u.a.
Sie können's einfach nicht lassen: wieder einmal spielten so ein paar bekloppte Wissenschaftler mit den DNA-Bausteinen herum - natürlich nur im Dienste der Menschheit. Als Versuchsobjekte haben sie ausgerechnet Piranhas auserkoren, weiß der Teufel warum. Diese sind nun schön am wachsen und treiben als monströse Riesenpiranhas im und am Orinoco River in Venezuela ihr Unwesen. Dort reißen sie nicht nur die üblichen Badegäste in Stücke, sondern auch schon mal die komplette Yacht einer Diplomatendelegation. Für diesen Vorfall wird zunächst ein Terroranschlag verantwortlich gemacht (die sind ja zur Zeit groß in Mode) und so wird der beste Mann, nämlich Special Agent Fitch (Paul Logan, KOMODO VS. COBRA), entsandt um die Sache aufzuklären. Vor Ort bekommt er es nicht nur mit der dortigen Militärbehörde zu tun, sondern auch einer immer größer werdende Piranha-Meute; dass Resultat eines Experiments, das mal wieder vollkommen aus dem Ruder gelaufen ist. Zusammen mit der verantwortlichen Wissenschaftlerin (Tiffany) versucht er den Schaden einzudämmen, was gar nicht so einfach ist, da die Piranhas alle paar Stunden ihre Größe verdoppeln. Vom U-Boot bis zum Flugzeugträger werden allerlei schwere Geschütze aufgefahren, denn "schließlich gilt es einen dritten Weltkrieg zu vermeiden" (Originalzitat)...
Mit MEGA PIRANHA hat die mittlerweile berühmt-berüchtigte, auf Plagiate spezialisierte Billigfilmbude "The Asylum" ihr Pendant zu Alexandre Aja's Horrorspaß PIRANHA 3D in kürzester Produktionszeit herunter gekurbelt, um im Schatten eines weiteren Kinofilms ein bisschen Kohle zu verdienen. Dieser Knaller hier wird seinem "Mega" im Titel voll und ganz gerecht: MEGA PIRANHA = MEGA TRASH und bestens geeignet für eine zünftige Trashfilmparty, um dort jeglichen Rahmen zu sprengen. Im Kreise guter Freunde, die ähnlich drauf sind und so einen schön schlechten Film zu schätzen wissen, wird man mit diesem Teil hier ganz, ganz viel Spaß haben. So lässt sich über schlechte Filme auch was gutes sagen: man kann in ihnen etwas Verbindendes entdecken.

Ausgeheckt und umgesetzt wurde dieser 1A-Schwachsinn von Eric Forsberg, der schon für The Asylum so manch Trash-Granate fabrizierte, darunter die "Drehbücher" zu KRIEG DER WELTEN 2 (2008), 30 000 LEAGUES UNDER THE SEA (2007) und SNAKES ON A TRAIN (2006). Das er gar nicht Regie führen kann, scheint ihm am wenigsten zu stören. Etwas nicht zu können ist kein Grund es nicht zu tun. Forsberg ist wie ein unqualifizierter Hobbykoch, der all seine Zutaten unmotiviert in die Pfanne haut - und hofft. Nun, rein filmisch gesehen entwickelt MEGA PIRANHA ganz eigene Qualitäten und ist über jede Kritik erhaben. Zum Trotz noch mal kurz aufgelistet: Eine Inszenierung ist nicht erkennbar, die Kamera schwenkt mal orientierungslos, mal hektisch in der Gegend herum und der holprige Schnitt stürzt einen stakkatoartig von einer vermurksten Szene in die andere. Wenn zum Beispiel der Hubschrauber ein Auto verfolgt, ist es hier gar nicht so wichtig, ob man den Hubschrauber nun sieht oder nicht.
Was die Schauspieler betrifft... Nun, der Begriff "Schauspieler" wäre in diesem Zusammenhang eine Beleidigung für jeden ernsthaft arbeitenden Künstler in diesem Gewerbe. Allein mit unserem tollen Hauptdarstellerpärchen hat man zwei grandiose Schießbudenfiguren aufgestellt: zum einen der großartige Paul Logan, ein zähes Stück Muskelmasse mit Bodybuilder-Komplex und Geheimagententrauma. Dieser wandelnde Amphetamin-Koloss kämpft zu Lande und unter Wasser mit immer größer werdenden Piranhas, schüttelt unkontrolliert seine mimischen Zuckungen aus seinem Gesicht heraus und gibt dazu unsinnige Dialoge wie platzende Sprechblasen von sich.
An seiner Seite naddelt sich ein pausbäckiger Vera-am-Mittag-Verschnitt namens Tiffany als allwissendes Labor-Pummelchen durch die Kante. In den 80ern trällerte sie sich mit einigen heute eher unbedeutenden Teenieschnulzen in die Charts, hier kämpft sie gegen immer größer werdende Riesenpiranhas an. Sieht man Tiffany, sieht man auch wie schlimm es um MEGA PIRANHA bestellt ist: im Gegensatz zu all den anderen Monsterfilm-Quickies hat es, dem begrenztem Budget im Hause Asylum entsprechend, nicht mal für eine attraktive Hauptdarstellerin gereicht. Sieht man Tiffany, weiß man die Katzenberger'n zu schätzen. Zumindest dieses eine Mal.
Neben dem 70er-Jahre-Relikt Barry Williams (THE BRADY BUNCH), der als blasses Men-in-Black-Abziehbild den klischeehaften Regierungsfuzzi zum Besten (bzw. Schlechten) gibt, sollte hier noch das südamerikanische Soldatenkommando unter Leitung von Col. Diaz und seinen Schergen Erwähnung finden. Was deren Over-Over-Over-Acting angeht, so hat man bei ihnen das Gefühl, es nicht mit Menschen, sondern mit militärischen Gesichtsübungsplätzen zu tun.
Es gehört schon ganz schön viel Talent dazu, um so viel Untalent zu zelebrieren. Paul Logan, Tiffany, Eric Forsberg... vielleicht handelt es sich hier um verkannte Filmgenies? Was werden wir wohl noch in Zukunft von ihnen ertragen müssen? Allein diese Frage klingt wie ein drohendes Unheil.
Es macht ganz viel Spaß zuzusehen, wie die Macher all ihre bescheuerten Ideen umgesetzt haben, was insbesondere in den zahlreichen Auftritten der Titel gebenden Monster deutlich wird, z.B. wenn die "organisierte Raubfischbande" aus der Luft torpediert wird, was ganz putzig aussieht: CGI-Helicopter vs. CGI-Piranhas. Letztere wachsen immer weiter voran und entwickeln den entsprechenden Mordsappetit, der auch vor Flugzeugträgern und U-Booten keinen Halt macht. Als Snack für zwischendurch begnügt man sich schon mal mit einem Helicopter. Toll auch zu sehen, was passiert wenn die Mega Piranhas aus dem Wasser hopsen: einer spießt sich versehentlich auf einem Leuchtturm auf, die meisten landen auf Häuserdächern oder stecken in Wänden fest, wo sie hilflos mit den Flossen wackeln.
Man könnte jetzt fragen, ob sich die Verantwortlichen nach Drehschluss auch mal anschauen, was sie da fabriziert haben, bevor sie ihr Endprodukt auf die Menschheit loslassen. Aber Qualität spielte im Hause Asylum noch nie eine Rolle. Was hier so alles passiert: man kann es nicht beschreiben, sondern muss es selbst gesehen haben. Wem Alexandre Aja's PIRANHA 3D zu anspruchsvoll war, für den ist MEGA PIRANHA genau das Richtige.
MEGA PIRANHA ist mega ga-ga und ein ideales Beipiel dafür, dass eine dilettantische Regie, laienhafte Schauspieler und miese Spezialeffekte durchaus ihre eigenen Reize entwickeln können. Man kann ganz viel Spaß haben mit diesen Flugzeugträger und U-Boote kaputt machenden, Helicopter verschlingenden und sich beim aus dem Wasser hopsenden versehentlich auf dem Leuchtturm aufspießenden Riesenpiranhas haben. Von all den schlechten Filmen ist dies einer der besten.
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Aktualisiert (Sonntag, den 09. Januar 2011 um 11:02 Uhr)

















