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THE HILLS HAVE EYES

 "Bleiben Sie um Gottes Willen auf der Hauptstrasse! Immer gerade aus!"“

 

 

USA 1977 / O: „The Hills Have Eyes“ / AT: „Hügel der blutigen Augen“; „Wes Craven’s The Hills Have Eyes“ / Laufzeit: 86 Min. (uncut)  
 
Regie, Buch + Schnitt: Wes Craven / Musik: Don Peake / Kamera: Eric Saarian / Prod.: Peter Locke 
 
Darsteller: Dee Wallace (Lynne Wood), Martin Speer (Doug Carter), Robert Houston (Bobby Carter), Susan Lanier (Brenda Carter), Russ Grieve (Big Bob Carter), Virginia Vincent (Ethel Carter), Michael Berryman (Pluto), James Whitworth (Jupiter), John Steadman (Fred), Lance Gordon (Mars), Janus Blythe (Ruby), Cordy Clark (Mama), Arthur King [= Peter Locke] (Merkur), Brenda Marinoff (Katy)

 

 

Fünf Jahre hat sich Wes Craven Zeit gelassen, ehe er nach dem auch heute noch umstrittenen und verstörenden Regiedebüt THE LAST HOUSE ON THE LEFT (1972) seinen zweiten Film folgen ließ: THE HILLS HAVE EYES. Die Geschichte um eine Familie, die mit dem Wohnwagen auf dem Weg in den Urlaub nach einer Autopanne in einer unwirtlichen Wüstengegend festsitzt und von einer kannibalischen Wüstenhorde angegriffen wird, ist  waschechtes 70er-Jahre-Terrorkino mit der entsprechenden Portion Provokation: Der zivilisierte Mensch, der vom rechten Weg abkommt und von grausamen Hinterwäldlern (oder in diesem Fall: Hinterländler) in die Mangel genommen wird. Wer wird sich wohl wem anpassen?
  
 Grosse Beeinträchtigung findet Craven's Film in der im groben Maße sinnenstellten deutschen Fassung, die aus der Kannibalensippe kurzerhand Außerirdische machte: einst landeten sie friedlich auf der Erde, kamen nicht mehr zurück und wurden nur durch das rüde Verhalten der Army zu Menschen fressenden Monstern gemacht. Diese Pappnasen dachten sich: Sie heißen Pluto, Jupiter und Mars, da können es nur Ausserirdische sein. Schlichtes Denken in all seiner Vollkommenheit. Nun, es ist vielmehr so, daß man dem damaligen Publikum so einen knallharten Stoff nicht zumuten wollte oder konnte. Im Original handelt es sich um radioaktiv Verstrahlte, die nach Atomtests zu Kannibalen mutierten: von Menschen gemachte Monster. Die Kernfrage, die sich Craven hier stellte, stand auch schon 1972 bei THE LAST HOUSE ON THE LEFT im Raum: Wie viel Gewalt verträgt ein Mensch, bis auch er gewalttätig wird?
 
The Hills Have Eyes  
 
Die heutige Generation wird Alexandré Aja's schnörkellosem und ultrabrutalen Remake aus dem Jahre 2006 sicher den Vorzug geben und aufschreien: "Ah! Hier gibt's doch gar kein Blut zu sehen!" Genau: das Original ist fast völlig blutleer. Wer ausufernde, detaillierte Splattereffekte erwartet, liegt hier falsch, auch wenn es mitunter ziemlich hart, drastisch und zermürbend zugeht. Im direkten Vergleich erweist sich Aja's Remake nicht nur in handwerklicher Sicht als der bessere Film, zumal dort sowohl die Figuren viel mehr ausgearbeitet wurden, als auch die gesellschaftlichen und politischen Seitenhiebe deutlich besser zum Tragen kamen. Selbst die Kannibalenhorde, denen man im Remake ein richtig fieses Mutanten-Make-Up verpasste, kam dort besser weg und wurde sogar etwas differenzierter dargestellt, während man hier glaubt, asoziale, saufende Wüstenpenner vor sich zu haben. Cravens satirische Absichten fielen hier leider ziemlich plakativ aus. Rückblickend ist THE HILLS HAVE EYES auch nur einer jener Filme, die damals die Gemüter erhitzten und heute vergleichsweise harmlos daher kommen. Im Gegensatz zu THE LAST HOUSE ON THE LEFT, der auch heute noch brutal und verstörend ist. 
 
Gerade wenn man sich Cravens Frühwerke betrachtet, mag mancher gar nicht glauben, daß derselbe Regisseur uns zwei (weitere) der bedeutendsten Filme in diesem Genre, nämlich A NIGHTMARE ON ELM STREET (1984) und SCREAM (1996), schenkte. Nach THE LAST HOUSE ON THE LEFT inszenierte Craven hier schon etwas sicherer, aber ist THE HILLS HAVE EYES eben wie sein Erstling holprig, billig und technisch unausgereift. Genau das Richtige für meinen schlechten Geschmack, denn die rüde, ruppige Atmosphäre und der raue, ungeschliffene Stil haben ihre eigenen Reize, denen man sich als Anhänger des 70er-Jahre-Terrorfilms nicht entziehen kann. THE HILLS HAVE EYES hat viele Ecken und Kanten, aber er ist so schön schmutzig und das macht ihn sehenswert. Nicht zuletzt wegen Pluto-Darsteller Michael Berryman: diesen Charakterkopf vergisst man nie wieder!
  
 
  • Wer den Film auf DVD haben möchte: Sunfilm, Marketing Film und Laser Paradiese brachten ihn kürzlich mit der Bezeichnung „Director’s Cut“ neu auf den Markt. Ungekürzt und mit neuer Synchronisation: http://www.ofdb.de/view.php?page=film&fid=1702 
  •  Wes Craven inszenierte 1985 die fürchterliche Fortsetzung THE HILLS HAVE EYES II (die bei uns IM TODESTAL DER WÖLFE hieß). Ursprünglich war noch THE HILLS HAVE EYES III geplant, doch daraus wurde dann MIND RIPPER, den Craven 1995 produzierte. Alexandré Aja's Remake bekam nach dem großen Erfolg auch eine Fortsetzung verpasst, zu der Craven mit seinem Sohn das Drehbuch schrieb: Noch ein Film, der THE HILLS HAVE EYES II heißt.
  •  Der 1948 geborene Michael Berryman ist nach kleineren Rollen in DOC SAVAGE - DER MANN AUS BRONZE und EINER FLOG ÜBERS KUCKUCKSNEST (beide 1975) in seinem dritten Film zu bewundern - und avancierte prompt zum Kultstar. Einer, der dank seines Aussehens nie geschminkt werden muss, was man in einschlägig bekannten Beiträgen wie CUT AND RUN (1986), DIE BARBAREN (1987), EVIL SPIRITS (1990), HAUNTING FEAR (1991) und THE DEVIL'S REJECTS (2005) begutachten kann. Sogar in STAR TREK IV (1986) war er kurz als Alien am Monitor zu sehen. In dem Okkult-Horror DEM TODE GEWEIHT (1981) und der TV-Produktion EXIT - AUSGANG INS NICHTS (1984) arbeitete er ebenfalls mit Craven zusammen. 
  • Dee Wallace (die auch als Dee Wallace-Stone mit dem Namen ihres verstorbenen Mannes Christopher Stone auftritt) stand hier als gestresste Schwiegertochter ebenfalls noch am Anfang ihrer Karriere. Später sah man die vielbeschäftigte und immer gern gesehene Schauspielerin u.a. in THE HOWLING (1981), E. T. (1982), CUJO (1983), CRITTERS (1986), THE FRIGHTENERS (1996), VOODOO MOON (2005), ABOMINABLE (2006) und in Rob Zombie's HALLOWEEN-Remake (2007).  

 

  • Alle bislang besprochenen Filme unter der Mitwirkung von Wes Craven:

 

        DAS DING AUS DEM SUMPF (1981; Regie, Drehbuch)

        SHOCKER (1989; Regie, Buch, Produzent, Darsteller)
        WES CRAVEN'S MIND RIPPER (1995; Produzent)
        VAMPIRE IN BROOKLYN (1995; Regie)
        WISHMASTER (1997; Produzent)
        THE BREED (2006; Produzent)
        THE HILLS HAVE EYES - HÜGEL DER BLUTIGEN AUGEN (2006, Produzent)
        THE HILLS HAVE EYES II (2007; Drehbuch, Produzent)
 
 
  • Alle bislang besprochenen Filme mit Michael Berryman
       MUTRONICS (1991)
       STARFIRE (1992) 
       ABSENCE OF LIGHT (2004)
       BRUTAL (2007)
  •           
     

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