Hostel 3
USA 2011 / O: "Hostel: Part III" / Prod.: Stage 6 Films; RCR Media Group; Next Entertainment / FSK: ugekürzte Fassung mit dem Vermerk: SPIO JK geprüft / Laufzeit: 88 Min. (Uncut auf Blu-ray)
Regie: Scott Spiegel / Musik: Frederik Wiedmann / Kamera: Andy Strahorn / Schnitt: George Folsey Jr. / Ausf. Prod.: Rui Costa Reis, Eliad Josephson, Scott Putman / Prod.: Chris Biggs, Mike Fleiss, Scott Spiegel / Buch: Michael D. Weiss
Darsteller: Kip Pardue (Carter McMullen), Thomas Kretschmann (Flemming), Brian Hallisay (Scott), John Hensley (Justin), Sarah Habel (Kendra), Chris Coy (Travis), Skyler Stone (Mike), Zulay Henao (Nikki), Nickola Shreli (Victor), Barry Livingston (EHC Kunde für Mike) sowie Derrick Carr, Frank Alvarez, Evelina Turen, Tim Holmes u.a.
2005 inszenierte der damals 33jährige Eli Roth, der zuvor durch sein Debütfilm CABIN FEVER auf sich aufmerksam machte, mit dem nicht ganz unumstrittenen HOSTEL einen harten Schocker über mehr oder weniger reiche Menschen, die ihr gutes Geld dafür ausgeben, um andere Menschen zu peinigen und zu Tode foltern. Ohne die üblichen Ironie-Bekundungen stellte Roth in seinem zweiten Film eine gewisse Nähe zu den von ihm favorisierten Exploitation-Reißern der 70er her und zusammen mit der SAW-Serie begründete HOSTEL eine ganze Reihe an Torture-Porn-Filmen, in denen fortwährend gefoltert, gemordet und gequält wurde. 2007 folgte dann die schon fast unvermeidliche Fortsetzung, die ganz im Sinne des Originals war, aber sowohl bei Publikum und Kritikern schon weniger gut weg kam.
2011 kam nun dieser dritte Teil heraus, der von Anfang an als Direct-to-DVD-Premiere konzipiert wurde und mit dem Eli Roth - aus verständlichen Gründen - nichts mehr zu tun haben wollte. Als Regisseur holte man sich Scott Spiegel, der auch kein gänzlich unbeschriebenes Blatt ist: Als Weggefährte von Sam Raimi kollaborierte er des öfteren mit ihm (INTRUDER, 1989) und übernimmt bis heute immer mal wieder kleinere Rollen in dessen Filmen (u.a. DARKMAN und DRAG ME TO HELL); zudem inszenierte er 1999 das Sequel FROM DUSK TILL DAWN 2. Mit der Regie zu HOSTEL 3 tat er weder sich noch uns einen Gefallen.
Diesmal hat man das blutrünstige Folterszenario vom osteuropäischen Hinterland ins kunterbunte Las Vegas verlegt. Dort wollen die drei Kumpel Carter (Kip Pardue, THE WIZARD OF GORE, 2007), Mike (Skyler Stone) und Justin (John Hensley aus NIP / TUCK und SHUTTER, 2008) den Junggesellenabschied ihres Freundes Scott (Brian Hallisay) feiern - doch nach durchzechter Partynacht ist einer von ihnen spurlos verschwunden. Die Suche nach ihm führt die anderen drei direkt in die Räumlichkeiten des "Elite Hunting Clubs", wo deren gut betuchte Mitglieder zu Sektempfang und netter Bedienung hinter dicken Glasscheiben gemütlich ihre Wetten abschließen - und zwar auf das (Ab-) Leben der vier jungen Männer...

HANGOVER meets HOSTEL: es mag durchaus seinen Reiz haben, wenn man das Grauen diesmal nicht in einem fernem Land, wo man ganz alleine auf sich gestellt ist und Sprachbarrieren überwunden muss, abspielen lässt, sondern direkt vor der eigenen Haustüre. Leider versagen genau an diesem Punkt Regie und Drehbuch, obwohl man sich noch in der Anfangssequenz Mühe gab, mit der Erwartungshaltung des Publikums zu spielen und Klischees auf den Kopf zu stellen.
Hier wird nur ein ödes Folter-Szenario gesponnen, das wie ein lahmer Aufguss des zuvor Gesehenen daher kommt. HOSTEL 3 bietet alle Unzulänglichkeiten, wie man sie von einem schnell und billig herunter gekurbelten Dircet-to-DVD-Sequel gewohnt ist, und hinterlässt den Eindruck, als wollte man hier noch ein bissl Kohle auf der (zum Glück) abebbenden Folterfilm-Welle scheffeln. Wer hier den innovativen Horror-Kick sucht, sollte lieber eine Reise mit der Deutschen Bahn buchen.
Nach der an und für sich gelungenen Einleitung muddelt HOSTEL 3 so vor sich hin und brauch ein halbes Stündchen, um zur Sache zu kommen, wo es dann im Vergleich zu den Vorgängern eher zurückhaltend zugeht. Die Hardcore-Fraktion dürfte bei dem hier Dargebotenen eher enttäuscht sein, aber nach den in SAW und Konsorten zelebrierten Folterszenarien sind wir doch dahin gehend eh alle ein bisschen abgestumpft, gell? So viel hab ich persönlich auch nicht davon gehalten, wenn ich im Kino (wahlweise auch im Heimkino) Menschen zuschauen soll, die andere zu Tode foltern. Diese Art von "Horror" hat für mich einfach keinen Reiz. Was das angeht dürfte hier die krasseste Szene jene sein, in der so ein durchgeknallter Hobby-Chirurg vor zahlungsfreudigem Publikum einem dieser Schnösel bei lebendigem Leib die Gesichtshaut runter reißt. Für den Schauspieler dahinter gilt: Nur nicht das Gesicht verlieren! Ganz besonders in unterpriviligierten Billigproduktionen wie diesen.
Wer ausufernde Gewaltakte erwartet, hat eher das Nachsehen, da so einiges im Off geschieht. Neben von Hand gemachten, eher halbherzig hingeklatschten Effekten kommen hierbei auch CGI-Effekte zum Einsatz, die - mal wieder - peinlich-misslungen sind. So wimmelt es denn auch von zahlreichen, lieblos dahin gerotzten Szenen: etwa wenn Thomas Kretschmann's Nischel zum Schluss zu Matsch gefahren wird oder so eine dumme Uschi mit Kakerlaken überschüttet wird. Letzteres bekommen wir im doofen Dschungelcamp viel besser und vor allem effektiver auf dem Serviertablett des schlechten Geschmacks vorgesetzt als in diesem überflüssigem Sequel, das keiner brauch und wie ein billiges Fernsehfilmchen daher kommt. Von der zermürbenden, finsteren Atmosphäre des ersten Teils ist so gut wie gar nichts ürbig geblieben.
Das Schicksal der vier jungen Protagonisten dürfte einem zudem herzlich egal sein, denn wo sich gerade im ersten Teil Roth noch die Zeit nahm, um uns seine Charaktere näher zu bringen, landen hier nur nervig-langweilige 08/15-Stereotypen auf der Folterbank, deren Ableben einem auch sowas von egal ist. Besonders enttäuschend agiert Thomas Kretschmann (NEXT, 2007), der schon oft bewiesen hat, das er es viel, viel besser kann (u.a in Peter Jackson KING KONG) und sich hier als Chef-Organisator ausdruckslos und sichtlich gelangweilt durch seine paar Szenen nuschelt. Bei dem dümmlichen Drehbuch und der uninspirierten Regie hatte er wahrscheinlich auch keine andere Wahl.
Erst zum Schluss strafft Scott Spiegel ein wenig die Zügel und liefert ein einigermaßen rasant inszeniertes Finale ab, das allerdinges ziemlich konstruiert und haarsträubend rüber kommt und den lahmen, einfallslosen Charakter des Films auch nicht mehr wett machen kann. Die intensiven Schock-Qualitäten des ersten Teils weichen hier einem halbherzig arrangiertem Folter-Szenario in öder TV-Optik.
Wo die beiden HOSTEL-Filme von Eli Roth mitunter schon etwas grenzwertig waren, ist dieser Nachklapp einfach nur minderwertig. In Anbetracht dessen und auch der Tatsache, dass diese elende von Folterfilmchen durchzogene Torture-Porn-Welle sowieso schon seit geraumer abgeebbt ist (insbesondere nachdem diese SAW-Hysterie mit dem - hoffentlich - siebten und letzten Teil beendet wurde), sollten raffgierige Produzenten davon Abstand halten, uns früher oder später mit HOSTEL 4 zu belästigen.
4/10
- Die Welt ist ein Dorf: Kip Pardue und Skyler Stone waren 2002 auch in Roger Avary's Bret-Easton-Ellis-Adapation DIE REGELN DES SPIELS mit dabei
- Michael D. Weiss, der hier versucht hat ein drehbuch zu schreiben, war auch verantwortlich für die Drehbücher zu B-Movie-Billigware wie CROCODILE (2000), OCTOPUS + OCTOPUS II (2000 / 2001), ICH WERDE IMMER WISSEN, WAS DU LETZTEN FREITAG GETAN HAST (2006) und BUTTERFLY EFFECT 2 (2006)
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Aktualisiert (Mittwoch, den 20. Juni 2012 um 11:06 Uhr)



















Aber davon abgesehen, halte ich den Fim für eine Direct-to-DVD-Produktion gar nicht mal so schlecht. Hirnlose Unterhaltung für Zwischendurch ;)