Halloween II (2009)
"Ein bisschen totes, verrottetes Fleisch hat noch niemandem geschadet."
USA 2009 / O: "Halloween II" / Prod.: Dimension Films / Laufzeit (Blu-ray; uncut): 104 Min. (Kinoversion); 119 Min. (Director's Cut) / FSK: ungeprüft
Regie + Buch: Rob Zombie / Musik: Tyler Bates / Kamera: Brandon Trost / Ausf. Prod.: Andy La Marca, Matthew Stein, Bob Weinstein, Harvey Weinstein / Prod.: Rob Zombie, Malek Akkad, Mike Elliott, Andy Gould / Make-Up-Effekte: Wayne Toth
Darsteller: Malcolm McDowell (Dr. Samuel Loomis), Scout Taylor-Compton (Laurie Strode), Tyler Mane (Michael Myers), Sheri Moon Zombie (Deborah Myers), Brad Dourif (Sheriff Lee Brackett), Danielle Harris (Annie Breckett), Brea Grant (Mya Rockwell), Howard Hesseman (Uncle Meat), Margot Kidder (Barbara Collier), Daniel Roebuck (Big Lou), Richard Riehle (Buddy, der Nachtwächter), Al Yankovich (als sich selbst), Mark Boone Junior (Floyd), Chase Vanek (Michael Myers als Kind), Duane Whitaker (Sherman Benny), Jake McKinnon (Bishop Trick / Deputy #12), Angela Trimbur (Harley David), Mary Birdsong (Nancy McDonald), Greg Travis (Deputy Neale), Bill Fagerbakke (Deputy Webb), Richard Brake (Gary Scott), Dayton Callie (Coroner Hooks), Mark Christopher Lawrence (Deputy Fred King), Jeff Daniel Phillips (Howard / Seymor Coffins), Meagan Fay (Deputy Lyons), Caroline Williams (Dr. Maple), Betsy Rue (Jazlean Benny), Robert Curtis Brown (Kyle Van Der Klok), Sean Whalen (Becks), Justin Welborn (Mr. Hyde), Chris Hardwick (David Newman), Octavia Spencer (Nurse Daniels) u.a.
2007 schickte sich Rob Zombie an im Zuge des Remake-Wahns seine HALLOWEEN-Interpretation, die Neuauflage des John-Carpenter-Klassikers aus dem Jahre 1978, auf die Horror-Gemeinde loszulassen, was ihm jede Menge Kritik einbrachte. Teils zu Unrecht, denn zumindest in der erste Hälfte gelang es Zombie, sich mit eigenen Ideen vom übermächtigen Original zu lösen, zum Beispiel in dem er Michael Myers ein Motiv für die von ihm verübten grausigen Taten gab.
Die 2 Jahre später gedrehte, wiederum von Zombie inszenierte und geschriebene Fortsetzung schließt (genau wie Rick Rosenthals damaliges HALLOWEEN-Sequel von 1981) am Ende der vorangegangenen Ereignisse an: Schwer verletzt und ebenso traumatisiert wird Laurie Strode (Scout Taylor-Compton) nach dem Kampf mit Michael Myers von Sheriff Brackett (Brad Dourif) aufgelesen, und ebenso wie Dr. Loomis (Malcolm McDowell) ins Krankenhaus gebracht. Zwei Jahre später lebt Laurie bei Brackett und seiner Tochter Annie (Danielle Harris), die ebenfalls von Michael Myers angegriffen und schwer verletzt wurde, aber die traumatischen Ereignisse viel besser verarbeiten konnte. Laurie Stroode dagegen ist nur noch ein Wrack und das Halloween vor der Tür steht, trägt auch nicht gerade zur Besserung ihres Zustands bei. Obwohl man die Leiche von Michael Myers nie gefunden hat und er aus diesem Grund kurzerhand für tot erklärt wurde, ist sich Laurie sicher: er wird sie aufsuchen, um sie endgültig zu töten. Und während Dr. Loomis nur noch daran interessiert ist, sein Buch zu verkaufen, marschiert Michael Myers auf Haddonfield zu, um sich mit ein paar Morden warm für Laurie Strode machen...
HALLOWEEN II aus dem Jahre 2009 mag gegenüber HALLOWEEN II aus dem Jahre 1981 zwar die bessere Fortsetzung sein, was aber nicht über den zwiespältigen Charakter dieses weiteren Sequels hinweg täuscht. Rein visuell gesehen gibt es hier nichts auszusetzen, zumal es Zombie dank der düsteren Bilder von Kameramann Brandon Trost vorzüglich gelingt, eine bedrohliche Atmosphäre aufzubauen. Inhaltlich versucht Zombie zwar neue Wege zu gehen, verliert sich aber gleich zu Beginn in psychologischem Schwurbel, wenn anhand eines Auszuges aus "Die unterbewusste Psychose der Träume" die symbolische Bedeutung des weißen Pferdes erklärt wird: "Verbunden mit Instinkt, Reinheit und dem Drang des physischen Körpers, machtvolle und emotionale Kräfte freizusetzen, so wie auf Wut Chaos und Zerstörung folgt", steht da auf einer Schrifttafel geschrieben. Da scheint wohl Mr. Zombie auf dem falschen Pferd geritten zu sein. Traumsequenzen und Visionen sollen Einblick geben in das Seelenleben des Michael Myers: dort begegnen wir nicht nur seiner Mutter (Sheri Moon Zombie), die im ersten Teil den Freitod wählte, wieder, sondern auch der Kind-Version des Michael Myers - nebst weißem Pferd... Der weiße Klappergaul spielt im weiterem Verlauf auch keine große Rolle mehr und letzten Endes sind die in Träumen auftauchende Mutti und sein junges Alter ego nur dazu da, um den großen Michael Myers, hier nun ein verlauster Hüne im Obdachlosen-Look, bei dessen Mordtaten anzutreiben.
Die Besetzung ist aus dem Vorgänger nahezu identisch, wobei es zumindest Dr. Loomis und Laurie Strode vergönnt ist, sich weiter zu entwickeln - wenn auch zum negativen hin. War Loomis im ersten Teil der sympathische, ja sogar aufopferungsvolle Psychiater, hat er diese Rolle eingetauscht in einen selbstsüchtigen, geldgierigen Egomanen, dem die schreckliche Tragödie gut genug war, um ein Buch darüber zu schreiben, das man kaum als seriös bezeichnen kann, sondern einzig dazu da ist, aus dem Leid anderer Profit zu schlagen. Mit dem Whiskyglas in der Hand und jeder Menge Starallüren im Gepäck lässt er sich in einer fetten, schwarzen Limousine von einem Promotion-Termin zum nächsten kutschieren, muss aber bald feststellen, dass ein vermeintlicher Ruhm sich schnell als Trugschluss herausstellen kann. Malcolm McDowell meistert auch diese charakterliche, jedoch völlig überzogene Veränderung des Dr. Samuel Loomis, während - zumindest mir ging es so - Scout Taylor-Compton als Laurie Strode vollkommen nervt. Kam sie im Vorgänger noch reichlich blass und ausdruckslos daher, übertreibt sie es diesmal als hysterische Zicke im Rockergören-Outfit, die mit ihrem andauerndem Geschrei und Gepöbel kaum Sympathien erweckt. Jaja, sie musste traumatische Erlebnisse über sich ergehen lassen, aber so wie sie hier rummotzt, möchte man ihr am liebsten eine scheuern und zurufen: "Reiß' dich mal zusammen, Mädel!" Der beste Moment mit ihr markiert die eindringliche Schlusseinstellung, als sie, musikalisch begleitet von Nan Vernon's wunderschönem "Love Hurts"-Cover, diabolisch in die Kamera grinst.
Einzige Sympathieträger sind hier nur Brad Dourif als wuschliger Strubbel-Sheriff nebst Filmtochter Danielle Harris, die die traumatischen Ereignisse aus dem ersten Teil auch noch nicht so recht verarbeitet haben. Ansonsten gibts, wie bei Zombie üblich, überdrehte und durchgedrehte Charaktere: ein nekrophil veranlagter Polizist (Dayton Callie), ein dümmlicher Puffbesitzer (Daniel Roebuck), rabiate Hinterwäldler (u.a. Mark Boone junior) etc., die vom hünenhaften Myers nicht nur einfach niedergemetzelt, sondern regelrecht hingerichtet, geschlachtet, auseinander genommen und zerstückelt werden.
Wie immer bei Rob Zombie gibt es diverse Gaststars zu entdecken: So darf Howard Hesseman auf seine Hippie-Vergangenheit eingehen, Margot Kidder gibt die brabbelnde Psychiaterin, Nebenrollen-Star Richard Riehle (HATCHET) wird als Buddy, der Nachtwächter von hinten erstochen und Al Yankovich spielt Al Yankovich. Die Besetzung ist wie in Rob Zombies vorherigen Filmen (DAS HAUS DER 1000 LEICHEN; THE DEVIL'S REJECTS und das erwähnte HALLOWEEN-Remake) wiederum eine runde Sache. Aber das reicht einfach nicht. Was das Gesamtbild von HALLOWEEN II betrifft, der düster-dreckige Schmuddel-Look mit seinen zum Teil völlig überzeichneten White-Trash-Charakteren und die mit diversen Zitaten, Anspielungen und den obligatorischen Gewalt-Exzessen angereicherte Banal-Story, so scheint das Kreativ-Potential von Rob Zombie inzwischen am Ende zu sein. Betrachtet man Zombies bisherige Regiearbeiten (von seinem Anarcho-Zeichentrickfilm THE HAUNTED WORLD OF SUPERBEASTO, 2009, mal abgesehen), hat man bei ihm inzwischen auch das ungute Gefühl, alles von ihm gesehen und gehört zu haben - inklusive des inflationären Gebrauchs des F-Wortes. Es wird Zeit für was Neues, Mr. Rob Zombie!
Letzten Endes ist sein HALLOWEEN II nur eine weitere Fortsetzung der Fortsetzung einer Fortsetzung, die kaum über die üblichen Slasher-Standards hinweg kommt und so sehr in seinen Horrorklischees erstarrt ist, dass man einmal mehr das Gefühl hat, immer und immer wieder ein und denselben Film zu sehen. Hier gibts nichts zu sehen, was einen wirklich überrascht, weder explizite Schockeffekte, noch inhaltliche Wendungen. Zu sehr verharrt der Film in Momenten, die dann einfach keinen Sinn ergeben wollen, etwa wenn die aufgebrezelte Psycho-Bitch Laurie Stroode so ein Trara wegen dem 31. Oktober macht und dann doch nichts besseres zu tun hat, als im Halbsuff eine Halloween-Party zu besuchen. Und was die einleitende Krankenhausszene betrifft: sie mag zwar, dem Slasher-Genre entsprechend, adäquat gefilmt sein, doch hat man einfach zu viele Filme gesehen, in dem ein Protagonist auf verlassenen Hospitalfluren gejagt wird ... und dann entpuppt sich dieser Alptraum doch nur als ein Alptraum; es hat den Anschein, als wäre diese Szene nur gedreht worden, um die Laufzeit zu strecken - weiter nichts.
Auch wenn Rob Zombie versucht, sich vom bisherigem HALLOWEEN-Mythos (oder besser vom übermächtigen Original mit seinen etlichen Fortsetzungen) zu lösen: Innovation sieht anders aus. Da reicht es auch nicht aus, wenn Michael Myers hier größtenteils ohne seine berühmte Captain-Kirk-Maske morden und schlitzen darf. Stattdessen erleben wir hier einen Michael Myers im Penner-Outfit als eine Mischung aus Rübezahl und "Der Mann aus den Bergen", wie er von Visionen getrieben stoisch über Felder, Wiesen und durch dunkle Straßen latscht und debile Hinterwäldler und närrische Kleinstadtbewohner abschlachtet, bis er sich im 08/15-Finale Laurie schnappt, damit die Familie endlich wieder vereint ist. Die Morde sind die selben geblieben und mit zahlreichen Messerstichen wird stichpunktartig einer nach dem anderen abgehakt.
Unterm Strich bliebt zu sagen, das sowohl der Vorgänger als auch die Fortsetzung mit ihrem ruppigen Umgangston und der düsteren Atmosphäre den gelackten Hochglanz-Remakes aus dem Hause Michael Bay (FREITAG, DER 13.; NIGHTMARE ON ELM STREET etc.) jederzeit vorzuziehen sind. Doch das reicht diesmal einfach nicht aus, genauso wenig wie es ausreicht, die Schlitzer-Koryphäe Michael Myers größtenteils ohne Maske auftreten lassen, was von vielen allen Ernstes als Neuinterpretation gefeiert wurde. Das Eindringen in die Psyche des Michael Myers kommt über einige halbgare Ansätze nicht hinaus und was die symbolische Überfrachtung mit dem weißen Pferd betrifft: da hat sich Rob Zombie gründlich vergaloppiert.
4/10
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Aktualisiert (Freitag, den 09. September 2011 um 20:07 Uhr)


















