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E Q U I L I B R I U M „In einer Zukunft, in der Freiheit gegen das Gesetz verstößt, werden die Gesetzlosen zu Helden.“ (Werbezeile) USA 2002 / O: „Equilibrium“ / Prod.: Miramax, Dimension Films / Laufzeit: 102 Min. FSK: ab 16 Regie + Buch: Kurt Wimmer / Musik: Klaus Badelt / Kamera: Dion Beebe / Schnitt: Tom Rolf, William Yeh / Ausf. Prod.: Bob Weinstein, Harvey Feinstein, Andrew Rona / Prod: Jan de Bont, Lucas Foster Darsteller: Christian Bale (John Preston), Emily Watson (Mary O’Brien), Taye Diggs (Brandt), Sean Bean (Partridge), Sean Pertwee (der Vater), William Fichtner (Jurgen), Dominic Purcell (Seamus), Angus MacFadyen (Dupont), Matthew Harbour (Robbie Preston), Maria Pia Calzone (Preston’s Frau), David Hemmings (Proctor), Christian Kahrmann (Officier in Charge), Kurt Wimmer (Rebel Victim) sowie Dirk Martens, Florian Fitz, John Keogh, David Barrash, Emily Siewert u.a. |
Nach dem großen Bruder kommt nun der Vater zu Besuch...
Schöne, neue Welt: Der dritte Weltkrieg ist vorbei und die Menschheit hat sich und ihren Planeten fast selbst zerstört. Unter den wenigen Überlebenden befanden sich ein paar besonders Schlaue, die glaubten heraus gefunden zu haben, was für Krieg und Terror verantwortlich ist: menschliche Emotionen. Drum gründeten sie schnell einen diktatorischen Staat und setzten alles auf eine Verbotsliste, was Emotionen auslösen kann: Bücher, Bilder, Musik ebenso wie Liebe und Zuneigung. Regiert wird dieses totalitäre Regime vom „Vater“ (Sean Pertwee), der auf Monitoren und riesigen Bildschirmen seine Parolen unter die Massen bringt. Jeder Mensch ist gezwungen die Droge „Prozium“ einzunehmen, die menschliche Gefühle unterdrückt; wer seine Einnahme verweigert und Emotionen hegt, wird sofort eliminiert. Dazu sind die „Kleriker“ da, eine Elite-Einheit, die mit einem Heer an Sturmtruppen „gefühlvolle“ Menschen jagt und ausradiert und alles, was mit Kunst und Literatur zu tun hat, vernichtet. John Preston (Christian Bale, DIE HERRSCHAFT DES FEUERS) ist so ein Kleriker, ein ganz linientreuer, der nicht davor schreckt, seinen Partner Partridge (Sean Bean, DIE INSEL) zu erschießen, als er ihn beim lesen erwischt. Aus welchem Grund auch immer setzte er eine Prozium-Injektion aus und nun beginnt auch er plötzlich zu fühlen, er hört Musik, er liest, nimmt einen Hund, den er eigentlich eliminieren sollte, bei sich auf – und verliebt sich in die inhaftierte Untergrundkämpferin Mary (Emily Watson, ROTER DRACHE), die kurz vor der Hinrichtung steht. Und so wendet sich das Blatt – der Jäger wird zum Gejagten. Preston, der bald Trouble mit seinem neuen Partner (grinsfehlgesteuert: Taye Diggs, HAUNTED HILL) bekommt, wendet sich dem Untergrund zu. EQUILIBRIUM mag seine Berechtigung und durchaus seine Momente haben, leider aber meint Regisseur Kurt Wimmer, daß man Konflikte in Science-Fiction-Filmen, besonders die aus der MATRIX-Ära, nur noch mit einem absurden Waffenarsenal und obskuren Kampfsportarten beilegen kann. Da hätte er aber seine großen Vorbilder FAHRENHEIT 451 (1966), THX 1138 (1971) und natürlich 1984 (1984) besser studieren müssen, die ohne solchen Effekte-Schnickschnack auskamen und eine packende Geschichte viel eindringlicher zu erzählen wussten. Derart beeinflusst von modischen Mainstream-Brimborium á la MATRIX hat man schon Angst, Keanu Reeves, von dem wir weiß Gott genug haben, kommt gleich angesprungen. Die Kommentatoren weiter unten mögen zwar anderer Meinung sein, aber der Vergleich mit MATRIX ist auf der rein visuellen Ebene mehr als angebracht, gerade weil Wimmer sich so sehr davon beeinflussen ließ. Schade eigentlich, denn EQUILIBRIUM hätte ohne dieses Geballer und Gekloppe viel, viel besser funktioniert, doch wahrscheinlich sollten die übermäßigen Action-Zutaten von allzu vielem Nachdenken ablenken. Trotzdem (oder gerade deshalb?) feierten viele EQUILIBRIUM als einen großartigen Science-fiction-Film, was eher für den Niedergang dieses Genres spricht. In den USA floppte die von Jan de Bont produzierte düstere Zukunftsvision so sehr, dass sie bei uns gleich in die Videotheken wanderte. „...Wimmer bediente sich für EQUILIBRIUM munter bei artverwandten Streifen und bringt dabei nur wenig eigene Idee ein: Die kalte und befremdliche Atmosphäre kennen wir aus GATTACA, die eigenwilligen, aber spektakulären Kampfszenen samt der durchgestylten Kostüme und Zeitlupen-Sequenzen aus den MATRIX-Visionen der Wachowskis.“ (DVD VISION 07/03)
„Der Film geht actionmäßig voll ab und überzeugt trotz mancher Lächerlichkeit auch inhaltlich, aber von einem innovativen Werk kann nun wahrlich nicht die Rede sein.“ (Uwe Raum-Dainzer, MOVIESTAR 08/03)
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Drehorte
Geschrieben von: Leuchtfeuer am 04-04-2008 19:22
Wenn man am Fuße des Glocketurm steht, der sich im Film in gigantische Höhen aufmacht, die Wandelgänge des Berliner Olympiastadion zu Orten futuristischer Verfolgungsjagden werden und das längste zusammenhängende Gebäude Europas, der Hangar des Flughafen Tempelhof, zum größenwahnsinnigen Moloch linientreuer Parteigenossen wird, dann werden Parallelen sichtbar. Parallelen, die den Inhalt des Films in die nähe des realen "größten Deutschen Zerstörers" rücken. Dessen gigantomanischen größenwahnsinnigen Bauwerke im Film genutzt werden für eben die diktatorische Weltsicht, die bereits vor einem halben Jahrhundert Millionen Menschen das leben gekostet hat. Welches Fingerspitzengefühl zeigt der Regisseur bei der Auswahl dieser Drehorte. Oder ist das pure gewollte Provokation?