Stunde, wenn Dracula kommt, die
DIE STUNDE, WENN DRACULA KOMMT
I 1960; s/w / O: „La Maschera del Demonio“ / AT:
„Black Sunday“; The Demon’s Mask“; „House of Fright“; „The Mask of Satan“;
„Revenge of the Vampire“ / Prod.: Galatea Film; Jolly Film / Laufzeit: 82 Min. (86
Min.; I) / FSK: ab 18
Regie & Kamera: Mario
Bava / Musik: Roberto Nicolosi
(US-Version: Les Baxter) / Prod.: Paolo
Mercuri / Buch: Ennio de Concini,
Mario Serandrei / LV: Nicolai Gogoi
Darsteller: Barbara
Steele (Asa / Katia), John Richardson, (Dr. Gorobec), Andrea Checchi (Dr. Choma), Ivo Gerrani (Prinz Vaida), Arturo Dominci (Javuto),
Enrico Oliveri (Constantin) sowie Antonio Pierfederici, Clara
Bindi, Germana Dominici, Tino Bianchi
„Dieser hanebüchene Streifen, der in diversen
Gegenden als Kultfilm gehandelt wird und regelmäßig wegen seiner angeblich
wunderbaren Kameraführung Lob einheimst, ist ein geistloser, alter
Stinkekäse...“,
maulten Ronald M. Hahn und Rolf Giesen in ihrem NEUEN LEXIKON DES HORRORFILMS.
Zu solchen Kommentaren lassen sich frustrierte, verbitterte Kritiker-Seelen
hinreißen, vielleicht aus Trotz, weil sie genau wissen, welchÂ’ großen Einfluß
die Filme von Mario Bava auf das phantastische Kino haben. Aber es scheint eben
nicht unbedingt das Kino zu sein, dass die Herren Hahn und Giesen bevorzugen.
Anhand von DIE STUNDE, WENN DRACULA KOMMT, dem
Spielfilmdebüt von Italiens Horror-Maestro Mario Bava, sieht man aber auch mal
wieder, wie deutsche Titelgeber große Klassiker verhunzen können: Ein Herr Dracula
taucht hier nämlich überhaupt nicht auf. Erzählt wird Geschichte der Hexe Asa
(umwerfend: Barbara Steele!), die im 17. Jahrhundert hingerichtet wurde, nicht
ohne jedoch einen Fluch auf ihre Mörder auszusprechen. 200 Jahre später wird
sie versehentlich wieder erweckt - und nimmt mit einem Vampir an der Seite
grausame Rache an ihren Peinigern... In schwarz/weiß gedreht wirkt das
Meisterwerk wie eine Hommage auf den Stummfilm und einmal mehr beweist der
ursprüngliche Kameramann Mario Bava einen einfühlsamen Umgang mit Licht und
Schatten, Dunkelheit und Helligkeit. Gleichwohl ist er an einigen Stellen weit
seiner Zeit voraus, wie zum Beispiel beim Einsatz einiger derber, für die
damalige Ära äußerst kompromisslosen Effekten. Schon die Anfangssequenz ist
eine wahre Wucht, in welcher der Hexe Asa eine mit spitzen Eisendornen
versehene Teufelsmaske auf's Gesicht genagelt wird. Auch ein bloß gelegter
Bauch ist zu sehen und da dachte ich gleich an Peter Jackson... (Natürlich ist
der Film genau an jenen Stellen geschnitten!) Somit ist Bava auch ein früher
Wegbereiter für das, was in den kommenden Jahren in Sachen Splatterfilm in die
Kinos kam. DIE STUNDE, WENN DRACULA KOMMT ist Horror-Poesie vom allerfeinsten
und man kann sich schon fragen, ob all die, die sich Horrorfans schimpfen, für
so einen zeitlos schönen Gruselfilm etwas übrig haben. Definitiv kein Film für
Hahn & Giesen, also: absolut empfehlenswert!
- „...der wohl beste und technisch ausgereifteste Film
des Kameravirtuosen Mario Bava stellt zudem einen sehr stimmungsvollen und
künstlerisch hochwertigen Genre-Beitrag dar." (Frank Trebbin, DIE ANGST
SITZT NEBEN DIR)
- „Das alles ist ekelhaft und in seiner barbarischen
Mache nicht zu ertragen.“ (FILMDIENST)
- „Mario Bavas erste ist zugleich auch seine beste Regiearbeit.“
(Andreas Bertler, HÖLLE AUF ERDEN)

geschrieben von Zwan, Januar 29, 2007
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