Views : 5892 |
Veröffentlicht in : Filme, I |
I,
ROBOT
USA / CDN 2004 / O: “I,
Robot” / Prod.: 20th Century Fox, Davis Entertainment, Laurence Mark
Productions, Canlaws Productions, Overbrook Entertainment / Laufzeit: 110 Min.
/ FSK: ab 12
Regie: Alex Proyas /
Musik: Marco Beltrami / Kamera: Simon Duggan / Schnitt: Richard
Learoyd, Armen Minasian / Prod.: John Davis, Laurence Mark
/ Ausf. Prod.: Wyck Godfrey, James Lassiter, Tony Romano, Michel
Shane, Will Smith / Buch: Akiva Goldsman, Jeff Vintar
nach den Kurzgeschichten von Isaac Asimov / SFX: Digital Domain, Patrick
Tatopoulos Inc.
Darsteller: Will Smith
(Detective Del Spooner), Bridget Moynahan (Dr. Susan Calvin), Bruce
Greenwood (Lawrence Roberston), James Cromwell (Dr. Alfred Manning),
Alan Tudyk (Sonny), Chi McBride (Lt. John Bergin), Shia
LaBeouf (Farber), Adrian L. Ricard (Granny), Jerry Wasserman
(Baldez), Fiona Hogan (V.I.K.I.), sowie Peter Shinkoda, Terry
Chen, David Haysom, Scott Heindl, Sharon Wilkins, Craig
March, Darren
Moore, Aaron Douglas, Bobby L. Stewart, Michael St. John
Smith u.a.
Das erste Gesetz:
Ein Roboter
darf keinem Menschen Schaden zufügen oder tatenlos zusehen, wie ein Mensch zu
Schaden kommt.
Das zweite Gesetz:
Ein
Roboter hat menschlicher Weisung zu gehorchen (es sei denn, sie steht im
Widerspruch zum ersten Gesetz).
Das dritte Gesetz:
Ein
Roboter hat sich selbst zu beschützen (es sei denn, dies steht im Widerspruch
zum ersten oder zweiten Gesetz).
Diese drei Roboter-Gesetze, die Isaac Asimov
zusammen mit einem anderem Wegbereiter der Science-Fiction, John W. Campbell,
formulierte, bildeten die Ausgangslage zu seinen legendären
Roboter-Geschichten, die erstmals 1950 in dem Sammelband „I, Robot“
veröffentlicht wurden. Wenn man sich auf Asimovs Robotermärchen einlässt, die
ein Füllhorn an Spannung, Witz und philosophischen Betrachtungen bieten, wird
man stets mit ganz neuen Erkenntnissen belohnt. Das ist es doch, was gute
Science-fiction ausmacht. Nicht jedoch in einer großen, teuren
Hollywood-Verfilmung, einzig zugeschnitten auf seinen Star. In Spielbergs
MINORITY REPORT war es Tom Cruise, hier ist es Will Smith, der mit seiner
eitlen Selbstdarstellung die Aufmerksamkeit auf sich zieht, vielleicht in dem
Glauben, dass dieses Publikum dort draußen mit so einem gewaltigen Stoff wie
etwa Asimovs Robotermärchen eh nichts anfangen kann (sicher ein Grund, warum
sich Hollywood bisher von ihm fern hielt). Nun, bezogen auf das typische
Will-Smith-Publikum mag das auch stimmen. Will Smith hetzt über Autodächer,
rennt, springt, schießt und zeigt seinen muskulösen Oberkörper. Will Smith plappert. Will Smith ist mal wieder cool, das eigentliche Potential des Films,
nämlich die Ideen eines Isaac Asimov, bleiben ungenutzt. Hier ist er als
Detective Del Spooner zu sehen, der im Chicago des Jahres 2035 den
vermeintlichen Selbstmord des Wissenschaftlers Dr. Lanning (James Cromwell)
untersucht. Dieser stürzte aus dem Fenster seines Labors bei US-Robotics, einer
Firma, die Robots praktisch salonfähig machten: Sie führen Hunde zum Gassi aus,
räumen den Müll weg, stehen hinter dem Tresen. Aus dem Alltag sind sie nicht
mehr wegzudenken. Spooner, der große Vorurteile gegenüber den Maschinenwesen
hegt, verdächtigt den Roboter Sonny des Mordes, doch niemand schenkt seiner
Theorie von rebellischen Robots Glauben. Seine Ermittlungen führen ihn zu Lannings
Boss Lawrence Robertson (Bruce Greenwood, THE
CORE), dessen Firma US-Robotics die Auslieferung des neusten Modells für
jeden 5. Haushalt plant. Nur mit Mühe kann er die Roboterpsychologin Dr. Calvin
(Bridget Moynahan) überzeugen, dass die jüngste Robotergeneration mit Gewalt
die Herrschaft über die Stadt an sich zu reißen versucht...
Ein interessanter Aspekt von I, ROBOT ist der, dass
es hier Will Smith als Schwarzer ist, der Vorurteile gegenüber den Robots hegt,
die sich auch nur äußerlich vom Menschen unterscheiden – als Farbiger müsste er
es doch besser wissen, wie das so mit dem Rassismus ist. Leider kommt das
Drehbuch von Akiva Goldsman (BATMAN FOREVER; BATMAN & ROBIN; LOST IN SPACE)
und Jeff Vintar (LONG HELLO AND SHORT GOODBYE) nie über ein „Weg, du
Blechbüchse!“ hinaus, vielmehr steht die Vergangenheit zwischen Detective
Spooner und Dr. Lanning im Mittelpunkt, die immerhin in eine spannende
Krimihandlung mündet. Von Asimovs Ideenreichtum blieb nur sehr wenig übrig,
stattdessen gibt es Verweise auf den FRANKENSTEIN-Mythos, geht es hier im
Prinzip auch nur um die vom Wissenschaftler erschaffene Kreatur, die sich gegen
ihren Schöpfer wendet. Ansonsten wird in I, ROBOT, was zu erwarten war, mehr
die Effekte-Klientel bedient als die Anhänger anspruchsvoller Science-fiction:
Verfolgungsjagden im Stil von MATRIX RELOADED, die Klon-Szenen aus STAR WARS
Episode II, die Aufstellung der Roboter-Armee in RIDDICK – CHRONIKEN EINES
KRIEGES – I, ROBOT erinnert vor allem in den Massenszenen an die Filme aus
jenen Jahren und ist ein weiteres Beispiel dafür, wie sich in solchen
dollarschweren Blockbuster-Projekten gute und schlechte Effekte die Waage
halten. So lange der von Patrick Tatopoulos entworfene Roboter Sonny einzeln
auftritt, merkt man ihm gar nicht an, dass er „nur“ ein Spezialeffekt ist, ein
größeres Lob kann es für einen SFX-Künstler kaum geben. Doch sobald die
mechanischen Wesen zu Dutzenden aufmarschieren, wirkt der Film so, als wären
die Arbeiten an den Effekten angefangen, aber nie beendet worden. Vielleicht
hatten die Leute von Digital Domain nur Windows95 zur Verfügung, wer weiß. Auch
MINORITY REPORT hatte ich immer wieder vor meinem geistigen Auge, obwohl die
Zukunftsvisionen in I, ROBOT, speziell die Gestaltung von Chicago, weniger
klinisch, sondern deutlich lebendiger wirken als in Spielbergs Film, was in
diesem Falle für Alex Proyas spricht. Der bleibt sich weiterhin treu: Während
der absehbaren Robots-Revolution, auf die der Film zusteuert, lässt er die
Stromversorgung kappen, womit er seinem Faible für dunkle, bedrohliche
Metropolen treu bleibt – THE CROW und
DARK CITY lassen grüßen.
- James
Cromwell spielte in STAR TREK – DER ERSTE KONTAKT (1996) Zefram Cochrane, den
Erfinder des Warpantriebs. Bekanntermaßen trieben dort richtig fiese
Maschinenmenschen ihr Unheil: die Borg, gegen die die Robots wie harmlose
ABM-Kräfte wirken. Die Borg würden niemals den Müll von Menschen wegräumen,
stattdessen den Müll voller Menschen assimilieren.
- Chi
McBride, der hier als Spooner’s Vorgesetzter zu sehen ist, war einer der zwei
guten Hausgeister von Michael J. Fox in Peter Jackson’s zu Unrecht gefloppter
Horrorkomödie THE FRIGHTENERS (1996). Des weiteren war der charismatisch-korpulente
Schauspieler zwei Mal an der Seite von Bruce Willis zu sehen (MERCURY RISAING,
1998; THE KID, 2000), außerdem glänzte er als gestresster Schuldirektor Harper
in David E. Kelley’s BOSTON PUBLIC.
- „Gelungener, weil spannender SF-Thriller mit nicht immer überzeugenden
Special effects.“ (CINEMA, 09/04)
|
|
|