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Amazonen auf dem Mond
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Veröffentlicht in : Filme, A

AMAZONEN AUF DEM MOND

ODER WARUM DIE AMIS DEN KANAL VOLL HABEN

                                                                                                

USA 1987 / O: „Amazon Women on the Moon“ / Prod.: Universal Pictures / Laufzeit: 80 Min. / FSK: ab 16 

Regie: John Landis, Joe Dante, Robert K. Weiss, Carl Gottlieb, Peter Horton / Musik: Ira Newborn / Kamera: Daniel Pearl / Schnitt: Malcom Campbell, Marshall Harvey, Burt Lovitt / Ausf. Prod.: John Landis, George Folsey Jr. / Prod.: Robert K. Weiss / Buch: Michael Barrie, Jim Mulholland 

Darsteller: Steve Forrest (Captain Nelson), Robert Colbert (Blackie), Joey Travolta (Butch), Michelle Pfeiffer (Brenda Landers), Peter Horton (Harry Landers), Griffin Dunne (Arzt), Rosanna Arquette (Karen), Steve Guttenberg (Jerry), Carrie Fisher (Mary Brown), Paul Bartel (Doktor), Henry Silva (als sich selbst), B. B. King (auch als sich selbst), Robert Picardo (Rick Raddnitz), Archie Hahn (Harvey Pitnick), Belinda Balaski (Bernice Pitnick), Ed Begley Jr. (Griffin), Kelly Preston (Violet), Ralph Bellamy (Mr. Gower), Howard Hesseman (Rupert King), Sybil Danning (Königin Lara), Forrest J. Ackerman (U.S. President), Russ Meyer (Videothekar), Huey Lewis (sich selbst im Videoclip), William Marshall (Piraten-Kapitän), David Alan Grier (Don Simmons), Arsenio Hall (Apartment-Opfer), Monique Gabrielle (Taryn Steele), Lou Jacobi (Murray), Erica Yohn (Selma), Mark McClure (Ray), Corinne Wahl (Sharri), Andrew Dice Clay (Frankie), Willard E. Pugh (Cop), Lana Clarkson (Alpha Beta), Frank Collison (Pirat), Phil Proctor (Mike), Ira Newborn (Fred), Larry Hankin (Mann im Pub), Joe Pantoliano (Sy Swerdlow), des weiteren die Komiker Steve Allen, Rip Taylor, Slappy White, Jackie Vernon, Henry Youngman, Charlie Callas (alle als sie selbst) sowie Phil Hartman, T. K. Carter, John Ingle, Terence McGovern, Corey Burton, Raye Birk, William Bryant, Roxie Roker, Sarah Lilly, Karen Montgomery, Tino Insana, Donald Gibb u.a.

Na, wer kennt nicht noch alles KENTUCKY FRIED MOVIE, jene Hardcore-Satire aus dem Jahre 1978, die den Wahnsinn in Film und Fernsehen so herrlich derb und treffend auf die Schippe nahm und zudem die Regiekarrieren von John Landis, Jim Abrahams und David & Jerry Zucker vorantrieb. 1987 präsentierte Landis der Filmwelt so eine Art Nachfolger, für den er seine Regiekollegen Joe Dante, Carl Gottlieb, Peter Horton und Robert K. Weiss zusammentrommelte. Was dabei heraus kam, ist wie ein wildes Zapping durch das verrückte Fernsehen der 80er Jahre; ein launiges Potpourri aus Episoden, Kurzfilmen, Parodien, purem Nonsens und hemmungslosen Albernheiten.

                                                                                                                        

Herzstück des ausgelassenen Treibens ist die perfekte Rekonstruktion eines alten, billigen Science-fiction-Films aus den 50ern, der tatsächlich den Titel AMAZONEN AUF DEM MOND trägt. Darin düsen drei Raumfahrer (Steve Forrest, Robert Colbert, Joey Travolta) mit der „Moon Rocket 1“ zum Mond, wo sie nicht nur eine atembare Atmosphäre („Gutes, altes H2O!“) vorfinden, sondern auch auf ein schreckliches Monster und eine Horde unfreundlicher Mond-Amazonen, die mit Sperrspitzen und Stöckelschuhen auf die drei Astronauten losgehen, treffen. Ganz im Stile von Schundklassikern wie BESTIE DES GRAUENS, IN DEN KRALLEN DER VENUS oder Ed Wood’s geniales Meisterwerk PLAN 9 FROM OUTER SPACE gibt es keine Zweifel, dass es sich hier nicht um einen trashigen SF-Heuler aus den 50ern handelt: prächtige Pappkulissen, Raumrakete und Mond, die am Faden hängen, der Mond selbst sieht wie eine öde Felslandschaft aus, im packendem Finale die Explosion eines Vulkans, im Schlepptau zwei übergelaufene Amazonen-Miezen, Happy End inklusive. Und auch die Einrichtung der Düsentrieb-Rakete mit rollenden Bürostühlen, einem vergoldeten Feuerlöscher und lauter piepsenden, blinkenden Lichtern sorgt für ein authentisches Flair. Wie in DEATH PROOF und PLANET TERROR wurde das Material mit Kratzern, Tonaussetzern und holprigen Bildsprüngen künstlich auf alt getrimmt, da fehlen gleich mal ein paar Meter Film und es grießelt und schrabbelt, dass es eine wahre Freude ist. Zudem grüßt SF-Legende Forrest J. Ackerman als Präsident auf dem Monitor und Sybil Danning (SADOR – HERRSCHER IM WELTRAUM; HOWLING II; Rob Zombie’s HALLOWEEN) taucht als fiese Ober-Amazone  auf.  

Davor, danach und mehrmals mittendrin laufen immer wieder schräge Kurzfilme, obskure Werbespots, seltsame Reportagen oder einfach nur Alltagsepisoden über den ganz normalen Wahnsinn. Da muss in John Landis’ slapstickhafter Einstiegsepisode Arsenio Hall nach Feierabend in seinem Appartement alle möglichen Missgeschicke über sich ergehen lassen, was insofern komisch ist, da es sich dabei um alle möglichen platten Missgeschicke, bekannt aus 100 Jahren Film- und Witzgeschichte, handelt, die konsequent und hintereinander weg auf den armen Mann niederprasseln. In einem exklusiven Porträt begleiten wir Monique Gabrielle als „Pethouse Girl des Monats“ und erfahren, das sie auch in ihrem Privatleben ihre Dienstkleidung, also: gar keine Kleidung, für ganz bequem hält, sei es nun im Museum oder in der Kirche. Während sich Pantoffelheld Murray (Lou Jacobi) noch an ihrem Anblick erfreut, wird er beim ausprobieren der neuen Fernbedienung direkt in den TV-Apparat gebeamt und findet sich inmitten von Wetterbericht, Baseballspiel, Musikclip, der Pranke von KING KONG und bei Walt Disney wieder. Da werden auf den Kopf festgetackerte Wischmopp-Perrücken als neues Haar-Wundermittel angepriesen, in einem Ausschnitt aus einer Krankenhaus-Seifenoper versucht ein windiger Arzt (Griffin Dunne) einem jungen Elternpaar (Michelle Pfeiffer, Peter Horton) den „schäbigen, kleinen Wurzelsepp“ als ihr Baby anzudrehen und Henry Silva (DER HORROR-ALLIGATOR; DAS SCHWEIGEN DER HAMMEL) will in der Reihe „Bullshit or Not?“ Beweise dafür gefunden haben, wer wirklich hinter der Identität von Jack, the Ripper steckt: nämlich niemand anderes als das Ungeheuer von Loch Ness! Dann greifen auch noch die Video-Piraten an, es gibt Werbung für Wurf-Pastete, Russ Meyer taucht als Videothekar auf und Biedermann Harvey Pitnick (Archie Hahn) muss hilflos mit ansehen, wie sein Leben von zwei Filmkritikern verrissen wird – bis zum bitteren Ende: Tod durch Herzinfarkt vor dem Fernseher mit anschließender Trauerfeier, die in einer Comedyshow endet. B. B. King bittet um Spenden für „Schwarze ohne Seele“, also jene schwarzen Mitbürger, die die Republikaner wählen oder Schnulzensänger wie Don Simmons (David Alan Grier), der unentwegt seine weichgespülten Liebessongs schmettert und Werbung für seine Schallplatte, zu deren Kauf wir angehalten werden, macht. Und in SON OF THE INVISIBLE MAN zieht sich der unsichtbare Mann (Ed Begley, Jr.) aus, um Schrecken in der Nachbarschaft zu verbreiten: dummerweise ist er nicht unsichtbar, sondern einfach nur nackt und er ist der einzige, der nichts davon weiß. 

Stilecht in schwarz/weiß (inklusive den alten Universal-Logos) dürften bei Carl Gottliebs gelungener Hommage und Parodie auf James Whales’ Klassiker DER UNSICHTBARE (THE INVISIBLE MAN) genau wie beim Fake-Science-fiction-Film AMAZONEN AUF DEM MOND nicht nur B-Movie-Nostalgiker ihre Freude dran haben. Was auch auf Joe Dante’s wundervolle Abschlussepisode „Reckless Youth“, die im Abspann nach dem Don-Simmons-Geträller versteckt wurde, zutrifft: ein Schwarz/Weiß-Melodram um Geschlechtskrankheiten mit dem unvergessenen Paul Bartel als ominösem Arzt und Carrie „Prinzessin Leia“ Fisher (TIME GUARDIAN) als Unschuld vom Lande.

   

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Highlights und Durchhänger

Geschrieben von: detective am 23-09-2008 11:19

Amazonen auf dem Mond erschien bei uns ca. zu der Zeit, als ich gerade zum ersten Mal Kentucky Fried Movie (KFM) gesehen hatte. Insofern war meine Erwartungshaltung wohl etwas sehr hoch angesetzt, da KFM imho wohl als Mutter des modernen Slapstick-/Nonsensekino angesehen werden darf. 
Die Amazonen konnten mein Zwerchfell tatsächlich nur gelegentlich reizen. Wenn der Film in einigen Episoden in Fahrt kommt, dann fielen die Lacher aber um so heftiger aus. 
Vielleicht liegt ein Grund für die m.E. teilweise unhumorige Sinnlosigkeit der Streifens, wie so oft, in der Qualität der Übersetzung begründet, bzw. auch in meiner Unkenntnis von Hintergründen zu Anspielungen auf Filmvorlagen, die durch den Kakao gezogen werden. 
Doch hier liegt sicher die hohe Kunst eines Regisseurs (insbesondere im Komödienfach!): Einen Film schaffen, den sich auf der einen Seite jeder anschauen kann, ohne nach 15 minuten ratlos und gelangweilt abzuschalten, aber auf der anderen Seite eben auch für Insider Sahnestückchen einzubauen, ohne dass der Film "an Fahrt verliert". 
Meine Meinung: 
Amazonen auf dem Mond ist ein Kann, aber kein Muss für Fans des gehobenen schlechten Geschmacks. 
Zu guter Letzt meine Lieblingsszene: 
Der "Unsichtbare" betritt nackend eine Bar, führt sich wunderbar albern auf und verstellt die Figuren zweier Schachspieler mit diebischer Freude. Einfach nur herrlich blöd!

 

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