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MR. STITCH
USA 1995 / O: „Mr. Stitch” / Prod.: Rysher Entertainment; Studio Megaboom / Länge: 90 Min. / FSK: ab 16 Regie + Buch: Roger Avary / Musik: tomandandy / Kamera: Tom Richmond / Schnitt: Sloane Klevin / Ausf. Prod.: Rutger Hauer, Roger Avary, Morgan Mason / Makeup Design & Effekte: Tom Savini Darsteller: Rutger Hauer (Dr. Rue Wakeman), Wil Wheaton (Lazarus), Nia Peebles (Dr. Elizabeth English), Ron Perlman (Dr. Frederick Texarian), Taylor Negron (Dr. Al Jacobs), Michael Harris (General Hardcastle), Tom Savini (Chemiker), Salvator Xuereb (Deputy Dog) sowie Stevo Polyi, Romland Wafford, Luke Stratte-McClure, Al Sapienza, Valerie Trapp, Ron Jeremy u.a. |
Dr. Rue Wakeman (Rutger Hauer) und sein Lebenswerk: Die Erschaffung eines künstlichen Wesens, das sich selbst Lazarus (Wil Wheaton) nennt und aus den Körperteilen von über 80 Menschen zusammen gesetzt wurde ... dementsprechend sieht er aus wie ein Flickenteppich. Das Geschöpf beginnt über Sinn und Unsinn seines Daseins nach zu denken. Immer wieder quälen ihn in die Seelen der Verstorbenen, die weiter in ihm existieren. Wakeman schickt Lazarus die Psychologin Dr. English (Nia Peebles) zu der er bald ein enges Verhältnis aufbaut. Was Wakeman natürlich überhaupt nicht paßt, aber im Prinzip auch keine Rolle mehr spielt, da er Lazarus wegen seiner immer stärker werdenden Persönlichkeit töten will... Tarantino-Weggefährte Roger Avary, der mit die genialen PULP FICTION-Stories ausheckte und als Regisseur (KILLING ZOE, 1994; DIE REGELN DES SPIELS, 2002) und Drehbuchautor (SILENT HILL, 2006) seine eigenen Wege ging, inszenierte 1995 diese ebenso moderne wie eigenwillige FRANKENSTEIN-Variante und schaffte das, was anderen verwährt blieb: er konnte der klassischen Thematik neue Aspekte abzugewinnen. Avary ist der Mainstream-Geschmack des Publikums vollkommen egal und bricht sowohl mit Erzähl- als auch Sehgewohnheiten, wenn er die erste Dreiviertelstunde als ein faszinierendes Kammerspiel anlegt, in dem in einem komplett weißen Raum und einer merkwürdig-sterilen, kalten Atmosphäre über die Erschaffung von Lazarus philosophiert wird. Dauernd schwirrt ein neugieriger, riesiger Kamera-Augapfel als eine Art allgegenwärtiger „Big Brother“, der alles, aber auch alles sieht, umher. Die Handlung wird dabei aus der Sicht von Lazarus erzählt und es steht weniger das „Wie?“, sondern viel mehr das „Warum?“ im Vordergrund, was ihn interessanter macht als Kenneth Brannaghs Selbstinszenierung MARY SHELLEY’S FRANKENSTEIN. MR. STITCH mag für viele gewöhnungsbedürftig sein, was auch erklärt, dass der Film gnadenlos unterging – zu Unrecht. Eine sehenswerte Alternative zur hinlänglich bekannten „Mensch erschafft Monster“-Thematik ist MR. STITCH auf jeden Fall. Der Grund für Lazarus’ Entstehung ist aber konventionellerer Natur: Das Militär brauchte mal wieder eine Killermaschine. Dumm nur, wenn diese ein Bewusstsein entwickelt, was ja gar nicht vorgesehen war. Und so macht Lazarus das, was alle Monster machen: er bricht aus. Ab in die Freiheit. Der Film lohnt schon allein wegen seiner Besetzung: der gute, alte Rutger Hauer als moderner, scheinbar übermächtiger Frankenstein und ein erstaunlich wandlungsfähiger Wil Wheaton (PYTHON), der sich mit seiner Darstellung des tragischen Geschöpfes erfolgreich gegen sein „Wesley-Crusher-Image“ anlegt, gehen vollkommen in ihren Rollen auf. Außerdem dabei: Ron Perlman als Forscherkollege und Tom Savini, der nicht nur die (unblutigen!) Effekte schuf, sondern zum Schluss mal wieder um sein Leben rennen darf.
SPLIT SECOND (1992) CROSSWORLDS (1996) HEMOGLOBIN (1997) SCORCHER (2002) CRONOS (1993) PRIMAL FORCE (1999) DOWN (2001) STEPHEN KING’S DESPERATION (2006) SCHWERTER DES KÖNIGS (2007) MANIAC (1980; Make-Up-Effekte, Darsteller) TEXAS CHAINSAW MASSACRE 2 (1986; Make-Up-Effekte) CHILDREN OF THE LIVING DEAD (2001; Darsteller) THE ABSENCE OF LIGHT (2004; Darsteller) - „So ist der Genuß von MR. STITCH reine Geschmackssache und mit Sicherheit gewöhnungsbedürftig.“ (Frank Trebbin, DIE ANGST SITZT NEBEN DIR)
„Avary variiert die Frankenstein-Thematik einfallsreich, teilweise zu dialoglastig und straft zugleich jene Lügen, die ihn allzu gerne als Tarantino-Klon schubladisieren möchten.“ (Andreas Bertler, HÖLLE AUF ERDEN)
- „Schwerfällige, steril stilisierte und schließlich auch noch gewalttätige FRANKENSTEIN-Variation. Die Intensionen dieses Werks von Roger Avary bleiben äußerst nebulös.“ (HEYNE FILMJAHRBUCH 1996)
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