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Mächte des Wahnsinns, die
 

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Veröffentlicht in : Filme, M

 

DIE MÄCHTE DES  WAHNSINNS 

„Vergessen Sie Stephen King!“ 

 

USA 1994 / O: „In the Mouth of Madness“ / Prod.: New Line Productions / Laufzeit: 91 Min. / FSK: ab 16 

Regie: John Carpenter / Musik: John Carpenter & Jim Land / Kamera: Gary B. Kibbe / Schnitt: Edward A. Warschilka / Ausf. Prod. & Buch: Michael de Luca / Prod.: Sandy King / SFX: KNB EFX Group 

Darsteller: Sam Neill (John Trent), Jürgen Prochnow (Sutter Cane), Julie Carmen (Linda Styles), Charlton Heston (Jackson Harglow), David Warner (Dr. Wrenn), John Glover (Sapirstein), Bernie Casey (Robby), Peter Jason (Mr. Paul), Frances Bay (Mrs. Pickman), Wilhelm von Homburg (Simon), Kevin Rushtom, Gene Mack (Wachen), Conrad Bergschneider (der Wahnsinnige mit der Axt), Dennis O’Connor (Cop), Hayden Christiansen (Paper Boy), Kevin Zegers (Kind) sowie Marvin Scott,  Katherine Ashby, Ben Gilbert, Paul Brogren, Sharon Dyer, Garry Robbins, Sean Roberge, Chuck Campbell u.a.

Der gute, alte John Carpenter. In den 90ern strengte er nach seinem Misserfolg, den er mit JAGD AUF EINEN UNSICHTBAREN (1992) hatte, speziell mit dem Remake DAS DORF DER VERDAMMTEN (1995) und die Fortsetzung FLUCHT AUS L. A. (1996), diverse Comeback-Versuche an (etwas, was er inzwischen ganz aufgegeben hat), die jedoch meistens in Kritiker-Schelte und Kinokassen-Flops untergingen. Aus dieser nicht gänzlich unproduktiven Phase gingen jedoch drei sehenswerte Filme hervor: der weniger bekannte Episoden-Horror BODY BAGS, den er mit Unterstützung seines Kollegen Tobe Hooper 1993 für einen amerikanischen Kabelsender inszenierte, der recht coole Horror-Western-Actioner JOHN CARPENTERs VAMPIRES (1998) und natürlich die hier vorliegenden MÄCHTE DES WAHNSINNS, die zweifelsohne zu den besten Filmen Carpenters gehören. Mit dieser umtriebigen, gewieften Lovecraft-Homage, denen man einen durchschlagenderen Erfolg an den Kinokassen gewünscht hätte, bewies er eindrucksvoll, dass er, selbst zu einen Zeitpunkt, als er mittlerweile abgeschrieben wurde, immer noch zu den Meistern seiner Zunft gehört. 

Sam Neill brilliert als zynischer Versicherungsdetektiv John Trent (Sam Neill), der in eine Nervenheilanstalt eingeliefert wird und dem guten Doktor (David Warner) erzählt, was ihm widerfahren ist: Alles fing damit an, dass er von dem Verleger Jackson Harglow (PLANET DER AFFEN-Star Charlton Heston in einem schönen Gastauftritt) den Auftrag erhielt, den als vermisst geltenden, gefeierten Horror-Schriftsteller Sutter Cane (schön diabolisch: Jürgen Prochnow) ausfindig zu machen. Seine Bücher machen viele Leser süchtig, einige sogar krank und laufen Amok. Die Spur führt schließlich Trent und Harglows Assistentin Linda (Julie Carmen) in eine abgelegene Stadt namens Hobbs End, die auf keiner Landkarte existiert. Seltsame Dinge gehen da vor sich. Was dazu führt, dass sie die von Monstern und Dämonen bewohnte Stadt nicht mehr verlassen können. Sutter Cane ist auch da. Seine Bücher sind Realität geworden. 

Klar ist, daß Sutter Cane unübersehbar für Stephen King steht, was Carpenter Anlaß zu einigen gelungenen, satirischen Anspielungen („Der Film zum Buch kommt nächste Woche heraus!“) gibt. John Carpenter zeigt sich hier von seiner allerbesten Seite: er braucht keine Blutbäder und setzt viel mehr auf seine Stärke: intelligenter, fesselnder Horror. Freunde der schwingenden Axt kommen dennoch kurz auf ihre Kosten, wenn er zu Beginn einen Irren mit dem Hackebeil auf Sutter Cane’s Leser losgehen lässt. Ein böses Vorzeichen auf das, was folgen wird. Und das gehört zum Besten, was das Genre-Kino der 90er zu bieten hatte: ein höchst unterhaltsames und spannendes, mit Seitenhieben und Schocks garniertes Horror-Meisterstück, das einen immer mehr in den Bann zieht. Wie die Leser von Sutter Cane in seine Bücher. Speziell die Szenen in Hobbs End, wo die Realität auf den Kopf gestellt wird, sind an bedrückender Atmosphäre kaum zu überbieten, doch auch all die anderen, von Weltuntergangsstimmung geprägten, dramaturgisch geschickt aufgebauten Szenen kommen gut rüber. Ist der Alptraum Realität oder die Realität ein Alptraum? 

Ohne Frage: dies ist einer von John Carpenter’s Besten; ein hintergründiger, cleverer und doppelbödiger Wahnwitz-Horror und zugleich eine wunderbare Hommage an den großen Gruselschriftsteller H. P. Lovecraft. Das war wohl zu viel gewesen für den damaligen Cinema-Filmkritiker. Zum Schluss kippt das Ganze in eine von Lovecraft’s höllischen Endzeitvisionen um und man weiß nicht: Ist Sam Neill nun verrückt? Nein, diese Welt ist es! 

·       Der Australier Sam Neill spielte bereits in JAGD AUF EINEN UNSICHTBAREN (mit Chevy Chase) unter Carpenters Regie. Der viel beschäftigte Star ist mittlerweile in fast allen Genres zu Hause (u.a. OMEN 3; JAGD AUF ROTER OKTOBER; DAS PIANO; DAS DSCHUNGELBUCH und natürlich EVENT HORIZON). Unvergessen seine Rolle in Spielbergs Dino-Kracher JURASSIC PARK: An seinem Gesicht sah man die Saurier schon kommen, obwohl sie noch gar nicht zu sehen waren. Deutschland-Export Jürgen Prochnow (DAS BOOT; JUDGE DREDD) glänzt als teuflischer Schriftsteller und auch die weiteren. Nebenrollen sind mit gern gesehenen Mimen besetzt: David Warner (DAS OMEN; FLUCHT IN DIE ZUKUNFT; STAR TREK 5+6; HEXENJAGD IN L.A.) & John Glover (DIE GEISTER, DIE ICH RIEF; GREMLINS 2) als Irrenhaus-Ärzte, Blaxploitation-Star Bernie Casey (HIT MAN; DR. BLACK AND MR. HYDE) als Sam Neills Kollege, Frances Bay als unheimliche Mrs. Pickman (in Anspielung an die Lovecraft-Kurzgeschichte „Pickman’s Modell“) und Stammschauspieler Peter Jason in einem hübschen Kurzauftritt als mutmaßlicher Versicherungsbetrüger.  

·       Weitere bislang besprochene Filme von John Carpenter:

    ASSAULT – ANSCHLAG BEI NACHT (1976; Regie, Buch, Musik)

    HALLOWEEN III (1983; Produzent, Musik)

    DAS SCHWEIGEN DER HAMMEL (1993; Darsteller)

    FLUCHT AUS L. A. (1996; Regie, Buch, Musik)

    GHOSTS OF MARS (2001; Regie, Buch, Musik)

    THE FOG – NEBEL DES GRAUENS (2005; Produzent, Drehbuch-Vorlage)

    HALLOWEEN (2007; Drehbuch-Vorlage, Titelthema) 

·       „Intelligentes Horrorkino, das wenig auf vordergründige Spannung setzt, sondern sich allmählich zu einer cleveren Reflexion zum Verhältnis zwischen Fiktion und Realität entwickelt.“  (TIP) 

·       „Aus Carpenter, dem brillanten Erzähler, ist Carpenter, der Jahrmarkt-Gaukler, geworden. Doch die hässlichste Fratze dieses monströs überfrachteten Filmes bleibt seine Eindimensionalität.“ (Roland Huschke; CINEMA März 1995) 

·       „Da dreht sich das Hirn um –  nicht der Magen.“ ( TV SPIELFILM) 

·       „ ...phantasievoller, unheimlicher Horrorschocker, der ohne großen Blutzoll weit mehr zu ängstigen versteht als viele seiner Splatterkollegen.“ (Harry Lieber, HÖLLE AUF ERDEN) 

 

   

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