Views : 1321 |
Veröffentlicht in : Filme, E |
THE EYE
USA 2008 / O: „The Eye“ / Prod.: Lionsgate, Paramount Vantage, C/W Productions, Vertigo Entertainment Laufzeit: 98 Min. (Kino) / FSK: ab 16 Regie: David Moreau, Xavier Palud / Musik: Marco Beltrami / Kamera: Jeff Yur / Schnitt: Patrick Lussier / Ausf. Prod.: Peter Block, Peter Chan, Doug Davison, Mike Elliott, Roy Lee, Michelle Manning, Darren Miller, Michael Paseornek / Prod.: Don Granger, Paula Wagner / Buch: Sebastian Gutierrez, nach einem Original-Drehbuch von Jo Jo Yuet-chun Hui, Oxide Pang, Danny Pang Darsteller: Jessica Alba (Sydney Wells), Alessandro Nivola (Dr. Paul Faulkner), Parker Posey (Helen Wells), Rade Serbedzija (Simon McCullough), Fernanda Romero (Ana Christina Martinez), Rachel Ticotin (Rosa Martinez), Obba Babatundé (Dr. Haskins), Danny Mora (Miguel), Chloe Moretz (Alicia Millstone), Tamlyn Tomita (Mrs. Cheung), Kevin K. (Tomi Cheung), Brett Haworth (Shadowman) sowie Esodi Geiger, Karen Austin, Ryan J. Pezdirc, James Salas, Brett O’Mara, Landall Goolsby, Sarah E. Baker, Laura Slowinski u.a. |
Der Remake-Wahn asiatischer Horrorhits geht in Hollywood, mangels eigener Ideen, munter weiter: Nach THE RING, JU-ON: THE GRUDGE, DARK WATER, TÖDLICHER ANRUF und A TALE TWO A SISTERS gesellt sich nun auch noch THE EYE hinzu. Das Schauerstück aus Hongkong wurde 2002 von den renommierten Pang Brothers inszeniert und bis jetzt insgesamt 2 Mal fortgesetzt. Für die amerikanische Neuauflage konnte man das französische Regieduo David Moreau und Xavier Palud gewinnen, das 2006 mit dem authentischen Terror-Thriller THEM auf sich aufmerksam machte. Der war so gut, dass es mich nicht wundern würde, wenn in absehbarer Zeit ebenfalls ein Remake davon in Produktion geht; das ist doch gerade so in. Am besten noch, wenn Moreau und Palud gleich selbst inszenieren, Michael Haneke hat es ja mit FUNNY GAMES U.S. vorgemacht, wie es geht. Hier lassen sie nun Jessica Alba (SIN CITY, FANTASTIC FOUR) als blinde Violine-Spielerin nach einer Netzhauttransplantation in die Welt der Sehenden eintauchen. Leider sieht sie jetzt mehr, als ihr lieb ist, frei nach dem Motto: Ich sehe was, was du nicht siehst – und das ist gespenstisch. Denn dummerweise war ihre Netzhaut-Vorbesitzerin paranormal veranlagt, was natürlich dazu führt, dass sie jetzt all die schrecklichen Dinge sieht, die keiner sehen will: das wären dann neben all den furchtbaren Begebenheiten, die passiert sind und noch passieren werden, eine Begegnung mit dem Tod höchstpersönlich. Siehst Du? Zwei Franzosen drehen in Hollywood das Remake eines Hongkong-Horrorfilms. Und da sage noch einer, Multikulti gehöre der Vergangenheit an. Wie so viele europäische Filmemacher, so zog es auch Moreau & Palud nach ihrem einheimischen Achtungserfolg gen Amerika, um sich dort zu verwirklichen. Die eigene Handschrift zugunsten eines glatt gebügelten Hollywood-Remakes verwässern zu lassen, ist aber kein wirklich überzeugender Einstand. Da war ihnen ihr Landsmann Alexandre Aja, der ja mit einem ganz anderen Remake in den USA debütierte, eine Nase voraus. Dabei ist ihr THE EYE alles andere als ein schlechter Film, nur eben mal wieder nur einer, der sein Reiz gegenüber dem Original in der Abfolge bewährter Ereignisse verloren hat. Konzertviolinistin Jessica Alba, die hier bestenfalls hübsch aussieht, plagen also nach der scheinbar erfolgreichen OP unheimliche Todesvisionen, in denen sie den Tod diverser Menschen hautnah miterlebt. Der Tod macht sich, früher oder später, bei jedem bemerkbar (Dr. Helmut Kohl kann sich schon mal für die Körperwelten-Ausstellung bereit machen), hier lernt sie ihn persönlich bei seiner Arbeit kennen. Diese hübsch kreierte, fauchende Schreckensgestalt, die die Seelen der kürzlich Verstorbenen in ihr Reich abführt (nix mit 7. Himmel), fand ich übrigens ganz hübsch. Jessica Alba ist auch hübsch. Nachts träumt sie auch noch von einer schlimmen Brandkatastrophe. Natürlich glaubt ihr niemand – ...doch, bis auf diesen einen jungen Arzt da. Der war, so weit in Erinnerung, im Original gleich in sie verschossen, hier heißt er Dr. Paul Faulkner (Alessandro Nivola) und ist zu Beginn das, was man als arroganter, kleiner Arsch bezeichnet, der erst im weiteren Verlauf zum klugscheißenden Charmebolzen mit Erklärerblick und dem Verständnis für geisterhafte Phänomene mutiert. Gemeinsam sieht man besser und so gesellt sich zum Erklärerblick der Durchblick dazu. Leider auch pseudowissenschaftliches Gelaber. Die Amis müssen immer alles erklärt bekommen, selbst für übersinnliche Phänomene. Jessica-Uschi und der Lover-Doc reisen in die Heimat ihrer Spenderin, wo mal wieder ein schreckliches Ereignis in der Vergangenheit geist(er)reich aufgearbeitet werden muss. Und erneut gilt es, die unheimliche Gabe zu erkennen und nutzvoll einzusetzen, was zu einem feurigen Finale führt, für das man der Abstrusität wegen kaum Feuer und Flamme sein dürfte. Die Handlung hat man gegenüber dem Original größtenteils beibehalten, dafür wurde die düstere Atmosphäre gegen eine höhere Anzahl an Schockeffekten erhöht. An und für sich gingen Moreau & Palud ganz versiert zu Werke, dafür spricht auch, dass sie aus dem immergleichen, geisterhaften Kuddelmuddel trotz aller Vorhehrsehbarkeit tatsächlich ein paar gelungene Schrecksekunden und Schockmomente herauskitzeln konnten. Nur eben wie gesagt ist das, was wir hier sehen, alles andere als neu, gerade weil man in den letzten Jahren genug davon hatte, verbunden mit dem Gefühl, immer wieder ein und denselben Film vorgesetzt zu bekommen. Die Geistergewerkschaft sollte sich endlich mal was Neues für ihre Mitglieder ausdenken! In den Nebenrollen mit dabei: Parker Posey (SCREAM 3; BLADE: TRINITY; SUPERMAN RETURNS) als Jessica's Schwester, Rade Serbedzija (SPACE COWBOYS; BATMAN BEGINS; THE FOG - NEBEL DES GRAUENS) als ihr Mentor, Obba Babatundé (H. P. LOVECRAFTS NECRONOMICON; DER MANCHURIAN KANDIDAT) als behandelnder Augenarzt sowie Rachel Ticotin (TOTAL RECALL; CON AIR) als leidgeprüfte Mutter der Spenderin.
"Das amerikanische Remake zu THE EYE verleiht der originellen Story des chinesischen Originals neuen Glanz. Dort, wo GIN GWAI etwas langatmig wirkte, präsentieren uns die französischen Regisseure einen rasanten, spannenden Storyverlauf und einige drastische Schock-Momente. Freunde intensiver Psycho-Thriller und Geister-Schocker dürfen sich somit auf ein schaurig-schönes Kino-Spektakel freuen." (Gerhard Wüst; VIRUS #23)
"Zwar versteht Jeff Yur sein Handwerk hinter der Kamera, dies kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die abgeänderte Story und Albas schwache schauspielerische Leistung dieses Remake verzichtbar machen. THE EYE ist kein komplettes Desaster, aber weitgehend eine Verschlechterung des Originals und daher vollkommen überflüssig." (Niclas Heckner; DEADLINE 03/2008)
"Professionell, aber leidenschaftslos heruntergekurbelt. Ein ordentliches Schauerstück, relativ unblutig und vorhersehbar." (Gernot Gricksch; TV DIGITAL, 16.05.2008)
|
|
|