Schlechter Geschmack: Die Welt ist zu schlecht für gute Filme
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Mimic

M I M I C

USA 1997 / O: „Mimic“ / Prod.: Dimensions Films, Miramax / 101 Min. / FSK: ab 16 

Regie: Guillermo del Toro / Musik: Marco Beltrami / Kamera: Dan Lausten / Schnitt: Patrick Lussier / Ausf. Prod.: Michael Phillips / Co-Ausf. Prod.: Harvey Weinstein, Stuart Cornfeld / Prod.: Bob Weinstein, B. J. Rack, Ole Bornedal / Buch. Guillermo del Toro, Matthew Robins, basierend auf einer Kurzgeschichte von Donald A. Wohlheim / Kreaturen-Effekte: Rick Lazzarini, Rob Bottin 

Darsteller: Mira Sorvino (Dr. Susan Tyler), Jeremy Northam (Dr. Peter Mann), Giancarlo Giannini (Manny), Charles S. Dutton (Leonard), Josh Brolin (Josh), F. Murray Abraham (Dr. Gates), Alix Koromzay (Remy), Alexander Goodwin (Chuy), James Costa (Ricky), Norman Reedus (Jeremy), Julian Richings (Arbeiter),  Javon Barnwell (Davis) sowie Pak-Kwong Ho, Glen Bang, Margaret Ma, Warna Fisher, Alan Argue, Charles Hayter u.a.

                                                                                                                      

Wer Krabbelhorror wie DAS NEST, THEY NEST oder C 2 – KILLERINSEKT mochte, dürfte auch bei MIMIC auf seine Kosten kommen: 

In New York geht eine hochgefährliche Seuche um, die durch Kakerlaken übertragen wird. Um gegen die Epidemie anzukämpfen, züchtet die renommierte Insektenforscherin Dr. Susan Tyler (Mira Sorvino, GELIEBTE APHRODITE) eine neue Schabenspezies: die sogenannte Judas-Brut, welche die Tod bringenden Kakerlaken vernichten sollen, selbst aber nach einer Generation aussterben. So war es jedenfalls gedacht. Das riskante Experiment scheint sich zunächst als erfolgreich erweisen – zunächst... Denn die Geister, die Susan rief, haben sich weiter entwickelt und melden sich drei Jahre später mit einer grauenhaften Mordserie zurück… 

Nach seinem Meisterwerk CRONOS folgte Guillermo del Toro, wie so viele vor und nach ihm, dem Ruf Hollywoods, wo er mit diesem soliden Monsterschocker debütierte. Von all seinen Filmen, die er bislang realisierte, mag dies sein schwächster gewesen sein und trotzdem ist es immer noch ein guter Film. Der Regisseur Guillermo del Toro hat hier eindeutig bessere Arbeit geleistet als der Drehbuchautor Guillermo del Toro, denn von der durchaus interessanten Ausgangsidee bleibt im Verlauf der teils haarsträubenden, teils löchrigen Handlung nicht mehr übrig als das Abhaken von Klischees und üblichen Standardsituationen, durch welche die Protagonisten waten müssen. Da konnte sein cleverer Vampirfilm CRONOS dem Horrorgenre tatsächlich einige neue Aspekte abgewinnen, was man von MIMIC freilich nicht erwarten sollte. Tröstlich, dass del Toro in dieser konventionell gestrickten Endloshatz durch dunkle U-Bahn-Tunnel und Kanalisationsschächte in Zukunft mit Meisterwerken wie HELLBOY und PAN’S LABYRINTH auch inhaltlich überzeugen sollte. 

Formal gesehen jedenfalls, da gibt sein Käfer-Schocker einiges her: Manhattans dunkle U-Bahn-Schächte bürgen für eine spannende Atmosphäre und geben eine prima Kulisse ab, die del Toro auch wirkungsvoll nutzte. Er erweist sich als versierter Meister im Umgang mit Licht und Schatten, wobei ihm die gute Kameraarbeit von Dan Laustsen (DER FLUCH VON DARKNESS FALLS; DER EISIGE TOD), der wohl immer gern engagiert wird, wenn sich so einiges im dunkeln abspielt, eine große Hilfe ist. Die gelungenen Monster-Kreationen und Schleim-Effekte kommen recht gut an, wenngleich die eher billigen Fluganimationen nicht ganz so überzeugend geraten sind. Natürlich darf dabei nicht jene obligatorische Szene fehlen, in der ein Schuh angehoben wird und darunter ein ekliger Monster- bzw. Insektenschleim klebt – glibber, glibber. Schocken dürfte der Genre-Mix aus Mutation und Genmanipulation, Tier-Horror und Monster-Thriller gestandene Cineasten – wenn sie die Story hören. Alle anderen, die sich an solche Sachen inzwischen gewöhnt haben, dürfen sich auf spannende, kurzweilige Grusel-Unterhaltung freuen, die eben inhaltlich nicht viel Neues bringt. Insgesamt gesehen ein cooler Insekten-Schocker. Früher hießen solche Filme FORMICULA, heute eben MIMIC. 

  • An der Seite der Oscar-Preisträgerin Mira Sorvino kämpfen Jeremy Northam (CYPHER; INVASION) als ihr Filmgatte, der in einem explosionsträchtigen Showdown gegen die Monsterbrut ankämpft, sowie Josh Brolin (HOLLOW MAN; PLANET TERROR; NO COUNTRY FOR OLD MAN). Auch die weiteren Rollen sind mit Giancarlo Giannini (HANNIBAL; CASINO ROYALE) als Schuhputzer, Charles S. Dutton (ALIEN 3; GOTHIKA) als Cop und Gaststar F. Murray Abraham (AMADEUS; STAR TREK – DER AUFSTAND), der in zwei, drei kurzen Szenen als Susans Mentor zu sehen ist, gut besetzt. 

  • Unterstützung bekam del Toro durch die Second Unit Regisseure Robert Rodriguez (FROM DUSK TILL DAWN; PLANET TERROR) und Rick Bota (HELLRAISER: DEADER; HELLRAISER: HELLWORLD). Als einer der Produzenten fungierte der Däne Ole Bornedal (NACHTWACHE). 

  • Gefolgt von MIMIC 2 (2001) und MIMIC 3: SENTINEL (2003). 

  • „Effektvoll, temporeich und eminent spannend inszeniert, gelingt Regisseur del Toro nach CRONOS erneut ein großer Wurf, der sein Publikum kräftig zittern und ihn selbst die Karriereleiter steil hinaufklettern lässt. (…) Aufgrund herrlich-schleimiger Monsterkreationen, einer tollen Effektarbeit und einer perfekten Hochspannungsdramaturgie zweifelsfrei einer der gelungensten und beängstigendsten Insekten-Horrorfilme aller Zeiten.“ (Harry Lieber, HÖLLE AUF ERDEN) 

  • „Billige Schockmomente gibt es allerdings nicht, dafür jede Menge atmosphärischer Bilder, die von hoher formaler Perfektion zeugen.“ (Frank Trebbin, DIE ANGST SITZT NEBEN DIR) 

  • „Sicher werden Genre-Fans „Mimic“ mögen. Aber mal ehrlich: Wenn ein handwerklich tadelloser Grusler nur partiell packend ist, kann man mit ihm wie mit einer Kakerlake verfahren – kurz beim Schwimmen zu schauen und dann im Klo runterspülen.“ (Eric Stahl, CINEMA 3/98) 

  • „Zwar bemüht sich der Regisseur mit visuellem Geschick um eine düster-dramatische Atmosphäre und um ein artifizielles Ambiente. Aber zu oft überschreitet die allzu durchschnittliche Horror-Mär die Grenze zur Lächerlichkeit, während die Nebenhandlungsstränge überhaupt keinen Sinn ergeben.“ (Dorothee Lackner, TV SPIELFILM) 

  • „Handwerklich sorgfältig gestalteter Horrorfilm, der es jedoch bei puren Oberflächenreizen belässt und der Geschichte kaum wirklich interessante Aspekte abzugewinnen vermag.“ (ZOOM 6/7/98) 

  • „Auf den Strategien des Thrillers basierend und die Grausamkeit eines Horrorfilms vermeidend, entwickelt Regisseur del Toro mit unverhohlenen Anleihen kein originelles, aber durch ein für dieses Genre überdurchschnittlich stilistisches und filmtechnisches Niveau.“ (MULTIMEDIA) 

  • „Dieser banale Möchtegern-Schocker erschreckt höchstens durch seine dümmliche, vorhersehbare Konstruktion... Man könnte dieses mit nur wenigen netten Versatzstück-Variationen gesegnete Genre-Werk als Parodie verstehen, wenn es auch nur ansatzweise versteckt Humor bieten würde. Aber auch der fehlt völlig.“ (W.O.P. Kistner, AZ, 26.02.98) 

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