Schlechter Geschmack: Die Welt ist zu schlecht für gute Filme
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Castle Freak

Stuart Gordons

CASTLE FREAK

                                        „Hideous… hungry… and loose!“ (Werbezeile)

 

USA/I 1995 / O: „Castle Freak” / AT: „Stuart Gordon’s Castle Freak” / Prod.: Full Moon Entertainment / Laufzeit: 92 Min. / FSK: ab 18 

Regie: Stuart Gordon / Musik: Richard Band / Kamera: Mario Vulpani / Schnitt: Bert Glatstein / Ausf. Prod.: Albert Band & Charles Band / Prod.: Maurizzio Maggi / Buch: Dennis Paoli / Story: Stuart Gordon & Dennis Paoli, inspiriert durch H. P. Lovecrafts Erzählung THE OUTSIDER 

Darsteller: Jeffrey Combs (John Reilly), Barbara Crampton (Susan Reilly), Jonathan Fuller (Giorgio), Jessica Dollarhide (Rebecca Reilly), Massimo Sarchielli (Giannetti), Elizabeth Kaza (Agnese), Luca Zingaretti (Forte) sowie Raffaella Offidani, Helen Stirling, A. S. Satta, Tunny Piras, Carolyn Gordon u.a.

Was für ein angespanntes Mutter-Sohn-Verhältnis: eine greise Schlossherrin stellt ihrem deformierten Kind, eine schwer entstellte Schreckensgestalt, die im Keller an Ketten gehalten wird, einen Napf Futter hin, ehe sie sich auf ihre Pritsche legt und die Augen für immer schließt. Die Kreatur bleibt – vorerst – allein zurück, doch sie wird sich den Nachmietern schon noch vorstellen…

                                                                                                                       

 

Die trudeln auch bald ein: Familie Reilly, die ihr Erbe, ein altes Schloss in Italien, antritt. Schon lange kriselt es zwischen den beiden Elternteilen John (Jeffrey Combs) und Susan (Barbara Crampton), denn vor neun Monaten steuerte John sturzbetrunken den Wagen, der Sohn J.J. das Leben kostete und Tochter Rebecca (Jessica Dollarhide) erblinden ließ. Beschäftigt mit ihrer eigenen schrecklichen Familientragödie, lernen die Reillys schon bald das furchtbare Geheimnis des Schlosses kennen. Die blinde Rebecca ahnt als Erste, daß sich noch ein Bewohner in dem alten Gemäuer befindet. Es ist der Castle Freak, der, nachdem er die Katze verspeiste, zu neuen Kräften gekommen ist und sich seiner Fesseln entledigt – in dem er sich den Daumen anknabbert. Natürlich bleibt es nicht beim Kätzchen und so muss eine Dorfnutte als erstes Opfer herhalten. Der Castle Freak beobachtete, wie John Reilly, der von seiner Frau keinerlei Liebe bekommt, über sie herfiel und will ihr es gleichtun – doch in seinem Wahn reißt er ihr nur die Brustwarzen ab. Und dann stehen die Reillys der Kreatur aus dem Keller gegenüber, die schon viel länger in diesem Schloss zu Hause ist…

                                                                                                                        

CASTLE FREAK besitzt schon mal allerbeste und vielversprechende Vorraussetzungen, denn zum dritten Mal trommelte Stuart Gordon (ROBOTJOX; FORTRESS; SPACE TRUCKERS) seine Hauptdarsteller Jeffrey Combs und Barbara Crampton, mit denen er seine zwei ersten und besten Filme RE-ANIMATOR und FROM BEYOND drehte, zusammen, um eine weitere Lovecraft-Geschichte filmisch entsprechend umzusetzen. Mit Gordon’s Stammautor Dennis Paoli, Komponist Richard Band und dessen Bruder Charles sowie Vater Albert Band als Geldgebern gesellten sich weitere Weggefährten dazu. CASTLE FREAK ist allerdings keine direkte Verfilmung, viel mehr eine Inspiration, in der Gordon und Paoli Lovecrafts hervorragende Kurzgeschichte „Der Außenseiter“ als Ausgangsbasis für ihren Film nahmen. Obwohl es dem Streifen nicht an Härte und blutigen Splatter-Effekte mangelt, geht es hier weniger phantastisch, sondern deutlich gemächlicher zu, erwartet uns doch hier letztendlich ein handfestes Familiendrama mit einer Kreatur, die spuckt, blutet, beißt und sabbert. Da sie ihr Leben lang nichts anderes außer Gewalt erfahren hat, ist sie nicht imstande, etwas anderes außer Gewalt weiterzugeben.

                                                                                                                      

Obwohl Jeffrey Combs in Interviews von miesen Drehbedingungen sprach und das bei Charles Band übliche Niedrig-Budget in jeder Einstellung zu sehen ist, tat dies der kleinen Produktion keinen Abbruch. Im Gegenteil: CASTLE FREAK mag altmodisch, schundig und billig daherkommen, aber es ist die schmuddelige Schäbigkeit, die viele Italo-Billigfilmchen aus den 70ern auszeichnete und wenn Gordons Werk darin erinnert, dann ist ihm schon mal ein goutierbarer Grusselhappen gelungen. Er fing die unheimliche, gruselige Stimmung des alten, riesigen Schlosses kongenial ein und entfacht dabei eine Atmosphäre, die Hollywoods aalglatte Mainstream-Ware wohl nie erreichen wird. Wer hier aber wie in RE-ANIMATOR und FROM BEYOND eine phantasievolle Handlung, entfesselte Spezialeffekte und schwarzen Humor erwartet, dürfte eher enttäuscht sein.

  • Das Schloss, in dem CASTLE FREAK spielt, gehört tatsächlich Charles Band. Dort entstand bereits 1990 MEISTER DES GRAUENS, mit Lance Henriksen, Oliver Reed und wiederum Jeffrey Combs und Jonathan Fuller 
  • Weitere Filme mit Jeffrey Combs:

       RE-ANIMATOR (1985)

         FROM BEYOND (1986)

         CYCLONE (1987)

         ROBOTJOX (1989)

         MUTRONICS (1991)

         FORTRESS – DIE FESTUNG (1993)

         LURKING FEAR (1994)

         VERDAMMT IM EIS (1997)

         ICH WEISS NOCH IMMER, WAS DU LETZTEN SOMMER GETAN HAST (1998)

         HAUNTED HILL (1999)

         FAUST – LOVE OF THE DAMNED (2001)

         FEAR DOT COM (2002)

         SHARKMAN – SCHWIMM UM DEIN LEBEN (2005)

         VOODOO MOON (2005)

         ABOMINABLE (2006)

         HAUNTED HILL - DIE RÜCKKEHR IN DAS HAUS DES SCHRECKENS (2007)

  • Viel ist von seinen früheren Splatter-Exzessen nicht übriggeblieben, aber für gepflegten Grusel und das eine oder andere Tröpfchen Blut ist Horrormeister Stuart Gordon immer noch gut.“ (CINEMA) 
  • „Die Story ist altbacken und sprüht nicht gerade vor Ideenreichtum. Die mittelprächtige Inszenierung steckt voll dramaturgischer Schwächen und erinnert in frappanter Weise an hinlänglich bekannte Italo-Schnellschüsse aus den 70ern.“ (Harry Lieber, HÖLLE AUF ERDEN) 

  • „Stuart Gordon hat seinen Job recht gut gemacht und einen B-Horrorstreifen abgeliefert, der ebenso schnörkellos wie brutal ist.“ (Frank Trebbin, DIE ANGST SITZT NEBEN DIR)
              

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