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Timber Falls „Aus diesen Wäldern gibt es keine Wiederkehr.“ (Werbeslogan) USA 2007 / O: „Timber Falls“ / Prod.: Mark Entertainment / Laufzeit: 96 Min. (uncut) / Freigabe: k.J. Regie: Tony Giglio / Musik: Henning Lohner / Kamera: Toby Moore / Schnitt: Peter Mergus / Ausf. Prod.: Mike Marvin, Harmon Kaslow, John Dellaverson, Todd Traina / Prod.: Arnold Rifkin, Christopher Eberts, Kia Jam, Bruce McNall, Steve Markhoff / Buch: Dan Kay Darsteller: Josh Randall (Mike), Brianna Brown (Sheryl), Nick Searcy (Clyde), Beth Broderick (Ida), Sascha Rosemann (Deacon), T. W. Leshner (Darryl), Branden R. Morgan (Brody), Ryan McGee (Lonnie), Carl Bressler (Sam), Debbie Jaffe (Evelyn), Suzanna Urszuly (Sarah), Ryan Wiik (Jason) | Ein Ausflügler-Pärchen, das auf der Wanderroute durch den tiefen, finsteren Wald vom Pfad abkommt und alsbald von einer Psychopathen-Familie terrorisiert und malträtiert wird. Wieder so ein Film, dessen wesentliche Bestandteile man in nur einem Satz zusammenfassen kann. Und schon weiß jeder, worum es hier geht und was ihn erwartet: eine geringfügige Variation von Klischees, das Spiel mit dem Altbekannten, bewährte Genre-Standards, austauschbare Situationen, stereotype Charaktere, althergebrachte Formeln, ein Trend, von dem die Macher profitieren möchten – kurzum: nichts neues an der Horrorfilm-Front. „Seit WRONG TURN ging es nie wieder so spannend und blutig in Virginias Wäldern zu“, verspricht das DVD-Cover. Und dazu passt dann auch der Kommentar von DEADLINE-Filmkritiker Martin Beck: „TIMBER FALLS könnte genauso gut WRONG TURN 3 heißen, was bei dieser Art von Film eigentlich egal ist.“ Der obligatorische Einstiegs-Opener soll hierbei nicht nur als Einleitung dienen, sondern auch Lust (oder Frust?) machen auf das, was folgen wird. Und das wird Folgen haben. So sehen wir ein armes, gequältes und ziemlich mitgenommenes Pärchen, das gefesselt in einer wenig einladenden Behausung von irgendeinem Hinterwald-Psycho in die Mangel genommen wird. Während das Schicksal von Ihm ungeklärt bleibt, gelingt Ihr die Flucht, wobei sie nach einer kurzen Hetzjagd durch den Wald den tödlichen Sprung in eine tiefe Schlucht eventuell bevorstehenden Todesqualen vorzieht. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende, wird sie sich gedacht haben. Andere werden mit Schrecken wiederum denken: solche Filme werden wohl nie ein Ende haben… Doch noch sind wir beim Anfang vom Ende und so wird uns als nächstes das über beide Ohren verliebte, junge Pärchen Mike und Sheryl vorgestellt, die zusammen ein Wander-Wochenende in den Wäldern von West Virginia verbringen wollen. Zunächst muss noch etwas anderes geklärt werden: das Handy. Hatten die Slasherfilm-Macher in den 70er und 80er Jahren den Vorteil, dass es eben noch keine Handys gab, so müssen die Drehbuch-Schreiber von heute sich den Kopf zerbrechen, wie man am besten diese elenden Mobiltelefone aus dem Film verbannt, denn diese bedeuten ja, dass die potentiellen Opfer-Kandidaten schnellstens Hilfe anfordern könnten, womit die Slasher- und Psychopathen-Spritztour durch die Wälder schnell vorbei wäre. Mit der ebenso simplen wie bewährten Bemerkung „Kein Empfang!“ ist dieses Problem gelöst und abgehakt. Mike und Sheryl laufen weiter ihrem persönlichen Verderben entgegen, denn sie wählten den falschen Weg. Und zwar den, der dem Film den Titel gab: „Timber Falls“. Drei mit Gewehren bewaffnete Rednecks (wie sie so sind, die Jungs vom Lande), die den beiden Turteltäubchen beim Waldfick an die Wäsche gehen, sollen bei diesem ganz speziellen Wochenendtrip das kleinere Übel darstellen. Das wird den beiden klar, als sie in die Hände von Clyde und Ida geraten – zwei religiöse Fanatiker, die die Bibel auf ihre Weise interpretieren. Es ist mehr als nur ein üblicher Generationskonflikt, in dem ein junges Paar auf ein älteres Paar trifft und zwei verschiedene Welten und Ansichten aufeinander prallen. Zum Beispiel beim Thema „Sex vor der Ehe“, was bei fanatischen Bibelwürmern vollkommen verpönt ist. Die Zwangsheirat hat schon ihren Sinn, denn da Ida kein Kind gebären kann und das Kellerregal keinen Platz für weitere Embryo-Einweckgläser bietet, sollen Mike und Sheryl für Nachwuchs sorgen – mit aller Gewalt… „TIMBER FALLS könnte, wenn man ihn aushält, auch ältere Zuschauer ansprechen.“ (Arnold Rifkin) Neben der obligatorischen Folterfilm-Folterbank mit dem entsprechenden Arsenal an Heimwerker-Bedarf, Mordinstrumenten und anderen Werkzeugen darf auch der Fratzen-Faktor nicht ausgeklammert werden. Und der heißt hier: Deacon, Ida’s geistig behinderter und körperlich missgebildeter Bruder, dem irgend etwa schlimmes in der Kindheit passiert sein musste. Er foltert, mordet, geifert, peitscht und vergewaltigt, wie es von ihm in solchen Filmen verlangt wird. Er sagt nix, er sabbert nur. Heikle Sache. 1974 war es, als ein Typ namens Leatherface in einem Film namens THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE über die Leinwand wütete und dem Regisseur Tobe Hooper faschistoide Tendenzen unterstellt wurden, weil man glauben könnte, das nur geistig und körperlich deformierte Menschen zu solch schrecklichen Taten, wie sie hier eben auch der Deacon ausübt, verantwortlich wären. Jeder hat so seine Assoziationen, jeder macht sich so seine Gedanken, auch ohne sich groß Gedanken zu machen. Inzwischen hat man sich in unserer aufgeklärten Gesellschaft daran gewöhnt und sich damit abgefunden, wozu so alles geistig behinderte und körperlich missgebildete Menschen fähig wären. Deacon könnte glatt der Sohn von Leatherface sein, nur eben das er anstatt einer kreischenden Kettensäge ein sichelähnliches Mordinstrument, das nicht nur auf dem DVD-Cover effektiv Verwendung findet, sein Eigen nennt. Was Mike und Sheryl schliesslich so alles über sich ergehen lassen müssen, wurde von Tony Giglio, der vorher den Actionthriller CHAOS mit Statham und Snipes inszenierte, wiederum recht fesselnd und schwer unterhaltsam in Szene gesetzt. Natürlich ist TIMBER FALLS auch nur einer jener Filme, die von Klischees leben und rein inhaltlich schlichtweg katastrophal sind. Immerhin haben ja HATCHET und vor allem der wirklich clevere BEHIND THE MASK, in denen jeweils Robert Englund kleine, feine Nebenrollen hatte, gezeigt, dass man mit Lust und Laune, Hirn und Herz durchaus beachtliches auf diesem Sektor leisten kann. Davon ist TIMBER FALLS nun wieder etwas entfernt, zumal er ohne jegliche ironische Anspielungen durchweg ernsthaft daherkommt, was hier auch besser so ist. Aber er ist nicht ganz und gar kopflos: so gibt es einen explodierenden Kopf, einen abgeschlagenen Kopf und eine Axt im Kopf. Gedreht im kostengünstigen Rumänien sorgen die guten Produktionsumstände, soliden schauspielerischen Leitungen und diverse zupackende Effekte incl. angesagter Folterszenen á la HOSTEL dafür, dass man als Slasherfilm-Fan letztendlich das bekommt, was man zu Beginn auch erwartet hat, z.B. eine ordentliche Bibel-Predigt. - Deacon-Darsteller Sascha Rosemann ist übrigens ein waschechter Ossi: er wurde 1977 in Cottbus geboren.
- Die Kauf-DVD (identisch ausgestattet mit der Verleih-DVD) erschien im veredelten Stülper im Hause Ascot Elite Entertainment und bietet als Specials ein unterhaltsames Making-of und ein höchst interessantes Interview mit Deacon. Achtung: alternativ ist auch noch eine Variante ohne Pappschuber im Umlauf!
- TIMBER FALLS erfindet gar nichts neu und macht sich gleichzeitig nur wenig Feinde. Für solche Filme wurde das Wort „grundsolide“ erfunden.“ (Martin Beck, DEADLINE 01/2008)
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Timber Falls
Geschrieben von: Ali-baba am 21-03-2008 15:26