Schlechter Geschmack: Die Welt ist zu schlecht für gute Filme
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Geschöpf des Schreckens

GESCHÖPF DES SCHRECKENS

„Hypnotized! Reincarnated as a monster from hell!” (Werbezeile)  

 

USA 1956 (s/w; OmU) / O: „The She-Creature“ / Produktion: Golden State Pictures Länge: 75 Minuten

Regie: Edward L. Cahn / Musik: Ronald Stein / Kamera: Frederick E. West / Schnitt: Ronald Sinclair / Ausf. Prod.: Samuel Z. Arkoff / Produzent: Alex Gordon / Buch: Lou Rusoff 

Mit Chester Morris (Dr. Carlo Lombardi), Marla English (Andrea), Tom Conway (Timothy Chappel), Cathy Downs (Dorothy Chappel), Lance Fuller (Dr. Ted Erickson), Ron Randall (Lt. Ed James), Frieda Inescort (Mrs. Cappel), Frank Jenks (Detective Seargent), El Brendel (Olaf, der Butler), Paul Dubov (Johnny), William Hudson [als Bill Hudson] (Bob), Paul Blaisdell (Kreatur), Edward Earle (Prof. Anderso), Kenneth MacDonald (Doktor) sowie Jack Mulhall, Flo Bert, Jeanne Evans, Luana Walters u.a. 

Das Geschöpf des Schreckens – man denkt an Roland Pofalla und hat doch mal wieder so einen billigen Monsterfilm-Heuler aus den 50ern vor sich. Und dieser ist dem Unions-Faselfritzen auf jedem Fall vorzuziehen, egal wie schrecklich das GESCHÖPF DES SCHRECKENS mit seiner staubigen Story und der kongenial-schnarchigen Umsetzung letztlich auch sein mag. Dabei handelt es sich um einen weiteren Beitrag aus dem Repertoire des damals vielbeschäftigten B-Filmers Edward L. Cahn, der sich vom Western übers Drama bis hin zum Kriegsfilm praktisch durch alle Genres werkelte und vor allem in den 50ern und frühen 60ern, wo er seine „Blütezeit“ hatte, exquisit schräge Monster- und Invasionsfilmchen verbockte, die so verheißungsvolle Titel trugen wie VOODOO WOMAN, ZOMBIES OF MORA TAU, INVASION OF THE SAUCER MEN (alle 1957), IT! THE TERROR FROM BEYOND SPACE (1958) und DIE VIER SCHÄDEL DES JONATHAN DRAKE (1959).

Hier inszenierte er schwunglos und ohne jeglichen Elan die wenig mitreißende Geschichte des umstrittenen Hypnotiseurs Dr. Carlo Lombardi (Chester Morris), der mit Hilfe seines Mediums Andrea (Marla English) ein uraltes Seeungeheuer aus dem Ozean lockt, damit es für ihn wahllos tötet und er seinen Ruf als geheimnisvoller Okkultist, der in die Zukunft blicken kann, aufrecht erhalten kann. Unterstützt von einem stinkreichen Schnösel inszeniert er das Ganze als publikumsträchtiges Spektakel, für das sich lediglich der junge Arzt Ted (Lance Fuller) nicht so recht begeistern kann. Er hat sich in Andrea verliebt und stellt dem durchtriebenen Lombardi eine Falle. 

Was der legendäre Produzent Samuel Z. Arkoff hier mit ein paar Moneten zum Leben erweckte, ist eine ausgesprochen unspektakuläre, banale Low-Budget-Grusel-Schmonzette ohne besondere Höhepunkte oder Ideen. Alle Beteiligten, sowohl vor als auch hinter der Kamera, stammen aus der zweiten oder dritten Reihe und geben dementsprechend ihr „Bestes“. Immerhin bietet der naiv-schundige Billigstreifen ein Wiedersehen mit zahlreichen B-Movie-Stars jener unvergessenen, für die Filmwelt wichtigen Ära: Tom Conway (DIE BRAUT DES GORILLA, 1951; TARZAN BRICHT DIE KETTEN, 1953), Cathy Downs (BESTIE DES GRAUENS, 1958), Lance Fuller (METALUNA IV ANTWORTET NICHT, 1955; KAMPF DER HYÄNEN, 1956), Marla English (THREE BAD SISTERS, 1956), Paul Dubov (DIE LETZTEN SIEBEN, 1955) sowie Mutantendarsteller Paul Blaisdell, der sich, wie schon in DIE LETZTEN SIEBEN (1955), IT CONQUERED THE EARTH (1956), VOODOO WOMAN und INVASION OF THE SAUCER MEN (beide 1957), mal wieder in das ausgesprochen lächerliche Monsterkostüm hinein zwängte. Einige Akteure traf man auch in anderen Filmen wieder: Marla English und Lance Fuller sah man in zusammen in RUNAWAY DAUGHTERS (1956, ebenfalls von Cahn); Tom Conway, Jack Mulhall und Paul Dubov in AUF DER U 17 IST DIE HÖLLE LOS (1959); Cathy Downs und William Hudson in DER KOLOSS (1957). Und in VOODOO WOMAN treffen gleich vier der Darsteller aufeinander: English, Conway, Fuller und Dubov. Die Welt ist wirklich ein Dorf!

Und THE SHE-CREATURE ein Film, der einzig von seinem Nostalgiewert lebt. Er wurde übrigens nie deutsch synchronisiert, lief aber mal Ende der 90er mit Untertiteln im Rahmen eines Corman-Festivals auf dem WDR. Nicht gänzlich uninteressant, aber stellenweise auch ziemlich unfreiwillig komisch, fiel Cahn’s Trash-Quickie selbst für das Jahr 1956, höflich ausgedrückt, ein wenig langatmig aus – aber wer kann, der sollte ihn sich trotzdem mal reinziehen: um zu sehen, was das Publikum damals zum gruseln bringen sollte.  

  • „Edward L. Cahn, der sonst nicht gerade zu dem ruhmreichsten seiner Zunft gehört, hat einen ansehnlichen B-Horror-Streifen geschaffen, der sich auf interessante Weise mit Hypnose und Seelenwanderung beschäftigt. (…) Als Trash-Movie ist GESCHÖPF DES SCHRECKENS schon wegen des lachhaften Monsterkostüms schwer unterhaltsam.“ (Frank Trebbin, DIE ANGST SITZT NEBEN DIR)  

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