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CLOVERFIELD
USA 2008 / O: „Cloverfield“ / Prod.: Paramount Pictures, Bad Robot / Laufzeit: 85 Min. (Kino) / FSK: ab 12 Regie: Matt Reeves / Musik: Michael Giacchino („Roar!“ – CLOVERFIELD Overture) / Kamera: Michael Bonvillain / Schnitt: Kevin Stitt / Ausf. Prod.: Sherryl Clark, Guy Riedel / Prod.: J. J. Abrams, Bryan Burk / Buch: Drew Goddard Darsteller: Michael Stahl-David (Rob Hawkins), Lizzy Caplan (Marlena Diamond), Jessica Lucas (Lily Ford), Mike Vogel (Jason Hawkins), T. J. Miller (Hudson “Hud” Platt), Odette Justman (Beth McIntyre), Anjul Nigam (Bodega Cashier), Margot Farley (Jenn), Theo Rossi (Antonio), Kelvin Yu (Clark), Chris Mulkey (Lt. Col. Graff), Rick Overton (Frantic Man), Roma Torre (Roma Torre) sowie Blake Lively, Brian Klugman, Liza Lapira, Lili Mirojnick, Ben Feldman u.a. |
Am Anfang war lediglich ein Postermotiv und ein vielversprechender Trailer, der im Kinosommer 2007 vor TRANSFORMERS lief und die Filmwelt in der ausgeklügeltsten Werbekampagne seit BLAIR WITCH PROJECT zum Rätselraten animierte. Davon abgesehen, dass es von Paramount Pictures so gut wie keine Informationen zur Story des Films gab – Die Internet-Euphorie mit mysteriösen Websiten, einer gefakten Nachrichtensendung und diversen MySpace-Profilen sorgten wiederum dafür, dass ein Kinofilm, zudem auch noch verschiedene Titelbezeichnungen existierten, lange vor seinem Start zum potentiellen Hit avancierte. Die Digitalkamera ist hier der Zeuge, bis zum bitteren Ende: Ganz am Anfang erleben wir noch die privaten Videoaufnahmen von Rob (Michael Stahl-David) und seiner Freundin Marlena (Lizzy Caplan) an einem frühen Sonntagmorgen in New York. Einen Monat später wird davon nicht mehr sehr viel übrig bleiben. Es sollte eine Abschiedsparty werden, die eine New Yorker Clique für ihren Kumpel Rob vor seiner Reise nach Japan organisierte. Und das wird sie auch werden: eine Abschiedsparty. Zunächst nehmen wir noch teil an diversen Partyaktivitäten: Musik dudelt im Hintergrund, man unterhält sich, es wird gelacht, es wird getrunken, Rob’s Bruder Jason (Mike Vogel, TEXAS CHAINSAW MASSACRE) ist da, seine Ex Marlena mit ihrem neuen Freund ebenfalls, während Kumpel „Hud“ (T. J. Miller, den man so gut wie gar nicht sieht) alles mit der DigiCam filmt. Es kommt zu einem Streit zwischen Rob und Marlena, bis sie wieder verschwindet. Dann kommt es plötzlich zu einem ohrenbetäubenden Knall. Die Gäste rennen auf’s Dach, um zu sehen was los ist. Stromausfall. Explosionen. Ein Erdbeben? In Panik stolpern sie runter auf die Strasse, wo noch mehr Menschen wie wild durcheinander hasten. Der Kopf der Freiheitsstatue rollt ihnen entgegen, Wolkenkratzer stürzen ein. Eine Augenzeugin berichtet, dass Menschen gefressen wurden. Woran keiner glaubte, wird bald später fürchterliche Gewissheit: ein hochhaushohes Monster ist aus dem Meer empor gestiegen und legt New York in Schutt und Asche. Und es hat noch eine Vielzahl parasitenähnlicher Mini-Monster mitgebracht, die Menschen glucksend anspringen und mit einem tödlichen Virus infizieren. Dann erhält Rob einen Anruf von Marlena, die in ihrer Wohnung verunglückt ist und sich nicht selbst befreien kann. Daraufhin begibt sich Rob quer durch das gebeutelte New York, das immer mehr zur Trümmerwürste wird und von den Militärs zur Kriegszone erklärt wurde, um Marlena zu retten. Und sein Kumpel Hudson dokumentiert alles mit seiner Videokamera… – bis zum bitteren Ende… Die Verhaltensweisen der Protagonisten kennt man aus anderen Filmen, wurden aber noch nie so greifbar nahe wie in CLOVERFIELD: Menschen, die in Panik geraten, den Helden markieren, fluchen und flüchten, sterben und überleben, Angst haben, sich in Gefahr begeben und manchmal auch undenkbar blöd verhalten… wie Menschen nun einmal so sind. Das riesengroße Monster, eine nicht näher definierbare Mischung aus GODZILLA-Echse und Tobsucht-Saurier, kommt deshalb so gut rüber, weil es, im Gegensatz zu anderen Filmen (wie etwa dem Emmerich-GODZILLA) vergleichsweise selten zu sehen ist – weniger ist manchmal mehr. Woher das aus dem Meer empor gestiegene Ungetüm kommt, bleibt unklar; es ist eben einfach da, mit einem Mal. Wie Monster nun mal so sind. Hilflose Militär-Chergen, die vergebliche Verteidigungsmaßnahmen starten, tauchen auch noch auf, nur die üblichen analysierenden Wissenschaftler fehlen, was ganz gut so ist. Letztendlich steht hier der Mensch im Vordergrund, auch wenn dem Film mal wieder eine mangelnde Ausarbeitung der Charaktere vorgeworfen wurde. Manch einer, der schon mit dem genialen BLAIR WITCH PROJECT seine Probleme hatte, wird den Einsatz verwackelter Handkamerabilder als erzählerisches Mittel gewöhnungsbedürftig finden. Ja nicht von den üblichen Seh- und Erzählgewohnheiten abweichen – damit man hinterher umso mehr etwas zum herummäkeln hat: „Oh, das war mal wieder alles andere als originell.“ Nun, CLOVERFIELD ist nicht nur originell, sondern auch unheimlich clever. Und wer hierbei aufstöhnt, darf sich ganz besonders auf George A. Romero’s lang erwarteten Zombie-Nachschlag DIARY OF THE DEAD (2007), Brian De Palmas Kriegsfilm-Berichterstattung REDACTED (2007), die amerikanische NACKT UND ZERFLEISCHT-Variante CANNIBALS - WELCOME TO THE JUNGLE (2007) und die vielversprechende spanische Produktion [REC] (2007) von Jaume Balugeró und Paco Plaza freuen, denn auch sie arbeiten mit pseudo-dokumentarischem Material. Gerade dadurch, dass CLOVERFIELD mit Hilfe der Videokamera aus der ultimativen Ich-Perspektive erzählt wird, wird man in das Geschehen förmlich hinein gezogen. Hier ist man wirklich mittendrin statt nur dabei. Dank beklemmender Atmosphäre und der packenden Erzählweise mit seiner ebenso schlichten wie überzeugenden Dramaturgie ist CLOVERFIELD weitaus mehr, als ein bloßes GODZILLA meets BLAIR WITCH PROJECT: nämlich einer der effektivsten, mitreißendsten und coolsten Katastrophen- und Monsterfilme überhaupt – pures, lebendiges Kino. Nach dem Erfolg von CLOVERFIELD ist nun das UNTITLED J. J. ABRAMS CLOVERFIELD SEQUEL im Gespräch. LOST-Produzent J. J. Abrams arbeitet als Regisseur derzeit an seinem nächsten Coup: dem 11. STAR TREK-Kinofilm. Ein Teaser sorgt schon für Furore, doch der Start wurde nun von Dezember 2008 auf Mai 2009 verlegt…
„Wie bei dem überschätzten Waldgrusler nervt aber auch der überzogene Einsatz von extrem verwackelten Digitalbildern, die die Panik der Flüchtenden für den Zuschauer hautnah nachvollziehbar machen sollen. Bei CLOVERFIELD dürften diese Aufnahmen allerdings eher dazu dienen, mit unscharfen Bildern das fehlende Geld für gute Spezialeffekte zu kaschieren. (…) Im Prinzip also ein altmodischer Monsterfilm, der durch wackelige Handkameraszenen und einige nicht gerade geschmackssichere Anspielungen auf 9/11 neue eingekleidet wurde.“ (Jürgen Krainhöfner; MOVIESTAR 02/2008)
„Ungewöhnlicher Monsterfilm mit eigenwilliger Optik, eindrucksvollen Effekten und Momenten schierer Panik. CLOVERFIELD ist ein interessantes filmisches Experiment, die Youtube-Version von GODZIALLA.“ (Heiko Rosner; CINEMA)
„Das Publikum, das sich dieser Film wünscht, verlangt beides: einerseits die smarte Medienreflexion, anderseits den unmittelbaren, viszeralen Wumms, die intime Begegnung mit der Katastrophe, die sich in Blutspuren und Schmutzflecken einprägt. Der Beobachter verliert die sichere Distanz. „Ich will nur dokumentieren, ich bin gar nicht da“, meint der Mann mit der Kamera. Doch auch er wird im Bauch der Bestie enden.“ (Dietmar Kammerer; taz, 31.01.2008)
„Den Kino-Besucher erwarten 85 Minuten Wackel-Kamera mit chaotischen Schwenks, Filmrissen und unscharfen Bildern. In den USA, wo der Film bereits läuft, gab es vereinzelte Fälle von plötzlicher Magen-Entleerung. Wer sich auf CLOVERFIELD einlässt, wird mit einem intensiven Kino-Erlebnis belohnt. Denn im Gegensatz zu den üblichen Katastrophen-Filmen bleibt der Abrams-Streifen immer ganz nah bei seinen Protagonisten.“ (Achim Fehrenbach; DER TAGESSPIEGEL, 01.02.2008)
„Dieser Film demonstrierte das Sehen als Blindheit: Das, was eine Gruppe hier filmen will, die Blair-Hexe, bekommt sie nicht vor die Kamera. In CLOVERFIELD dagegen wird das Gesuchte auch gefunden: Kurz reckt das Monster seine Schnauze vor die Linse. Dann kommt der Schreck, stürzendes Licht, verschmierte Konturen, Abstraktion. Das sind die schönsten Momente dieses originellen, grellen, geistreichen Films.“ (Peter Uehling; BERLINER ZEITUNG, 31.01.2008)
„Keine Panoramen und göttliche Perspektiven. Keine naseweisen Wissenschaftler, die uns irgendwas erklären. Nur kino-unverbrauchte Gesichter. Die mittendrin im Chaos stehen. Und einen Goliath konsequent aus der David-, ach was, der Krümel-Perspektive erleben. ... Bei CLOVERFIELD gibt's, keine Frage, mehr zu sehen als damals im düstern Wald. Aber die Idee ist ungefähr so neu, wie eine Riesenechse durch die Großstadt zu jagen. Es ist nur Godzilla im Dogma-Stil. Und am Ende weiß man nicht, was gruseliger ist: solch ein Monster, das man kaum zu sehen kriegt, oder das ständige Gewackle, das einen aus dem Kino taumeln lässt." (Peter Zander; BERLINER MORGENPOST, 31.01.2008)
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