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SAW IV „Schätze das Leben“ USA 2007 / O: „Saw IV“ / Laufzeit: 92 Min. (Kino, R-Rated) / FSK: ab 18 Regie: Darren Lynn Bousman / Musik: Charlie Clouser / Kamera: David A. Armstrong / Schnitt: Kevin Greutert / Ausf. Prod.: James Wan, Leigh Whannell, Peter Block, Jason Constantine, Daniel J. Heffner, Stacey Testro / Prod.: Mark Burg, Gregg Hoffman, Oren Koules / Buch: Patrick Melton, Marcus Dunstan / Story: Patrick Melton, Marcus Dunstan, Thomas H. Fenton Darsteller: Tobin Bell (John Kramer alias Jigsaw), Costas Mandylor (Hoffman), Scott Patterson (Agent Strahm), Betsy Russell (Jill), Lyriq Bent (Rigg), Donnie Wahlberg (Eric Matthews), Justin Louis (Art), Athena Karkanis (Agent Perez), Simon Reynolds (Lamanna), Angus Macfadyen (Jeff), Shawnee Smith (Amanda), Bahar Soomekh (Lynn), Dina Meyer (Kerry), Mike Realba (Fisk), Marty Adams (Ivan), Sarain Boylan (Brenda), Billy Otis (Cecil), James Van Patten (Dr. Heffner), David Boyce (Pathologe), Kevin Rushton (Trevor), Julian Richings (Vagrant), Kelly Jones (SWAT Pete), Ingrid Hart (Tracy), Janet Land (Morgan), Ron Lea (Rex), Noam Jenkins (Michael), Emmanuelle Vaugier (Addison), Tony Nappo (Gus) sowie Joanne Boland, Zoe Heath, Bill Vibert, Devon Bostick, Mike Butters, J. LaRose, Oren Koules u.a. |
Jigsaw ist tot, es lebe Jigsaw. Auch in seinem vierten Kinoauftritt zeigt der Bastel- und Tüftelexperte mit dem Sinn für raffinierte Foltermethoden keinerlei Ermüdungserscheinungen und präsentiert sich selbst im toten Zustand lebendiger denn je, auch wenn einem die „seriöse Filmkritiker-Elite“ natürlich etwas anderes einreden möchte. Vielleicht, weil sie es nicht sehen können, wenn die Leute genau dahin sehen, wo man doch besser wegsehen sollte. Bei einer Autopsie zum Beispiel. Die wird hier gerade an John Kramer, den sie alle nur Jigsaw nennen, vorgenommen. Drei, vier Reihen hinter mir grölten ein paar dumme Jungs herum, als sie das sahen. In jedem Kino gibt es ein paar dumme Jungs; sie sollten mal Nacho Cerdà’s AFTERMATH sehen … oder besser doch nicht, sie würden es ’eh nicht begreifen. Um die immer noch lukrative SAW-Saga weiter am Leben zu halten, haben James Wan & Leigh Whannell Jigsaw am Ende des dritten Teils sterben lassen. Die Frage, wie es nun weitergeht, lässt sich ganz einfach beantworten: Ein Ende kann auch ein neuer Anfang bedeuten. Etwas Ähnliches hat auch dieser durchtriebene Jigsaw auf das Diktiergerät, dass die zwei Pathologen in seinem Mageninhalt fanden, gesprochen: Sein Tod bedeutet nicht das Ende, sondern erst den Anfang. Was wiederum bedeutet: es stehen noch mehr Fortsetzungen ins Haus und tatsächlich wurden der 5. und der 6. Teil bereits angekündigt bzw. angedroht, je nachdem wie man nun eingestellt ist. Das sind ja keine rosigen Aussichten, sowohl für die „seriöse Filmkritiker-Elite“ um Gernot Gricksch und Konsorten, als auch für die Fans, denen dieser ganze SAW-Hype mittlerweile total abtörnt. Trotzdem werden sie auch wieder alle ins Kino rennen, um anschließend ihren Senf dazu geben, aber somit unfreiwillig die Kassen füllen und den Weg freimachen für weitere Fortsetzungen. Sie haben nicht begriffen, dass auch sie mittlerweile Teil des Jigsaw-Spiels geworden sind… Um das, was man nicht versteht, besser zu verstehen, sei noch die Anmerkung erlaubt, das die folgenden Ereignisse parallel zu denen aus dem dritten Teil erzählt werden. Eine Rückblende also, die wiederum in Rückblenden erzählt wird: Das SAW-Dezernat wird weiter dezimiert und so bekommen die bereits bekannten, noch übrig gebliebenen Ermittler, Detective Hoffman (Costas Mandylor) und SWAT-Commander Rigg (Lyric Bent), Unterstützung von den zwei FBI-Agenten Strahm (Scott Patterson) und Perez (Athena Karkanis). Sie untersuchen den Tod von Detective Kerry (Dina Meyer), die ja im dritten Teil einer Jigsaw/Amanda-Falle zum Opfer fiel (ihr wurde der Brustkorb weggesprengt), und das Verschwinden von Detective Matthews (Donnie Wahlberg), der immer noch (seit dem Ende des 2. Teils) als vermisst gilt. Hoffman und Rigg, die bislang von Jigsaw verschont blieben, werden nun auch Teil seines teuflischen, nie enden wollenden Spiels. Jeder ist mal an der Reihe. Hoffman wird entführt und findet sich, gefesselt und geknebelt, in einer Lagerhalle wieder – neben ihm baumelt ein ziemlich mitgenommener Eric Matthews um sein Leben. Rigg dagegen wurde in seiner Wohnung überfallen; nachdem er wieder zu sich gekommen ist, eröffnet ihm die uns so sehr vertraute Tonbandstimme, dass ihm genau 90 Minuten bleiben, um seinen Kollegen Matthews zu retten. Natürlich muss auch er auf dem Weg dorthin einige Prüfungen bestehen und, wie das nun mal im Leben so ist, Lektionen lernen… Das war nur ein Versuch, die komplexe, verschachtelt-verschwurbelte Inhaltsangabe dieses dritten Sequels wiederzugeben – und das war’s noch lange nicht. So lernen wir auch noch John Kramer’s Ex-Frau Jill (Betsy Russell) kennen, die sich den unsanften Verhöhrmethoden von Agent Strahm ausgesetzt sieht und in Verdacht gerät, neben der im dritten Teil dahin- und ausgeschiedenen Amanda (Shawnee Smith) Jigsaw’s zweite helfende Hand zu sein. In Rückblenden erfahren wir noch mehr über die Vergangenheit und die Psyche von John Kramer und den Auslöser, der ihn zum Jigsaw hat werden lassen. Diejenigen, die sich mal wieder aufplustern und aufschreien, das das alles unlogisch und verworren sei, denen sei gesagt: Das Leben ist eben manchmal auch unlogisch und verworren, warum sollen Filme sich nicht dasselbe Recht herausnehmen? Immerhin kommen die SAW IV-Macher den Kritikern sogar entgegen. Wer hier meint, das man in solchen Filmen das Hirn besser abschalten soll, findet die entsprechende Szene als Bestätigung gleich zu Beginn, wenn wir alle in Grossaufnahme miterleben dürfen, wie bei der Autopsie von John Kramer alias Jigsaw das Gehirn entnommen wird. Wer denkt, das alles sei an den Haaren herbei gezogen, für den findet sich die passende Fallen-Konstruktion, in der eine kreischende Frau steckt: ihr Haarschopf wurde an einen drehenden Zahnrad-Getriebe befestigt und droht ihr die Kopfhaut abzuziehen. Und wem diese Art der filmischen Unterhaltung sprachlos macht und der Meinung ist, das man sich solche abartige Sachen nicht anschauen soll, für den ist auch etwas dabei: In jener Szene, in der zwei angekettete Männer, der eine blind, der andere mit zugenähtem Mund, kurz davor sind, im wahrsten Sinne des Wortes in die Mangel genommen zu werden – falls es ihnen nicht gelingt, sich zu verständigen, um aus ihrer heiklen Lage zu entkommen. Ja, hier gibt es wieder einige ebenso raffinierte wie makabre Todes-Fallen zu erleben, dennoch muss man dem neuen Autoren-Duo Patrick Melton & Marcus Dunstan sowie Regisseur Darren Lynn Bousman zugute halten, dass sie, im Gegensatz zum Vorgänger, nicht auf Krampf versuchten, neue Gewalt-Dimensionen im Bereich des Machbaren aufzuzeigen. Anstelle dafür wollten sie das Verwirrspiel im Erzählen von komlpexen Handlungssträngen auf den Kopf stellen. Tatsächlich ist SAW IV teilweise nur schwer nachvollziehbar, insbesondere dann, wenn man die vorangegangenen Filme eine Weile nicht gesehen hat. Wer die bisherigen SAW-Filme noch gar nicht kennt, kann sich diesen vierten Teil gänzlich sparen, aber schliesslich fängt man ja bei einer Serie auch von vorne an und nicht einfach so mittendrin. Die Auflösung kommt wieder sehr überraschend daher, nur die Entlarvung von Jigsaw's zweiter helfender Hand zum Schluss wirkt wie ein müder Aufguss des ersten Teils. Mal sehen, wie diesbezüglich die Motivationen und Hintergründe im geplanten 5. Teil "begründet" werden. Viele Unkenrufe musste Bousman’s drittes Sequel sowohl von teils voreingenommenen Kritikern als auch von vielen Fans hinnehmen, dabei hält sich die SAW-Saga auch im mittlerweile 4. Teil erstaunlich gut … sogar sehr gut, wenn man dagegen den geistlosen Fortsetzungsmüll bedenkt, den andere Endlos-Horrorserien (z.B. HALLOWEEN und FREITAG, DER 13.) ablieferten. Man kann diesen 4. Teil als spannungslos und überflüssig empfinden, jeder hat so seine eigene Meinung (manche auch nicht) und jeder hat so halt seinen persönlichen schlechten Geschmack, das ist es doch, was diese (Film-) Welt so interessant und vielfältig macht. Aber man muss das nicht ganz so ernst nehmen, wenn der ansonsten geschätzte Gernot Gricksch in der BILD-Zeitung dem Film eine volle Ladung Sadismus vorwirft, obwohl es doch gerade das ist, was das Fischeinwickelblatt ihren sadomasochistisch veranlagten Lesern tagtäglich bietet. Und dann natürlich die Frage aller Fragen, wenn man schlichtweg überfordert ist: Wie krank muss man sein, um so etwas zu drehen bzw. sich anzusehen? Vielleicht hätte da der werte Herr Andreas Körner noch ein paar Semester länger studieren sollen, um eine Antwort zu finden. Wenn ein Faschist namens Tom Cruise den Stauffenberg spielt, der dank ihm zum Antifaschisten mutiert, ist das viel kranker. Und richtig pervers. Manch einer sieht sich bei dieser Art der Terror-Unterhaltung terrorisiert, was mich wiederum amüsiert. Ja, SAW IV ist krank, zeugt aber dabei gesundem Menschenverstand und führt die ebenso blutige wie einfallsreiche Tradition seiner Vorgänger auf handwerklich routinierte Weise fort. Vielleicht stehe ich hier mit meiner Meinung alleine da, wenn ich einfach mal schreibe: SAW IV ist spannend! Atmosphärisch! Und intelligent! Ich freue mich jedenfalls schon auf den 5. Teil. „Entweder man lässt sich darauf ein, hat Spaß am Schrecklichen und genießt das flaue Gefühl in der Magengrube, oder eben nicht, da hilft auch kein Reden. Unterm Strich bleibt, dass auch SAW IV die Tradition fortführt, ebenso blutige wie intelligente und mit psychologischen/philosophischen Ansätzen durchzogene Terror-Unterhaltung zu liefern, wie man es von einem Franchise gewohnt ist. Oder, um es platt zu sagen: Zwischen SAW IV und NIGHTMARE ON ELMSTREET IV liegen ganze Galaxien. Und das ist auch gut so. Sogar sehr gut.“ (Pee Wee Vignold, DEADLINE 01/2008)
„Wie krank muss man sein, so einen Film zu drehen, wie krank, ihn zu mögen? Oder reicht der alltägliche Wahnsinn in uns drin?“ (Andreas Körner, SÄCHSISCHE ZEITUNG)
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SAW IV
Geschrieben von: Ali-baba am 21-03-2008 15:33