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„Tamahori hat die Begabung, das Beste aus den Schauspielern herauszukitzeln.“ (Nicolas Cage)

USA 2007 / O: „Next“ / Prod.: Paramount Pictures; Revolution Studios; Saturn Films; Broken Road Prod. / Laufzeit: 92 Min. / FSK: ab 16

Regie: Lee Tamahori / Musik: Mark Isham / Kamera: David Tattersall / Schnitt: Christian Wagner / Ausf. Prod.: Gary Goldman, Jason Koornick, Ben Waisbren / Prod.: Nicolas Cage, Todd Garner, Norm Golightly, Graham King, Arne L. Schmidt / Buch: Gary Goldman, Jonathan Hensleigh, Paul Bernbaum / Story: Gary Goldman / LV: Philip K. Dick, „The Golden Man“ 

Darsteller: Nicolas Cage (Cris Johnson), Julianne Moore (Callie Ferris), Jessica Biel (Liz Cooper), Thomas Kretschmann (Mr. Smith), Peter Falk (Irv), Tory Kittles (Cavanaugh), Jose Zuniga (Roybal), Jim Beaver (Wisdom), Jason Butler Harner (Jeff Baines), Michael Trucco (Kendall), Enzo Cilenti (Mr. Jones), Laetitia Danielle (Miss Brown), Nicolas Pajon (Mr. Green) sowie Sergej Trifunovic, Charles Chun, Patricia Prata, Jon Hughes u.a. 

 

Und wieder einmal haben sie den großen Philip K. Dick, auf dessen 1954 erschienene Geschichte „The Golden Man“ dieser gründlich gescheiterte Murks-Mix aus SF-Romanze, Terroristen-Thriller und Action-Abenteuer-Drama basiert, für einen Big-Budget-Trash der unfreiwillig komischen Art missbraucht. Ja, es sollte ein Sommer-Blockbuster werden, doch erscheint einem diese Bezeichnung mehr und mehr wie ein Schwachsinns-Gütesiegel. Noch dazu, wenn der Name Nicolas Cage drauf steht. Nach den wenig rühmlichen Auftritten im dümmlichen 70er-Jahre-Horror-Remake THE WICKER MAN (2006) und der obskuren Comicverfilmung GHOST RIDER (2007) spielt er hier einen Mann, der die Gabe besitzt, 2 Minuten in die Zukunft blicken und sie somit verändern zu können. Dieses Talent nutzt er für seine Magier-Tätigkeiten in Las Vegas, bis eines Tages FBI-Agentin Julianne Moore auf seine Fähigkeiten aufmerksam wird. Da ist nämlich mal wieder so eine hundsgemeine Terroristenbande unter der Leitung von unserem Landsmann Thomas Kretschmann am Drücker: sie wollen in Amerika eine Atombombe zünden, was sie mit Cage’s Hilfe verhindern möchte. Reichen da 2 Minuten aus? Egal. Schließlich ist da noch die Frau seiner Träume: Jessica Biel. An ihrer Seite kann er noch viel, viel weiter in die Zukunft blicken. Um eine Liebesbeziehung aufkeimen zu lassen, schreibt das Drehbuch vor, die beiden Knallchargen zu einem Abstecher in den Grand Canyon zu schicken, wo Jessy als blöd-blonder Mutter-Theresa-Verschnitt die Kinder eines abgeschiedenen Indianerstammes unterrichtet und von Nicolas verzaubert wird. Danach kommen sich die beiden Turteltäubchen in einem richtig idyllischen Ferienhäuschen näher, doch wenn bei dieser luschigen Beziehungskiste etwas knistert, dann sind es die Drehbuchseiten, die man in Gedanken aus dem selten dämlichen Skript herausreißt, zusammenknüllt und in hohem Bogen ab in den Papierkorb wirft. Zwischen betulicher Waldhütten-Romantik und albernem Berg- und Wiesen-Geplänkel raffen die Zwei nicht, dass sie vom FBI verfolgt und von Terroristen umzingelt sind. Bis es zum Anschlag kommt – auf unsere Gehirnzellen. Es sei denn, man konnte den Denkkasten vorher noch abschalten – unter dieser Vorraussetzung wird der Ärger  ausgelassenem Frohsinn weichen. Obwohl es schon etwas frustrierend ist, das eine von Dicks SF-Geschichten der reinen Action geopfert wurde, die aber aufgrund der peinlich misslungenen CGI-Effekte für ausufernde Heiterkeitsanfälle sorgt, was sicherlich nicht Sinn und Zweck der Sache war. Aber auch kein Wunder, wenn in der SFX-Abteilung nur Dilettanten und abgehobene Computerfreaks tätig waren. 

Vom schauspielerischen her hat NEXT mit Nicolas Cage & Jessica Biel, dem lustigsten Leinwandpaar seit Thelma & Louise, zwei weitere Schenkelklopfer parat. Cage bleibt es aufgrund seiner bescheuerten Frisur und den dämlichen Dialog-Phrasen, die er aussprechen muss, gar nichts anderes übrig, als sich in eine geradezu Mitleid erregende Dauergrinserei zu verlieren. Und Jessica-Baby? Ja, sie sieht schön aus – schön blöd. Man denkt an ihre Rolle im TEXAS CHAINSAW MASSACRE-Remake und wünscht sich Leatherface herbei, damit er sie mit der kreischenden Motorsäge aus dem Film jagt. So eine dusslige Kuh. Der Rest des Ensembles kann einem leidtun. Julianne Moore, die seit HANNIBAL noch nicht begriffen hat, dass sie lieber die Finger von FBI-Rollen lassen soll, scheint den Quark auch noch ernst zu nehmen – selber schuld. Thomas Kretschmann, dieser eigentlich fabelhafte Schauspieler, hat hier nicht viel zu melden und lässt sich freiwillig als langweiliger Terroristen-Boss verheizen. Peter Falk geht ebenfalls unter und tritt nur zu Beginn in einer ebenso undankbaren wie überflüssigen Nebenrolle in Erscheinung. 

Wenn Du nur 2 Minuten in die Zukunft blicken und sie entsprechend verändern könntest… – allein diese Ausgangsidee birgt für soviel Potential, umso trauriger ist es, was das Skript-Trio Goldman (TOTAL RECALL; MINORITY REPORT), Hensleigh (ARMAGEDDON; CANNIBALS – WELCOME TO THE JUNGLE) und Bernbaum (DIE HOLLYWOOD-VERSCHWÖRUNG), deren Drehbuch nur Abfall ist, daraus gemacht haben. Die katastrophale, handwerklich miserable Regie von Lee Tamahori, dem es zu Kopf gestiegen ist, dass man ihn hat auch mal ein Bond-Abenteuer (STIRB AN EINEM ANDEREN TAG) inszenieren lassen, bietet da nur geist- und seelenlose Action-Routine aus der unteren B-Movie-Kategorie. Das reicht nicht mal als lumpige DVD-Premiere und hat auf der großen Kinoleinwand erst recht nix zu suchen.

  • „Konfuse Handlung, dümmliche Dialoge: Lee Tamahoris Terror-Thriller ist ebenso hirnlos wie spannungsarm.“ (Heiko Rosner, CINEMA 08/07) 
  • „…unterhaltsam, spannend und dank Tamahori/Tattersall filmisch phasenweise hochklassig.“ (Imken Ebinger, MOVIESTAR 04/07) 

   

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