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I AM LEGEND
„Erhelle die Finsternis“
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USA 2007 / O: „I Am Legend“ / Prod.: Warner Bros. Pictures; Heyday Prod.; Weed Road Pictures; 3 Arts Entertainment; Overbrook Entertainment; Village Roadshow Productions / Laufzeit: 100 Min. (Kino) / FSK: ab 16
Regie: Francis Lawrence / Musik: James Newton Howard / Kamera: Andrew Lesnie / Schnitt: Wayne Wahrman / Ausf. Prod.: Michael Tadross / Co-Prod.: Tracy Tormé, Jeffrey Wetzel / Prod.: Akiva Goldsman, David Heyman, James Lassiter, Neal H. Moritz, Erwin Stoff / Buch: Mark Protosevich, Akiva Goldman; nach dem Drehbuch von John William Corrington & Joyce Hooper Corrington (1971) / LV: Richard Matheson
Darsteller: Will Smith (Robert Neville), Alice Braga (Anna), Charlie Tahan (Ethan), Salli Richardson (Zoe Neville), Willow Smith (Marley Neville), Darrell Foster (Mike), April Grace (TV Personality), Dash Mihok (Alpha Male), Joanna Numata (Alpha Female) sowie Samuel Glen, James McCauley, Marin Ireland, Pedro Mojia, Anthony C. Mazza, Steve Cirbus, ungenannt: Emma Thompson (Dr. Alice Krippin) u.a.
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„Wenn mich irgend jemand hören sollte: Ich besitze Zuflucht, ich besitze Nahrung, ich besitze Unterkunft.“ Diese Worte gehören dem letzten Menschen auf Erden: Robert Neville, einem Wissenschaftler. Er spricht sie über einen Radioempfang und wartet jeden Tag an einer bestimmten Stelle darauf, dass da draußen doch noch jemand seines gleichen ist und nicht diese blutrünstigen Bestien, die in der Nacht lauern. Wie es dazu kommen konnte? Am Anfang war mal wieder eine engagierte Wissenschaftlerin, Dr. Alice Krippin hieß sie, die ein Wundermittel gegen Krebs entdeckt haben wollte: Ein genetisch manipulierter Virus, der seine Wirkung nicht verfehlt hat und so war nicht nur der Krebs, sondern auch die Menschheit besiegt. Eine Epidemie hat sie 2012 alle dahingerafft. Nur Robert Neville ist als einziger übrig geblieben. Zusammen mit seinem Schäferhund Sam durchstreift er die riesigen, toten Straßenschluchten von New York. Warum der Killervirus ihn und seinen treuen Gefährten verschont hat, ist unklar. In seinem Kellerlabor forscht er unermüdlich weiter gegen diesen heimtückischen Virus, der vampirähnliche, bestialische Kreaturen hervorgebracht hat, die nachts aus ihren Verstecken kommen und vor denen sich Neville verbarrikadieren muss. So ganz allein ist er also doch nicht – bis er auf zwei weitere Überlebende trifft: die junge Anna (Alice Braga, CITY OF GOD) mit ihrem kleinen Sohn Ethan…
An dieser Stelle könnte man mokieren, dass wir dank der Ideenarmut von Hollywoods Drehbuchschreibern (die dafür auch noch mehr Geld verlangen und deswegen in den Streik gehen…) mal wieder nur ein weiteres Remake vor die Nase gesetzt bekommen. Bei I AM LEGEND handelt es sich bereits um die dritte Verfilmung von Richard Matheson’s 1954 veröffentlichtem, gleichnamigen Roman. Zuvor schlüpften bereits Horrorlegende Vincent Price in dem hierzulande unveröffentlichtem THE LAST MAN ON PLANET EARTH (1964) und Endzeitfilm-Ikone und Waffenfetischist Charlton Heston in DER OMEGA-MANN (1971) in die Rolle des letzten Menschen auf Erden.
Und nun also Will Smith. Ehrlich gesagt, so mal unter uns, bin ich alles andere als ein Fan von ihm. Diese fürchterliche Szene in INDEPENDENCE DAY, wo der ehemalige Prinz von Bel Hair Zigarre paffend und Sprüche klopfend einen Außerirdischen niederstreckte, ist bei mir über all die Jahr hängen geblieben und hat sich mit weiteren Rollen wie in den MEN IN BLACK- und BAD BOYS-Filmen bestätigt. Gerechterweise muss man Smith dennoch bescheinigen, dass er in den vergangenen Jahren durchaus bemüht war, von seinem Sprücheklopfer-Image wegzukommen – sei es nun in Redfords DIE LEGENDE VON BAGGER VANCE (2000), Michael Manns Biografie ALI (2001) oder in dem aufdringlichen Drama DAS STREBEN NACH GLÜCK (2006) – doch für mich ist und bleibt er nur ein weiterer überbezahlter, langweiliger Hollywoodstar, der in jedem seiner Filme gleich aussieht. Ein Sommer-Blockbuster-Dutzendgesicht, mehr nicht. Ich fand es schon etwas bedauerlich, dass man ihm nach der Asimov-Verunglimpfung I, ROBOT einem weiteren großartigen, packenden SF-Stoff anvertraute. Zur allgemeinen Überraschung agiert er hier deutlich gemäßigter und ernsthafter, als man es von ihm gewohnt ist – die vielen Szenen, in denen er völlig auf sich allein gestellt ist, stellen für jeden Schauspieler (ihn ganz besonders) eine Herausforderung dar. Kurzum: in I AM LEGEND stört er nicht so sehr wie sonst üblich. Sicherlich, auf die übermäßigen Szenen, in denen Neville im menschenleeren Großstadtdschungel auf Rehjagd geht, hätte man getrost verzichten können, zumal Matheson’s Romanvorlage genug interessante Details bereithält.
Den Ausbruch der Epidemie erleben wir, anhand von beklemmenden Massenpanik-Szenen, in Form von Rückblenden, wird aber ansonsten eher ausgeklammert, was eine verschenkte Chance war. Insgesamt betrachtet fällt Francis Lawrence’ zweiter Film nach seiner fabelhaften Comicverfilmung CONSTANTINE (2005) deutlich ab, auch wenn die trostlosen, erschreckenden Bilder vom menschenleeren New York, in dem sich die Natur mit Gestrüpp und Getier ihren Platz langsam wieder zurück erobert, noch so schön anzusehen sind. Die reine Action drückt die Handlung in den Hintergrund; leider wird zuviel Zeit damit verplempert zu zeigen, wie Will Smith, der letzte Arsch auf Erden, gegen diese Kreaturen der Nacht kämpft. Ihren wirkungsvollsten Auftritt haben sie in jenem Sekunden-Bruchteil, als Neville in einem stockfinsteren Gebäude auf der Suche nach seinem entlaufenen Schäferhund ist und sie mit einer Taschenlampe in einer dunklen Ecke, wo sie zusammengekauert stehen, entdeckt. Danach dominieren sie zu sehr die Handlung. Die durch Menschenhand erschaffenen Monster werden hier, dem anspruchslosen Mainstream-Geschmack des Publikums entsprechend, als entsetzlich schreiende, größtenteils Computer animierte Vampir-Zombie-Mutanten vorgeführt. Blitzschnell flitzen sie, von Blutdurst getrieben, durch die Nacht, klettern Häuserfassaden empor und bringen Neville zum Schluss in eine missliche Lage. In DER OMEGA-MANN war es die „Familie“, eine Gruppe verseuchter Überlebender, die kein Tageslicht vertrug, der Wissenschaft abgeschworen hat und Robert Neville als Fremdkörper, den es auszumerzen galt, ansahen. In ihrem religiösen Fanatismus wollten sie alle noch lebenden Gesunden töten. Soviel Subtilität war aber den werten Drehbuchschreibern Mark Protosevich (THE CELL; POSEIDON) und Akiva Goldsman (LOST IN SPACE; A BEAUTIFUL MIND; I, ROBOT; THE DA VINCI CODE – SAKRILEG) zuviel des Guten; ja nicht das Publikum überfordern! Und was bleibt da anderes übrig, als die üblichen kreischenden Monster zu kreieren? Im Übrigen: jenes Publikum, für den der Film schließlich gedacht ist, dürfte nicht einmal wissen, wer überhaupt Richard Matheson ist – frag’ doch mal rum im Kinosaal! Science-fiction-Fans, die das Genre schätzen und lieben, dürften die 71er Verfilmung von Boris Sagal vorziehen.
Wo doch Europas größte Filmzeitschrift von einer Ein-Mann-Show für Will Smith spricht: Ein interessanter Aspekt ist der, dass Smith sich in der Rolle des engagierten Wissenschaftlers (der ja maßgeblich mit Schuld an der Katastrophe trägt) mit der Entdeckung des Impfstoffes bzw. eines wirkungsvollen Heilmittels gegen diese Seuche als Retter der Menschheit offenbart – Selbstaufopferung und Rettungskitsch-Pathos inklusive. Wenn man dann den vielen Gerüchten, die besagen, dass es dem augenrollenden, dämonischen Scientology-Zombie Tom Cruise gelungen sei, Smith in den Bann dieser obskuren Sekte zu ziehen, Glauben schenken mag, lässt diese Tatsache I AM LEGEND in einem ganz anderen Licht erscheinen. Will Smith rettet die Menschheit – im Auftrag von Tom Cruise, im Auftrag von Scientology. Das könnte man so sagen und so deuten und so denken, aber man soll ja Film und Fiktion, Realität und Wirklichkeit immer schön voneinander trennen. Und ja nicht zuviel hinein interpretieren. Doch andernfalls: Diesem verkappten Faschistenverein um dem aufgeblähten Weltstar Tom Cruise trau’ ich alles zu, um ihre seltsamen, befremdlichen Ideologien in die Köpfe der Leute einzuhämmern, da bietet und biedert es sich doch geradezu an, das Medium Film für entsprechende Zwecke zu missbrauchen. Wir sehen uns wieder. Demnächst im Kino. In WALKÜRE.
- „Hat sich das Auge des Zuschauers gerade notgedrungen an Will Smith gewöhnt, wie er mit einem Sportwagen durch das verlassene New York rast und in einer Sequenz, die Turbulenz mit Spannung verwechselt, minutenlang computeranimierte Rehe jagt, eröffnen sich mit dem ersten Auftauchen der Gegenspieler kaum gekannte Enttäuschungen filmischer Erwartung. Glatzköpfige, komplett computeranimierte Rumschreizombies, die an eine Mischung aus Wrestler Kane aus SEE NO EVIL und hundsmiserablen Untoten aus einem Horrorgame auf der Playstation Eins erinnern. Schlag ins fucking Wasser.“ (VIRUS #21)
- „…bietet anspruchsvolles Endzeit-Kino…“ (Heiko Rosner; CINEMA 02/08)
- „Das Faszinierende an I AM LEGEND ist abseits des großen Aufwands, der Action und der ehrfurchterregenden Bilder die Figur von Robert Neville. Er, der letzte Mensch auf Erden, ist nicht mehr länger Teil es Normalen. In einer Welt, in der die Menschen vernichtet wurden, um von Mutanten ersetzt zu werden, stellen diese die Norm dar.“ (Peter Osteried; MOVIESTAR 01/2008)
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