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Tom Cruise ist mutig
 

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Veröffentlicht in : Der wahre Horror, Der wahre Horror

Das Grauen kommt um zehn… Diesmal zum Feierabend – als ich versehentlich den Fernseher einschaltete und mich in die Bambi-Verleihung verirrte. Grotesk: Tom Cruise bekam einen Bambi für seinen Mut. Es ist mutig von ihm, das er Stauffenberg spielt. Franz-Josef Wagner, der christliche Fundamentalist unter Deutschlands Schweinejournalisten, schrieb einmal in einer seiner legendären BILD-Gossenkolumnen, daß die Leute seinetwegen ins Kino gehen. Da zeigt sich einmal mehr, in was für einer paradoxen Welt er lebt. Franz-Josef Wagner freut sich jedenfalls auf Graf Stauffenberg, der dank Tom Cruise jetzt auch weltweit ein Held wird. Und für diesen grenzenlosen, bewundernswerten Mut haben sie nun auch noch einen „Bambi Courage" in seinen Scientology-Arsch gesteckt, weil es ja so unglaublich wichtig ist, dieser Welt zu zeigen, dass es auch im zweiten Weltkrieg deutsche Widerstandskämpfer gab und um eine möglichst große Masse damit zu erreichen, vielleicht als eine Art rituelle Reinwaschung, muss auch einer den Stauffenberg spielen, der eben einer großen Masse (oder besser: Kasse) bekannt ist. Und das soll Tom Cruise sein. Da zeigt sich doch, wie degeneriert und verkommen diese Welt ist, wenn ein Tom Cruise, dessen Religionsanschauung selbst faschistoide Tendenzen aufweist, einen "heldenhaften Widerstandskämpfer" spielt, der sogar zum Antifaschisten mutiert. Obwohl Antifaschist ja gar nicht stimmt, denn letztendlich war Stauffenberg, trotz seines Heldentums, auch nur ein Nazi gewesen.
 
Für soviel Mut erhoben sich dann brav die im Saal anwesenden Promis und Pseudo-Promis zu einem hochpeinlichen Standing-Ovations-Ritual, um so ihrer Bewunderung Ausdruck zu verleihen. Ich hab's gar nicht schnell genug auf's Klo geschafft. Dazu gab es nicht nur minutenlange Ausschnitte aus seinem filmischen Schaffen, nein, Tommy-Boy nahm sich auch noch das Recht heraus, den ebenso längsten wie scheinheiligsten Bambi-Monolog zu halten, in dem er unter anderem forderte, das man Menschen nicht nach ihrer Religion beurteilen solle. Nun, in seinem Fall: schon. Ja, man sollte Tom Cruise nach seiner Religion be- und verurteilen, denn das ist das Gerechteste, was ihm widerfahren kann. Vorurteile sind in diesem Fall ausnahmsweise angebracht. Es kann auch gut sein, Vorurteile zu hegen. Intoleranz kann auch nützlich sein, denn man kann nicht alles tolerieren. Schon gar nicht Tom Cruise als Graf Stauffenberg. Geadelt wurde diese groteske Bambi-Zeremonie durch die schleimige Schenkelklopfer-Laudatio von FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher, der sich als Tom-Cruise-Zäpfchen offenbarte… Man könnte fast meinen: Der Burda-Verlag wurde von Scientology unterwandert! Das passt auch, sind doch beide Institutionen mit für den größten Schwachsinn, der auf diese Welt verbreitet wurde, verantwortlich. Gleich und gleich gesellt sich gern. 
   

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