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S | Supernova |
Einen großen Science-Fiction-Film wollte Walter Hill mal drehen. Bestimmte Sachen müssen im Leben einfach mal sein. Also übernahm er das Ruder bei SUPERNOVA. Angelegt hat er seine Space Opera als düstere Dark-Future-Vision in einem Universum, in dem „gewalttätige Zeichentrickfilme wie TOM & JERRY (beschrieben als kollektive Kartasis für die Massen!) verboten worden sind. Das hätte Erfurt auch nix genützt. In diesem Universum des 22. Jahrhunderts spielt nun also SUPERNOVA. Und da kreuzt das Sanitätsschiff „Nightingale“ unter dem Kommando von Captain Marley (Robert Forster, DER HORROR ALLIGATOR; DAS SCHWARZE LOCH) umher, welches einen Notruf auffängt. Er stammt von einer Bergbau-Kolonie auf einem Kometen in einer weit, weit entfernten Galaxis. Absender: Ein gewisser Karl Larson, den die Ärztin Kaela Evers (Angela Bassett, STRANGE DAYS) als „ihren schlimmsten Alptraum“ bezeichnet. Die „Nightingale“ macht sich fertig zu einem Hyper-Raum-Sprung, der in eine Katastrophe endet. Robert Forster, welcher mit JACKIE BROWN (Oscar-Nominierung!) ein wahnsinniges Comeback hinlegte, segnet dabei gleich in der ersten Viertelstunde das Zeitliche, darf sich aber vorher noch in eine obskure Monster-Kreation verwandeln. Auf der Enterprise wär’ so was nich’ passiert. Die jetzt fünfköpfige Crew erholt sich von dem Schrecken und sammelt zwar nicht Karl Larson, dafür aber seinen zwielichten Sohn Troy (Peter Facinelli) auf. Der macht sich gleich an die hübsche Danika (Robin Tunney) ran und ist von Anfang an so gezeichnet, daß auch der durchschnittlichste aller Durchschnittszuschauer sofort weiß: Aha! Dieser Griebel führt was im Schilde. Und richtig kombiniert: Diesem Troy geht’s nicht nur einfach gut, nein!, er hat Bärenkräfte und zeigt immer mehr übernatürliche Fähigkeiten. Und er hat was mit gebracht: Einen seltsamen Artefakt. Erster Kontakt mit Außerirdischen etwa? Jedenfalls strahlt diese faszinierend-seltsame Bio-Masse ein violettes Licht aus und versetzt ihren Betrachter in Supermann-Laune. Zu erst ewischt’s Medizinaltechniker Penalosa (Lou Diamond Phillips, BATS), der ganz besessen von diesem Ding ist. Auch ihm geht’s jetzt saugut und auch er beginnt sich zu verändern wie Troy, der sich als komplett übler Schurke herausstellt. Die hohlen, eindimensionalen Charaktere werden bald störendes Beiwerk in einer traurigen Geschichte, die hinten und vorne nicht funktioniert. Das gute, alte 10-kleine-Negerlein-Spiel geht los, einer nach dem anderen wird platt gemacht oder landet – wie Tunney und Phillips – im Weltraum. Kaela entdeckt, daß dieses Artefakt zur Katze im Sack wird. Dieses Ding nämlich zerstört das alte Universum, um ein neues zu schaffen. Gefangen im Gravitationsfeld eines blauen Riesen steht bald eine Supernova bevor. Vielleicht ist’s ja ein wütender Zuschauer, der kurz vor der Explosion steht? Bleibt nur die Frage: Was hat der sprechende Schmalzkringel James Spader in diesem ko(s)mischen Kuddelmuddel für eine Funktion? Ganz einfach: er ist der Held. Der alles rettet (außer dem Film), dem nichts erschüttern kann, der einfach nicht tot zu kriegen ist. So einer ist James Spader, aber eigentlich sollte er selbst gerettet werden. Denn er sieht ziemlich ärmlich aus, wie eine starre Litfasssäule mit Captain-Kirk-Bildern drauf. Etwas verkrampft eingeschobene Charaktertiefe gibt’s trotzdem, ein Versuch war’s ja wert. Da ist diese kleine Weltraumromanze zwischen Spader und Bassett: Zuerst herrscht eisige Distanz zwischen dem einst drogenabhängigen Nick Vancant und der skeptischen Kaela, doch nach ’nem Birnenschnaps schnackelt’s zwischen den beiden Saufköppen. Im Suff erträgt man jeden Film.
Ein schrecklicher Film. Schrecklich komisch. SUPERNOVA ist lahm, einfallslos und ohne Tempo, er ist belanglos (trotz aller Action und Effekte), inhaltsleer und irgendwie nichtssagend. Die Story eines armseligen Z-Films, aufgepeppt mit einem Zig-Millionen-Dollar-Budget und einigen großen Namen vor und hinter der Kamera. Und das musste nun ausgerechnet Walter Hill passieren. Der Mann, der maßgeblich mit an der Entwicklung des Actionkinos der 70er und 80er Jahre beteiligt war – und als Produzent anno 1979 für einen der größten SF-Klassiker verantwortlich zeichnet: ALIEN. Offenbar versuchte er (man weiß ja nie, was so in den Köpfen der Leute vorgeht...) Stimmung und Gangart dieses Kultfilms zu kopieren, was im Endeffekt wie ein Hundeschiss im Weltraum wirkt. Die Besatzung der „Nightingale“ soll ähnlich rau und mufflig daher quatschend sein wie die der „Nostromo“, ist aber genauso interessant wie die neurotischen Kollegen, die sich zum Pausenklatsch in der Reifenwerks-Kantine treffen. Die lauwarme Soljanka dort hat mehr Substanz als das zusammengeschusterte Drehbuch von David Campbell Wilson (der übrigens das Skript zum 4. TERMINATOR-Film schreiben soll). Das Handkamera-Gewackel, welches Authenzität vermitteln sollte, ist unangebracht und wirkungslos und die altklug daher quasselnde (auch noch weibliche!) Computerstimme nervt extrem. Bleibt zum Schluß noch zu sagen, daß die Spezialeffekte eine wahre Pracht sind, wenigstens da überzeugt dieses schludrige Machwerk filmischen Grauens. Tatsächlich sind die visuellen Eindrücke auch hier die einzigen, die nach dem Abspann ein paar Minuten im Gedächtnis haften bleiben. Schön anzusehen ist zum Beispiel die Einleitungssequenz, in der die Kamera um das Raumschiff kreist, direkt auf die Bordfenster zu und somit einen Teil der Figuren vorstellt. Aber so viel Cleverness war den Machern offenbar schon viel zu viel gewesen, so daß ihnen schnell die Luft ausging. Dann sei ihnen gesagt: Wenn nicht Euch, dann dürfte es spätestens hier jedem klar sein (vielleicht sogar dem Durchschnittszuschauer!?): Gute Spezialeffekte machen noch lange keinen guten Science-Fiction-Film. Diese Erfahrung musste auch Brian DePalma mit seinem ebenfalls missratenem Projekt MISSION TO MARS (1999) machen. Nach nicht mal neunzig zurecht gestutzten Minuten ist das gescheiterte Unternehmen SUPERNOVA vorbei. Mit dieser Laufzeit wäre so manch anderer Sci-Fi-Flop der letzten Jahre um einiges erträglicher gewesen – hier sind es neunzig Minuten zu viel des Guten. SUPERNOVA steht für SUPERFLOP.
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