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Puppet Master
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PUPPET MASTER

USA 1989 / O: „Puppet Master“ / Prod.: Full Moon Entertainment / Länge: 87 Min / ab 18 

Regie: David Schmoeller / Musik: Richard Band / Kamera: Sergio Salvati / Schnitt: Tom Meshelski / Ausf. Prod.: Charles Band / Prod.: Hope Perello / Buch: Joseph G. Collodi / Story: Charles Band, Kenneth J. Hall 

Mit Paul LeMat (Alex Whitaker), William Hickey (André Toulon), Irene Miracle (Dana Hadley), Jimmie F. Skaggs (Neil Callagher), Robin Frates (Megan Callagher), Matt Roe (Frank Forrester), Kathryn O’Reilly (Carissa Stamford), Barbara Crampton (Frau auf dem Jahrmarkt), David Boyd (Mann auf dem Jahrmarkt) sowie Mews Small, Peter Frankland, Andrew Kimbrough u.a.

Charles Band lässt die Puppen tanzen. Stuart Gordons kleiner, feiner Puppen-Horror DOLLS (1987) mag ihn so sehr inspiriert haben, daß er erneut gewillt war, mörderisches Spielzeug auf die Zielgruppe los zu lassen.  Nach der Pleite mit ROBOTJOX, die Bands Empire Pictures in den Ruin stürzten, stellte er flugs Full Moon Entertainment auf die Beine und konnte mit PUPPET MASTER einen für ihn beachtlichen Erfolg verbuchen, der ihn dazu bewog, zahlreiche Fortsetzungen hinterher zu schieben.  

Die Ausgangsbasis zu PUPPET MASTER dreht sich um eines der größten Wünsche der Menschheit: ewiges Leben. Der alte Puppenmacher André Toulon (William Hickey, DIE EHRE DER PRIZZIS) wohnt während Ende der 30er Jahre in einem Hotel an der kalifornischen Küste. Mittels eines alten Zauberkultes verstand er es, seinen Puppen Leben einzuhauchen. Als finstere Nazi-Chergen dem Geheimnis auf die Spur kommen, erschießt er sich. 50 Jahre nach seinem Selbstmord hält sich eine kleine Gruppe von Leuten mit besonderen Fähigkeiten in dem verlassenen Hotel auf. Einer von ihnen, der durchtriebene Okkultist Neil Callagher (Jimmie F. Skaggs, der Indianer Buteo in OBLIVION I & II), entdeckt Toulons Arbeit und missbraucht sie zu üblen Machtzwecken: er setzt seine Puppen als Mordinstrumente ein. Doch Callagher hat sie nicht lange unter Kontrolle... 

Wenn man in Betracht zieht, was Full Moon Entertainment in den Folgejahren noch so ablieferte, wird hier eine geradezu handwerkliche Sorgfalt an den Tag gelegt, wie man sie nur selten bei Band vorfindet. Als erstes wäre da die fachkundige Kameraarbeit von Italiens Fachmann Sergio Salvati (WOODOO - DIE SCHRECKENSINSEL DER ZOMBIES; EIN ZOMBIE HING AM GLOCKENSEIL) zu nennen, der die Kamera wie in den Dario-Argento-Filmen auf dem Boden kriechen lässt und einige hübsche Bilder aus der Puppen-Perspektive bietet. Das bei Band offensichtlich niedrige Budget fällt hier weitaus weniger unangenehm auf als in vielen seiner anderen Billig-Produktionen.  

Natürlich holpert es auch bei PUPPET MASTER. Da Joseph G. Collodi mit der dürftigen Handlung nicht viel anzufangen weiß, beschäftigt er sich mit unwichtigen, überflüssigen Nebensächlichkeiten, die den Film kaum voranbringen. Eine langweilige (und noch dazu wenig erotische) Bettszene und ein abendliches Diner, bei dem nur uninteressantes Zeug getratscht wird, sind nur einige der Leerlaufstellen, die Filmfans mit Konversation überbrücken müssen: „Weißt Du, es gibt ganze neun PUPPET MASTER-Filme, die bis 2004 entstanden.“ „Ah, wie interessant.“ Da sieht man mal, daß es eben nicht ausreicht, eine kleine Gruppe langweiliger Menschen (darunter ein von Zukunftsvisionen geplagter Anthropologe, eine Schlampe, die bei Berührung auf „geil“ schaltet, und eine saufende Wahrsagerin) in ein altes Hotel einzusperren und sie von Killerpuppen abmurksen zu lassen.  

Wenn dann die Puppen nach langem Hin und Her mal endlich auftauchen, bleibt ein Schmunzeln nicht aus, mit der Feststellung, daß Chucky von Kevin Yagher eben weitaus überzeugender zum Leben erweckt wurde als David Allen mit seinen vergleichsweise veralteten und ungelenken Stop-Motion-Animationen. Überhaupt sieht Charles Bands PUPPET MASTER-Reihe im Gegensatz zu den stellenweise wirklich makabren, blutigen und mitunter zynischen CHUCKY-Filmen wie die harmlose, billige Spielzeug-Variante davon aus, was mit diesem ersten und speziell dem dritten Teil (dem besten der ganzen Serie) gar nicht mal so negativ gemeint ist. Mordende Killerpuppen mit blankem Messer in der Hand … wirklich niedlich. Trotzdem (oder gerade deshalb) bilden die tricktechnisch nicht 100%ig überzeugenden, aber sehr charmanten Auftritte der Killerpuppen freilich die Höhepunkte, zumal ja vieles, was heutzutage aus dem Computer kommt, auch nicht unbedingt das Gelbe vom Ei ist und man David Allens traditionelle Handarbeit in dem Zusammenhang gar nicht genug zu schätzen weiß. Und was wurden da nicht für überaus phantasievolle Puppencharaktere kreiert: etwa der Kasper Tunneler, der sich mit seinem spitzen Hut tief in seine Opfer bohren kann, die Blutegel speiende Leech Woman und der muskelbepackte Pin Head mit winzigem Kopf und großem Körper. Nicht schlecht ist auch der diabolisch grinsende Blade, der in schwarz gekleidet, mit kessem Hütchen und einem Haken als Arm-Ersatz wie die Miniatur-Variante von Gevatter Tod aussieht. Keine Frage: solch liebevoll ausgearbeitete Figuren lassen die blassen menschlichen Kollegen noch viel blasser erscheinen.

Richard Bands wunderschöne Musik mit dem eindringlichen Titelthema und der kleine, aber feine Cameo von Barbara Crampton zu Beginn bilden zusätzliche Sahnehäubchen. 

  • David Schmoeller’s Erstlingswerk war der harte Thriller TOURIST TRAP (1979), für Charles Band inszenierte er noch den schwülstigen Voodoo-Horror NETHERWORLD (1991).

  • William Hickey’s Rolle des André Toulon wird ab dem dritten Teil (1991) von Guy Rolfe übernommen. In PUPPET MASTER II taucht André Toulon als Zombie auf. Zur kleinen Gruppe der übersinnlich begabten Menschen gehören u.a. Paul LeMat (DAS GEHEIMNIS VON CENTREVILLE) und Irene Miracle (aus Dario Argento’s INFERNO bzw. HORROR INFERNAL, 1980) an, von denen jedoch nur der 2004 verstorbene Jimmie F. Skaggs mit einer gewissen diabolischen Ausstrahlung einigermaßen überzeugen kann.

  • Weitere bislang besprochene Filme mit Barbara Crampton:

        RE-ANIMATOR (1984)

        FROM BEYOND (1986)

        SPACE TRUCKERS (1996) 

  • Gefolgt von:

PUPPET MASTER II – DIE RÜCKKEHR (1991, David Allen)

PUPPET MASTER III – TOULON’S RACHE (1991, David DeCoteau)

PUPPET MASTER IV (1993, Jeff Burr)

PUPPET MASTER V (1994, Jeff Burr)

CURSE OF THE PUPPET MASTER (1998, David DeCoteau)

RETRO PUPPET MASTER (1999, David DeCoteau)

PUPPET MASTER: THE LEGACY (2004, Charles Band)

PUPPET MASTER VS. DEMONIC TOYS (2004, Ted Nicolaou)

 

  • „…spannender Puppen-Slasher mit einfühlsamer Kameraführung und unter die Haut gehender Musik. Letztendlich hat aber die spannende Handlung und die einfallsreiche Effektarbeit PUPPET MASTER zu seinem hohen Status innerhalb des Genres verholfen.“ (Andreas Bertler, HÖLLE AUF ERDEN) 

    • „Sorgfältig komponierter Horrorfilm, der eher auf suggestive Wirkung als auf brutale Schocks setzt.“ (LEXIKON DES INTERNATIONALEN FILMS)

 

 


   

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