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Weltraumschiff MR-1 gibt keine Antwort
 

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WELTRAUMSCHIFF MR-1 GIBT KEINE ANTWORT

„Nur ein tapferer Mann gibt seine Angst zu. Wir alle haben Angst vor dem Unbekannten.“ (Prof. Getell)

USA 1959 / O: „The Angry Red Planet“ / AT: „Abenteuer auf dem Mars”; „Invasion of Mars“ / Produktion: American International Pictures; Sino; Cinemagic / Länge: 80 Min.

Regie: Ib Melchior / Musik: Paul Dunlap / Kamera: Stanley Cortez / Schnitt: Ivan J. Hoffman / Prod.: Sid Pink, Norman Maurer / Ausf. Prod.: James H. Nicholson, Samuell Z. Arkoff / Buch : Ib Melchior, Sid Pink / Story: Sid Pink / Spezialeffekte: Herman E. Townsley 

Mit Gerald Mohr (Col. Tom O’Banion), Nora Hayden (Dr. Ryan), Les Tremayne (Prof. Getell), Jack Kruschen (Sam Jacobs), Paul Hahn (General Treegar), J. Edward McKinley (Prof. Weiner), Tom Daly (Dr. Frank Gordon), Edward Innes (Brig. Gen. Prescott), Jack Haddock (Lt. Col. Davis), Gordon Barnes (Major Ross) sowie Brandy Bryan, Joan Fitzpatrick, Duke Norton, William Remick, ungenannt: Billy Curtis (Marsianer), Ted Cassidy (OV; Stimme des Marsianers) u.a. 

 

 

Das verloren geglaubte Weltraumschiff MR-1 wird weit weg vom Kurs geortet und ferngesteuert zur Erde zurück gebracht. Die vierköpfige Besatzung ist nicht mehr ganz vollzählig: Der Kommandant Col. O’Banion ist drauf und dran sich in irgend etwas „Komisches“ zu verwandeln, während von den beiden anderen Besatzungsmitgliedern, Prof. Getell (Les Tremayne), der Erbauer des Schiffes, und der Waffen- und Radarexperte Sam Jacobs (Jack Kruschen), jede Spur fehlt. Lediglich die Wissenschaftlerin Dr. Ryan (Nora Hayden), des Colonels persönliches Schnuckelchen und noch schwer unter Schock stehend, ist in der Lage, die Hintergründe der verhängnisvollen Mars-Expedition preis zu geben: 

In Rückblenden erleben wir, was da nun wirklich vor sich ging. Zunächst aber beschauliches aus dem Weltraumfahrer-All-Tag: es wird geforscht und experimentiert, Spulen werden geordnet und Schach gespielt. Ich selbst bin im Schach schwach. Der werte Colonel und das smarte Fräulein Doktor flirten miteinander. Tzt, tzt!

Dann ein Blick aus dem Fenster: ein immer größer werdender roter Punkt, der einen radioaktiven Meteoriten darstellen soll, schwirrt vorbei. Alles Routine für unseren erfahrenen Col. O’Banion. Ein anderer roter Punkt wird sichtbar: der Mars.  

Zunächst: Totenstille auf dem roten Planeten. Kein Mucks, kein Lebenszeichen. Doch der renommierte Prof. Getell ist sich sicher: „Die Atmosphäre ist so, wie wir sie uns vorgestellt haben: Außerordentlich dünn. Zu wenig Sauerstoff für unseren Bedarf, aber genug für einheimische tierische Lebewesen.“ Und wer jetzt denkt: Pah, auf dem Mars gibt’s doch kein Leben, soll sich von des weisen Professors Worten eines besseren belehren lassen. Die sonst so gestandene Dr. Ryan bekommt jedenfalls einen heillosen Schrecken, als sich einer der Marsbewohner im Bordfenster zu erkennen gibt: „Es war wie eine ungeheuer verzerrte Maske mit drei… drei herausquellenden Augen!“ Nix da mit kleine, grüne Menschen! Neugierig, wie Weltraumfahrer nun mal sind, beschließt man, mal nach dem rechten zu schauen. Und ab dem Punkt, wo Col. O’Banion und sein Team den Mars betreten, flammt der Film erst richtig auf. Vergesst TOTAL RECALL! Vergesst MISSION TO MARS und GHOSTS OF MARS! Vergesst erst recht RED PLANET! Die überzeugendste Ansicht der Mars-Landschaft bietet nur WELTRAUMSCHIFF MR1 ANTWORTET NICHT. Zumindest aber die bizarrste:  

„Einzig bemerkenswert an diesem Streifen ist eigentlich nur die Erst- und Letztanwendung des sogenannten Cinemagic-Verfahrens, das auf der Einfärbung des Negativs beruht. Der Erfolg: schmerzende Augen beim Zuschauen.“ (Rolf Giesen & Ronald M. Hahn, DIE SCHLECHTESTEN FILME ALLER ZEITEN)  

Wo Männer noch Männer sind: Kaum den ersten Schritt auf den Mars getan, posiert Col. O’Banion freudig lächelnd für einen Weltraum-Schnappschuss, der später mal ins persönliche Poesie-Album kommt. Der Löwe pisst an den Baum – und gestandene Männer wie Col. O’Banion stehen davor und posieren mit ihren Waffen. So markiert jeder auf seine Weise sein Revier. Auf dem Mars gibt’s natürlich keine Löwen. Das wäre zu einfach, denn die könnten O’Banion und Jacobs mühelos abknallen und der Film wäre schnell vorbei. Auf dem Mars gibt es eine ganz andere Art von Leben, zumindest spüren es unsere vier tapferen Weltraumfahrer bald am eigenen Leib, dass nicht alles, was bewegungslos ist, auch leblos sein muss. Siehe am Beispiel von Ottfried Fischer, der gut in diese obskure Mars-Szenerie passen würde. Vor den entsetzten Augen der (noch vierköpfigen) Besatzung und des Zuschauers geben sich die Bewohner des Mars bald zu erkennen. Es tauchen u.a. auf: eine fleischfressende Pflanze mit Fangarmen, ein röchelndes Krakenvieh mit greifenden Tentakeln und eine groteske Spinnen-Krebs-Fledermaus-Ratten-Mutation.  

Zusammen mit der wirklich einmaligen Mars-Landschaft (so etwas sollte es in der Filmgeschichte nie wieder geben) und ihren grotesken Bewohnern erleben wir hier die kreativste Ausgeburt aller wilden Pulp-Phantasien. Schwungvoll inszeniert von dem gebürtigen Dänen Ib Melchior, der uns auch den umwerfenden 2071 – MUTAN-BESTIEN GEGEN ROBOTER schenkte. Das beherzte Spiel der Darsteller kommt besonders in den Monsterszenen zum Tragen, nämlich wenn sie unentwegt mit groß glotzenden, weit aufgerissenen Augen in die Kamera stieren. Wo andere Schauspieler denken „Augen zu und durch!“, heißt es hier: „Augen auf und durch!“ Das nenn’ ich schauspielerische Hingabe.  

  • Les Tremayne und Jack Kruschen sah man bereits 1953 in einem ganz anderen Science-fiction-Film: KAMPF DER WELTEN. Die Welt ist ein Dorf.
  • „Die Farbgebung ist so unmöglich, daß man sich fragt, wie so etwas aus der Kopieranstalt kommen konnte.“ (FILMBEOBACHTER)
  • „Regisseur Melchior schuf in diesem ansonsten wenig bemerkenswerten Film mit dem rosa Tönungsprozess von Cinemagic eine wahrhaft interessante Ansicht des Planeten Mars. Obwohl die Wüstenaufnahmen die üblichen Krater und Felsen zeigen, besitzt der Planet auch dichte Dschungel voller tentakelbewehrter Pflanzen, Städte, deren Gebäude sich bis in die Wolken strecken und einen See, der – weil es keinen Wind gibt – wie ein perfekter Spiegel aussieht.“ (SCIENCE FICTION ENZYKLOPÄDIE)
  • „Ansonsten lebt Ib Melchiors Science-fiction-Trash-Movie, das seinerzeit durchaus ernst gemeint war, von ein paar ziemlich alptraumhaften Horrorszenen und von der phantasievollen Darstellung des Mars. Dies wurde erreicht durch den Einsatz des sogenannten Cinemagic-Verfahrens, bei dem Positiv- und Negativbild übereinander gelegt und eingefärbt werden.“ (Frank Trebbin, DIE ANGST SITZT NEBEN DIR)
  • ,,Eine Frau und drei Männer landen auf dem Mars, wo sie gegen fürchterliche Kreaturen kämpfen – und unentwegt mit großen Augen in die Kamera starren.“ (TV SPIELFILM)
  • „Gerupft und gezaust, zogen die Pioniere wieder ab und nahmen die Mahnung der Marsianer mit, von weiteren Belästigungen doch bitte abzusehen.“ (Harald Keller, SCHRÄG, SCHRILL, SCHARF UND SCHUNDIG)


   

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