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FLUG 93 “Wahrscheinlich ist ein Sportflugzeug ins World Trade Center gerast...” USA 2006 / O: „United 93“ / Prod.: Universal Pictures, Working Title Films, Studio Canal, Sidney Kimmel Ent. / Laufzeit: 107 Min. / FSK: ab 12 Regie + Buch: Paul Greengrass / Musik: John Powell / Kamera: Barry Ackroyd / Schnitt: Clare Douglas, Richard Pearson, Christopher Rouse / Ausf. Prod.: Liza Chasin, Debra Hayward / Prod.: Paul Greengrass, Lloyd Levin, Tim Bevan, Eric Fellner Darsteller: David Alan Basche (Todd Beamer), Susan Blommaert (Jane Folger), Christian Clemenson (Thomas E. Burnett, Jr.), David Rasche (Donald Freeman Greene), Gregg Henry (Col. Robert Marr), Polly Adams (Deborah Welsh), Trish Gates (Sandra Bradshaw), Nancy McDoniel (Lorraine G. Bay), Liza Colón-Zayas (Waleska Martinez), Denny Dillon (Colleen Fraser), Olivia Thirlby (Nicole Carol Miller), Lewis Alsamari (Saeed Al Ghamdi), Omar Berdouni (Ahmed Al Haznawi), Jamie Harding (Ahemd Al Nami), Khalid Abdalla (Ziad Jarrah), Cheyenne Jackson (Mark Bingham), Michael J. Reynolds (Patrick Joseph Driscoll), John Rothman (Edward P. Felt), Michael Bofshever (John White), J. J. Johnson (Captain Jason Dahl), Gary Commock (First Officer LeRoy Homer) sowie Richard Bekins, Ray Charleson, Lorna Dallas, Trieste Dunn, Kate Jennings Grant, Peter Hermann, Tom O’Rourke, Simon Poland, Chip Zien u.a. | Da fragten sich einige, vielleicht zu recht, ob es denn nun wirklich sein muss, einen Film über die Ereignisse des 11. September 2001 zu drehen. Ja, es muss sein. Es schreit geradezu danach, dieses Datum filmisch entsprechend zu verarbeiten. Es ist wichtig und richtig, alles andere wäre nur Augenwischerei und Heuchelei – selbst wenn man einen Nicholas Cage als Feuerwehrmann in Oliver Stone’s WORLD TRADE CENTER in Kauf nehmen muss. Sie kamen, die Filme über den 11. September. Wie es zu erwarten war. Doch Paul Greengrass hat alles richtig gemacht. Keine Heldenklischees, keine Effekthascherei, kein Pathos, kein patriotisches Gesülze; sein Film ist frei von politischen und religiösen Botschaften und Erklärungsversuchen. Im halbdokumentarischem Stil schildert Greengrass, anhand von Cockpit-Aufzeichnungen und heimlichen Telefonaten der Passagiere mit ihren Angehörigen, die Ereignisse an Bord des Fluges 093 von New York nach San Francisco, der einzigen der vier Todesmaschinen, die an diesem Tag ihre Mission nicht erfüllen konnte. Während die drei anderen entführten Maschinen ihr Ziel erreichten und ins World Trade Center und das Pentagon stürzten, brachten die Passagiere die vier Selbstmordattentäter von ihrem Kurs, das Weiße Haus, ab. Es war der Mut der Verzweifelten. Um 10.06 Uhr krachte der Flug 093 auf einem Feld in Pennsylvania nieder. Keiner überlebte. Greengrass verzichtete auf Hauptdarsteller und – Gott sei Dank! – auf die übliche Katastrophenfilmdramaturgie, die lästige Einzelschicksale und Privatprobleme in den Vordergrund stellt. Die Bezeichnung „Katastrophenfilm“ ist in diesem Fall auch unangebracht: Es ist ein Drama, eine menschliche Tragödie. Nüchtern, sehr authentisch und beklemmend realistisch ist FLUG 93 ein Film, der umso fesselnder und zermürbender ist, gerade weil der Ausgang der Geschichte hinlänglich bekannt ist. Greengrass wechselt hin und her, als ob Himmel und Erde ganz nah beieinander sind: er zeigt die Ratlosigkeit der Flugsicherheitsbehörde über mehrere entführte Passagiermaschinen, die Hilflosigkeit des Militärs und die schockierten Gesichter, als sie entsetzt auf CNN mit ansehen müssen, wie das zweite Flugzeug in den anderen Zwillingsturm kracht. Der Einsatzbefehl darüber, ein entführtes Flugzeug abschießen zu dürfen, wird dringend erwartet und bekommt eine erschreckende Aktualität. Geradezu unheimlich, wie sich der Horror langsam, aber stetig in ganz normale Alltagsroutine schleicht, was die lebendige Kamera nüchtern festhält: die Vorbereitungen vor dem Flug, ein verspäteter Passagier in Eile, die Fluggäste, wie sie quatschend auf den Start warten, Piloten und Stewardessen, die in belanglosen Gesprächen Urlaubs- und Familienplanungen kund tun. Unter ihnen: vier betende Islamisten. Es ist ein ganz normaler Tag. Das Greengrass das Geschehen in Echtzeit ablaufen lässt, macht FLUG 93 umso intensiver. Ein Film, den man so schnell nicht vergisst. Ein Meisterwerk! - Was man Greengrass auch zugute halten kann, ist, daß er auf jegliche Starpower verzichtete und fast durchweg auf weniger bekannte Gesichter setzte, die die Geschichte umso authentischer werden lassen. Trotzdem lassen sich noch Leute wie David „Sledge Hammer“ Rasche und Gregg Henry (THE SLITHER) entdecken.
- „Geradlinig und hoch emotional – Paul Greengrass ist es gelungen, den Eindruck von unfassbarem Grauen zu vermitteln, und das ohne Pathos.“ (Angela Zierow, 06/2006)
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